Wer produktiv arbeitet, nutzt die Copy-Paste-Funktion ausgiebig. Mit CopyQ erweitern Sie das Kurzzeitgedächtnis des Desktops und greifen so schnell auf kopierte Inhalte zurück.
Ob man Texte verfasst, Anwendungen programmiert oder Webseiten entwickelt: Das Kopieren und Einfügen von Inhalten gehört zu den am häufigsten verwendeten Funktionen auf dem Desktop. Dabei wäre es oft hilfreich, wenn man auch nach einer längeren Arbeitsunterbrechung auf die zuvor kopierten Inhalte zugreifen könnte, um sie erneut in ein Projekt einzubauen.
Um die Zwischenablage, in der die kopierten Inhalte lagern, um die entsprechenden Funktionen zu erweitern, gibt es Hilfsanwendungen wie CopyQ (http://sourceforge.net/projects/copyq/). Es macht aus der Zwischenablage ein gut funktionierendes Langzeitgedächtnis, aus dem Sie die Inhalte alter Kopiervorgänge jederzeit wieder aufrufen. Dazu bietet CopyQ einen durchsuchbaren und auch editierbaren Kopierverlauf, der neben reinem Text auch Grafiken und Kommandozeilenbefehle aufnimmt.
CopyQ setzt sich nach dem Start in der Systemleiste fest, von wo aus Sie mit wenigen Klicks auf kopierte Inhalte zugreifen (Abbildung 1). Um die Arbeit für erfahrene Anwender noch einfacher zu gestalten, unterstützt CopyQ verschiedene Tastenkürzel, die Sie selber über die Programmeinstellungen festlegen können.

Abbildung 1: Über das Scheren-Symbol in der Systemleiste erhalten Sie einen schnellen Zugriff auf jüngst kopierte Inhalte.
Installation
Unter Ubuntu 12.04 (“Precise”), 12.10 (“Quantal”) oder 13.04 (“Raring”) installieren Sie CopyQ bequem aus einem PPA, wozu Sie die Befehle aus Listing 1 nutzen.
Doch Vorsicht: Das im ersten Schritt hinzugefügte Repository enthält neben CopyQ auch eine ganze Reihe von anderen Paketen, die teilweise noch keinen stabilen Entwicklungsstand erreicht haben. Deswegen sollten Sie das Repo nach dem Einrichten von CopyQ sicherheitshalber wieder entfernen. Dazu nutzen Sie das Kommando aus Zeile 4 von Listing 1.
CopyQ selbst lief in allen Tests stabil und ohne Fehler. Nach der Installation starten Sie es über den Befehl copyq oder das Ubuntu-Startmenü.
Listing 1
$ sudo add-apt-repository ppa:samrog131/ppa $ sudo apt-get update $ sudo apt-get install copyq $ sudo add-apt-repository -r ppa:samrog131/ppa
Erste Schritte
Einmal gestartet, protokolliert CopyQ jeden Kopiervorgang und speichert ihn dauerhaft in einer Historie. In der Voreinstellung bewahrt das Tool die letzten 200 Einträge auf. Die vier jüngsten können Sie über das CopyQ-Symbol in der Systemleiste einfach per Mausklick einfügen. Dazu müssen Sie sich vorher mit dem Cursor an der Stelle befinden, an der Sie den Inhalt einfügen möchten, zum Beispiel in einer Textverarbeitung. Dann klicken Sie erst auf das Scheren-Icon in der Systemleiste und anschließend auf den jeweiligen Eintrag.

Abbildung 2: Das CopyQ-Fenster zeigt den kompletten Kopierverlauf an und ermöglicht das erneute Verschieben in die Zwischenablage.
Um den gesamten Kopierverlauf einzusehen, wählen Sie aus dem Menü des Panel-Icons den Punkt Zeigen/Verstecken. Daraufhin erscheint ein CopyQ-Starter im Dash und das CopyQ-Programmfenster öffnet sich mit dem Reiter Zwischenablage (Abbildung 2). Für jeden Eintrag in dieser Übersicht stehen ihnen Funktionen zur Verfügung wie das Verschieben in die Zwischenablage, um diesen woanders einzufügen.
Darüber hinaus können Sie sich anzeigen lassen, welches Format der Eintrag hat, indem Sie ihn mit der rechten Maustaste anklicken und danach Inhalt anzeigen auswählen. Das erweist sich insbesondere bei Grafiken als hilfreich, um nähere Informationen zum Format zu erhalten. Außerdem finden Sie so heraus, aus welcher Quelle beziehungsweise Anwendung der Eintrag kopiert wurde.
Mit Einträgen arbeiten
Über das Kontextmenü stehen noch weitere nützliche Funktionen zur Verfügung. So können Sie einzelne Texteinträge auch bearbeiten, abspeichern um so geändert für das spätere Einfügen vorhalten.
Um bei vielen Einträgen den Überblick zu behalten, organisieren Sie die Inhalte in Reitern. Dazu legen Sie zunächst im CopyQ-Fenster über Reiter | Neuer Reiter einen neuen Tab an und vergeben dabei gleich einen passenden Namen. Damit die Einträge in diesen Reiter gelangen, müssen Sie im CopyQ-Fenster auf ihn wechseln, was ihn aktiviert. Alle kopierten Einträge landen nun in diesem Tab.
Auf diese Weise kategorisieren Sie Einträge unter Berücksichtigung ihrer aktuellen Projekte und Interessen gleich beim Kopiervorgang. Allerdings beherrscht es CopyQ nicht ohne Weiteres, einzelne Einträge in andere Reiter zu verschieben: Dazu müssen Sie einen in CopyQ einen sogenannten Befehl einrichten.
Auf Kommando
Über solche Befehle legen Sie fest, wie die Zwischenablage mit bestimmten Inhalten verfahren soll. So können Sie zum Beispiel einen Befehl dafür einrichten, der bestimmt, in welchem Browser sich ein Weblink öffnen soll. Außerdem lassen sich auch Befehle etwa für das Verschieben in einen anderen CopyQ-Reiter einrichten oder das Generieren von QR-Code aus einer URL.
Um einen Befehl zu definieren, öffnen Sie die Programmeinstellungen, indem Sie im Menü des Panel-Icons auf Einstellungen klicken. Dort finden Sie im Reiter Befehle die notwendigen Funktionen (Abbildung 3). Sie starten das Definieren eines Kommandos, indem Sie unten rechts auf das kleine Plus-Symbol klicken und einen der vorgegebenen Befehle auswählen, zum Beispiel Öffne in Browser.

Abbildung 3: Über Befehle können Sie eigene Funktionen definieren, mit denen Sie beispielsweise Links im Zwischenspeicher direkt im Browser Ihrer Wahl öffnen können.
Diesen Befehl fügt CopyQ direkt in der darüber stehenden Befehlsübersicht ein, daneben können Sie nun die Eigenschaften auf der rechten Fensterseite anpassen. Unter Content geben Sie an, bei welchen Inhalten der Befehl später über das Icon in der Systemleiste zur Verfügung stehen soll. Voreingestellt ist hier bereits ^(https?|ftps?|file)://. Ergänzen Sie in der Klammer noch ein http?|. Das Ergebnis sieht dann so aus:
^(http?|https?|ftps?|file://)
Unter Befehl gibt es bereits einen Eintrag für das Starten in Firefox. Um stattdessen Chromium für das Öffnen von Weblinks zu verwenden, geben Sie einfach chromium-browser %1 ein.
Schließlich können Sie noch einen Shortcut vergeben, indem Sie auf den Schalter neben Tastenkürzel klicken. Im sich nun öffnenden Dialog führen Sie das von Ihnen gewünschte Kürzel aus, zum Beispiel [Alt]+[W]. Abschließend klicken Sie auf Anwenden oder OK. Danach steht der Befehl über das Icon in der Systemleiste zur Verfügung, sobald Sie eine URL in den Zwischenspeicher kopiert haben. Für allgemeine Programmfunktionen definieren Sie im Reiter Tastenkombination auf die selbe Weise eigene Kürzel.
Für andere Befehle ist auch hier maßgeblich, was Sie unter Content eintragen und was sie gegebenenfalls aus der Auswahlliste Format ausgewählt haben. Die Befehle im entsprechenden Feld Befehl gilt es in der Regel so aufzubauen, dass nach dem Aufruf der Anwendung ein %1 folgt: Dabei handelt es sich um einen Platzhalter für den Inhalt im Zwischenspeicher.
Fazit
CopyQ erweist sich im Alltag als hilfreiches Langzeitgedächtnis für den PC. Das Tool verrichtet seine Arbeit unauffällig im Hintergrund und steht immer parat, wenn man es braucht. Lediglich bei besonderen Ansprüchen an die Befehle müssen Sie gegebenenfalls ein wenig Tüfteln und Ausprobieren, um das gewünschte Verhalten zu erzielen.





