out of the box

Aus LinuxUser 01/2000

out of the box

Das große Grabben

Es gibt im Multimedia-Bereich eine Unmenge an großen und kleinen Linux-Programmen. An dieser Stelle stellen wir stellvertretend für viele ein Tool vor, das wir für schlichtweg unentbehrlich halten: den CD-Audio-Grabber dagrab.

Wenn man seine CD-Sammlung nach und nach in ein MP3-Archiv verwandeln will, dann braucht man vor dem Konvertieren vom WAV– ins MP3-Format ein Tool, das aus den Tracks einer Audio-CD einzelne WAV-Dateien macht. Zwei etablierte Programme in diesem Bereich gibt es schon: cdda2wav und cdparanoia. Jetzt gesellt sich in Form von dagrab noch ein drittes dazu.

Einmal installieren bitte!

Zuerst müssen die Quellen des Programms von ftp://ftp.gwdg.de/pub/linux/mirrors/sunsite/apps/sound/cdrom/dagrab-0.3.3.tar.gz auf dem Rechner landen. Dann geht es ans Auspacken und Kompilieren:

tar xzf dagrab-0.3.3.tar.gz
cd dagrab-0.3.3

… packt das Archiv aus und verlagert unseren Standpunkt im Dateibaum ins neu erzeugte Verzeichnis dagrab-0.3.3. An dieser Stelle müssen wir kurz unterbrechen. Wer noch die Kernelversion 2.0.x benutzt, sollte jetzt die Datei Makefile in seinen Lieblingseditor laden und das Kommentarzeichen (#) am Anfang der dritten Zeile entfernen, so dass diese nur noch den Inhalt UCD=-DUSE_UCDROM hat. Und weiter geht’s mit dem Compilerlauf und der als root durchgeführten Installation:

make
su -  (root-Passwort eingeben)
make install ; exit

Klein und fein

Ein wesentliches Merkmal von dagrab ist seine Kompaktheit: Das kompilierte Binary wird gerade mal 22 KByte groß. Trotz der geringen Größe stecken interessante Funktionen in dem Programm. So ist es in der Lage, selbstständig Anfragen an einen CDDB-Server zu richten und die ausgelesenen WAV-Dateien gleich mit dem richtigen Songnamen zu versehen. Eine Einschränkung gibt es allerdings auch, denn dagrab funktioniert nur mit IDE-CD-ROM-Laufwerken.

Energie!

Im einfachsten Fall sieht der Aufruf von dagrab so aus:

dagrab Trackliste

Dabei ist Trackliste eine durch Leerzeichen getrennte Folge der Track-(also Titel-)Nummern, die von der CD gelesen werden sollen. Die dabei entstehenden WAV-Dateien bekommen die Namen track01.wav, track02.wav, .... Wenn grundsätzlich alle Tracks ausgelesen werden sollen, reicht die kleine Option -a:

dagrab -a

Namen aus dem Netz

Wie oben schon angesprochen, beherrscht dagrab den Umgang mit CDDA-Servern. Der folgende Aufruf liest alle Tracks aus und findet für sie die richtigen Namen:

dagrab -C -H cddb.cddb.com -N -a

Die Option -C schaltet die CDDB-Anfrage ein, die Option -H teilt dem Programm mit, welchen CDDB-Server es verwenden soll, und -N sorgt für das Übertragen der gefundenen Namen auf die WAV-Dateien.

Noch mehr automatisieren lässt sich mit der Option -e, die nach jedem ausgelesenen Track ein externes Programm oder Shellskript aufrufen kann. Im folgenden Aufruf wird der MP3-Encoder lame (http://www.sulaco.org/mp3/) dazu benutzt, jeden ausgelesenen Track sofort in eine MP3-Datei zu wandeln. Dabei setzt dagrab für %s den jeweiligen Tracknamen ein.

dagrab -C -H cddb.cddb.com -N -a -e 'lame "%s"'

Eine weitere Möglichkeit wäre das automatische Löschen der WAV-Datei, direkt nachdem sie von lame ins MP3-Format konvertiert wurde. Wie das geht? Nun, ich verrate nur soviel: Der gesuchte Befehl heißt rm.

Glossar

WAV

Dieses Audioformat ist in der Regel nicht komprimiert und stammt aus der Windowswelt.

Kernelversion

Die Kernelversion hängt in erster Linie mit dem Alter der verwendeten Distribution zusammen. Mit dem Kommando cat /proc/version erfahren Sie die Versionsnummer des laufenden Betriebssystemkerns.

Shellskript

Eine Datei mit Shellanweisungen, die automatisch abgearbeitet werden.

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