Wer alleine entwickelt, dem fehlen oft die Mittel für den großen Wurf. Wer aber richtig sucht, der findet auf vielfache Weise Unterstützung und macht so mehr aus dem eigenen Projekt.
Wenn Sie an einem Open-Source-Projekt mitwirken, kennen Sie das intensive, persönliche Engagement, das zum Gelingen beiträgt. Viele Nutzer wissen und schätzen das. Aus der eigenen Kraft der Entwickler gelingt aber nicht alles, zumal vielfach nur das pure Interesse am Thema oder der Umgang mit Technologien die Basis abgibt.
Nicht jeder Nutzer verfügt jedoch über die Fähigkeiten und die Zeit, um ein Projekt zu unterstützen. Verbales Feedback in Form von Fehlermeldungen schadet zwar auch nicht, macht jedoch nicht wirklich satt. Crowdfunding bietet den Entwicklern eine Chance, die notwendige Butter aufs Brot zu akquirieren [1]. Der Begriff steht für Schwarmfinanzierung und bezeichnet das gemeinsame Fördern einer Aktion [2].
Crowdfunding funktioniert jedoch nicht einfach so: Es setzt ein klares Ziel voraus, bedarf der Ansprache des richtigen Unterstützerkreises und eines Quäntchens Glück. Gelingt aber die Überzeugungsarbeit, dann steht einem Erfolg (fast) nichts mehr im Wege.
Erfolgreiche Kampagnen
Von Erfolg gekrönt war Joey Hess’ [3] Kickstarter-Kampagne für Git-annex [4]. Das ermöglichte es ihm, die Kraft eines gesamten Arbeitsjahres in das Projekt zu stecken. Ähnliches gelang Fairnopoly [5]: Die erfolgreich über Crowdfunding finanzierte und inzwischen als Genossenschaft eingetragene Berliner Auktionsplattform stellt die gesamte Basis der auf Ruby on Rails basierenden Plattform über Github bereit und ermöglicht auf diese Weise einen Blick hinter die technischen Kulissen sowie die aktive Mitarbeit.
Einen entsprechenden Versuch unternahmen auch die Entwickler des Mobiltelefons Neo900 [6], das als Nachfolger des legendären Nokia N900 gilt. Die Kampagne war erfolgreich, die Mindestsumme von 25.*000 Euro zur Produktion der Prototypen kam Anfang November 2013 zusammen (Abbildung 1). Nun suchen die Entwickler noch Sponsoren für die ersten 1000 Geräte, um den Preis pro Stück weiter zu drücken.
Michael Ossmann entwickelte das SDR-Funkmodul HackRF [7] für die Nutzung unterschiedlichster Radio- und Funkfrequenzen. Nebeneffekt der erfolgreichen Finanzierung via Kickstarter war die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, mit der er auf diese Weise sein Projekt bekannt machte. Auch das auf der Arduino-Plattform basierende UDOO-Board entwickelt sich dank der gleichen Plattform zum Erfolg [8].
Dirk Deimeke und Roman Hanhart moderieren und produzieren einen Podcast zu technischen Themen rund um Open Source [9] – bislang mit Erfolg. Um weitere Gäste in der Sendung begrüßen zu können, baten sie im November 2012 ihre Hörer um Unterstützung für die Reisekosten. Trotz aller Euphorie zeigte sich, dass der eingespielte Betrag die Kosten nicht immer vollständig abdeckt. Deimeke und Hanhart sehen Crowdfunding daher als ergänzenden Betrag, mit dem Sie zumindest bislang noch nicht vorausschauend kalkulieren.
Die Verwaltung beschreitet ebenfalls neue Wege: Das zeigt das Beispiel des Geoportals Schweiz [10]. Es informierte im Oktober 2013 über das erfolgreiche Umstellen auf die OpenLayer3-Bibliothek. Dabei steuerten Unterstützer mehr als 75 Prozent der erforderlichen Summe bei [11].
Crowdinvesting
Fiskalisch betrachtet zählt Crowdfunding zu den Beteiligungsmodellen. Es steht in einer Linie mit den Subskriptions- und Pränumerationsmodellen (Abonnement, Vorbestellung mit Vergünstigung) sowie dem Finanzieren über entsprechende Anteile (Vereine, Genossenschaften und Aktiengesellschaften). Das Prinzip ist identisch, nur die Beträge, die Haftungsrisiken und der Aufwand fallen niedriger aus.
Man unterscheidet zwischen spenden- und leihbasierter Unterstützung. Letzteres heißt Crowdinvesting (“Equity-Based Crowdfunding”), jedoch verleihen hier die Unterstützer ihre Hilfe und erhalten diese am Ende mit einem Mehrwert zurück. In allen Fällen gilt, dass jeder mit dem Anteil dazu beiträgt, der seinen Möglichkeiten entspricht. Ober- und Untergrenzen der Anteile hängen vom Projekt ab. Je nach Plattform fällt der Anteil entweder direkt nach der Zusage oder erst nach Abschluss der Kampagne an.
Zwei Varianten sind bislang verbreitet – mit und ohne erforderliche Mindestsumme. Bei der ersten Variante startet die Aktion, sobald die angepeilte Summe erreicht ist, ansonsten fallen die Anteile an die Unterstützer zurück. Die zweite Variante folgt dem Prinzip Hoffnung, und die Aktion läuft in jedem Fall. Die Finanzierung erfolgt dabei während der Umsetzung und geschieht in Form von Spenden. Ansgar Werner beschreibt dazu Näheres in seinem Buch “Krautfunding – Deutschland entdeckt die Dankeschön-Ökonomie” [12].
Als Ausgangspunkt der Aktion fungiert meist ein entsprechend hoher Leidensdruck und die Überzeugung der Unterstützer, dass mit dem Projekt vielen gedient ist. Nach dem Ende steht das Ergebnis häufig kostenfrei als Allgemeingut bereit.
Crowdfunding kam in der Vergangenheit vorrangig in den Bereichen Kunst und Kultur zum Einsatz, also bei Buchprojekten, Musik sowie Vor- und Aufführungen. Es taucht als eigenständiger Begriff in der gesellschaftlichen Diskussion erst seit etwa 2011 auf, obwohl es die Vorgehensweise seit Langem gibt.
Im Sprachgebrauch aus früherer Zeit sind die beiden Begriffe Mäzen und Sponsor verankert – also wenige Unterstützer mit größeren Anteilen. Im Gegensatz dazu basiert Crowdfunding auf eher kleineren Beiträgen in unterschiedlicher Höhe aus vielen Quellen und knüpft damit an den Stiftungs- und Wohlfahrtsgedanken an.
Die richtige Plattform
Um Unterstützer auf ein Projekt aufmerksam zu machen, hilft neben Werbung über die passenden Nachrichtenkanäle oder einer Berichterstattung in den entsprechenden Blogs das Vermarkten bei thematisch geeigneten Veranstaltungen. Die bestehenden größeren Plattformen, die auf Crowdfunding spezialisiert sind, bilden diesen Vorgang in der Regel komplett ab.
Im internationalen Vergleich haben sich Kickstarter [13], Indiegogo [14], Inkubato [15] und Betterplace [16] etabliert, spezifisch für Deutschland sind StartNext [17] und Bankless24 [18]. Letzteres legt seinen Schwerpunkt explizit auf mittelständische Unternehmen, die in Deutschland eine sehr große Rolle spielen. Berlin Crowd [19] orientiert sich hingegen auf die Hauptstadtregion. Einen größeren Überblick zu weiteren Plattformen bietet die Übersicht der IHK Berlin [20].
Spezialisiert auf Open-Source-Projekte sind Bountysource [21] und die seit Sommer 2013 bestehende Open Initiative [22]. Als prominente Vertreter beherbergt ersteres unter anderem Qt, den Cinnamon-Desktop, LibreOffice und den NetworkManager, während sich beim zweiten das Gimp-Projekt wohlfühlt (Abbildung 2).
Tipps für Empfänger
Neben einer konkreten, aussagekräftigen Präsentation des Projekts – warum und wofür bitten Sie um Unterstützung? – benennen Sie den gewünschten Betrag und die Laufzeit der Kampagne. Planen Sie für die Laufzeit der Kampagne zudem Zeit und kleine Geschenke als Dankeschön für Ihre Unterstützer ein, zum Beispiel eine Tasse oder ein T-Shirt mit dem Logo des Projekts. Während der Kampagne zeigen die Websites den bereits eingespielten Zwischenstand als Balken mit Füllstand – das motiviert unter Umständen weitere Spender.
Besondere Relevanz besitzen die Themen Versteuerung (Einkommens- oder Umsatzsteuer), rechtliche Angaben und Dokumentation. Der Kontoinhaber trägt die Verantwortung für das Konto, auf dem die Geldbeträge der Unterstützer eintreffen. Privatpersonen müssen die Beträge in der Einkommenssteuererklärung angeben. Ein Unternehmen muss sie in den zu versteuernden Betriebseinnahmen berücksichtigen, die zudem der Umsatzsteuer unterliegen.
Wer eine Crowdfunding-Kampagne bei einer der oben genannten Plattformen beginnt, sollte für deren Erfolg einen Anteil für den Betreiber der Plattform einplanen. Üblich sind hier 8 bis 10 Prozent der geworbenen Summe.
Erfolgt die Unterstützung über ein öffentlich benanntes Bankkonto, empfiehlt sich zur Absicherung ein sogenanntes Write-only-Konto, also eines ohne Lastschriftabbuchungen oder mit streng reglementiertem Zugriff zum Abheben. Damit verhindern Sie Überraschungen unliebsamer Zeitgenossen.
TIPP
Unterstützen Sie ein Projekt, lohnt es sich, alle Transaktionen zu dokumentieren und die Belege aufzubewahren. Das kann sich steuermindernd für Privatpersonen auswirken. Unternehmen profitieren jedoch nicht davon, da diese in der Regel keine Produzenteneigenschaften besitzen.
Breit gestreut
Wer selbst keinen Schwarm initiieren möchte, braucht auf die kleine Spende aus der Gemeinschaft nicht ganz zu verzichten. Hierbei geht es weniger um das Finanzieren eines konkreten Features als vielmehr um Einnahmen, die den laufenden Betrieb eines Projekts sichern.
Bei dieser Form läuft in der Regel nichts ohne digitale Boten. Ziel sollte dabei sein, dass ein möglichst geringer Betrag für die Transaktion an Dritte geht – schließlich sollte vorrangig das Projekt profitieren und nicht der dafür beauftragte Dienstleister. Für das Erbringen der Leistungen steht diesem zwar eine Vergütung zu, die aber im angemessenen Rahmen bleiben sollte.
Nach Banken und Sparkassen zählen zu den prominentesten Vertretern der Bezahldienst PayPal mit Sitz in Luxemburg sowie die Alternative Skrill [23] (vormals Moneybookers) mit Sitz in Großbritannien. Bei ersterem benötigt für Spenden nur der Zahlungsempfänger ein PayPal-Konto, nicht aber der Absender. Ihrem PayPal- oder Skrill-Konto ordnen Sie eine E-Mail-Adresse zu, die dann als Login dient.
Für die Transaktion behalten PayPal und Skrill je nach Land, Kurs und Kontentyp (privat oder geschäftlich) zwischen 3 und 5 Prozent des Betrags ein. Dafür erfolgt die Transaktion in der Regel innerhalb von wenigen Minuten – weltweit. Binden Sie ein Bankkonto an, besteht die Möglichkeit, eingegangene Beträge darauf weiterzuleiten.
Als wesentlich preiswertere Alternativen bieten sich Bitcoins [24] und FidorPay [25] an. Bei Ersterem handelt es sich um eine rein digitale Währung, beim zweiten um ein Produkt der Fidor-Direktbank. Fidor und die bekanntere Genossenschaftsbank GLS positionieren sich im Markt mit den Werten maximale Transparenz und soziale Verantwortung.
Welchen der Dienstleister Sie letztendlich nutzen, hängt von dessen Bekanntheitsgrad, vom Betrag und vom Kreis der Interessenten ab. Während PayPal nahezu weltweit bereitsteht, ist Skrill in den Commonwealth-Staaten sehr verbreitet. Bitcoins haben ihre größte Akzeptanz unter IT-affinen Menschen, während traditionell geprägte gesellschaftliche Gruppen die Idee noch mit deutlicher Skepsis beäugen – sofern sie überhaupt als Zahlungsmethode bekannt ist.
Varianten
Dienste wie Flattr [26] oder Kachingle [27] bieten Interessenten eine Möglichkeit, Kleinstbeträge über viele Projekte zu streuen. Die beiden Micropayment-Dienste erlauben es, digitale Inhalte wie Bilder, Videos oder Beiträge in Blogs zu bewerten und deren Autoren zu unterstützen.
Bei Flattr legt der Teilnehmer zuvor einen bestimmten Betrag fest, den er monatlich für Inhalte vergibt, die er für unterstützenswert hält. Bei Kachingle ist es ein Festbetrag von 5 US-Dollar. Den Betrag verteilt der Unterstützer dann per Klick auf den entsprechenden Button eines Beitrags.
Je mehr Knöpfe die Teilnehmer im Monat anklicken, in umso mehr gleiche Teilbeträge spaltet sich der Monatsbeitrag auf. Am Ende des Abrechnungszeitraums zahlt das Unternehmen die Anteile an die Autoren, welche die Teilnehmer “geflattrt” haben. Abbildung 3 zeigt die Flattr-Informationen zum Buch “Krautfunding” von Ansgar Werner.
Möchten Sie Geld für Ihr Projekt sammeln, lohnt es sich, dessen Webseite entsprechend zu gestalten. Am einfachsten binden Sie einen der oben genannten Dienste ein. PayPal bietet dazu das Erstellen von Schaltflächen mit der Aufschrift “Spenden” [28] samt HTML-Code an (Abbildung 4). Für Skrill existiert ein WordPress-Plugin [29]. Alternativ geben Sie Bankverbindung und Verwendungszweck als Text in einem Bild mit transparentem Hintergrund an, um automatisiertes Sammeln von Daten durch die Suchdienste zu erschweren.

Abbildung 4: Eine Schaltfläche zum Spenden über den Dienstleister PayPal haben Sie schnell in eine Webseite eingebunden.
Fazit
Crowdfunding bündelt den Willen vieler Unterstützer für ein Projekt. Um mediale Aufmerksamkeit zu erzeugen und davon zu profitieren, brauchen Sie eine durchdachte Kampagne, die auch die richtige Zielgruppe erreicht. Damit rückt der Erfolg in greifbare Nähe und bringt beide Seiten voran – sowohl die Entwickler, als auch die Nutzer.
Danksagung
Der Autor bedankt sich bei Wolfram Eifler, Werner Heuser, Anna Kress, Michal Bielicki, Dirk Moell, Friederike Hoffmann, Dirk Deimeke, Lars Lingner und Axel Beckert für deren Hinweise, Unterstützung und kritische Anmerkungen im Vorfeld dieses Artikels.
Über den Autor
Der Informatiker Frank Hofmann arbeitet in Berlin im Open-Source-Expertennetzwerk Büro 2.0 als Dienstleister mit Spezialisierung auf Druck und Satz. Der Mitgründer des Schulungsunternehmens Wizards of FOSS koordiniert seit 2008 das Regionaltreffen der Linux-User-Groups aus der Region Berlin-Brandenburg.
Infos
[1] Crowdfunding in Open-Source-Projekten: Dr. Matthias Stürmer (Universität Bern), Beitrag im Rahmen der OneGove GEVER Innovation Session, http://www.slideshare.net/nice/2013-0904-crowdfunding-in-open-source-projekten-online
[2] Crowdfunding und -investing: Tina Lange, Juliane Möller, Astrid Schneider, Sabrina Schomburg (TU Ilmenau), http://www.slideshare.net/Dan_Nice/berblick-crowdfundingplattformen
[3] Joey Hess, Sustaining Git-annex Development: http://campaign.joeyh.name/
[4] Kickstarter-Kampagne für Git-annex: http://www.kickstarter.com/projects/joeyh/git-annex-assistant-like-dropbox-but-with-your-own/
[5] Fairnopoly: https://www.fairnopoly.de
[6] Kampagne für das Neo900: http://neo900.org/#donate
[7] HackRF, an open source SDR platform: http://www.kickstarter.com/projects/mossmann/hackrf-an-open-source-sdr-platform
[8] UDOO-Board: http://www.udoo.org
[9] Unterstützung DeimHart und Crowdfunding: Dirk Deimeke und Roman Hanhart, Podcast Folge 42, http://deimhart.net/index.php?/archives/171-Folge-42-Unterstuetzung-DeimHart-und-Crowdfunding.html
[10] Geoportal Schweiz: http://map.geo.admin.ch
[11] OpenLayers3 – How to successfully run a crowdfunding campaign: http://www.youtube.com/watch?v=i-fm6sRnbZo&feature=share&list=PLWW0CjV-TafaBjkroiOxcQw8NdOQ_fhu2
[12] Krautfunding: Ansgar Werner, “Krautfunding. Deutschland entdeckt die Dankeschön-Ökonomie”, http://www.krautfunding.net
[13] Kickstarter: http://www.kickstarter.com
[14] Indiegogo: http://www.indiegogo.com
[15] Inkubato: http://www.inkubato.com/de/
[16] Betterplace: http://www.betterplace.org/de/
[17] StartNext: http://www.startnext.de
[18] Bankless24: https://www.bankless24.de
[19] Crowdfunding in Berlin: https://www.berlincrowd.com
[20] Crowdfunding & Crowdinvesting: http://www.ihk-berlin.de/servicemarken/branchen/Kreativwirtschaft/Foerderung_%26_Finanzierung/1801948.html
[21] Bountysource: https://www.bountysource.com
[22] Open Initiative: http://www.openinitiative.com
[23] Skrill: https://www.skrill.com/de/
[24] Transaktionskosten bei Bitcoins: https://de.bitcoin.it/wiki/Transaktionsgebühren
[25] FidorPay: http://www.fidor.de
[26] Flattr: http://flattr.com
[27] Kachingle: http://www.kachingle.com
[28] Spendenknopf für PayPal: https://www.paypal.com/de/cgi-bin/webscr?cmd=_donate-intro-outside
[29] WordPress-Plugin für Skrill: http://wordpress.org/plugins/simple-skrill/








