Unschärfen, Verzerrungen, Konvergenzfehler – es gibt viele Gründe, den guten alten Röhrenmonitor ins Museum zu schicken. Und seit einiger Zeit muss man sich dafür auch nicht mehr in Schulden stürzen. Unter 1000 Mark sind bereits TFT-Displays zu bekommen, deren Auflösung zeitgemäß ist. Doch laufen sie auch unter Linux? LinuxUser hat drei populäre Modelle getestet.
Preistipp
Das Samtron-Display 50x von Samsung gewinnt den Preistipp, weil es für weniger als 900 Mark eine Bildqualität bietet, die der deutlich teureren Oberklasse kaum noch nachsteht. Darüber hinaus ist es besonders gut zu bedienen und kommt sehr gut mit Linux zurecht. Da das Gerät ein Auslaufmodell ist, von dem aber noch genügend Exemplare verfügbar sind, bestehen zudem echte Schnäppchenchancen.
Die Preisgrenze in diesem Test wurde bewusst auf 1000 Mark gesetzt. Es gibt zwar inzwischen schon deutlich billigere Geräte und nach wie vor dramatisch teurere, aber mit einer kleineren Auflösung als 1024 x 768 Pixel sollte sich heute niemand mehr zufrieden geben. Und nach oben ist ohnehin alles offen. Alle Panels im Test haben 15 Zoll Diagonale, damit entspricht die sichtbare Diagonale der von 17-Zoll-Röhrenmonitoren.
Der Test wurde in Zusammenarbeit mit dem Computermagazin CHIP durchgeführt. Die Qualität der Bildwiedergabe eines Displays zu testen ist eine schwierige Aufgabe, die sündteure Messgeräte erfordert. Hier verlassen wir uns auf das Expertenwissen der Kollegen. Hinzugefügt hat das Testlabor von Linux New Media jedoch den Kompatibilitätstest mit dem Pinguin. Der beste Bildschirm würde uner dem freien Betriebssystem nicht viel bringen, wenn er nicht korrekt angesteuert wird.
Der richtige Eingang
In dieser Preisklasse arbeiten alle Geräte mit analogem Eingang, können also – theoretisch – an jede beliebige Grafikkarte angeschlossen werden. Das ist zwar technisch skurril (die digitalen Bilddaten werden aufwändig in ein analoges Signal gewandelt, das im Display abgetastet wird, um wieder digitale Bilddaten zu bekommen) und sollte aufgrund des technischen Aufwands eigentlich teuer sein, doch das Gegenteil ist der Fall. Digital angesteuerte Geräte, also solche mit DVI-Eingang, sind deutlich teurer.
Bei Verwendung von D-Sub-Anschlusskabeln sollte bei halbwegs modernen Grafikkarten eine automatische Erkennung des Monitors per DDC möglich sein. Wenn die verwendete Linux-Distribution, hier im Test die aktuelle SuSE 7.3, VESA voll unterstützt, sollte Plug & Play genauso reibungslos klappen wie unter Windows.
Timing ist alles
Wichtig ist hier vor allem die korrekte Einstellung des Timings. Im Gegensatz zu Röhrenmonitoren ist es falsch, eine möglichst hohe Bildwiederholfrequenz einzustellen, weil dann die Eingangswandler im Display schneller und damit ungenauer arbeiten müssen. Im Test zeigte sich jedoch, dass Plug & Play die Displays zwar immer zum Laufen bringt, aber eben nicht immer optimal.
Alle getesteten Geräte haben eine Automatik zum Einstellen von Frequenz und Phasenlage. Doch die funktioniert nur, wenn das Betriebssystem für ein Bildsignal sorgt, dass im Fangbereich liegt. Dank Plug & Play muss hier jedoch nur beim Actebis von Hand eingegriffen werden, was jedoch nicht allzu schwierig ist. Beim Samsung kann man durch Nachregeln das Fangergebnis perfektionieren, Videoseven macht es auf Anhieb perfekt.
Eine Eigenart von TFT-Displays sind die sogenannten Pixelfehler. Da hinter jedem Bildpunkt drei Transistoren sitzen, die auf die Glasrückseite geklebt sind, können einzelne Pixel falsche Farben, dauerhaft schwarz oder dauerhaft weiß sein. Doch die Zeiten sind vorbei, da TFTs an bunten Punktwolken erkannt werden konnten. Kein einziges Gerät im Test fiel an diesem Punkt negativ auf.
So haben wir getestet
Getestet haben wir die Einrichtung der Displays unter der aktuellen SuSE 7.3 mit dem Konfigurationsprogramm Sax 2, das auch die Kommunikation per DDC übernimmt. In die Gesamtwertung geht die Bildqualität zu 50 Prozent ein, die Ergonomie zu 20 Prozent, und Dokumentation & Service, Ausstattung und Linux-Kompatibilität zu jeweils zehn Prozent. Die Bildqualität wurde mit einem Minolta CA 110 gemessen, die Blickwinkel mit einem vollautomatischen Monitor-Messplatz im Testlabor von CHIP.
Samsung Samtron 50x
Das Samtron besticht durch seine Bildqualität. Schon von der Seite kann man das Bild klar und scharf erkennen. Der Grund dafür ist der sehr gute maximale Blickwinkel, der in allen Richtungen hundert Grad überschreitet, diagonal sogar bis 127 Grad reicht.
Bei der Einrichtung unter Linux sorgt DDC für eine gute automatische Konfiguration, die jedoch nicht perfekt ist. Am rechten Bildrand fehlte eine einsame Pixelzeile. Um sie scharf zu fangen, musste in Sax 2 das Bild um einen Tick nach links geschoben werden, danach wurde korrekt auf 75,0 Hertz synchronisiert. Auch der Frambuffer-Modus wird klar und scharf wiedergegeben.
Für das gute Bild sorgen aber noch andere Fakten: Ein Kontrast von 528:1 ist hervorragend, wie auch die Helligkeit von 273 cd/m2. Bildwechsel macht das Display mit 45 Millisekunden zwar nicht superflott, aber ausreichend schnell. Der Stromverbrauch ist mit 19 Watt völlig in Ordnung, allerdings werden auch im ausgeschalteten Modus immerhin noch 0,8 Watt konsumiert.
Samsung Samtron 50x
- Preis (ca.) DM 900
- Bildqualität 1,0 (100%)
- Ergonomie 1,0 (100%)
- Dokumentation & Service 1,7 (86%)
- Ausstattung 2,0 (81%)
- Linux-Kompatibilität 1,3 (92%)
- Gesamtnote 1,2 (95,9%)
Videoseven L15c
Auch das Gerät von Videoseven bietet eine sehr gute Bildqualität, die nur wenig hinter dem Samsung liegt. Das liegt am Blickwinkel, der vertikal nur 91 Grad beträgt. Horizontal und diagonal ist der L15c sogar einen Tick besser als der Sieger.
Das Videoseven ist das einzige Display im Testfeld, das auf Anhieb bei Sax 2 vollautomatisch so gute Einstellwerte produzierte, dass es von Hand nicht einmal Nuancen besser hinzukriegen war. Dabei einigten sich L15c und Sax 2 auf eine minimal erhöhte Bildwiederholfrequenz von 75,3 Hertz.
Der Kontrast ist mit 391:1 ausreichend gut, die Helligkeit kann mit 212 cd/m2 ebenfalls als gut gewertet werden. Weniger überzeugend ist die Leistungsaufnahme von 29,3 Watt, die im “ausgeschalteten” Modus auch nur auf 3,4 Watt zurückgeht. Damit verbraucht das Gerät im Jahr mindestens 30 Kilowattstunden, selbst wenn es gar nicht benutzt wird. Genau wie das Samsung-Gerät besitzt das L15c eine VESA-genormte Displayhalterung, was gut für Büros ist, in denen Wandmontage angestrebt wird.
Videoseven L15c
- Preis (ca.) DM 1000
- Bildqualität 1,3 (95%)
- Ergonomie 2,1 (80%)
- Dokumentation & Service 1,2 (93%)
- Ausstattung 2,3 (77%)
- Linux-Kompatibilität 1,0 (100%)
- Gesamtnote 1,5 (90,5%)
Actebis Targa Visonary V15
Auch beim Actebis Targa bekommt man für das wenige Geld gute Bildqualität. Einzig der geringe vertikale Blickwinkel von gerade einmal 81 Grad schmälert das Vergnügen ein wenig, horizontal und diagonal sind die Messwerte sogar sehr gut. Bei bewegten Bildern, wie etwa der Wiedergabe einer DVD, fällt die etwas träge Reaktionszeit durch Schlierenbildung auf. 50 Millisekunden braucht das Visionary V15 für einen Bildwechsel.
Unter Linux ist ein wenig Handarbeit gefragt, bevor das Display mit der Grafikkarte zusammen spielt. Kompliziert ist den Anpassung aber nicht. Sax 2 liefert dem Display trotz DDC Timingwerte, die gerade eben außerhalb der Spezifikation des V15 liegen. So muss im Tuning-Modus von Sax 2 (XFine 2) die Breite der Bildanzeige um eine Stufe verringert werden, so dass die Bildwiederholrate (laut Sax 2) 73 Hertz und die Horizontalfrequenz 59 Kilohertz betragen (was das Display als 74,4 Hz/59,5 kHz angibt). Nach dem Eingriff läuft das Display wie eine Eins.
Auch das Actebis verbraucht im “ausgeschalteten” Zustand über drei Watt – deutlich zu viel. Eine abschaltbare Steckdosenleiste ist hier wirklich empfehlenswert. Im Betrieb begnügt sich das Gerät mit akzeptablen 18,6 Watt. Ein Kontrast von 300:1 und eine Helligkeit von 192 cd/m2 sind für den Alltagsbetrieb ausreichend gute Werte. Lobenswert ist die gute Dokumentation.
Actebis Targa Visonary V15
- Preis (ca.) DM 1000
- Bildqualität 2,1 (80%)
- Ergonomie 2,1 (80%)
- Dokumentation & Service 1,0 (100%)
- Ausstattung 2,9 (68%)
- Linux-Kompatibilität 1,6 (87%)
- Gesamtnote 2,0 (81,5%)
Fazit
TFT-Display erobern die Welt, auch die mit dem Pinguin. Zwar hat der Test gezeigt, dass es keine größeren Probleme gibt, aber von reibungslosem Plug & Play wie in der Windowswelt kann man im Augenblick nicht hundertprozentig sprechen. Doch wer berücksichtigt, dass ein Flachbildschirm eben keine 100 Hertz verdauen kann (well er sich die selbst generiert), der hat unter Linux viel Freude mit den reflexarmen und verzerrungsfreien Flachmännern.
Und noch ein Tipp: Spendieren Sie ihrem Rechner ein abschaltbare Steckdosenleiste. Alle Geräte verbrauchen auch dann, wenn sie vermeintlich ausgeschaltet sind, weiterhin Strom. Das macht der Computer, wenn er ein ATX-Netzteil hat, ebenso, und dazu gesellen sich noch die vielen Steckernetzteile. Mit der Leiste tut man daher etwas für Umwelt und Geldbeutel gleichermaßen.







