Schlanker, einfach zu bedienender Server

Aus LinuxUser 03/2014

Schlanker, einfach zu bedienender Server

© Rajesh Rajendran Nair, 123RF

Modularer Aufbau

Mit der modular aufgebauten Server-Distribution Eisfair-NG konfigurieren und verwalten auch unerfahrene Anwender ohne Schwierigkeiten Systeme und Dienste.

Ursprünglich handelte es sich bei Eisfair um eine komplett eigenständige Distribution. Das erfordert naturgemäß sehr viel Zeit und damit Manpower für das Übersetzen der einzelnen Pakete sowie die Pflege der Paketabhängigkeiten. Daher beschritten die Macher des Projekts mit Eisfair-2 einen anderen Weg und setzten auf fertige Binärdateien.

Die konsequente Fortführung dieser Idee erlaubt den Entwicklern nun beim aktuellen Eisfair-NG, sich voll auf die Kernidee des Projekts zu konzentrieren: die einfache und schnelle Installation sowie Konfiguration des Systems sowie verschiedenster Serverdienste. Als Basis dient dabei AlpineLinux [1], eine sehr schlanke Distribution mit speziellen Security-Features, einem schnellen Paket-Installer und einer Fülle bereits vorhandener Pakete.

Installation und Betrieb von Eisfair-NG setzen keine grundsätzlichen Linux-Kenntnisse voraus und lassen sich mit einfachen und einheitlichen Mitteln erledigen.

Installation

Das Eisfair-Projekt bietet Installations-Images [2] in Versionen für 32- und 64-Bit-PCs an, als Basis dient aktuell AlpineLinux 2.7. Nach dem Booten des Installationsmediums und noch vor der eigentlichen Installation fragt das Setup (Abbildung 1) zunächst die wichtigsten Parameter ab.

Abbildung 1: Das Einrichten des Systems gestaltet sich dank der übersichtlichen Ncurses-Oberfläche auch für weniger Linux-versierte Zeitgenossen zum Kinderspiel.

Abbildung 1: Das Einrichten des Systems gestaltet sich dank der übersichtlichen Ncurses-Oberfläche auch für weniger Linux-versierte Zeitgenossen zum Kinderspiel.

Dazu zählen beispielsweise die zu verwendende Festplatte (02_Eisfair-NG_DriveSelection), Netzwerk-Einstellungen, falls kein DHCP verwendet werden soll (03_Eisfair-NG_IP), sowie das Root-Passwort. Bei den meisten Abfragen erscheinen bereits sinnvolle Vorgaben, die keiner weiteren Eingaben bedürfen.

Danach startet die Installation des Systems, die – je nach Größe der verwendeten Festplatte – nur wenige Minuten dauert. Nach einem abschließenden Neustart steht das Basis-System zum Einsatz bereit. Jetzt geht es darum, es mit den gewünschten Funktionen zu bestücken.

Server einrichten

Die gesamte Konfiguration erfolgt über ein auf Ncurses basierendes Konfigurationstool, das Sie auf der Kommandozeile via setup starten und mit den Pfeiltasten bedienen. Insbesondere die Navigation in die Untermenüs hinein und wieder heraus geht mit den Pfeiltasten sehr einfach von der Hand. Rein optisch blieb das bewährte Interface der Vorgängerversion in Eisfair-NG vollumfänglich erhalten, lediglich die rein textbasierte Konfiguration fiel weg.

Via 4 User administration öffnen Sie das Administrationsmenü zum Bearbeiten von Benutzern und Gruppen. Dort legen Sie diese mit den Funktionstasten sehr einfach an, bearbeiten und löschen sie. Benötigt ein Paket einen speziellen User-Account, legt das entsprechende Konfigurationspaket diesen automatisch an. Somit müssen Sie sich in der Regel nur um die Benutzerkonten echter Anwender kümmern, die sich am System anmelden möchten.

Die Eisfair-NG-Pakete unterscheiden sich rein technisch nicht von den ursprünglichen AlpineLinux-Paketen, teilen sich jedoch in Funktions- und Konfigurationspakete auf. Konfigurationspakete tragen grundsätzlich Namen mit dem Präfix cui-, beispielsweise cui-apache2, cui-mysql oder cui-ssmtp. Solche Pakete integrieren sich nahtlos in die Eisfair-NG-Konfigurationsschicht.

Unter dem Menüpunkt 2 Package administration (Abbildung 2) finden Sie die Optionen zum Einrichten und Entfernen von Paketen. CUI Eisfair packages listet die speziellen Eisfair-NG-Konfigurationspakete auf, All packages zeigt die Liste aller derzeit 4200 verfügbaren Pakete an.

Abbildung 2: Die Konfigurationsoberfläche erlaubt auch das Verwalten der Software. Derzeit stehen über 4200 Pakete zur Installation bereit. Allerdings liefert das Projekt nur für eine Handvoll davon grafische Einstellungsoberflächen mit.

Abbildung 2: Die Konfigurationsoberfläche erlaubt auch das Verwalten der Software. Derzeit stehen über 4200 Pakete zur Installation bereit. Allerdings liefert das Projekt nur für eine Handvoll davon grafische Einstellungsoberflächen mit.

Darüber hinaus gibt die Liste auch Auskunft darüber, ob neuere Versionen bereits installierter Pakete zur Verfügung stehen. Möchten Sie das komplette System auf den aktuellen Stand bringen, tippen Sie auf der Kommandozeile folgenden Befehl:

# apk update && apk upgrade

Das erste Kommando aktualisiert die Indizes der verwendeten Paket-Repositories, das zweite bringt alle installierten Pakete auf den neuesten Stand. Egal, ob Sie nun via CUI Eisfair packages oder All packages ein Paket installieren: Sämtliche Abhängigkeiten löst das System dabei automatisch auf. Die korrespondierenden CUI-Pakete von Eisfair richtet eine Installation des zugehörigen Servers allerdings nicht automatisch mit ein. Das müssen Sie in einem separaten Schritt erledigen. Bei der Deinstallation eines Pakets entfernt das System die bei der Einrichtung mitinstallierten Pakete ebenfalls wieder, sofern nicht ein anderes Paket diese benötigt.

Die große Vielfalt des AlpineLinux-Paket-Pools bietet die Möglichkeit, vielfältige Dienste zu installieren und zu betreiben, auch wenn dafür noch keine Eisfair-Konfiguration existiert. Allerdings nehmen Sie damit in Kauf, die Konfiguration dieses Dienstes von Hand vornehmen zu müssen. Hier ist das Eisfair-Team dankbar für jede Unterstützung, auf diese Art und Weise gelangte ein Großteil der Entwickler zum Projekt.

Dienste konfigurieren

Der Menüpunkt 3 Service administration dient der Konfiguration der installierten Dienste. Jedes Paket, das über eine Eisfair-Konfiguration verfügt, bindet sich unterhalb dieses Menüpunkts ein (Abbildung 3). Je nach Paket variiert die Liste der Menüpunkte. Zu den üblichen Einträgen für ein Paket zählen dabei die Anzeige der Dokumentation, die Konfiguration, eine Statusabfrage sowie das Starten und Stoppen des Dienstes.

Abbildung 3: Die Eisfair-Konfiguration bricht das teils heikle Setup vieler Dienste in einer grafischen Oberfläche auf das Nötigste herunter und prüft Eingaben direkt auf Plausibilität.

Abbildung 3: Die Eisfair-Konfiguration bricht das teils heikle Setup vieler Dienste in einer grafischen Oberfläche auf das Nötigste herunter und prüft Eingaben direkt auf Plausibilität.

Die Konfiguration gestaltet sich optisch stets einheitlich und bietet zu jeder Option sinnvolle Vorbelegungen. Eine integrierte Kurzhilfe (05_Eisfair-NG_PackageConfiguration01) liefert Erklärungen zu den möglichen Einstellungen. Weiterhin prüft das Interface jede vorgenommene Änderung entweder sofort oder spätestens beim Aktivieren der Konfiguration auf Plausibilität. Das vermeidet Fehlkonfigurationen so weit wie möglich.

Aktueller Stand

Die Liste der über das Eisfair-GUI verwaltbaren Dienste gestaltet sich aufgrund des recht jungen Systems noch überschaubar. Bisher stehen nur für weit verbreitete Dienste wie Apache, MySQL, SSMTP oder Bind die komfortablen Einstellhilfen zur Verfügung.

Das soll sich jedoch in Kürze ändern: In den meisten Fällen lässt sich ein Großteil der vorhandenen Logik von den bisherigen Eisfair-Paketen übernehmen, was eine Portierung erleichtert. Das erlaubt insbesondere bei einer Migration von Eisfair-1/2 zu Eisfair-NG die Konfigurationen des alten Systems weiter zu verwenden.

Ausblick

Die nächsten Schritte umfassen in erster Linie die Migration weiterer CUI-Pakete nach Eisfair-NG. Weiterhin soll das Projekt-Wiki [2] die Vorgehensweise des Paketbaus so detailliert beschreiben, dass auch externe Entwickler Pakete für Eisfair-NG erstellen können.

Darüber hinaus ist geplant, die Continuous-Integration-Umgebung [3] auf geeignete Art und Weise auch für externe Entwickler zur Verfügung zu stellen. Das bietet eine definierte Build-Umgebung für alle unterstützten Systeme, sodass der Entwickler nicht mehr unbedingt für jede Umgebung selbst ein entsprechendes Build-System aufsetzen und pflegen muss.

Da sowohl AlpineLinux als auch das Eisfair-Schwesterprojekt Fli4l [4] auf der schlanken C-Standard-Bibliothek Uclibc basieren, strebt das Projekt an, in Zukunft verstärkt Synergie-Effekte zu nutzen. 

Der Autor

Yves Schumann ist Vorsitzender des net(t)work(s) eV, des gemeinnützigen Vereins hinter Eisfair und Fli4l. Der Software-Entwickler wohnt seit 2006 in der Schweiz nahe Zürich. Er schraubt nicht nur an Computern leidenschaftlich herum, sondern auch an seinem Pickup, betreibt seit Anfang der 90er-Jahre Shotokan-Karate und gestaltet zur Entspannung Bonsai.

Infos

[1] AlpineLinux: http://alpinelinux.org

[2] Eisfair-NG: http://wiki.e-ng.Eisfair.org

[3] Continuous Integration: http://ci.nettworks.org

[4] Fli4l: http://fli4l.de

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