Digitalen Anrufbeantworter einrichten

Aus LinuxUser 08/2000

Digitalen Anrufbeantworter einrichten

Bei Anruf Linux

Schon seit langer Zeit ist es möglich, eine aktive oder passive ISDN-Karte in einem Linux-Rechner anzusteuern und zu nutzen. Gerade die Dial-on-demand-Funktion, die das Paket isdn4linux bietet, hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass Privatleute und auch kleinere Unternehmen einen Linux-Rechner als Internet-Gateway für ein kleines lokales Netzwerk einrichten. Doch damit sind die Möglichkeiten dieses ISDN-Tools noch lange nicht erschöpft. Wie wäre es denn zum Beispiel mit einem Anrufbeantworter?

Innerhalb des Pakets I4L, dem ISDN-Komplettpaket für Linux, ist eine kleine Programmsammlung enthalten, welche einen Linux-Rechner zu einem multifunktionalen Anrufbeantworter macht: Vbox. Das Programm vboxgetty kann eingehende Gespräche entgegennehmen. Es überwacht Ihre ISDN-Leitung hinsichtlich ankommender Anrufe, zeichnet Nachrichten auf und legt diese als Sound-Datei ab. Vboxgetty bildet damit die Basis für alle weiteren Programme des Vbox-Pakets. Dieses ist übrigens, wie so viele Programme, mehrbenutzerfähig entwickelt worden. Es ist also möglich, den Anrufbeantworter so zu konfigurieren, dass Vbox auf eingehende Telefongespräche mehrerer Telefonnummern lauscht und diese getrennt ablegt. Der Zugriff auf diese verschiedenen Mailboxen wird durch das Programm vboxd geregelt. Es stellt einen Dienst zur Verfügung, bei dem sich verschiedene Benutzer, auch über das Netzwerk, anmelden und ihre persönliche Mailbox abhören können. Hierfür existiert ein Frontend, das etwas irreführend schlicht vbox heißt.

Mit dem Tool vbox2www (<link url_id="58005" srcset=

http://www.kalka.org/linux/dox/isdnvbox.html) ist sogar die Abfrage über einen Web-Browser möglich” width=”300″ height=”223″ /> Mit dem Tool vbox2www (http://www.kalka.org/linux/dox/isdnvbox.html) ist sogar die Abfrage über einen Web-Browser möglich

Vboxbeep überwacht die lokalen Vbox-Verzeichnisse, in denen neu aufgenommene Nachrichten abgelegt werden und gibt einen Signalton ab, sobald vboxgetty dort einen neuen Anruf gespeichert hat.

Die Konfiguration

Bevor Sie die Dienste von Vbox konfigurieren, sollten Sie für jeden Anwender entsprechende Verzeichnisse erstellen, welche die benutzerspezifischen Konfigurationsdateien enthalten. Dazu müssen Sie einfach folgende Verzeichnisse anlegen:

/var/spool/vbox/benutzer/
/var/spool/benutzer/incoming/
/var/spool/benutzer/messages/

Das Mailbox-Verzeichnis ist zwar prinzipiell frei wählbar, in den meisten Distributionen ist jedoch /var/spool voreingestellt. Möchten Sie die Mailbox der Benutzer davon abweichend in ein anderes Verzeichnis legen, dann müssen Sie dafür sorgen, dass der Eintrag des Spool-Verzeichnisses in der Konfigurationsdatei vboxgetty.conf auch auf diese Verzeichnisse verweist (siehe weiter unten).

Zuerst sollten Sie das zentrale Programm vboxgetty einrichten. Zu diesem Zweck müssen Sie im Verzeichnis /etc/isdn mit einem Texteditor wie z. B. KWrite eine Datei vboxgetty.conf anlegen. Diese Datei muss die grundlegenden Optionen des Vboxgetty enthalten. Außerdem müssen hier auch verschiedene Verzeichnisse angegeben werden, die einmal die Anrufbeantworternachrichten enthalten sollen.

Beispiel einer /etc/isdn/vboxgetty.conf

compression     adpcm-4
umask   077
badinitsexit    10
dropdtrtime     400
initpause       2500
commandtimeout     4
echotimeout     4
ringtimeout     6
alivetimeout    1800
freespace       2000000
debuglevel      FEWIDJ
# Settings for port ttyI6
port /dev/ttyI6
  modeminit     ATZ&B512&E7830022
  user  jolly
  group users
  spooldir      /var/spool/vbox/jolly

Damit die vorgesehenen Benutzer einen Zugriff auf den digitalen PC-Anrufbeantworter erhalten, müssen schließlich noch deren Home-Verzeichnisse modifiziert werden. Dazu muss (beispielsweise in /home/jolly) die Konfigurationsdatei .vboxrc erzeugt werden. In dieser Datei können Sie den Usernamen sowie ein Passwort angeben.

Start von vgetty

Damit vboxgetty nach jedem Neustart automatisch zur Verfügung steht, bietet es sich an, es bei der Systeminitialisierung über init gleich mit zu starten. Dazu müssen Sie die Konfigurationsdatei /etc/inittab z. B. um folgende Zeile ergänzen:

I6:2345:respawn:/usr/local/sbin/vboxgetty -d /dev/ttyI6 u jolly p vboxnotify a Michael@Home.ne

Der Parameter u jolly bewirkt dabei, dass die Benutzereinstellungen für den User Jolly verwendet werden, welche Sie natürlich zuvor bereits festgelegt haben müssen. p sorgt darüber hinaus dafür, dass bei Eingang einer Sprachnachricht automatisch eine Benachrichtigungs-Mail an die unter a angegebene E-Mail-Adresse geschickt wird.

Erstellung eines Ansagetextes

Die Erstellung eines Ansagetextes kann auf zwei verschiedenen Wegen erfolgen. Am einfachsten ist es sicherlich, den Ansagetext mittels eines Selbstanrufs aufzunehmen. In diesem Fall müssen Sie nur die so erstellte Audio-Datei vom Eingangsordner /var/spool/vbox/incoming in den Nachrichtenordner /var/spool/vbox/messages kopieren bzw. verschieben. Alternativ dazu können Sie den Ansagetext natürlich auch via Soundkarte aufsprechen und dann ins richtige Format konvertieren.

Komfortable Handhabung

Nun sollte Ihr Linux-Anrufbeantworter korrekt konfiguriert sein. Eingegangene Nachrichten können jetzt mit Hilfe des Konsolen-Programms vbox problemlos abgerufen werden. Die Verwaltung der Nachrichten kann aber auch wesentlich komfortabler über ein grafisches Frontend vorgenommen werden: Im vbox-Paket ist etwa in vielen Fällen schon das Motif-Frontend mam enthalten. Alternativ dazu existiert das KDE-Frontend KAM (K Answering Machine), welches Sie im Internet unter http://leonardo.physik.uni-mainz.de/~sas/kam/ (und auf der Heft-CD) finden. Leider scheint KAM nicht mehr weiterentwickelt zu werden. Mit KAM2 wird jedoch inzwischen eine grafisch überarbeitete Version entwickelt, die bereits an die Neuerungen von KDE2 angepasst ist. Dieser inoffizielle KAM-Nachfolger befindet sich momentan zwar noch im Alpha-Stadium, lässt sich aber bei Interesse unter http://www.kpage.de/de/index.html herunterladen.

KAM: Interessante Alternative zum Textkonsolen-Tool <code srcset=

vbox und dem Motif-basierten Frontend mam” width=”300″ height=”194″ /> KAM: Interessante Alternative zum Textkonsolen-Tool vbox und dem Motif-basierten Frontend mam

Über den Menüpunkt <code srcset=

Config ist kam schnell konfiguriert: Tragen Sie das Nachrichten-Verzeichnis ein und wählen Sie, wie oft die Mailbox "abgefragt" werden soll” width=”300″ height=”142″ /> Über den Menüpunkt Config ist kam schnell konfiguriert: Tragen Sie das Nachrichten-Verzeichnis ein und wählen Sie, wie oft die Mailbox “abgefragt” werden soll

Auch für KDE2 existiert bereits ein erstes grafisches Frontend, das sich allerdings derzeit noch im Alpha-Stadium befindet

Auch für KDE2 existiert bereits ein erstes grafisches Frontend, das sich allerdings derzeit noch im Alpha-Stadium befindet

Das VBox-Pake

Beim VBox-Paket handelt es sich um eine Reihe von Programmen und Skripts, die zum Einrichten eines ISDN-Anrufbeantworters dienen:

vboxgetty ist das zentrale Programm der Voice-Mail-Erfassung für Linux. Es ist für die Annahme von Nachrichten, für das Abspielen eines Ansagetexts und für das Aufzeichnen der eingehenden Audio-Nachrichten zuständig.

vboxd ist ein kleiner Daemon, der für den Zugriff auf eingegangene Sprachnachrichten via Netzwerk notwendig ist. Dieser ist zum Beispiel notwendig, wenn mehrere Benutzer einen gemeinsamen Server für die Abwicklung von Sprachnachrichten verwenden möchten.

vbox … ist ein kleines Tool, das es Ihnen ermöglicht, auf der Textkonsole eingegangene Sprachnachrichten abzufragen.

vboxbeep … gibt einen kurzen Signalton aus, sobald eine neue Sprachnachricht eingeht.

vboxtoau Normalerweise werden Sprachnachrichten unter Vbox in einem speziell dafür vorgesehenen, eigenen Audioformat abgespeichert. Mit vboxtoau können Sie diese dann in das weiter verbreitete Sun-Audio-Format (AU) umwandeln; den umgekehrten Weg erlaubt autovbox.

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