Wie Ihr Linux-Desktop aussieht, bestimmen allein Sie. Mit deskTOPia nehmen wir Sie regelmäßig mit auf die Reise ins Land der Window-Manager und Desktopumgebungen, stellen Nützliches und Farbenfrohes, Hingucker und hübsches Spielzeug vor. Nachdem GNOME in der letzten Ausgabe den Ball eröffnete, darf der passende Tanzpartner in Form eines Window-Managers nicht fehlen.
GNOME bietet bereits allerhand – so zum Beispiel die Wahl des Hintergrunds, ein Startmenü, ein Session-Management, Drag&Drop sowie Desktop-Icons. Eben alles bis auf die Möglichkeit, Anwendungen mit Rahmen und Fensterbuttons verziert korrekt zu platzieren – was fehlt, ist ein Window-Manager.
Die Partnersuche beginnt
Ideal wäre ein Tanzpartner, der nicht nur in optischer Hinsicht adäquat flexibel, sondern auch fähig zur Konversation mit GNOME ist. Dass bei GNOME vorgenommene Einstellungen übernommen sowie die Etikette bei Bedienung und Konfiguration eingehalten werden sollten, bedarf sicher keiner Erwähnung. Die Zwei sollten sich so gut verstehen, dass GNOME die Tasks und virtuellen Desktops des Fensterherrschers ebenso wie der Herrscher selbst regieren kann.
Auf http://www.gnome.org/applist/list-martin.phtml?catno=13 finden sich auch einige Anwärter. Aber schnell merkt man, dass manche nur schwer zu haben sind und andere wiederum noch zu sehr in ihren Kinderschuhen stecken. Auch gibt es jene, die wunderbar ganz ohne GNOME auskommen, denen aber der Umgang gnomiger Gesellschaft nachträglich auferlegt wurde.
Warum in die Ferne schweifen?
Eine überzeugende Vorstellung bietet Sawmill (http://sawmill.sourceforge.net/), der mit beliebiger Optik aufwartet sowie mittels Skriptsprache (einem Lisp-Dialekt namens librep) erweiterbar ist. Auch können zum Beispiel über http://sawmill.themes.org/ bezogene Themes mit dem grafischen Konfigurationsfrontend sawmill-ui (Abbildung 3) eingebunden werden.
Um Sawmill erfolgreich zu kompilieren, also den Programmtext in für den Computer ausführbaren Programmcode zu übersetzen, bedarf es einiger Dolmetscher: Da wären das jeder Distribution beiliegende GNU-Tool make und die imlib–Bibliothek, sowie die ebenfalls auf der Sawmill-Webseite erhältlichen Erweiterungen librep und rep-gtk. Anfängerfreundlicher sind sicherlich fertige Pakete, die für einige Distributionen von der Sawmill-Webseite bezogen werden können und somit das Kompilieren hinfällig machen.
Der Ball ist eröffnet
Bleibt noch die Frage, wie GNOME denn nun am besten Bekanntschaft mit Sawmill schließt: GNOME startet mittels gnome-session (also zum Beispiel startx gnome-session), und dessen Control Center versteht den Mausklick auf den automatisch eingetragenen Sawmill als Aufforderung zum Tanz (Abbildung 4). Findet sich der Eintrag aus irgendwelchen Gründen nicht, so kann er über den Button Add… hinzugefügt werden.
Glossar
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Session-Management
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Wenn ein Window-Manager oder eine Desktopumgebung nicht beendete Anwendungen beim nächsten Login erneut startet oder anwendungsübergreifende Einstellungen vornimmt, ist das Aufgabe des Session-Managements.
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Tasks
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Ein einzelnes Programm aus einer Liste aktiver Programme nennt man Task.
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virtuellen Desktops
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Gute Window-Manager bieten die Möglichkeit, mehrere Bildschirme mit Fenstern bzw. Anwendungen zu füllen, zeigen aber nur einen (gewünschten) Desktop an. Zwischen ihnen kann während der Sitzung gewechselt werden, ohne dass eine Anwendung geschlossen werden muss. Diese Desktops bezeichnet man als virtuellen Desktop.
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Skriptsprache
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Eine Programmiersprache, in der man schnell kleine, leistungsstarke Anwendungen schreiben kann, die nicht erst mit einem Compiler in maschinenverständlichen Code übersetzt werden müssen, sondern sofort ausgeführt (“interpretiert”) werden können.
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Lisp
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Der Name dieser besonders bei Künstlichen-Intelligenz-Projekten eingesetzten Programmiersprache kommt von “List Programming”. Eine besondere Lisp-Variante wird vom Editor Emacs verwendet, die Sawmill-Erweiterungssprache librep ist dieser sehr ähnlich.
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Themes
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Die “Mode” für den Desktop. Im Falle von Sawmill beschränkt sich das Theme allerdings auf die Gestaltung und Farbgebung der Fensterrahmen. So weit es geht verwendet Sawmill auch das gewählte GNOME-Theme (so zum Beispiel bei den Einträgen des Konfigurationstools oder den Menüfarben).
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GNU
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1984 gestartetes Projekt mit dem Ziel eines freien und im Quelltext verfügbaren Unix (http://www.gnu.org/). Seine Tools sind Grundlage gängiger Linux-Distributionen.
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Bibliothek
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(auch library genannt) Eine “Sammlung” vorgefertigter Funktionen, auf die Programmierer beim Erstellen von Software zurückgreifen können. Wird die daraus benutzte Funktionalität nicht direkt in das Programm einkompiliert, sondern in einer Extra-Datei mehreren Anwendung zur gemeinsamen Nutzung bereit gestellt, spricht man von shared libraries.









