Für viele praktische Aufgaben genügt ein Mini-PC. An einer Gesamtschule in Rastede leistet ein solcher im Zusammenspiel mit Linux gute Dienste für Alltägliches und weniger Alltägliches.
Kaum eine Schule verfügt über großzügige finanzielle Ressourcen. Da bietet es sich an, für den EDV-Einsatz kostengünstige Hardware mit dem freien Betriebssystem zu verheiraten, um das Budget nicht zu stark zu strapazieren. Die Kooperative Gesamtschule Rastede nutzt in der Schule an verschiedenen Stellen Bildschirme samt PC, um beispielsweise den Vertretungsplan anzuzeigen. Bisher bezogen diese Monitore ihre Daten von herkömmlichen, aber mittlerweile veralteten Computern. Im Mai 2011 reifte dann der Entschluss, testweise einen Mini-PC zusammenzustellen, der diese Aufgabe künftig übernimmt.
Spezifikation
Auf der Suche nach einem solchen Computer stellte sich schnell heraus, dass die viele Geräte die Anforderungen nicht erfüllen. So sollte der PC möglichst leise sein und so wenig bewegliche Teile wie möglich verfügen, um im optimalen Fall eine lange Lebensdauer zu gewährleisten.
Die Leistung spielt im Alltag eine eher untergeordnete Rolle: Die Monitore zeigen im wesentlichen Dateien an, welche die angeschlossenen Rechner als statische Webseite von einem Server beziehen. Es läuft also die meiste Zeit eine HTML-Seite im Firefox. Bei einigen besonderen Anlässen kommt allerdings das Programm Teamviewer zum Einsatz, beispielsweise am Elternsprechtag: Dann zeigen die Monitore unter anderem Raumpläne.
An solchen Tagen kommt es ebenfalls vor, dass zusätzlich zu diesen Informationen Filme laufen – etwa ein Mitschnitt aus der Theatergruppe oder eine Vorschau auf ein kommendes Stück. Daher sollte der PC genug Performance haben, um auf einem 37-Zoll-Fernseher ein Video anzuzeigen. Natürlich sollten die Computer nicht für jeden zu sehen oder zugänglich sein. Optimalerweise hängen sie deshalb per VESA-Halterung hinter einem Monitor.
Als die Architekten die Schule entwarfen, war das Internet noch nicht erfunden. Daher fehlen an allen Stellen, an denen die Monitore hängen, Netzwerkdosen. Diese nachträglich zu verlegen, sprengt jeden vernünftigen Kostenrahmen. Damit müssen die Rechner zusätzlich WLAN unterstützen.
Das Budget für das Projekt lag bei unter 300 Euro pro Computer. Damit fielen viele Industrie-Mini-PCs aus dem Rennen: Diese entsprechend zwar den Anforderungen und fallen extrem klein aus (viele nicht viel größer als eine externe Festplatte), kosten jedoch deutlich mehr. Die Preise steigen nicht selten über 700 Euro.
Nach langem Suchen fiel die Wahl auf die Zbox AD02 (siehe Tabelle “Technische Daten”) von Zotac [1]. Der Computer besitzt eine AMD-APU des Typs E350 mit Fusion-Chipsatz mit integrierter Radeon-HD6310-Grafik, die laut Hersteller durch den UVD3-Decoder HD-Videos dekodieren kann. Als Arbeitsspeicher kommt DDR3-RAM zum Einsatz.
Technische Daten
| Hersteller | Zotac International Ltd. |
| Modell | Zbox AD02 (Barebone) |
| APU | AMD “Zacate” E-350, Dual-Core (1,6 GHz) |
| Grafik | AMD Radeon HD6310 (500 MHz) |
| WLAN | 802.11b/g/n |
| Anschlüsse intern | 1 x 2,5-Zoll-SATA (6 Gbit/s), 2 x DDR3-1066 SO-DIMM (204 Pins) |
| Anschlüsse Front | 6-in-1-Reader (MMC/SD/SDHC/MS/MS Pro/xD), 1 x USB 2.0, Audio out, Audio in |
| Anschlüsse hinten | 1 x HDMI, 1 x DVI, 1 x eSATA, 2 x USB 2.0, 2 x USB 3.0, 1 x Ethernet (10/100/1000), S/PDIF out, Strom |
| Anschlüsse oben | 1 x USB 2.0 |
| Maße (BxHxT) | 188x188x44 mm |
| Preis (ca.) | 200 Euro |
Das etwa taschenbuchgroßes Gehäuse des Mini-PC weist auf drei Seiten Anschlüsse auf (Abbildung 1); auf der vierten befindet sich die Aussparung für einen mitgelieferten Standfuß. Auffälligstes Detail ist ein Leuchtring auf der Seite des Geräts, der als Power-LED fungiert.

Abbildung 1: An der Rückseite bietet der Mini-PC eine Reihe von Anschlüsse, darunter eSATA, USB 2/3, LAN, DVI, HDMI und S/PDIF.
Dass das vorliegende Zbox-Modell mit einem einzigen Lüfter (für die CPU) auskommt, verspricht einen niedrigen Geräuschpegel. Der Preis liegt ebenfalls im Rahmen: Zusammen mit 2 GByte Arbeitsspeicher geht die Zotac Zbox AD02 für etwa 200 Euro über den Ladentisch, dazu kommt die Festplatte. Der Hersteller vertreibt das Gerät außerdem in einer Plus-Variante, die ab Werk eine 250-GByte-HDD sowie 2 GByte RAM mitbringt.
Anstelle einer herkömmlichen 2,5-Zoll-Festplatte mit SATA-Schnittstelle fiel die Wahl für die Schulinstallation auf einen SATA-CF-Adapter (7 Euro) und eine 8-GByte-CF-Card (16 Euro) (Abbildung 2). Das Gehäuse erlaubt ein einfaches Einsetzen der zusätzlichen Komponenten (Abbildung 3). Für die gestellten Anforderungen genügt die CF-Karte vollkommen, ein schlankes Linux-System lässt sich ohne Probleme auf einer so kleinen Karte einrichten.

Abbildung 3: Das Innenleben der Zbox mit dem Arbeitsspeicher oben links und dem quer liegenden CF-Karten-Adapter.
Installation
Neue Hardware erfordert neue Treiber. Daher fiel die Wahl der Distribution auf Ubuntu 11.04, das einen sehr aktuellen Kernel (2.6.38) mitbringt. Um die Installation möglichst schlank zu halten, kam die Server-Variante zum Einsatz. So ließ sich sehr leicht testen, ob die Installation auf einer CF-Karte gelingt. Da der Computer kein DVD-Laufwerk besitzt, übernahm ein USB-Stick die Aufgabe des Boot-Mediums. Eine Anleitung sowie das Image selbst fanden sich online [3].
Tatsächlich lief die Installation problemlos. Es galt allerdings, die Größen der Partitionen anzupassen, denn die Standardwerte von Ubuntu für die Root-Partition fielen größer aus als die Kapazität CF-Karte. In der neuen Konfiguration bekam das Root-Dateisystem 4 GByte zugewiesen, die Swap-Partition erhielt 512 MByte, der Rest entfiel auf die Home-Partition.
Als nächstes folgte das Metapaket xubuntu-desktop, das XFCE 4.8 samt Abhängigkeiten installiert. Der Network-Manager erkannte das Funknetzwerk sofort, die Verschlüsselung bereitete keine Probleme. Auch eine externe USB-Festplatte band das System automatisch ein.
Die einzige Schwierigkeit mit der Hardware trat in Zusammenhang mit USB 3 unter Ubuntu auf. Während beim Einsatz der USB-2-Anschlüsse das System tadellos lief, führte der Versuch, USB 3 zu nutzen zum Absturz. Eine Dokumentation des Problems findet sich online [2], dem Autor ist bislang keine Lösung bekannt. Daher kamen im laufenden Betrieb nur die USB2-Anschlüsse zum Einsatz. (Übrigens unterstützte OpenSuse 11.4 den USB-3-Einsatz tadellos, siehe Abschnitt “Multimedia”).
Insgesamt fällt das Fazit der oben beschriebenen Lösung sehr positiv aus: Der Rechner funktioniert tadellos, die 8-GByte-Karte bietet noch gut 2 GByte freien Platz, die Geschwindigkeit reicht vollkommen aus und der Rechner läuft sehr leise. Damit war der erste Teil der Aufgabe erfüllt.
Multimedia
Es blieb die Frage, ob der Mini-PC auch für den Multimedia-Einsatz sowie für Büro-Aufgaben taugt. Zu diesem Zweck erhielt der Rechner eine SSD-Platte (Crucial, 64 GByte) sowie OpenSuse 11.4 als System. Die Installation erfolgte über einen USB-Stick mit dem Image über das Netzwerk. Beim Desktop fiel die Wahl erneut auf XFCE 4.8, die anderen OpenSuse-Einstellungen blieben bei den Standardwerten.
Wie erwartet verlief das Einrichten des Systems ohne Schwierigkeiten. Obwohl der OpenSuse-Kernel einige Monate älter ist (Kernel 2.6.37.6) als der von Ubuntu, funktionierte die WLAN-Schnittstelle anders als befürchtet problemlos. Der gesamte Desktop fühlt sich sehr schnell an, LibreOffice-Programme zum Beispiel starten in wenigen Sekunden.
Das Ziel war, den Computer mittels XBMC Media Center [4] zur Multimedia-Zentrale umzubauen. XBMC setzt 3D-Support der Grafikkarte voraus, die Standardinstallation von OpenSuse reicht also nicht aus. Die Installation des ATI-Treibers verlief reibungslos: Ein Klick auf Install auf der Website mit dem ATI-Treiber [5] startet YaST. Nach Bestätigung der Warnungen integrierte sich die Software in wenigen Sekunden ins System. Anschließend galt es, auf der Kommandozeile einmalig ati-config --initial einzugeben und den Rechner neu zu starten. Nach dem Neustart befand sich im Startmenü der Eintrag Multimedia | XBMC Media Player.
Die Konfiguration des Media-Centers gelang sehr einfach. Im Testnetz hing an einer Fritzbox ein USB-Stick mit Videos und Musik, den XBMC nicht automatisch erkannte, obwohl dies beispielsweise bei einem netzwerktauglichen Fernseher problemlos gelang. Um die Datenquelle trotzdem zu nutzen, galt es über Quelle hinzufügen | Netzwerkfreigabe hinzufügen… den Server fritz.box und als Protokoll Windows-Netzwerk (SMB) auszuwählen. Der Nutzer heißt in der Voreinstellung ftp-user. Nach Eingabe des Passwortes zeigte XBMC den USB-Stick als Medium an, und es war möglich, alle darauf gespeicherten Musikstücke abzuspielen. Eine direkt angeschlossene USB-Festplatte bot XBMC ohne weitere Konfiguration an.
Beim Test der Video-Ausgabe kamen ein herkömmlicher 19-Zoll-Monitor sowie ein 37-Zoll-Fernseher mit Full-HD-Auflösung (1080p) und HDMI-Anschluss zum Einsatz. In beiden Fällen gelang ohne Weiteres die ruckelfreie Ausgabe von Videos. Damit eignet sich – auch wegen der WLAN-Fähigkeiten – die ZBox als Medienzentrale im Wohnzimmer.
Fazit
Die Zbox AD02 von Zotac erweist sich als gut gerüstet für die eingangs beschriebenen Aufgaben. Die Installation und Konfiguration von XBMC verlief problemlos. Lediglich das automatische Erkennen der Medien an der Fritzbox gelang nicht, hier war etwas Nacharbeit notwendig. Für alltägliche Aufgaben wie E-Mail und Tabellenkalkulation reicht das System sowieso allemal aus.
Der Ansatz mit der CF-Karte ist aus Kostengründen interessant: 25 Euro für eine vollkommen ausreichende Kapazität von 8 GByte ersparen gegenüber einer Festplatte, auf der dann ohnehin der größte Teil der Kapazität frei bliebe, etwa 10 Euro. Hinzu kommt, dass sich die CF-Karte extrem einfach kopieren lässt, sodass man sie bei minimalem Aufwand für viele Rechner duplizieren kann. Für den alltäglichen Gebrauch eignet sich eher eine herkömmliche Festplatte, um die Kapazität für Multimedia-Inhalte bereitzustellen.
Glossar
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APU
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Als Accelerated Processing Unit bezeichnet AMD seine CPUs mit integrierter Grafikeinheit sowie Video- und anderen Hardwarebeschleunigern auf einem Die, die es unter der Marke AMD Fusion vertreibt.
Infos
[1] Zotac: http://www.zotac.com/index.php?option=com_wrapper&view=wrapper&Itemid=100083
[2] USB-3-Bug: https://bugs.launchpad.net/ubuntu/+source/linux/+bug/801875
[3] Ubuntu-Download: http://www.ubuntu.com/download/server/download
[4] XBMC: http://www.xbmc.com
[5] ATI-Treiber: http://en.opensuse.org/SDB:ATI_drivers







Hallo,
ich kann auch die Zbox HD-ID11 weiterempfehlen.
Ich nutze Debian-Wheezy und hatte nur den Alsa-Treiber neu kompilieren müssen und die alsa.conf anpassen.
Es ist eine fantastische und preiswerte Mediabox (mit xbmc)
Gruß Michael