Es war nur eine Frage der Zeit, wann Hollywood das Phänomen Open Source als leinwandtauglichen Stoff für sich entdeckt. Am 28. 6. startet in den deutschen Kinos der Film Startup, in dem Regisseur Peter Howitt (Im Namen des Vaters) sich der Materie angenommen hat, die der Feder von Howard Franklin (Der Name der Rose) entsprungen ist.
Die LinuxUser-Redaktion hatte Gelegenheit, den Film vorab zu sehen. Pflichtprogramm, denn immerhin waren Linus Torvalds und John ‘Maddog’ Hall (Linux International) sowie Miguel de Icaza (GNOME, Ximian) technische Berater, und so bestand Hoffnung, dass der versierte Zuschauer nicht mit unsinnigen Vorgängen und Interfaces gequält werden würde.
Ursprünglich lautete der Arbeitstitel des Filmes “Antitrust” (unter diesem Titel kam der Film auch in den Vereinigten Staaten in die Kinos), und damit war die Zielrichtung klarer zu erkennen: Angriff auf die Monopole, und da gibt es heute in der Software-Welt eigentlich nur das von Bill Gates. So pendelt der Film zwischen Garage und dem High-Tech-Campus des Konzerns “Nurv” (Never Underestimate Radical Vision). Dessen Chef, Gary Winston (Tim Robbins, “The Player”) schwebt ein globales Kommunikationsnetz via Satellit vor. Kleines Problem: Die Download-Zeiten sind aufgrund der geringen Bandbreite zu lang.
Auftritt der Garagen-Kinder: Milo Hoffman (Ryan Phillippe) und Teddy Chin (Yee Jee Tso) basteln an einem ähnlichem Projekt und stehen kurz vor der Firmengründung. Aus diesem Grund stehen sie beide ganz oben auf der Wunschliste von Winston, den Robbins als eine Mischung aus Bill Gates und Steve Ballmer in Szene setzt. Milo lässt sich anwerben, während Teddy Chin seinen Wurzeln treu bleibt: Ihre Software sollte Open Source werden, verdient werden sollte über den Support.
Milo ist fasziniert von Gary Winstons Charisma, der ihm unbegrenzte Möglichkeiten eröffnet. Und bleibt die Arbeit mal in einer Sackgasse stecken, so zaubert Winston noch ein Ass in Form eines neuen Stücks Code aus dem Ärmel. Erst nach dem Mord an Milos Freund Teddy Chin stellt Milo Hoffman Fragen. Die Antworten setzen sich wie Puzzlesteine zu einer ungeheuerlichen Verschwörung zusammen.
Am Ende, als Milo nicht mehr weiß, wer Freund und wer Feind ist, besinnt er sich auf seine Wurzeln und gpl’d in einer spektakulären Aktion die gesamte Software, die er für Nurv entwickelt hat.
Der Film beschert einem immer wieder amüsante Highlights: So tauchen Scott McNealy (CEO Sun Microsystems) und Miguel de Icaza (GNOME) in Nebenrollen auf. Außerdem sieht man in einer Einstellung in der Draufsicht einen Hacker mit einem (roten?) Hut vor einem Rechner sitzen …
GNOME im Einsatz
Wohl aufgrund des Einflusses von Icaza und des hohen Verbreitungsgrades durch Red Hat in Amerika ist in zahlreichen Einstellungen der GNOME-Desktop zu sehen. Und in einer Information des Verleihers war zu lesen, dass die Verantwortliche für die Inszenierung der Computer-Szenen sogar “ein Stück echten Computercode gefunden hat, der im Film verwendet wurde.”
Freiheit statt Freibier
Angenehm war auch die Abwesenheit riesiger Access denied-Bildschirme und abstruser Erklärungen in der Art “Wir loggen uns gerade in den Zentral-Computer ein.” Was bleibt, ist ein solider Hollywood-Film mit den bekannten Stilelementen und einem Schuss Open-Source-Philosophie. Diese wird tatsächlich richtig interpretiert: im Sinne der Freiheit des Wortes und nicht als Freibier.
Letzendlich greift der Film ein Thema auf, dass die Bewegung als solche noch lange Zeit beschäftigen mag: Den Diebstahl von freiem Code und dessen Einsatz in kommerziellen Projekten. Das Szenario ist nicht vollkommen aus der Luft gegriffen.
Startup
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Genre: Thriller
Abspiellänge: 111 Minuten






