Wissen Sie eigentlich, wofür die Abkürzung DVD steht? Oder wer das Laserdruck-Verfahren entwickelt hat? Die Antworten stehen in einem kleinen Handbuch, das den etwas irreführenden Namen “Taschenbuch Multimedia” trägt.
Das Buch setzt einen sehr breiten Multimedia-Begriff voraus: Nach der Definition des Autors stehen im Zentrum des Begriffs der Mensch und seine Wege zu kommunizieren. Diese Wege und Kanäle sind nur teilweise mit den klassischen fünf Sinnen identisch, und nicht jeder kann in beide Richtungen benutzt werden.
Das Buch behandelt die für die Computer-Technik wichtigen Kanäle in der zeitlichen Abfolge ihrer Entstehung, wobei zwei Aspekte berücksichtigt werden: Die Trennung von Information und Darstellung und die Vernetzung von Informationsquellen.
Historie
Das erste Kapitel gibt einen tiefer gehenden Einblick in die historisch-technische Entwicklung multimedialer Übertragungswege. Dabei steht das Internet im Vordergrund. In “Kommunikation in Bits und Bytes” werden nachrichtentechnische und informationstheoretische Grundlagen serviert. Wie funktioniert der LZW-Algorithmus zur Komprimierung? Welche Alternativen gibt es dazu?
Daran anschließend wandert der Autor Peter A. Henning durch die Bereiche “Zeichen und Schrift”, “Licht und Farbe”, “Ton und Klang” und “Bewegung, Animation und Video”. Diese Kapitel liefern Begriffserläuterungen und theoretische Grundlagen zu Standards, beispielsweise PAL und NTSC bei den Video-Formaten.
Hardware und Software
Mit “Multimedia-Hardware” und “Digitale Speichermedien” nähert sich der Autor dann stärker dem Computer als Medium für die multimediale Übertragung. Da es im Buch um Informatik, nicht aber um Computer geht, finden sich hier ebenfalls nur die Grundlagen zur Funktionsweise der einzelnen Medien, aber keine klassischen Kaufempfehlungen.
Es fällt angenehm auf, dass bei der Beschreibung von Multimedia-Software nicht ausschließlich kommerzielle Produkte den Weg in das Werk gefunden haben. So wird dem Bildbearbeitungsprogramm GIMP beispielsweise ein Abschnitt gewidmet. In diesem Zusammenhang erläutert der Autor in kurzer Form die Philosophie freier Software.
Sicherheit spielt immer dann eine Rolle, wenn die digitalen Inhalte vor Unbefugten geschützt werden sollen. Auch diesem Aspekt widmet Henning ein eigenes Kapitel, indem er verschiedene Techniken erklärt sowie einen Überblick über die rechtliche Situation vermittelt.
Elektronisches Publizieren
Wer etwas für das Web schreiben oder lediglich via PC und Drucker auf Papier publizieren möchte, hat die Auswahl zwischen einer Vielzahl von Systemen, die für diese Aufgabe in Frage kommen. Da gibt es einfaches HTML oder LaTeX, das bewährte Satzsystem, das perfekt gesetzte Texte liefert und dem Autor so viel Arbeit abnehmen kann. Hier gibt das Buch einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten und erlaubt so den Einstieg.
Etwas unausgegoren wirkt das Kapitel über E-Commerce und E-Government: Während das Buch im ersten Teil deutlich den theoretisch-technisch interessierten Leser adressiert, kommen hier plötzlich Aspekte aus der Wirtschaft ins Spiel, zum Beispiel Guidelines für die E-Commerce-Strategie. Das ist nicht nur ein Wortmonster an sich, sondern führt zudem fort von den interessanten Aspekten, die das Buch vermittelt.
Visionen
Witzig liest sich dagegen das Kapitel Visionen, in dem in kurzen Abschnitten Innovationen beschrieben werden, die unser Leben möglicherweise in Zukunft beeinflussen könnten. Im Fall des elektronischen Papiers zeichnet sich diese Zukunft ja schon sehr deutlich ab, wie Besucher der letzten CeBIT sehen konnten. Dort wurden die ersten Produkte vorgestellt, die über das Teststadium hinaus sind.
Das Buch ist eine lohnende Anschaffung für jeden, der an der Schwelle zum tieferen Einstieg in die Informatik steht. Die hier allgemein und knapp dargelegten Fakten enthalten Verweise auf weiterführende Literatur (mitunter online). Zahlreiche Beispielbilder und weiter führende Informationen bietet der Autor übrigens auf seiner Homepage an. Dem Laien hilft das Taschenbuch Multimedia, die Grundprinzipien zu verstehen, nach denen die Vermittlung digitaler Inhalte via Computer funktioniert.
Übrigens: DVD ist kurz für “Digital Versatile Disc” (Kapitel 8.5). Das erste Laserdruck-Verfahren (Xerox) entwickelte Chester F. Carlson im Jahr 1937.
Taschenbuch Multimedia
Peter A. Henning: Taschenbuch Multimedia
2. Auflage 2001, Fachbuchverlag Leipzig
604 Seiten, 39,80 DM
ISBN: 3-446-21751-7http://www.fbi-medialab.fh-karlsruhe.de/TBMM.html




