Netzwerk-Adapter SEH Intercon IC-55 und IC-105 einrichten

Aus LinuxUser 10/2001

Netzwerk-Adapter SEH Intercon IC-55 und IC-105 einrichten

Petri Heil!

In einem modernen Haushalt, in dem Vater, Sohn und Tochter ihren eigenen Computer benutzen, wird meist für jeden Rechner ein eigener Drucker gekauft. Dank Netzwerk-Adapter ist es aber gar nicht schwer, sich einen Familien-Drucker zu teilen.

Heute ist es üblich, zu jedem Computer einen eigenen Drucker zu kaufen, denn die gemeinsame Nutzung eines Druckers für die ganze Familie ist alles andere als leicht: Ein Drucker-Umschalter ist sehr unbequem, wenn die Computer in verschiedenen Räumen stehen, und die meisten Windows-Treiber prüfen beim Laden die Präsenz des Druckers und beschweren sich, wenn er nicht antwortet. Noch dazu ist die maximale Länge der Druckerkabel sehr beschränkt – für den ECP-Modus mit bis zu 1,2 MBit/s muss ein teures geschirmtes, maximal 5 Meter langes Kabel gekauft werden, und selbst im langsamen SPP-Modus ist nach 15 Metern endgültig Schluss. Spätestens wenn ein dritter Computer hinzu kommt, stehen die Anschaffungskosten der Kabel kaum noch in einem vertretbaren Verhältnis zum Nutzen.

Ein Drucker für alle

Abhilfe schafft ein externer Netzwerk-Adapter für Drucker. Die oft irreführend als Printserver bezeichneten Geräte bieten auf der einen Seite einen ECP-Druckeranschluss und auf der anderen eine Netzwerk-Schnittstelle. Damit vereinfacht sich die Kabelführung erheblich: Statt mehrerer 25 poliger Kabel braucht nur noch ein Standard-Netzwerk-Kabel bis zum Drucker gelegt werden, das auf der anderen Seite mit einem Computer, einem Huboder Switchverbunden wird. Hinsichtlich der Kabellängen gibt es kaum Einschränkungen, über hundert Meter darf das “Druckerkabel” lang sein. Probleme bei der gemeinsamen Nutzung gibt es auch nicht: Der Drucker kann mehreren Rechnern gleichzeitig antworten, nimmt aber im Gegensatz zu echten Printservern mit eigenen Festplatten für die Zwischenspeicherung immer nur einen Druckauftrag an. Die anderen Aufträge werden in eine Warteschlange gehängt und nacheinander abgearbeitet.

SEH Intercon IC-55 und IC-105

Für den Toner-Verbrauchstest der Laserdrucker in dieser Ausgabe verwendeten wir die Netzwerk-Adapter Intercon IC-55 und IC-105 der Firma SEH. Der Anschluss ist denkbar einfach: Sie werden an die Centronics-Schnittstelle eines beliebigen Druckers gesteckt und mit den Federbügeln gegen Herausfallen gesichert. Nach Anschluss der Netzteile sind die Adapter einsatzbereit.

Der SEH IC-55 bietet zwei Anschlüsse mit je 10 MBit/s Datenrate: Den herkömmlichen RJ-45-Port für Twisted-Pair-Verkabelungen, und eine BNC-Buchse für ältere Koaxialkabel, die alternativ benutzt werden können. Der IC-105 bietet einen RJ-45-Anschluss mit einer Datenrate von 10 oder 100 MBit/s, und lässt sich damit auch ohne Switch in moderne Netzwerke einbinden. Beide Adapter haben einen Taster, mit dem sich die Konfiguration über den angeschlossenen Drucker ausdrucken lässt.

Die Netzwerk-Adapter haben einen eingebauten Web-Server, über den sich der Status des angeschlossenen Druckers abrufen und Einstellungen verändern lassen. Doch dazu muss am Adapter zunächst die IP-Adresse eingestellt werden. Die Netzwerk-Adapter suchen beim Einschalten automatisch einen DHCP-, BOOTP- oder Novell-Server, um eine IP zugewiesen zu bekommen. In Windows-Netzwerken wird zudem nach einer entsprechenden Arbeitsgruppe gesucht, bei der sich der Adapter anmeldet.

Hardware-Adresse und Netzwerk-Protokoll

Allerdings müssen Sie nicht extra einen DHCP-Server aufsetzen, um die Adapter in Betrieb zu nehmen, ein Ping genügt völlig. Auf den ersten Blick ergibt sich hier ein Henne-Ei-Problem: Der Netzwerk-Adapter bezieht über den Ping seine IP-Adresse, kann aber ohne IP nicht angesprochen werden. Mit einem Trick geht es dennoch.

Zum Verständnis bedarf es einer Betrachtung der Netzwerk-Datenübertragung: Alle Netzwerkgeräte haben eine eindeutige Hardware-Adresse, die wie ein Fingerabdruck einmalig auf der Welt ist. ifconfig zeigt Ihnen zum Beispiel die Hardware-Adresse der eingebauten Netzwerkkarte an. Sie besteht aus 6 Bytes, die in Hexadezimal-Schreibweise durch Doppelpunkte getrennt dargestellt wird. In ihr sind unter anderem eine Hersteller-Kennung und eine Art Seriennummer kodiert.

Auf der Netzwerk-Ebene werden Datenpakete ausschließlich anhand der Hardware-Adresse weitergeleitet – wenn Sie ein Ping an 192.168.1.250 schicken, so wird in der ARP-Tabellezunächst nach der zugehörigen Hardware-Adresse gesucht. In unserem Beispiel sei dies die Adresse 00:C0:EB:05:01:C6. Das Datenpaket wird nun an die Hardware-Adresse gesendet und alles weitere dem Empfänger überlassen.

Die Hardware-Adresse der Adapter finden Sie meist auf dem Typenschild oder auf der Status-Seite, die Sie sich durch Drücken eines Knopfes am Adapter ausdrucken lassen können. Bei der Erstbenutzung ist die Hardware-Adresse des Netzwerk-Adapters noch nicht in der ARP-Tabelle gespeichert. Da der Netzwerk-Adapter seine IP auch nicht kennt, kann er auf eine entsprechende ARP-Anfrage nicht reagieren. Deshalb müssen Sie die Hardware-Adresse von Hand zuordnen:

arp -s 192.168.1.250 00:C0:EB:05:01:C6

Jetzt ist der Adapter von Ihrem Rechner aus (und nur von dort) über die IP-Adresse 192.168.1.250 erreichbar. Mittels Ping können Sie dem Netzwerk-Adapter jetzt ein Datenpaket schicken – worauf hin er die Empfänger-IP-Adresse als seine eigene einträgt und dann den Ping regulär beantwortet. Die Befehle sind übrigens absolut identisch mit denen, die Sie auch unter Windows NT oder Windows 95/98 eingeben müssen, um den Adapter zu konfigurieren.

ping -c 1 192.168.1.250

Netzwerkdrucker einrichten

Nun ist der Drucker von allen Rechnern im Netzwerk unter der Adresse 192.168.1.250 erreichbar. Wer mag, kann der IP-Adresse in der Datei /etc/hosts einen Namen zuordnen:

echo "192.168.1.250 drucker" >> /etc/hosts

Die abschließende Einrichtung als Netzwerkdrucker ist von der verwendeten Distribution abhängig, wo vorhanden sollten Sie die entsprechenden Installations-Programme benutzen. In Listing 1 finden Sie einen universellen Beispiel-Eintrag, den Sie alternativ entsprechend angepasst am Ende der /etc/printcap einfügen können.

Listing 1

netzdrucker:\
   :lp=:\
   :rm=192.168.1.250:\
   :rp=lp1:\
   :sd=/var/spool/lpd/netzdrucker:\
   :mx#0:\
   :sh:

Web-Frontend

Der IC-55 und IC-105 verwenden unterschiedliche Oberflächen, die Bedienung ist aber bei beiden gleich. Neben Status-Anzeige sowie Änderung der Namen und Adressen kann ein Passwort gesetzt werden. Die bis zu acht logischen Drucker erlauben, unterschiedliche Dateiformate automatisch konvertieren zu lassen oder spezielle Schriften zu verwenden. Letztlich gibt es auch die Möglichkeit, bei Druckerfehlern eine Mail an bis zu zwei Administratoren versenden zu lassen.

Durch Einsatz eines Netzwerk-Adapters wird so mancher Drucker überflüssig – statt drei kleinen Druckern kann man das Geld in ein besseres und schnelleres Gerät investieren. Auch kann der lärmende und stinkende Zeitgenosse einfach in die Besenkammer verbannt werden, von wo er sich im Fehlerfall automatisch per Mail meldet. Allerdings sind die vorgestellten Geräte mit knapp 400 bzw. 500 Mark teurer als so mancher Drucker.

SEH Intercon Netzwerk-Adapter

Modell: IC-55 IC-105
Datenrate: 10 MBit/s 10 und 100 MBit/s
Anschlüsse: Centronics, BNC, RJ-45 Centronics, RJ-45
Preis: ca. 380 DM ca. 500 DM

Glossar

Hub

Ein USB-, ISDN- oder Netzwerk-Hub stellt einen Verteiler dar, an den mehrere Geräte gleichberechtigt angeschlossen werden können. Alle Geräte erhalten die gleichen Daten und müssen sich die Daten-Bandbreite teilen. Einen Hub kann man etwa mit einer Mehrfach-Steckdose vergleichen.

Switch

Ein Netzwerk-Switch ist ein selektiver Datenverteiler: Anstatt allen angeschlossenen Geräten alle Daten zu übermitteln, werden sie nur an den jeweiligen Empfänger geschickt. So ist es möglich, dass sich zwei Geräte gleichzeitig mit zwei anderen unterhalten, ohne sich gegenseitig zu stören – die Daten-Bandbreite kann von jedem Gerät voll ausgenutzt werden. Im Gegensatz zu Hubs können an die meisten Switches Geräte unterschiedlicher Geschwindigkeit gleichzeitig angeschlossen werden, ohne die Geschwindigkeit auf die des langsamsten zu reduzieren.

ARP-Tabelle

Hier ist jeder IP-Adresse eine entsprechende Hardware-Adresse zugeordnet. Per Address Resolution Protocol wird bei erster Verwendung einer IP im Netzwerk gefragt, wer für den Datentransport zur fraglichen IP zuständig ist. Die Hardware-Adresse des ersten Antworters wird in der ARP-Tabelle der IP-Adresse zugeordnet. Der eigentliche Datenversand erfolgt dann auf Netzwerk-Ebene nur anhand der Hardware-Adresse, nicht anhand der IP-Adresse. Die Hardware-Adressen sind einmalig für jedes Netzwerk-Gerät, die 6 Bytes lange Folge enthält unter anderem die Hersteller-Kennung und eine Art Seriennummer.

LinuxUser 10/2001 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE
ABONNEMENTS
TABLET & SMARTPHONE APPS
E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:

Hinweis: Dieser Artikel ist älter als ein Jahr, enthaltene Informationen sind möglicherweise veraltet.

0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Nach oben