Aus den schönsten Urlaubsbildern präsentable Fotobücher zu erstellen, liegt voll im Trend. Wer sich ein wenig mit Scribus und Gimp auseinandersetzt, braucht dafür nicht einmal die Software eines Dienstleisters zu bemühen. Der Lohn der Mühe ist ein individueller Look.
Vor wenigen Jahren war es noch schwierig, überhaupt einen Anbieter zu finden, der Fotobücher aus frei erstellten Dateien druckte. Heute fällt das nicht mehr schwer: Als Format kommt dabei PDF zum Einsatz, das einen reibungslosen Transport der Daten ermöglicht und beim Empfänger das gleiche Ergebnis liefert wie auf dem eigenen PC.
Die Auswahl der Anbieter reicht von den zahlreichen Online-Druckereien, die zum großen Teil auch Fotobücher produzieren, bis hin zu Großlaboren wie Cewe [1] und bei Fotografen beliebten Spezialisten wie Whitewall [2] oder Saal Digital [3].
Erstellen Sie Fotobücher mit einer speziellen Gestaltungssoftware, dann binden Sie sich immer an einen Anbieter, da die Software den Export der Daten in andere Programme oder Formate nicht vorsieht. Ähnlich verhält es sich allerdings auch bei Anbietern, die PDFs verarbeiten: Deren Produktbemaßungen unterscheiden sich derart stark voneinander, dass Sie sich vor dem Erstellen des Buchs auf einen festlegen sollten.
Qual der Wahl
Bevor Sie sich an die Arbeit machen, wählen Sie entsprechend den Anbieter aus, der Ihr Fotobuch später zu Papier bringen soll, und legen das Buchformat fest. Wenn Sie Fotos in unterschiedlicher Ausrichtung verwenden, empfiehlt sich ein quadratisches Format. Legen Sie den Schwerpunkt etwa auf überwiegend querformatige Landschaftsbilder, sollten Sie ein entsprechendes Format wählen, ebenso wenn sie in erster Linie hochformatige Porträts verarbeiten.
Auch sollten Sie bereits eine ungefähre Vorstellung der Foto- beziehungsweise Seitenanzahl haben. Davon hängt nämlich der Buchrücken des Covers ab, dessen Maße sich daran anpassen. Dieses legen Sie aber grundsätzlich separat am Schluss an, wenn der genaue Umfang des Buchs feststeht.
Alle Anbieter geben Ihnen sehr konkrete Maßvorgaben zur Hand [4], nach denen Sie das Fotobuch und Cover erstellen. Manche bieten auch entsprechende Vorlagen zum Herunterladen an, in der Regel aber als Dateien für Adobe Indesign oder Illustrator, die sich unter Linux nicht ohne Weiteres verwenden lassen. Scribus gestattet zwar den Import von Illustrator-Dateien, der aber in der Regel nur dann fehlerfrei funktioniert, wenn diese nicht zu aufwendig ausfallen.
Für diesen Workshop entschieden wir uns für ein Buch im Format 30×30 cm, da dieses genügend Möglichkeiten für verschiedene Formen und Anordnungen bietet. Die Größe erlaubt zudem auch das Zeigen von Fotos mit vielen Details.
Seiten anlegen
Da der Workshop fast ausschließlich mit Fotos arbeitet, würde es sich anbieten, Gimp zu nutzen. Allerdings erzeugt das Programm keine PDF-Dateien, die sich als Druckvorlage eignen, wie sie Druckereien für eine korrekte Umsetzung des Fotobuchs benötigen. Deswegen kommt Scribus zum Einsatz.
Die Gestaltung des Fotobuchs startet bei den Innenseiten. Die für unser Projekt ausgewählte Druckerei gibt als Maße für die Seiten 300 mm Breite und 294 mm Höhe vor, dazu kommt eine Beschnittzugabe von 3 mm.
Beim Cover-Dokument fällt die Beschnittzugabe noch etwas breiter aus, da es ja auch um die Deckel des Fotobuchs herumgeschlagen wird, sodass es noch etwas mehr Raum benötigt. Auch hier sollte ein Hintergrundbild bis an den äußersten Rand heranreichen.
Beim Start von Scribus öffnet sich automatisch der Dialog zum Einrichten einer neuen Seite, alternativ verwenden Sie [Strg]+[N]. Stellen Sie zunächst unter Optionen die Maßeinheit auf Millimeter ein. Jetzt legen Sie die Breite und die Höhe des Dokuments fest sowie unter Anschnitt die Beschnittzugabe (Abbildung 1).
Von der Fotobuch-Software großer Hersteller kennen Sie eventuell die Vorlagen, bei denen es unzählige Varianten zum Verteilen mehrerer Fotos auf einer Einzelseite gibt. Falls Sie eine einheitliche Anordnung der Bilder wünschen, bietet Scribus mit Musterseiten beziehungsweise Vorlagen eine passende Lösung an (siehe Kasten “Vorlagen und Musterseiten”).
Vorlagen und Musterseiten
Je nachdem, ob Sie ihr Fotobuch aus Einzelseiten zusammensetzen wollen oder mehrere Seiten in einem einzelnen Dokument vereinen, bietet Scribus entweder Vorlagen oder Musterseiten an. Mit Vorlagen erstellen Sie jeweils ein neues Dokument, daher eignet sich diese Methode für Einzelseiten. Musterseiten verwenden Sie innerhalb eines Dokuments, um eine Seite mit vorgefertigten Elementen zu füllen, etwa Hintergründen oder Bild- und Textrahmen.
Um eine Vorlage zu erstellen, öffnen Sie zunächst ein neues Dokument, das Sie mit den gewünschten Elementen füllen. Speichern Sie das Dokument danach über Datei | Als Vorlage speichern ab. Im Speicherdialog legen Sie fest, ob Scribus die Datei komprimieren und Schriften sowie Farbprofile mit einbetten soll.
Um eine Vorlage zu verwenden, öffnen Sie den Dialog Datei | Neu aus Vorlage. Der Dialog Erstellen zeigt dann auf das Vorlagenverzeichnis. Unter Eigene Vorlagen finden Sie alle von Ihnen für das Projekt erstellten Vorlagen.
Musterseiten (Abbildung 2) erstellen Sie in einem separaten Dialog. Solche Seiten sind stets an ein bestimmtes Dokument gebunden. Deswegen öffnen Sie zunächst ein Dokument und dann den Musterseiten-Dialog mittels Bearbeiten | Musterseiten. Er zeigt Ihnen alle vorhandenen Musterseiten an, inklusive der Normal-Seite, die nur die Maße des übergeordneten Dokuments enthält. Legen Sie nun eine neue Musterseite über den entsprechenden Button im fliegenden Fenster Musterseiten bearbeiten an.
Scribus öffnet automatisch eine leere Seite, die Sie nun mit den gewünschten Elementen füllen. Die Musterseite sichern Sie über den normalen Speichern-Befehl.
Vorhandene Musterseiten verwenden Sie auf zweierlei Weise. Nach dem Öffnen einer leeren Seite rechtsklicken Sie in die Seite und wählen aus dem Kontextmenü Musterseite anwenden aus. Danach erscheint eine Auswahl der hinterlegten Musterseiten. Legen Sie eine neue Seite an, steht Ihnen im Dialog Erstellen die Auswahl einer Musterseite zur Verfügung.
Hintergründig
Hintergründe gestalten Sie wahlweise mit Farbflächen, Mustern oder auch Fotos. Zu den klassischen Farben für den Hintergrund zählen Weiß und Schwarz. Während sich Weiß für nahezu alles eignet, bietet sich Schwarz bei stark bearbeiteten Fotos an, die besonders edel wirken sollen. Ansonsten liegen Pastellfarben wie Gelb, Lindgrün, Hellblau und sogar Pink im Trend. Reine Farbflächen wirken aber oft etwas trist, und so liegt es nahe, gemusterte Farbflächen zu verwenden.
Eine gute Quelle für hochwertige und aufwendige Hintergründe bietet Deviantart [5]. Einfache Strukturen und gemusterte Farbflächen erstellen Sie sehr leicht mit Gimp, reine Farbflächen ermöglicht Scribus dagegen selbst. Legen Sie dazu einen Bildrahmen an. Öffnen Sie im Kontextmenü die Eigenschaften und wählen Sie dort eine Farbe aus. Soll diese nicht voll decken, regeln Sie in den Transparenzeinstellungen die Deckkraft herunter. Vor allem, wenn Sie Ihr Fotobuch später beschriften möchten, kommt das der Lesbarkeit der Texte zugute.
Die eigenen Fotos bieten häufig gute Motive, um sie als Hintergrund zu verwenden. Aufnahmen vom Meer oder den Bergen eignen sich perfekt als Hintergrund, sofern sie nicht zu viel störendes Beiwerk enthalten. Ein Sport-Event bringt oft das leere Stadion als passenden Hintergrund mit, und selbst Stadtansichten eigenen sich, solange es sich um eher großflächige Motive handelt.
Ziehen Sie dafür im Dokument einen Bildrahmen über die Seitenbereiche hinaus auf. [Strg]+[I] öffnet einen Auswahldialog, aus dem Sie das gewünschte Bild laden. Aus dem Kontextmenü wählen Sie danach Bild an den Rahmen anpassen. Das erlaubt es Ihnen, die Aufnahme beliebig in der Größe zu variieren. Anschließend positionieren Sie das Bild via Drag & Drop an der gewünschten Stelle.
Platzieren Sie das erste Foto so, dass daneben noch Platz für ein oder zwei weitere Aufnahmen bleibt. Fügen Sie dafür einen zweiten Bildrahmen ein und füllen Sie diesen mit einem weiteren Foto. Je nachdem, was für ein Fotobuch Sie anlegen, sollten Sie mit dieser Art Gestaltung vorsichtig umgehen. Wollen Sie Stimmungen wiedergeben, eignet sich diese Darstellungsform gut. Möchten Sie den Schwerpunkt jedoch eher auf die Fotos richten, verwenden Sie besser eine andere. Hinweise, wie Sie die Aufnahmen in Gimp für diese Aufgabe optimieren, finden Sie im Kasten “Fotos vorbereiten”.
Fotos vorbereiten
In Scribus skalieren Sie Fotos innerhalb der Bildrahmen beliebig und passen gegebenenfalls die Ausschnitte an. Sie beschleunigen das Erstellen des Fotobuchs jedoch erheblich, indem Sie die Bilder bereits in Gimp soweit zurechtschneiden, dass nur die wichtigen Bildelemente im Foto zurückbleiben. Zum einen müssen Sie dann in Scribus weniger “basteln”. Zum anderen reduziert dieses Vorgehen die Datenmenge, was später in einer höheren Arbeitsgeschwindigkeit der Software resultiert (vom Hochladen der Daten ganz zum Schluss einmal ganz abgesehen).
Eine andere Anpassung betrifft den Farbraum. Lassen Sie ihr Fotobuch bei einem Foto-Spezialisten belichten, dann benötigen Sie Bilder im RGB-Farbraum, mit dem die gesamte Verarbeitungskette zurechtkommt. Lassen Sie Fotobuch dagegen bei einer Druckerei herstellen, erwartet diese die Bilddaten mit CMYK-Farbraum. Das stellt unter Linux insofern ein kleines Problem dar, als Gimp diesen nicht kennt. Für Abhilfe sorgt das Plugin Separate+ [6]. Es ist jedoch recht umständlich zu handhaben, weswegen wir es nur den Anwendern empfehlen, die regelmäßig damit arbeiten.
Ein anderer Weg führt über die Kommandozeilensoftware ImageMagick, die zum Standardrepertoire aller großen Linux-Distributionen gehört. Mit dem folgenden Befehl wandeln Sie ein JPEG-Bild von RGB nach CMYK um:
$ convert -profile /Pfad/zu/USWebCoatedSWOP.icc RGB-Bild.jpg CMYK-Bild.jpg
Zum Umwandeln mehrerer Fotos integrieren Sie den Befehl am besten in ein kleines Skript und wenden es auf einen kompletten Ordner an.
Ein weiteres Problem taucht eventuell beim PDF-Export auf, wobei es darauf ankommt, welche Version Ihre Druckerei verlangt. Wollen Sie etwa ein Foto als Hintergrund mit 80 Prozent Deckkraft verwenden, erhalten Sie bei PDF 1.3 oder PDF X/A eine Fehlermeldung des Inhalts, dass Bilder Transparenzen enthalten. Mit Gimp beugen Sie diesem Problem vor.
Öffnen Sie das Foto und erstellen Sie eine neue Ebene mit Weiß als Ebenenfüllart. Schieben Sie die neue Ebene ganz nach unten. Beim Originalfoto verringern Sie jetzt die Deckkraft auf den gewünschten Wert (Abbildung 3). Über Ebene | Nach unten vereinen reduzieren Sie die Ebenen abschließend auf den Hintergrund.
Export
Um die beiden PDF-Dateien von Cover und Inhalt in Scribus zu erzeugen, wählen Sie Datei | Exportieren | Als PDF speichern. Es erscheint der Dialog Druckvorstufenüberprüfung, in dem Sie das gewünschte beziehungsweise das von der Druckerei vorgegebene Profil auswählen. Im unteren Bereich erscheinen unter Umständen Warnungen (Abbildung 4).
Während Sie Hinweise wegen fehlender Bilder geflissentlich ignorieren können, sollten Sie die Warnung Transparenz wird verwendet jedoch wie im Kasten “Fotos vorbereiten” beschrieben beachten und die Datei entsprechend der dortigen Hinweise anpassen.
Haben Sie gemäß der Druckereivorgaben sichergestellt, dass die Warnungen keinen negativen Einfluss aufs Ergebnis nach sich ziehen, klicken Sie auf Fehler ignorieren. Daraufhin öffnet sich der Dialog zum PDF-Export.
Im Reiter Allgemein passen Sie lediglich den Pfad und Namen der Ausgabedatei an. Unter Schriftarten (Abbildung 5) wählen Sie Alle einbetten. Die übrigen Standardeinstellungen passen für unseren Zweck.
Abschluss
Nach dem Export laden Sie die erzeugten PDF-Dateien auf den Server des ausgewählten Anbieters. Dieser prüft danach die Maße und Farbeinstellungen. Innerhalb einer Arbeitswoche halten Sie schließlich Ihr komplett selbst gestaltetes Fotobuch in den Händen.
Glossar
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Beschnittzugabe
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Bei der Beschnittzugabe handelt es sich um einen Bereich, den die Druckerei während des Herstellungsprozesses benötigt. Dieser sollte keine wichtigen Elemente enthalten, da er womöglich während der Produktion abgeschnitten wird. Hintergrundbilder und Fotos, die bis an den Rand des Endprodukts heranreichen sollen, setzen Sie jedoch unbedingt bis an den äußeren Rand der Seite.
Infos
[1] Cewe: http://www.cewe.de
[2] Whitewall: https://de.whitewall.com
[3] Saal Digital: http://www.saal-digital.de
[4] Whitewall Fotobuch-Spezifikationen: https://de.whitewall.com/fotobuch/pdf-zu-fotobuch/masse-und-spezifikationen
[5] Deviantart: http://www.deviantart.com
[6] Gimp-Plugin Separate+: http://registry.gimp.org/node/471





