Das Internet bietet gerade für Linux-Freunde einen fast unerschöpflichen Software-Pool mit (meist) kostenlos herunterladbaren Programmen. Um überschüssige Bandbreiten parallel zum WWW-Surfen (kosten-) effizient zu nutzen und Download-Vorgänge sinnvoll zu organisieren, bietet sich insbesondere für Nutzer eines kostenpflichtigen Wählzugangs der Einsatz eines Download-Managers an. LinuxUser stellt Ihnen in diesem Artikel vier aktuell unter Linux kostenlos erhältliche Download-Manager vor und zeigt deren Stärken und Schwächen im Alltagseinsatz auf.
Ist es Ihnen nicht auch schon mal passiert, dass Sie extra eine halbe Stunde länger online geblieben sind, um das Ende des Downloads einer größeren Datei abzuwarten, und sich dann unheimlich geärgert haben, weil die Verbindung kurz vor Abschluss des Datentransfers zusammengebrochen ist? Oder gehen Ihnen hin und wieder die vielen Fenster auf den Geist, die Ihr Browser nur aufgrund angestoßener Software-Downloads erzeugt und aus denen nur selten auf einen Blick ersichtlich wird, wie weit der jeweilige Download-Vorgang bereits fortgeschritten ist? Wenn Sie Übersicht, Ordnung und (Kosten-) Effizienz in Ihre Download-Aktivitäten bringen möchten, dann dürfte für Sie einer der im folgenden vorgestellten Download-Manager genau das Richtige sein. Unter den vorgestellten Download-Managern befinden sich übrigens auch zwei Programme (KWebGet und WebDownloader), die sich für sogenannte rekursive Downloads eignen. Darunter versteht man das Spiegeln bzw. Duplizieren einer kompletten (oder partiellen) Website auf dem eigenen Rechner.
Caitoo
Caitoo ist ein Projekt, das im Rahmen des KDE-Projekts entwickelt wird und in der aktuellen Version 0.6.6 bereits einen recht brauchbaren Eindruck hinterlässt. Die wichtigsten Funktionen, die ein Download-Manager unbedingt mitbringen sollte, sind bereits implementiert. Besonders positiv fällt auf, dass sich das Programm bei Bedarf als “Dock Widget” (in Gestalt einer ausgestreckten Hand) in die KDE-Kontrollleiste integrieren lässt und damit jederzeit aus anderen KDE-Anwendungen oder Netscape heraus per Drag & Drop den Auftrag erhalten kann, entfernte Dateien herunterzuladen. Alternativ besteht aber auch die Möglichkeit, zuvor in die Zwischenablage kopierte URLs mit der Tastenkombination [Strg+V] oder dem Caitoo-Menüpunkt Datei/Tranfer öffnen (URL von der Zwischenablage holen) zum Datei-Transfer vorzubereiten. Caitoo kennt drei verschiedene Übertragungsmodi: in Reihe, nach Zeitplan und verzögert. Wird in Reihe gewählt, überprüft Caitoo, ob die vom Benutzer definierbare Anzahl der maximal offenen Übertragungen bereits überschritten ist. Die Übertragung beginnt, sobald für die zu übertragende Datei aufgrund eines abgeschlossenen Vorgängerauftrags eine Übertragungsmöglichkeit eröffnet worden ist. Im Zeitplan lässt sich Datum und Uhrzeit des Downloads exakt festlegen. Sehr sinnvoll ist auch die Möglichkeit, die Netzverbindung (und bei Bedarf auch Caitoo selbst) nach vollendetem Download-Auftrag beenden zu können. Der Reiter Automatisierung des Menüpunkts Einstellungen/Einstellungen enthält zahlreiche Optionen für den Verbindungsabbruch nach bestimmten Ereignissen. Die Autoren planen in weiteren Versionen u. a. die Implementation bisher noch fehlender Features wie “ftp search” (Suche nach alternativen ftp-Servern) und eine Bandbreiten-Begrenzung für Downloads.
Insgesamt kann Caitoo – abgesehen von ein paar kleineren grafischen Darstellungsfehlern im Einstellungs-Menü – bereits im derzeitigen Entwicklungsstadium vor allem durch seine intuitive Bedienbarkeit (KDE) und die saubere Integration der wichtigsten Funktionen überzeugen. Es bleibt abzuwarten, welche Features vom Entwicklerteam als nächstes integriert werden. Ein gelegentlicher Blick auf die Homepage des Projekts könnte sich also durchaus für Sie lohnen.
GTransferManager

Schade: Deutsches und englisches Sprachenkauderwelsch und eine geringe Funktionalität stellen den GTransferManager etwas ins Abseits
Um GNOME – unter Linux die Desktop-Alternative zu KDE – ist es in letzter Zeit etwas stiller geworden. GTranferManager setzt auf der hübschen gtk-Bibliothek von GNOME auf und lockt mit seinem vielversprechenden Namen zum Download. Leider wurden – im Vergleich zu den anderen hier vorgestellten Download-Managern – bisher nur recht wenige Funktionen integriert. Zum derzeitigen Stand des Projektes fehlen sowohl wichtige Download-Optionen wie Resume/Reget als auch typische Management-Funktionen wie Zeitplaner oder Protokollierung. Einziger interessanter Ansatzpunkt ist die CORBA-Schnittstelle, von der Sie als normaler Anwender aber momentan kaum profitieren dürften.
Aus unserer Sicht erscheint der GTransferManager im derzeitigen Entwicklungsstadium für einen sinnvollen Einsatz als Download-Manager nur bedingt geeignet. Mal sehen, wie sich das Projekt weiterentwickeln wird…
KWebGet

Beim Starten von KWebGet begrüßt Sie ein nett gemachter Wizard, mit dem Sie bequem die für den Download notwendigen Einstellungen vornehmen können.

KWebGet – Mageres Online-Handbuch, aber übersichtliche und überwiegend selbsterklärende Programmfunktionen
Der deutsche KDE-Entwickler Frank von Daak hat mit KWebGet im wesentlichen ein grafisches Frontend zum mächtigen Unix-Kommandozeilenprogramm wget geschaffen. Bei KWebGet handelt es sich auch weniger um einen Download-Manager im engeren Sinne, sondern eher um ein Programm, mit dem man auf relativ bequeme Weise ganze Websites vom Netz auf die heimische Festplatte spiegeln (rekursiver Download) kann, um diese anschließend in Ruhe offline zu lesen. Prinzipiell lässt sich KWebGet aber auch ohne weiteres für Downloads einzelner Dateien einsetzen. Der Autor hat sich viel Mühe gegeben, dem Benutzer die zur Verfügung stehenden Optionen übersichtlich zu präsentieren. Zusätzlich zur ergonomischen Register-Anordnung hat von Daak auch noch einen Wizard geschrieben, mit dem die wichtigsten Schritte vor dem Download bequem per Dialogfenster erledigt werden können. Besonders bemerkenswert sind die Register Optionen, Dateitypen und Domänen. Mit diesen Registern können Sie ziemlich genau vorselektieren, welche Dateitypen Sie unter welchen Zusatzbedingungen von welchen Domains herunterladen möchten. Neben HTTP- und FTP-Anmeldeformularen und den üblichen Proxy-Einstellungen wurde auch ein genauer Zeitplaner integriert, so dass zusätzlich auch noch auf die Sekunde genau eingestellt werden kann, wann der Download beginnen soll.
KWebGet macht insgesamt einen durchdachten und hervorragend umgesetzten Eindruck. Er eignet sich sehr gut für lokale Website-Spiegelungen. Als klassischer Download-Manager ist er hingegen mangels Flexibilität und Funktionsumfang nur bedingt geeignet.
WebDownloader for X
Das Projekt des Russen Koshelev Maxim hat bereits eine längere Entwicklungszeit hinter sich. Auf den ersten Blick wirkt das Programm nicht allzu spektakulär. Spätestens wenn man jedoch den unscheinbar wirkenden Menüpunkt Einstellungen/Allgemein anklickt, ist man völlig verblüfft, welche enorme Funktionalität dieses Tool in sich birgt. Der WebDownloader beherbergt so ziemlich alle Funktionen, die man sich im Zusammenhang mit Downloads nur vorstellen kann. Insbesondere hinsichtlich Transfer-Begrenzung (max. Anzahl gleichzeitiger Transfers, max. Bandbreite/Geschwindigkeit, Host-Limitierung) bietet dieser Download-Manager wesentlich mehr als die anderen hier vorgestellten Internet-Tools. Ähnlich wie bei KWebGet lassen sich auch mit WebDownloader rekursive Downloads (mit Angabe der gewünschten Rekursionstiefe) realisieren und für jeden Download-Auftrag einzeln ein Zeitplan erstellen. Dieser Download-Manager bildet praktisch die funktionale Obermenge von Caitoo und KWebGet zusammen. Schade nur, dass er sich nicht so komfortabel wie Caitoo in die KDE-Kontrollleiste integrieren lässt. Aber glücklicherweise gibt es ja noch den DnD-Papierkorb, in den Sie gewünschte Download-URLs per Drag & Drop an den WebDownloader übergeben können (Drop Target). Natürlich besteht auch die Möglichkeit, Download-URLs per Zwischenablage an das Tool zu übergeben.
Obwohl auch der WebDownloader for X noch einige Zusatz-Schmankerl wie z. B. ftp search (Suche nach alternativen ftp-Servern) vermissen lässt, stellt er derzeit unter Linux zumindest im Open-Source-Bereich in funktionaler Hinsicht die Referenzklasse dar. Hinsichtlich Bedienkomfort liegt er zwar mangels Integration in die KDE-Kontrollleiste etwas hinter dem KDE-Projekt Caitoo zurück, seine enorme Funktionsvielfalt tröstet jedoch ohne weiteres über dieses kleine Manko hinweg, zumal ohnehin nicht jeder Anwender mit KDE arbeitet.

URL-Übergabe in den DnD-Papierkorb (blauer Kreis links oben) und Host-Limitierung beim WebDownloader
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Unter Linux stehen mit WebDownloader for X und Caitoo zwei kostenlose grafikbasierte Download-Manager zur Verfügung, die nahezu dieselbe Funktionsvielfalt wie (kommerzielle) Windows-Pendants <\#136> la Getright oder Gozilla! bieten. Es spricht also nichts mehr dagegen, Download-Orgien in Zukunft unter Linux durchzuführen. Im Gegenteil: Angesichts der Möglichkeit, wesentlich bessere Sicherheitsvorkehrungen als unter Windows treffen zu können, und einem gigantischen im WWW jederzeit zur Verfügung stehenden Software- und Support-Potential bietet sich Linux als Download-Plattform geradezu an.
Tabelle: Übersicht über die vorgestellten Downloader-Manager
| Name | Caitoo 0.6.6 | GTransferManager 0.4.4 | KWebGet 0.5 | WebDownloader for X 1.16.1 | |
| Autor | Matej Koss | Bruno Pires Marinho | Frank von Daak | Maxim Koshelev | |
| Lizenz | GPL | GPL | GPL | Open Source | |
| Homepage | devel-home.kde.org/~caitoo | camoes.rnl.ist.utl.pt/~bapm/gtm/ | www.kpage.de | www.krasu.ru/soft/chuchelo | |
| Allgemeines | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Sprache | deutsch | englisch | deutsch | deutsch | |
| Handbuch | KDE-Handbuch | im Aufbau | Kurzübersicht | FAQ | |
| Voraussetzung | KDE 1.1 | GNOME | KDE 1.x | gtk > 1.2.0 | |
| QT 1.42 | gtk 1.2.x | QT 1.4.x | – | ||
| – | – | wget | wget | ||
| Download-Verhalten | |||||
| Direkteingabe URL | x | x | x | x | |
| Dock Widget | x | – | – | – | – |
| Drop Target x | x | – | – | x | |
| Drag&Drop von KDE-Anwendungen | x | – | x | x | |
| Drag&Drop von Netscape | x | x | – | x | |
| automat. Einfügen Zwischenabl. | x | – | – | x | |
| Transfer-Optionen | |||||
| Resume/Reget-Funktion | x | – | – | x | |
| Limit maxim. offene Verbind. | x | x | – | x | |
| Limit DL-Geschwindigkeit | – | – | – | x | |
| Partieller Download | – | – | – | x | |
| Zeitplaner | x | – | x | x | |
| Automat. Trennen nach Download | x | – | – | – | |
| Automat. Beenden nach Download | x | – | – | x | |
| Sonstige Features | |||||
| Rekursiver Download | – | – | x | x | |
| FTP Search | – | – | – | – | |
| Proxy-Einstellungen | x | x | x | x | |
| Protokollierung | x | – | x | x | |
| Besonderheiten | Dock Widget in KDE-Kontrollleiste | CORBA-Unterstützung | Frontend zu wget, Spiegeln ganzer Sites, Domänen-Beschränkung, Angabe Rekursionstiefe, Wizard, Auswahl Dateitypen | Buttons für verschiedene Geschwindigkeitsbegrenzungen, Domänen-Beschränkung, Angabe Rekursionstiefe, Spiegeln ganzer Sites | |
| Praxistauglichkeit | Sehr gut – Gut | Ausreichend | Gut – Befriedigend | Sehr gut – gut | |








