Ihr Buch liegt nun in gedruckter Form in der digitalen Auslage von Amazon. Damit es auch seinen Weg zu den Lesern von E-Books findet, müssen Sie es noch bei Kindle Direct Publishing verlegen.
In den ersten zwei Teilen der Serie zur On-Demand-Veröffentlichung eigener Bücher ging es um das Erstellen des Manuskripts mithilfe von Libre- oder OpenOffice und um das Veröffentlichen des Werks als gedrucktes Buch bei CreateSpace. Im letzten Teil bereiten Sie nun Ihr Werk für die Veröffentlichung als E-Book bei Kindle Direct Publishing [1] vor und stellen es in Amazons digitalen Buchladen ein. Zudem geben wir Autoren von mathematisch-naturwissenschaftlichen Werken Tipps zum Setzen von Formeln, wohlformatierten Tabellen und Bildern mit Querverweisen an die Hand.
Manuskripte exportieren
Kontrollieren Sie Ihr formatiertes Manuskript noch einmal in Libre/OpenOffice Writer: Stimmt nach wie vor die Formatierung aller Seiten? Stehen alle Grafiken noch am angedachten Platz? Versichern Sie sich abermals, dass sich nicht durch Änderungen in letzter Sekunde noch Rechtschreibfehler eingeschlichen haben, und aktualisieren Sie das Inhaltsverzeichnis noch ein letztes Mal.
Anschließend speichern Sie das Manuskript im HTML-Format ab (Abbildung 1). Aktuelle Ausgaben von Libre- und OpenOffice erzeugen dabei lediglich eine große HTML-Datei, die sämtliche Abbildungen Base64-codiert enthält. Bei älteren LibO/OO-Versionen erhalten Sie dagegen zusammen mit der HTML-Datei eine Vielzahl von Bildern – wählen Sie dann als Zielort für den HTML-Export am besten ein Unterverzeichnis des Manuskriptordners aus. Für den Datenversand packen Sie beide Exporte am besten in eine ZIP-Datei.

Abbildung 1: Den Export des Manuskripts lassen Sie Libre- oder OpenOffice am besten in einen eigenen Ordner abspeichern.
Kindle Direct Publishing
Zum Einstieg benötigen Sie erst einmal einen Zugang zu Amazons E-Book-Publishing-Plattform. Als Amazon-Kunde melden Sie sich dazu lediglich mit Ihrem Amazon-Konto dort an, ansonsten fragt KDP die üblichen Kontaktdaten ab. Nun könnten Sie mit dem E-Book-Projekt starten, allerdings müssen Sie nicht zwangsweise wieder bei null beginnen.
Der Buch-Druckassistent von CreateSpace hat Sie abschließend gefragt, ob Sie Ihr Projekt auch bei KDP veröffentlichen möchten – an dieser Stelle setzen Sie am besten wieder an und übertragen das Buch-Projekt zu KDP. Der Vorteil dieser Methode gegenüber einem vollständigen Neuanfang bei KDP liegt darin, dass Sie sich um Buchcover und die Buchdaten nicht weiter kümmern müssen.
Den eigentlichen Inhalt des Buchs übernehmen Sie trotz der Option eines PDF-Austauschs am besten nachträglich händisch über die im HTML-Format exportierte Datei. Sie sollten den PDF-Transfer nach Erfahrung des Autors auf jeden Fall dann meiden, wenn Sie in Ihrem Buch Formeln und Tabellen benutzen: Hier klemmt es beim Datentransfer von CreateSpace in Richtung KDP gerne.
Zurück zum Gedruckten
Im ersten Schritt melden Sie sich daher erneut bei CreateSpace an und öffnen das bereits veröffentlichte Buchprojekt wieder. Dort finden Sie den Eintrag Publish on Kindle noch unbearbeitet vor (Abbildung 2). Die Verknüpfung führt über eine kurze Erklärung weiter zur Webseite des Kindle-Publishing-Dienstes. Den Publikationsvorgang bei KDP dürfen Sie im Übrigen auch dann schon anstoßen, wenn sich das CreateSpace-Buchprojekt noch in der Überprüfung befindet. Tippen Sie in diesem Fall einfach auf Take me to Kindle Direct Publishing now.

Abbildung 2: CreateSpace ermöglicht, das bereits gefüllte Buchprojekt direkt nach Kindle Direct Publishing zu exportieren.
Anschließend müssen Sie die Frage beantworten, wie CreateSpace den Inhalt des Buchs übertragen soll. Der Dienst warnt Sie eindrücklich, dass PDF nicht das optimale Dateiformat darstellt. Wählen Sie daher die Variante I will upload a separate interior file to KDP, und laden Sie später die gerade aus LibreOffice exportierten HTML-Daten hoch. Bevor jedoch der eigentliche Publikationsvorgang bei KDP beginnt, müssen Sie die Rechte an Ihrem Buch erklären und wählen, ob Sie das E-Book mit einer digitalen Rechteminderung versehen möchten. CreateSpace überträgt das Buch danach als neues E-Book-Projekt zu KDP, wo es mit einem CreateSpace-Icon markiert direkt in Ihrem KDP-Account erscheint.
Klicken Sie nun auf den neuen Buchtitel und beginnen Sie damit, das E-Book mit Leben zu füllen. Amazon sollte melden, dass das Cover erfolgreich von CreateSpace übertragen wurde und dass Sie mit dem Hochladen der Inhaltsdatei beginnen dürfen. Wählen Sie dazu die aus dem Office-Export entstandene ZIP-Datei aus und laden Sie diese hoch. Unmittelbar nach dem Datentransfer bietet Ihnen Amazon eine Vorschau an, die einen ersten Eindruck des E-Books auf verschiedenen Kindle-E-Book-Readern liefert (Abbildung 3). Andere Lesegeräte unterstützt Amazon erwartungsgemäß nicht. Für Tests auf fremden Readern oder in E-Book-Software wie Calibre lässt sich die E-Book-Datei allerdings auch herunterladen.

Abbildung 3: Die Vorschau nach dem Datenimport zeigt Ihnen, welchen Eindruck Ihr Buch auf den verschiedenen Kindle-Geräten macht.
Gefallen Ihnen die Ergebnisse in der Vorschau, prüft Amazon im nächsten Schritt nochmals, ob Sie die zur Veröffentlichung nötigen Rechte besitzen. Abschließend folgt (ähnlich wie bei CreateSpace) das Festlegen der Tantiemen. Dann übernimmt Amazon das Kommando und stellt nach einer Überprüfung das E-Book meist innerhalb von 24 Stunden ins virtuelle Verkaufsregal.
Tipps und Tricks
Die Kombination aus den beiden Libre/OpenOffice-Programmen Writer und Draw erweist sich in der Praxis als äußerst vielseitig. Im Zug der Publikation benötigen Sie allerdings unterschiedliche Formate mit entsprechenden Anforderungen. Im Inhaltsverzeichnis des gedruckten Buchs dürfen Seitenzahlen nicht fehlen, im Inhalt des E-Books suchen die Leser hingegen Links zu den jeweiligen Kapiteln.
Diesen Umstand berücksichtigen Sie, indem Sie das Inhaltsverzeichnis der Manuskriptdatei mit Seitenzahlen erstellen. Beim Export der E-Book-Dateien bereiten Sie den Inhalt dann gesondert vor, wofür sich zwei Wege anbieten:
- Für Puristen: Speichern Sie eine zweite Manuskriptdatei ab, in der Sie das Format des Inhaltsverzeichnisses ändern – Sie entfernen dort am Ende einfach die Seitenzahlen. Exportieren Sie diese Manuskriptdatei dann nach HTML, fehlt die Paginierung, die Hyperlinks bleiben aber erhalten.
- Für Praktiker: Da der Writer auch den Umgang mit HTML-Dateien beherrscht, öffnen Sie die exportierte HTML-Datei noch einmal in Writer. Dort entfernen Sie die Seitenzahlen am Ende jeder Zeile des Inhaltsverzeichnisses einfach von Hand. Falls Sie nicht gerade an einem Werk im Format von “Krieg und Frieden” schreiben, gelingt das meist schneller, als das Format des Inhalts anzupassen.
Für einen ewigen Quell an zweifelhafter Freude beim Setzen sorgen mathematische und chemische Formeln – Autoren naturwissenschaftlicher Publikationen können ein Lied davon singen. Mathematische Formeln und Gleichungen verursachen dabei meist die geringsten Probleme: Sie erstellen sie einfach mit dem internen Formeleditor des Libre/OpenOffice-Pakets. Er bettet die Formeln beim Export ins PDF- und HTML-Format einfach als Bild ein. Dennoch lassen sich die Formeln jederzeit wieder bearbeiten.
Mehr Ärger macht üblicherweise der Satz chemischer Formeln. Dort helfen nur Spezialprogramme wie GChemPaint [2] aus den Gnome Chemistry Utils [3] oder ähnliche Programme, in welchen Sie die entsprechenden Strukturen zeichnen und als Bilder exportieren (Abbildung 4).

Abbildung 4: Mit dem in den Gnome Chemistry Utils enthaltenen GChemPaint erstellen Sie auch aufwendige Strukturformeln ohne großen Aufwand.
Tabellen bereiten Libre/OpenOffice Writer beim Export nach PDF oder HTML keine Probleme. Allerdings sollten Sie bei allen eingebetteten Elementen – also Formeln, Tabellen und Bildern – darauf achten, dass Sie die Objekte am Absatz verankern und Bilder nicht etwa von Text umfließen zu lassen. Etwas Umsicht sorgt spätestens beim Export dafür, dass Sie keine bösen Überraschungen erleben.
Fazit
Nach diesem dritten Teil der Serie zur On-Demand-Veröffentlichung steht Ihr Buch mithilfe von Kindle Direct Publishing bei Amazon nun auch im E-Book-Katalog. Für maximalen Lesespaß auf dem E-Book-Reader sorgen ein optimiertes Inhaltsverzeichnis und sorgfältiges Verankern von Bildern, Formeln und Tabellen an den Absätzen des Texts. Das erspart Ihnen viel Arbeit und Ihren Lesern großen Ärger.
Zusammenfassend gilt, dass im Rahmen jedes Buchprojekts das Schreiben des Manuskripts die meiste Zeit in Anspruch nimmt. Je besser Sie die Manuskriptdatei strukturieren, desto höher liegen die Chancen auf ein gelungenes Buch. Ein einmal abgeschlossenes Manuskript zu konvertieren und bei CreateSpace und KPD zu veröffentlichen, dauert etwa einen Tag. Keine 24 Stunden später steht Ihr Werk üblicherweise in den (digitalen) Regalen – das alles ohne einen einzigen Cent eigenes Kapital.
Der Autor
Karl Sarnow ist seit den Tagen des TRS-80 Model 1 ein Fan des eigenen Computers. Der heute pensionierte Lehrer für Mathematik, Physik und Informatik veröffentlichte bereits diverse Bücher ganz konventionell bei Verlagen. Inzwischen publiziert er in eigener Regie über CreateSpace und KDP.
Infos
[1] Kindle Direct Publishing: https://kdp.amazon.com
[2] GChemPaint: http://www.nongnu.org/gchempaint
[3] Gnome Chemistry Utils: http://gchemutils.nongnu.org






Ich habe schon einige Werke über Amazon/CreateSpace veröffentlicht (aber nicht nur, siehe https://drstefangeorg.wordpress.com/veroeffentlichungen/) und kann nur sagen, dass die Veröffentlichungsprozesse wirklich unkompliziert sind. Das ist sicherlich ein großer Vorteil. Nachteilig ist die fehlende Anbindung an den deutschen Buchhandel.
Ich veröffentliche inzwischen einige kostenlose eBooks auf https://meine-ebooks.de. Insbesondere bietet sich mir dadurch auch die Möglichkeit, einzelne Kapitel aus meinen Büchern zu nutzen, um die Veröffentlichungen zu bewerben.