Neue Linux-Anwendungen kurz vorgestellt

Aus LinuxUser 09/2001

Neue Linux-Anwendungen kurz vorgestellt

Hitzefrei!

Homebanking-/Finanz-Software Moneyplex 1.0

Eine gute Nachricht für alle Linux-Anwender, die bisher mangels geeigneter Finanz-Software unter Linux ihren (Online-) Zahlungsverkehr notgedrungen noch unter Windows verwalten müssen: Die Aalener Firma Matrica wird in Kürze ihre HBCI-fähige Homebanking-/Finanz-Software Moneyplex in einer nativen (!) Linux-Version auf den Markt bringen.

Laut Angaben eines Firmenmitarbeiters wurde das einstmals für den OS/2-Markt konzipierte Moneyplex für den heutigen Einsatz unter Linux bzw. Windows völlig überarbeitet und erweitert. Zum Funktionsumfang gehören Internet-Banking nach dem HBCI-Standard (bei manchen Banken auch noch über das PIN-/TAN-System) und umfangreiche Auswertungs- und Finanzverwaltungsmöglichkeiten wie Buchführung, Einnahme-/Überschussrechnung und Statistiken. Der Umstieg auf Moneyplex soll dank eines guten Import-Filters für nahezu alle in der Windows-Welt gängigen Datenformate von Finanzprodukten (MS Money, Quicken,…) besonders einfach möglich sein.

Moneyplex wird es voraussichtlich in mindestens zwei Varianten geben: Die Business-Version (150–200 DM) wird sich von der Standard-Version (rund 100 DM) vor allem dadurch unterscheiden, dass man in ersterer mehrere Mandanten verwalten kann. Darüber hinaus wird Matrica dem Interessierten auch optionales Zubehör wie z. B. Kartenleser-Hardware anbieten. Möglicherweise wird es für einen entsprechenden Aufpreis sogar ein Bundle-Angebot mit einer Linux- und einer Windows-Version von Moneyplex geben.

Matrica versicherte, dass man bemüht sei, Moneyplex nicht nur auf den allerneuesten, sondern – mit gewissen Grenzen – auch auf inzwischen schon etwas älteren Linux-Distributionen lauffähig zu machen. Ab Mitte August soll für Interessierte eine “Final-Public-Beta” zum Download bereitstehen. Das Endprodukt gibt´s (hoffentlich) kurze Zeit später direkt bei Matrica oder alternativ bei einigen Händlern. http://www.matrica.de

X11-Fenster-Manager Sawfish 1.0

Flexibel erweiterbar, nett anzusehen, aber nicht zu monströs – diese Kriterien waren den Entwicklern des Gnome-Desktops wohl besonders wichtig, als sie Sawfish – damals noch Sawmill – zum Standard-Fenster-Manager kürten. Mittlerweile hat Sawfish Version 1.0 erreicht und erfreut sich – trotz durchaus vorhandener Alternativen – unter GNOME-Anhängern immer noch großer Beliebtheit. Dies liegt vermutlich nicht zuletzt daran, dass sich der Fenster-Manager mittels einer Lisp-ähnlichen Skriptsprache namens “librep” sehr weitgehend an individuelle Benutzerbedürfnisse anpassen lässt und es inzwischen eine große Auswahl an Sawmill-Themes gibt. http://sawmill.sourceforge.net/http://sawmill.themes.org/

Tintenstrahldruck-Optimierer Turboprint 1.4

Besitzer von Tintenstrahldruckern mussten sich unter Linux lange Zeit mit einer im Vergleich zu Windows schlechteren Qualität von Farbausdrucken zufriedengeben. Das Common Unix Printing System (CUPS), das allmählich das alte BSD-Druckersystem lpr ablöst, bringt zwar bereits für eine ganze Reihe von Tintenstrahldruckern ganz brauchbare Treiber mit – einen optimalen Farbausdruck in höchstmöglicher Druckauflösung erhält man derzeit unter Linux aber nur mit Hilfe der Drucker-Tool-Sammlung Turboprint der deutschen Firma ZEDOnet.

Version 1.4 von Turboprint lässt sich jetzt erstmals in CUPS einbinden. Dadurch profitiert man als Besitzer eines HP-, Epson- oder Canon-Tintenstrahldruckers auch bei Verwendung von CUPS von den erweiterten Möglichkeiten (Hochauflösender Farbdruck, Druckkopfreinigung und -justierung) von Turboprint. Neben der Vollversion, die man für 39 DM im Online-Shop erwerben kann, bietet ZEDOnet auch eine funktional leicht eingeschränkte Free Edition von Turboprint zum kostenlosen Download unter http://www.turboprint.de/german/

DVD-RAM-Backup mit BackupEDGE 1.2

Haben Sie schon einmal daran gedacht, für Ihr System-Backup eine wiederbeschreibbare DVD zu verwenden? Die kalifornische Firma Microlite, die neuerdings mit dem bekannten Hersteller von DVD-RAM-Laufwerken Panasonic kooperiert, macht es unter Linux möglich – zumindest, wenn man die neueste Version der Backup-Software BackupEdge in Kombination mit einem DVD-RAM-Laufwerk von Panasonic (Bautypen: LF-D291N, SCSI, bzw. LF-D211V, ATAPI) einsetzen möchte.

Mit Microlites BackupEDGE können Sie (auch über das Netzwerk) auf vielen gängigen (wieder-) beschreibbaren Medien von beliebigen Teilen Ihres Systems Master-, differentielle und inkrementelle Backups erzeugen. Das Wiederherstellungsprogramm RecoveryEDGE sorgt dann im Ernstfall dafür, dass Sie möglichst rasch wieder dort weitermachen können, wo sie vor dem Crash aufgehört haben.

Zum Redaktionsschluss stand der endgültige Preis der Backup-Lösung noch nicht fest. Die Vorgängerversion gibt es momentan aber für ca. 120 US$ (Personal-Edition) bzw. 350 US$ (Business-Version). Wer sich das Produkt unverbindlich anschauen möchte, kann sich nach erfolgter Online-Registrierung eine kostenlose Beta-Evaluationsversion herunterladen. http://www.microlite.com

Simulation-Authoring-Tool RapidBuilder 1.0

Mit RapidBuilder von XStream Software lassen sich alle Interaktionen (Mausaktionen, Tastatureingaben, Aufruf von Programmen usw.) eines Benutzers in einer Desktop-Umgebung aufzeichnen und bei Bedarf nachbearbeiten (z. B. mit Kommentaren, Links, Klängen oder ähnlichem versehen). Die so entstandene .RBX-Datei lässt sich dann mit Hilfe eines Players an beliebigen Orten und zu beliebigen Zeiten wiedergeben.

RapidBuilder lässt sich also überall dort sinnvoll einsetzen, wo man räumlich und zeitlich entfernten Dritten komplexere Arbeitsabläufe in Desktop-Anwendungen demonstrieren will, also z. B. Multimedia-Tutorials oder Anwendungssimulationen. Im Zuge des Einzugs von Wissens-Management-Systemen in Organisationen könnte diese Art der Demonstrations-Show in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Interessenten finden auf der Homepage eine ca. 15 MB große Demo-Version von RapidBuilder. http://www.xstreamsoftware.com

News-Telegramm

* Der Klassiker unter den Linux-Distributionen, Slackware, ist seit kurzem mit topaktuellen Daten in Version 8.0 erhältlich. 

* Wer als KDE-Anwender eine den Klassiker Midnight Commander nachahmende Alternative zum Standard-Datei-Manager Konqueror sucht, der sollte sich mal Krusader (aktuell: Version 0.95) etwas genauer anschauen. 

* Einer der ältesten und zugleich ausgereiftesten Video-/Audio-/DVD-Player unter Linux ist Xine. Die in Kürze erscheinende Version 0.5 wurde komplett überarbeitet und bringt erstmals Unterstützung für 4/5/5.1-Surround-Audio mit. 

* Zum Heiligen Wort und zur Open-Source-Philosophie gleichzeitig bekennen sich die Entwickler von Bibletime 1.0. Mit diesem Programm lassen sich auf komfortable Weise alle Bibelversionen vergleichend studieren, die im Laufe der Jahrhunderte in verschiedenen Ländern herausgegeben wurden.

  • Etwas unverkrampfter, und dank Kmud 1.0 wesentlich farbenfroher, dürfte es allerdings dann doch in den zahlreichen im Internet beheimateten Multi-User-Dungeons (Rollenspielen) zugehen. Der MUD-Client ist ein komfortables KDE-Frontend für Telnet-überdrüssige Avatar-Lenker.
  • Wer jedoch eher auf Spieleklassiker wie Boulder Dash oder Emerald Mine steht, findet mit Rocks’n’Diamonds 2.0 einen gelungenen Linux-Port samt SDL-Unterstützung.

Slackware: http://www.slackware.com/

Krusader: http://krusader.sourceforge.net

Xine: http://xine.sourceforge.net

BibleTime:http://www.bibletime.de

Kmud:http://www.kmud.de

Rocks’n’Diamonds: http://www.artsoft.org

Neues von Borlands Kylix

Delphi, erweiterter Nachfolger der Turbo-Pascal-Umgebung, hat dank seiner Spracheigenschaften (Object Pascal) in der Windows-Welt bereits eine Vielzahl von Desktop-Anwendungen hervorgebracht (Stichwort: Rapid Application Development). Mit Kylix hat die Firma Borland die wichtigsten Komponenten von Delphi nach Linux portiert. Für Entwickler von kommerziellen Anwendungen gibt es bereits seit einigen Monaten (allerdings nicht ganz billige) Kylix-Entwicklungsumgebungen.

Ende Juli hat Borland neben einer kostenlos herunterladbaren 60-Tage-Evaluations-Version nun auch die “Kylix Open Edition” zum Download bereitgestellt. Dabei handelt es sich um eine kostenlos erhältliche Kylix-IDE, die im Vergleich zu den kommerziellen Varianten deutlich weniger CLX-Komponenten mitbringt und dem Entwickler zudem zwingend vorschreibt, dass dieser mit der Open Edition entwickelte Programme unter die Bedingungen der General Public Licence (GPL) stellt. Interessierte finden die Open Edition ebenso wie die 60-Tage-Evaluationsversion der kommerziellen Variante unter http://www.borland.com/kylix

Browser-Updates

Von vielen schon für tot erklärt, aber trotz allem noch verbreitet ist der Netscape-Communicator der 4.7er Generation. Nicht zuletzt deshalb lässt es sich die von AOL aufgekaufte Firma Netscape nicht nehmen, weiterhin Minor-Releases (aktuell: 4.78) mit Bugfixes zu veröffentlichen – allerdings nur noch in englischer Sprache. Die Hauptanstrengungen dürften inzwischen bei der Weiterentwicklung von Mozilla liegen. Jede Minor-Release in Richtung Version 1.0 bringt spürbare Verbesserungen mit sich, so auch die aktuelle 0.9.2. Als ideale Erweiterung von Mozilla bietet sich der ebenfalls aktualisierte Browser-Aufsatz Galeon an. (ahu/hge)

ftp://ftp.netscape.com/pub/communicator/english/4.78/unix/supported/linux22

http://www.mozilla.orghttp://galeon.sourceforge.net

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