HTML-Editoren

Aus LinuxUser 11/2001

HTML-Editoren

Tag für Tag

Was leisten HTML-Editoren unter Linux? Eine Bestandsaufnahme für alle, die ihre Web-Seiten nicht in einem Texteditor verfassen möchten.

Ein einfacher Texteditor genügt, um HTML-Dateien zu schreiben. Doch ist ein spezialisierter HTML-Editor wesentlich angenehmer: FTP-Funktionalität, mit deren Hilfe die Dateien gleich auf den Web-Server kopiert werden können, ist ebenfalls in einigen Programmen enthalten.

Kasten 1: HTML-Versionen

HTML, die “HyperText Markup Language”, entstand um 1990 am Europäischen Kernforschungszentrum (CERN) in Genf als eine der Schlüsseltechnologien des WWW. Mit dieser Sprache ausgezeichnete Dokumente sollten es den Benutzern verschiedener Rechnerplattformen ermöglichen, sich mit Hilfe von Verknüpfungen, Links, durch die Informationen zu hangeln.

Den ersten grafischen Web-Browser stellte 1993 das National Center for Supercomputing Applications (NCSA) an der University of Illinois vor: Mosaic. Im selben Jahr wurde die HTML-Version 1.0 spezifiziert. 1994 entstand die W3-Organisation, die die Weiterentwicklung und Normierung von HTML seitdem koordiniert. Im Juni desselben Jahres kam HTML 2.0 heraus. Bis zu diesem Zeitpunkt beschränkte sich der Standard auf einfache Formatierungsauszeichnungen für Text, Abbildungen und Hyperlinks.

Im März 1995 wurde HTML 3.0 angekündigt, das als Neuheiten Formulare und einfache Tabellen beschrieb. Netscape 2 erblickte im Herbst desselben Jahres das Licht der Welt und stellte als erster Browser auch die mit HTML 3.0 eingeführten Frames dar. HTML 3.2 vom Mai 1996 enthielt nur wenige Neuerungen. HTML 4.0 wurde 1998 offiziell verabschiedet, neu hinzugekommen sind u. a. Cascading Style Sheets (CSS) und Eventhandler, die aus JavaScript übernommen wurden. Neuester Stand in Sachen HTML ist XHTML, das HTML 4.0 in XML neu definiert.

Alle aktuellen Browser können HTML in der Version 4.0 darstellen, leider gibt es einige Unterschiede insbesondere bei der Interpretation von Style Sheets und bei der Umsetzung von Layern, Ebenen. So bleibt es weiterhin schwierig, Seiten zu schreiben, die in allen Browsern gleich aussehen.

Die Kandidaten

Sieben Programme sollten sich im Praxistest beweisen. Drei davon (August, Bluefish und Quanta) unterliegen der GPL, zwei (CoffeeCup und HTML-Format) sind Freeware, eines, AsWedit, Shareware, und der IBM WebSphere Homepage Builder vertritt die Sparte der kommerziell erhältlichen Kauf-Programme.

Wirft man einen Blick auf das Alter der Editoren, stellt man fest, dass die kommerziell entwickelten allesamt schon ein paar Jährchen alt sind, während die freien Programme stetig weiter entwickelt werden. WebSphere, AsWedit und CoffeeCup haben mindestens ein bis zwei Jahre auf dem Buckel; HTML-Format, August, Bluefish und Quanta dagegen sind in ständiger Weiterentwicklung begriffen.

Kasten 2: Das WWW und WYSIWYG

Wenn im Zusammenhang mit HTML-Editoren von WYSIWYG (What You See Is What You Get), “Du siehst, was Du bekommst”, die Bildschirmansicht stimmt mit der endgültigen Ausgabe überein) die Rede ist, muss einschränkend gesagt werden, das “echtes” WYSIWG mit HTML nicht möglich ist. HTML ist eine Seitenbeschreibungssprache, die ursprünglich dafür entwickelt wurde, formatierten Text plattformübergreifend darstellbar zu machen. Es war nicht vorgesehen, HTML für Layoutaufgaben zu verwenden.

Mit Hilfe von Style Sheets kann man mittlerweile zwar dem Text ein einheitliches Aussehen geben. Da aber jeder Benutzer in seinem Browser eine andere Standardschrift einstellen oder die Verwendung von Vorlagen abstellen kann und nicht immer alle in einer Seite verwendeten Schriften auch beim Betrachter installiert sind, kommt es vor, dass die sorgsam ausgetüftelte Seite auf einem anderen Rechner weniger schön aussieht.

Zudem sollte man sich darüber Gedanken machen, dass ein grafischer Web-Browser nicht die einzige Ausgabemöglichkeit für Web-Seiten ist: Text-Browser, Sprachausgabe, die Ausgabe auf Braille-Zeilen u. a. Ausgabealternativen erschließen das Web sowohl blinden und sehschwachen Menschen als auch Personengruppen, deren Rechner nicht dem Stand der Technik entsprechen.

Die Kandidaten mussten folgendes Testprogramm absolvieren: Wir überprüften zunächst die Installation aus Quellen und Binärpaketen. Anschließend mussten die Programme zeigen, wie sie den Benutzer bei der Gestaltung von HTML-Seiten unterstützen. Wichtig war uns zudem, inwieweit sie in der Lage sind, eine ganze Web-Site zu verwalten.

Da Skript-gesteuerte Web-Seiten immer wichtiger werden, schauten wir uns an, ob die Editoren die Entwicklung Skript-basierter Seiten ermöglichen. Am Ende warfen wir noch einen Blick auf die beiliegende Hilfe in Form von Handbüchern und Online-Hilfe. Tabelle 1 fasst die wichtigsten Programmfunktionen zusammen.

AsWedit

AsWedit ist ein HTML-Quelltexteditor, der für Studenten und Schüler sowie für nicht-kommerzielle Nutzung kostenlos zu haben ist. Die Vollversion kostet 225 DM.

Leider ließ sich das Programm auf einem System mit Red Hat 7.1 nicht ausführen, so dass der Test auf einem anderen Rechner mit Red Hat 6.2 durchgeführt wurde. Dort war das Programm leicht zu installieren. Dazu entpackt man die Datei asWedit-4.0.1-i386.linux.tar.gz mit dem Befehl

tar -xzvf asWedit-4.0.1-i386.linux.tar.gz

…, wechselt ins Verzeichnis asWedit-4.0.1 und kopiert das Binary asWedit in ein für den User erreichbares bin-Verzeichnis, z. B. /usr/local/bin. Die Hilfedatei asWedit.hlp sollte in einem lib-Verzeichnis, z. B. /usr/local/lib, ihren Platz finden. Der Editor wird durch Eingabe von asWedit in einem Terminal gestartet und zeigt sich sehr aufgeräumt (Abbildung 1).

Die wichtigsten HTML-Tags finden Sie in der Werkzeugleiste unterhalb des Menüs. Mit einem Klick auf das Icon Standard HTML-Layout erhalten Sie ein Grundgerüst für eine neue Web-Seite.

Abbildung 1: asWedit

Abbildung 1: asWedit

Das Syntax-Highlighting erleichtert die Übersicht im Quelltext; zudem zeigt AsWedit in Menüs und Werkzeugleisten nur die Tags an, die im Zusammenhang sinnvoll sind. Eine Syntaxüberprüfung ist eingebaut, so dass Fehler im Text schnell gefunden werden.

Das Ergebnis Ihrer Arbeit überprüfen Sie in Netscape, Arena, Mosaic oder Lynx, eine eingebaute Vorschau gibt es nicht. Auf Wunsch öffnet AsWedit durch Klicken mit der rechten Maustaste auf ein eingegebenes Tag ein Fenster, in dem Sie alle HTML-4-konformen Parameter des Tags bequem eingeben können (Abbildung 2).

Abbildung 2: Attribute eines Tags bearbeiten

Abbildung 2: Attribute eines Tags bearbeiten

Die Programmhilfe (einschließlich HTML-Referenz) ist sehr übersichtlich und umfangreich. Aufgrund der integrierten Syntaxüberprüfung und der zahlreichen Hilfen zur Eingabe von Tags eignet sich dieser Editor sehr gut für Einsteiger. Leider fehlt Unterstützung für Skript-Sprachen und moderne Web-Technologien wie Style Sheets, auch wirkt die Oberfläche des Programms ein wenig antiquiert – Kritikpunkte, bei denen zu überlegen ist, ob die recht teure Vollversion ihr Geld wert ist.

August

August ist ein HTML-Quelltexteditor, der in Tcl geschrieben ist. Die Installation beschränkt sich auf die wenige Schritte: Sie entpacken die Datei august0.63b.src.tgz mit dem Befehl

tar -xzvf august0.63b.src.tgz

…, wechseln ins Verzeichnis august0.63.src und kopieren die Datei august als root in ein Verzeichnis, das im Suchpfad liegt, z. B. /usr/local/bin.

Nicht-privilegierten Usern steht nach Eingabe von august & in einer Konsole die sehr übersichtliche August-Programmoberfläche (Abbildung 3) zur Verfügung. Die wichtigsten Tags können Sie über Menübefehle oder die Symbolleisten eingeben. August ermöglicht es, ein benutzerdefiniertes Menü mit häufig benötigten Tags anzulegen (Abbildung 4).

Abbildung 3: August

Abbildung 3: August

Abbildung 4: Das Benutzermenü von August bearbeiten

Abbildung 4: Das Benutzermenü von August bearbeiten

Der Editor beherrscht Syntax-Highlighting und kann HTML-Quelltext mit Hilfe des Programms weblint auf korrekte Syntax hin überprüfen. Eingabemasken für das Einfügen von Links und Grafiken sind vorhanden, ein Tabellenassistent fehlt. August bietet keine Unterstützung für Frame-basierte Seiten, auch auf eine Projektverwaltung muss man verzichten. Hingegen kann jede beliebige HTML-Seite als Vorlage gespeichert und später wieder verwendet werden. Die erzeugten Seiten müssen extern in Netscape, Konqueror und Lynx überprüft werden.

August enthält eine Hilfedatei, die die Programmbedienung erläutert, eine HTML-Referenz fehlt. Als sehr kompakter Editor eignet er sich für einfache Seiten und kleine Projekte und läuft sehr gut auf älteren Rechnern.

Bluefish

Der HTML-Quelltexteditor Bluefish steht unter der GPL und wurde mit Hilfe der Grafikbibliothek GTK programmiert. Seine Installation ist für Benutzer von SuSE- und Red-Hat-Systemen dank vorhandener rpm-Pakete erfreulich einfach: Sie installieren als root die Datei bluefish-0.6-2.i586.rpm, wenn Sie ein Pentium-I-basiertes System haben, wenn Sie einen Rechner mit einem Pentium II oder III, einem AMD Athlon oder Duron ihr Eigen nennen, benutzen Sie bitte die Datei bluefish-0.6-2.i686.rpm. Die Installation des Paketes erfolgt mit dem Befehl

rpm -Uvh bluefish-0.6-2.ix86.rpm

Durch Eingabe von bluefish & in einer Konsole starten Sie das Programm. Der Editor begrüßt Sie mit einer aufgeräumten Oberfläche (Abbildung 5). Sie erreichen die wichtigsten Tags über den Menüpunkt Tags oder die Schaltflächen, die auf den Werkzeugleisten unterhalb des Menüs angeordnet sind.

Abbildung 5: Bluefish

Abbildung 5: Bluefish

Bluefish bietet Unterstützung beim Erstellen von Tabellen, Style Sheets, Frame-Sets und Formularen. Das Einfügen von Grafiken wird mit Hilfe eines übersichtlichen Dialogs zum Kinderspiel. Das Syntax-Highlighting kann individuell angepasst und um neue Tags erweitert werden (Abbildung 6).

Positiv hervorzuheben ist die Unterstützung von Skript-Sprachen wie PHP und neuerer Web-Sprachen wie WML.

Abbildung 6: Bluefishs Syntax-Highlighting konfigurieren

Abbildung 6: Bluefishs Syntax-Highlighting konfigurieren

Der Vorschau-Browser kann frei gewählt werden, im Editor lassen sich Schriftart und -größe anpassen. Die Projektverwaltung von Bluefish funktioniert gut, es ist jedoch kein FTP-Programm zum Upload der Dateien integriert.

Bluefish verwendet ebenfalls weblint, um die Syntax von HTML-Dokumenten zu überprüfen. Externe Programme können einfach in sein Menü eingebunden werden. Zur Rechtschreibkontrolle wird – so installiert – ispell benutzt. Nach einer Online-Hilfe sucht man vergeblich, jedoch sind Kurzreferenzen zu PHP3, PHP4 und CSS ins Programm integriert.

Trotz seiner niedrigen Versionsnummer läuft die Software bereits sehr stabil, lässt sich leicht bedienen und gut an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Insgesamt findet man in Bluefish einen soliden HTML-Quelltexteditor, der auch auf älteren Rechnern sehr schnell läuft und alle Werkzeuge bietet, die zum Entwerfen von HTML-Seiten benötigt werden. Positiv hervorzuheben ist die Unterstützung von Technologien wie PHP und WML. Was noch fehlt, ist eine ausführliche Online-Hilfe zum Programm und eine HTML-Referenz, aber da kann man zur Not auch auf SelfHTML [2] zurück greifen.

Kasten 3: Netscape, Mozilla und Amaya

Neben den in diesem Artikel vorgestellten Editoren gibt es weitere Programme, mit denen man einfache HTML-Seiten erstellen kann. Mozilla und Netscape liefern den Composer mit, der es ermöglicht, HTML-Seiten ähnlich wie in einer WYSIWYG-Textverarbeitung zusammen zu stellen (siehe Abbildung 7). Leider produziert er eher unübersichtlichen HTML-Code und erlaubt keine komplizierteren Seiten.

Amaya wird vom World Wide Web Consortium W3C herausgegeben und ist Browser und Editor in Einem. Sie erhalten die Software für verschiedene Betriebssysteme unter [1]. Amaya ist der Referenz-Browser des W3C, das die Standardisierung von Internet-Techniken koordiniert. Amaya beherrscht bereits die neuesten Web-Standards wie MathML, XHTML und SVG, ist aber in der Bedienung eher umständlich (Abbildung 8).

Abbildung 7: Composer, der Mozilla-HTML-Editor

Abbildung 7: Composer, der Mozilla-HTML-Editor

Abbildung 8: Amaya, HTML-Editor und Browser

Abbildung 8: Amaya, HTML-Editor und Browser

CD’s HTML-Format

HTML-Format ist ein in Java geschriebener HTML-Quelltexteditor, der über eine interne Vorschau verfügt. Das Programm läuft nicht nur unter Linux, sondern mit jedem Betriebssystem, für das ein Java Runtime Environment (JRE) vorhanden ist. Leider war es nicht möglich, das JRE von Sun auf die CD zu brennen, so dass Sie sich das immerhin 14 MB große Paket selbst von der Java-Homepage http://java.sun.com/j2se/1.3/jre/download-linux.html herunterladen müssen. HTML-Format funktioniert leider nicht mit dem freien JRE Kaffe.

Das JRE installieren Sie, indem Sie das Skript j2re-1_3_1-linux-i386-rpm.bin ausführen und nach Bestätigen des Lizenzvertrages das rpm-Paket j2re-1_3_1-linux-i386-rpm als root mit

rpm -Uvh j2re-1_3_1-linux-i386-rpm

installieren. Anschließend entpackt root die Datei HTML-Format.zip in ein Verzeichnis Ihrer Wahl, z. B. /opt/html-format. Jetzt müssen Sie noch das Skript HF-linux.start im Programmverzeichnis anpassen. Öffnen Sie es in einem Texteditor Ihrer Wahl, und suchen Sie die Zeile, die mit JAVA_HOME= beginnt. Hier tragen Sie den Pfad zum zuvor installierten Java ein, etwa

JAVA_HOME=/usr/java/jre1.3.1

Zum Abschluss suchen Sie die Zeichenfolge HF_HOME=. Dahinter vermerken Sie das Verzeichnis, in dem Sie HTML-Format installiert haben, z. B. /opt/html-format. Speichern Sie die Datei HF-linux.start, und geben Sie die root-Rechte wieder ab. Durch Eingabe von

/opt/html-format/HF-linux.start &

in einer Konsole starten Sie endlich den HTML-Editor.

Beim ersten Mal erkundigt sich HTML-Format nach dem Verzeichnis zum Speichern temporärer Dateien und dem Pfad zu einem externen Browser, z. B. Netscape oder Konqueror. Letzterer wird benötigt, um die Programmhilfe und die Vorschau der HTML-Seiten anzuzeigen.

Die Programmoberfläche ähnelt der von Bluefish (Abbildung 9). Unterhalb der Menüzeile finden Sie eine Reihe von Werkzeugleisten, darunter links die Projektansicht, rechts das Editorfenster. Das Programm ist komplett mit deutschen Menübeschriftungen versehen.

Abbildung 9: CDs HTML-Format

Abbildung 9: CDs HTML-Format

HTML-Format beherrscht Syntax-Highlighting, das vom Benutzer angepasst werden kann. Abfrageformulare zur Tabellen-, Link- und Listenerstellung und das Einfügen von Grafiken sind vorhanden; auf Wunsch erzeugt das Programm ein brauchbares Grundgerüst für die Seitenerstellung. Beim Erstellen von Style Sheets hilft die Software mit einem übersichtlichen Dialog, in den alle Parameter eingegeben werden (Abbildung 10).

Abbildung 10: CSS-Elemente definieren mit HTML-Format

Abbildung 10: CSS-Elemente definieren mit HTML-Format

Ein herausragendes Feature von HTML-Format ist das dateiübergreifende Ersetzen. Sie können Suchbegriffe per Mausklick in allen geöffneten oder allen Projekt-Dateien finden und ersetzen lassen. Das ist beispielsweise sehr praktisch, wenn der Administrator eine neue E-Mail-Adresse hat und der entsprechende Link in allen Dateien geändert werden muss.

Das Programm verfügt über eine hervorragende Online-Hilfe im HTML-Format, die HTML-Referenz SelfHTML kann auf Wunsch eingebunden werden. Mit Hilfe der integrierten Projektverwaltung lassen sich kleinere Web-Sites verwalten, ein FTP-Programm zum Upload der Dateien ist ebenfalls integriert. Sie können Ihre Seiten entweder in einer internen Vorschau oder in einem beliebigen anderen Browser kontrollieren. Bis zu drei verschiedene Browser bindet der Editor ein.

HTML-Format ist ein robuster HTML-Quelltexteditor für die Erstellung und Pflege kleinerer und mittlerer Sites. Da das Programm in Java geschrieben ist, ist es für diejenigen interessant, die ab und zu mit einem anderen Betriebssystem als Linux arbeiten und nicht auf ihren gewohnten HTML-Editor verzichten möchten.

CoffeeCup

CoffeeCup, im letzten Jahr noch als Shareware verkauft, ist mittlerweile Freeware geworden. Das Programm benutzt GTK als GUI-Bibliothek. Im Gegensatz zur kommerziellen, 49 US-Dollar teuren Windows-Version ist die vorliegende Linux-Variante jedoch bereits zwei Jahre alt.

Die Installation gestaltet sich einfach, da CoffeeCup über ein grafisches Installationsprogramm verfügt. Sie entpacken die Datei CoffeeLinux.tar.gz mit dem Befehl

tar -xzvf CoffeeLinux.tar.gz

und rufen als root im neu entstandenen Verzeichnis dist das Programm coffee-install auf. Das Installationsprogramm fordert zur Eingabe eines Programmverzeichnisses auf, wobei Sie den Vorschlag /opt/CoffeeCup.Software/HTMLeditor übernehmen können, und kopiert die Programmdateien dorthin. Jeder Benutzer, der CoffeeCup verwenden möchte, muss das Installationsprogramm nochmals aufrufen, damit einige Konfigurationsdateien in seinem Home-Verzeichnis erstellt werden können. Anschließend lässt sich das Programm durch Eingabe von

/opt/CoffeeCup.Software/HTMLeditor/coffee &

in einer Konsole starten.

Abbildung 11: CoffeeCup

Abbildung 11: CoffeeCup

Die Oberfläche des Programms wirkt etwas unaufgeräumt (Abbildung 11). Zu viele mit unklaren Grafiken versehene Schaltflächen drängen sich dort. CoffeeCup beherrscht in der vorliegenden Version kein Syntax-Highlighting, bietet aber umfangreiche Eingabeformulare für Tabellen, Listen, Grafikimport und die Erstellung eines Frame-Sets (Abbildung 12). Auf eine Projektverwaltung muss man verzichten.

Abbildung 12: Der Frame-Set-Designer von CoffeeCup

Abbildung 12: Der Frame-Set-Designer von CoffeeCup

Eine Stärke von CoffeeCup sind die zahlreich mitgelieferten JavaScript-Skripte, XHTML-Beispiele und CGI-Skripte. Zudem gibt es etliche Grafiken für Menüs und andere Navigationselemente, die leicht an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden können. Bei der Erstellung eines Seitengerüstes hilft ein Assistent, der die wichtigsten Parameter wie Hintergrundfarbe, -grafik und Seitentitel abfragt und eine brauchbare Grundlage zum Arbeiten schafft.

Eine Programmhilfe gibt es in der Freeware-Version nicht, sie ist aber im Internet verfügbar. Die Software eignet sich für diejenigen, die auf Syntax-Highlighting verzichten und sich mit einer etwas gewöhnungsbedürftigen Programmoberfläche anfreunden können. Auch wer an vorgefertigten Skripten interessiert ist, sollte sich CoffeeCup einmal ansehen.

IBM WebSphere Homepage Builder

WebSphere ist das einzige käuflich zu erwerbende Programm in diesem Vergleich. Eine kostenlose 60-Tage-Testversion ist erhältlich; die Vollversion kostet 69 US-Dollar.

WebSphere besteht aus den Programmen WebAnimator, WebArt Designer und Web Page Editor. Web Animator ist ein Programm zur Herstellung animierter GIF-Grafiken, mit WebArt Designer erstellen Sie Logos, Buttons, Rahmen und Hintergründe für Ihre Homepage, und hinter Web Page Editor verbirgt sich der eigentliche HTML-Editor.

Die Installation der Software ist dank eines fertig geschnürten rpm-Pakets einfach, allerdings benötigen Sie eine speziell an WebSphere angepasste Version von Wine, die Sie auf CD finden oder unter http://www.torstenpihl.com/download/Linux/WebSphere_Homepage_Builder/4.0/hpbuilder-wine-4.0-1.i386.rpm herunterladen können. Als root installieren Sie zunächst das Paket hpbuilder-wine-4.0-1.i386.rpm, dann das Paket hpbuilder-4.0-1.i386.rpm:

rpm -Uvh hpbuilder-wine-4.0-1.i386.rpm
rpm -Uvh hpbuilder-4.0-1.i386.rpm

Als einziges Programm im Test handelt es sich beim Homepage Builder um einen WYSIWYG-Editor, der viel umfangreichere Formatierungsmöglichkeiten bietet als Composer oder Amaya (Kasten 3). Sie können Ihre Homepage wie in einer Textverarbeitung formatieren und das Ergebnis sofort am Bildschirm begutachten (Abbildung 13).

Abbildung 13: WebSphere Homepage Builder

Abbildung 13: WebSphere Homepage Builder

Das Programm bietet auch die Möglichkeit, HTML-Tags direkt einzugeben, überprüft sie dabei sofort auf ihre Richtigkeit und korrigiert eventuell aufgetretene Fehler. Es gibt Assistenten für Tabellen und Frames und einen Skript-Editor, der beim Programmieren in JavaScript hilft (Abbildung 14).

Abbildung 14: Der Skript-Editor aus dem Homepage Builder

Abbildung 14: Der Skript-Editor aus dem Homepage Builder

Die Benutzung von Wine führt leider immer wieder zu Bilddarstellungsfehlern; zeitweise nimmt das Programm auch keine Tastatureingaben entgegen. Hinzu kommt, dass die Linux-Version der Windows-Version um zwei Stufen hinterher hinkt.

Homepage Builder ist ein Programm zur Herstellung und Verwaltung umfangreicher Internet-Auftritte. Die Projektverwaltung ist ausgereift, der erzeugte Quelltext von guter Qualität. Leider stören Darstellungsfehler und ausgesprochen langsame Programmausführung selbst auf schnellen Rechnern das Arbeiten. IBM hat vor kurzem bekannt gegeben, dass WebSphere für Linux in Zukunft unter eine Open Source Lizenz gestellt werden soll [3].

Quanta+

Mit einer eingebauten Vorschaufunktion kann der sich nahtlos in KDE integrierende und sehr stabil laufende HTML-Quelltexteditor Quanta+ aufwarten. Zur Installation entpacken Sie das Archiv quanta-2.0-pr2.tar.bz2, wechseln ins Verzeichnis quanta und geben nacheinander die Befehle

make -f makefile.cvs
./configure
make

ein. Nach einem make install als root startet das Programm durch Eingabe von quanta & in einer Konsole oder durch Auswahl von Entwicklung / Quanta Plus im K-Menü.

Die übersichtliche Oberfläche bietet unterhalb der Menüzeile und der Hauptwerkzeugleiste eine Reihe über Karteireiter erreichbare Werkzeugleisten, mit deren Hilfe Sie die wichtigsten HTML-Tags einfügen. Rechts darunter befindet sich das Editor-, Hilfe- und Vorschau-Fenster, links wählen Sie über Karteireiter einen Datei-, Projekt- oder Hilfe-Browser aus.

Quanta verfügt über eine Reihe von Dialogen, die beim Erstellen von Tabellen und Frame-Sets, beim Einfügen von Links und Grafiken und bei der Farbauswahl helfen.

Die Tags werden im Editor-Fenster farblich hervorgehoben, eine Rechtschreibhilfe hilft beim Überprüfen des Geschriebenen. Leider beschreibt die wenig umfangreiche Programmdokumentation noch die Version 1; dafür gibt es die Möglichkeit, ausführliche Referenzen zu CSS, JavaScript, PHP und HTML zu installieren, die direkt im Hilfe-Browser angezeigt werden.

Quanta unterstützt neben HTML auch PHP, so dass auch skriptgesteuerte Seiten entwickelt werden können. Ein einführendes Tutorial finden Sie ab Seite 34.

Fazit

HTML-Seiten können Sie mit allen vorgestellten Programmen mehr oder weniger bequem schreiben. Welches das richtige ist, hängt von individuellen Vorlieben ab. Quanta gefällt durch seine Integration in KDE, die ausführlichen, gut lesbaren Referenzen und die übersichtliche Gestaltung des Programms einschließlich der Dialoge.

Letzteres gilt auch für Bluefish, das zudem den Vorteil hat, auch auf älteren Rechnern noch zufriedenstellend schnell zu laufen. HTML-Format ist ähnlich zu bewerten wie Bluefish und Quanta. Dieses Programm verfügt über eine wirklich gut gemachte Programmhilfe, so dass sich auch Einsteiger schnell zurecht finden. Dank Java läuft HTML-Format auch auf anderen Betriebssystemen. Alle drei Programme weisen eine sehr ähnliche Oberfläche auf.

CoffeeCup ist für diejenigen interessant, die ihre Seiten mit Skripten und grafischen Effekten aufpeppen wollen, denn etliche mitgelieferte Progrämmchen sorgen für einen Produktivitätsschub. Die Oberfläche von CoffeeCup wirkt eher verwirrend, außerdem ist das Programm nicht mehr das neueste.

Wer nicht ständig HTML-Quelltext bearbeiten möchte und die Ausgabe von knappen 130 DM nicht scheut, kann zum Homepage Builder greifen. Bis auf AsWedit lassen sich alle anderen Programme mit der Tastatur nur sehr mühsam bedienen, fast immer ist ein Griff zur Maus notwendig, um ein Tag einzufügen oder zu bearbeiten.

Es bleibt das erfreuliche Fazit, dass an guten HTML-Editoren für Linux kein Mangel besteht.

Tabelle 1: HTML-Editoren im Überblick

  asWedit 4.0.1 August 0.63b Bluefish 0.6 CD’s HTML-Format 6.x R 69 CoffeeCup 4.1 IBM WebSphere 4.0 Quanta 2.0 pre 2
Entwickler Advasoft Johan Bengtsson Olivier Sessink Christian Dieckmann CoffeeCup Software Inc IBM Corp. Alexander Yakovlev, Dmitry Poplavsky, Eric Laffoon
Lizenz Shareware, kostenlos für Schüler, Studenten und nicht-kommerzielle Anwender GPL GPL Freeware Shareware Kommerziell, 60 Tage-Testversion GPL
Homepage http://www.advasoft.com/ http://www.lls.se/~johanb/august/ http://bluefish.openoffice.nl/ http://www.downloadbereich.de/HTML-Format/ http://www.coffeecup.com/freestuff/ http://www-4.ibm.com/software/webservers/hpbuilder/linux/download_1.html http://quanta.sourceforge.net/
Sprache der Oberfläche Englisch/Deutsch Englisch Deutsch Deutsch Englisch Englisch Deutsch/Englisch
Installation
rpm x x
Quellen-tgz x x x
Zusätzlich benötigte Bibliotheken Tcl GTK Java Runtime Environment GTK Wine KDElibs >2.1
Editor-Eigenschaften
Assistent für Seitengerüst x x x x x x x
Syntax-Highlighting x x x x x x
Syntax-Überprüfung x extern über weblint extern über weblint x x (automatisch) x
Vorschau-Funktion x x x
Projektverwaltung x x x x
Rechtschreibprüfung über ispell   x (Englisch) x
HTML-Eigenschaften
Vollunterstützung HTML-Version 4.0 3.2 4.0 4.0 3.2 4.0 4.0
Abfrageformulare für wichtige Tags x x x x x x
Berücksichtigung aller Attribute x x x x x
Frame-Unterstützung x x x x x x x
Cascading Style Sheets x x x x x x
Client-seitige Web-Sprachen JavaScript JavaScript JavaScript JavaScript
Server-seitige Web-Sprachen PHP Perl/PHP3-Vorlagen PHP PHP
Hilfsprogramme
Überprüfung von Links x
FTP-Programm zum Upload x x x
Anwenderunterstützung
Online-Hilfe x x x x x
Handbuch x (nur in der Vollversion) x
HTML-Lexikon x x SelfHTML kann eingebunden werden x

Glossar

Tags

Ein Tag ist ein HTML-“Befehl”. Beispielsweise leitet <h1> eine Überschrift erster Ordnung ein.

FTP

“File Transfer Protocol”, ein Protokoll zum Übertragen von Dateien zwischen Rechnern.

Cascading Style Sheets

Formatvorlagen, mit denen das Aussehen von Textabschnitten genauer definiert werden kann als mit den herkömmlichen HTML-Tags.

XML

Die “EXtensible Markup Language” ist eine Auszeichnungssprache, in der beliebige eigene Tags definiert werden können. Sie dient als Basis für die Dokumentenformate verschiedener Programme wie Abiword und KWord.

PHP

PHP Hypertext Preprocessor, eine Skript-Sprache, die in HTML-Dateien eingebettet wird und die dynamische Erzeugung von Web-Seiten ermöglicht.

WML

Die Wireless Markup Language ist eine auf XML basierende Sprache, mit der Seiten erstellt werden, die auf WAP-fähigen Handys angezeigt werden können.

SVG

“Scalable Vector Graphics”, ein Dateiformat zum Speichern vektororientierter Grafiken, das auf XML basiert.

MathML

Die “Math(ematical) Markup Language” definiert neue Tags zur Darstellung mathematischer Formeln in HTML. So ist es möglich, komplizierte Formeln innerhalb einer HTML-Datei zu beschreiben. Zur Zeit unterstützt nur der vom W3-Konsortium verbreitete Browser Amaya MathML.

XHTML

Der Nachfolger von HTML 4.0.

JavaScript

Eine von Netscape eingeführte Programmiersprache, deren Quelltext direkt in HTML-Seiten eingebettet werden kann und die einfacher zu erlernen ist als Java. JavaScript wird auf dem Browser des Benutzers ausgeführt.

CGI

“Common Gateway Interface”, eine genormte Schnittstelle zwischen Programmen und dem Web-Server.

Wine

Abkürzung für “Wine Is Not an Emulator”. Mit Hilfe von wine ist es möglich, Windows-Programme unter Linux auszuführen, ohne Windows zu installieren.

Infos

[1] Browser und Web-Editor Amaya: http://www.w3c.org/amaya/

[2] Die deutschsprachige HTML-Referenz SelfHTML von Stefan Münz: http://www.teamone.de/selfhtml/

[3] IBMs Ankündigung, WebSphere für Linux als Open Source zu veröffentlichen: http://www.zdnet.com/eweek/stories/general/0,11011,2805288,00.html

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