Zugriff auf Zip- und Jaz-Medien leicht gemacht

Aus LinuxUser 07/2001

Zugriff auf Zip- und Jaz-Medien leicht gemacht

Iomega Tools

Seit ihrer Markteinführung sind Iomegas Zip-Laufwerke ein populäres Speichermedium, nicht zuletzt wegen der geringen Kosten für eine 100-MB-Diskette. Für Windows liefert der Hersteller ein Tool zur Zugriffssteuerung mit, und für Linux gibt es entsprechende freie Programme.

Nach dem Zip-Laufwerk kam das 1 GB fassende Jaz-Laufwerk, später eine 2-GB-Variante und dann noch eine Neuauflage des Zip-Drives, die nun neben den alten Zip-Datenträgern auch 250-MB-Medien verarbeiten kann. Gemeinsam ist allen Iomega-Medien, dass der Schreibschutz software-seitig erfolgt, daher bedarf es spezieller Tools zum Setzen und Entfernen des Schreibschutzes. Außerdem besteht die Möglichkeit, ein Passwort zu setzen, ohne das wahlweise der Schreib- oder jeglicher Zugriff auf das Medium unterbunden wird.

SCSI bevorzugt

Viele der hier beschriebenen Tools arbeiten am liebsten (und teilweise ausschließlich) mit SCSI-Laufwerken zusammen. ATAPI- und Parallelport-Laufwerke lassen sich in einigen Fällen aber auch zur Zusammenarbeit überreden; es wird jeweils darauf hingewiesen.

Lomega

Ein Vertreter der Iomega-Tools-Clones ist Lomega, das “L” wurde hier wohl gewählt, um rechtlichen Problemen mit Iomega aus dem Wege zu gehen. Dieses Programm bietet alle benötigten Funktionen und vereint sie unter einer komfortablen Oberfläche. Vorsicht: lomega hat die sogenannten SetUID-Bits gesetzt, wird also in jedem Fall mit root-Rechten ausgeführt, auch wenn Sie es als normaler Anwender starten. Vorteil: Sie haben immer den notwendigen Zugriff auf die Gerätedateien, Nachteil: Sie müssen dem Programm vertrauen…

Abbildung 1: Lomega ist das mächtigste Tool im Vergleich

Abbildung 1: Lomega ist das mächtigste Tool im Vergleich

Wie üblich muss Lomega vor dem Einsatz übersetzt werden. Das Programm ist nicht besonders anspruchsvoll, was vorhandene Bibliotheken angeht, so dass sich hier keine größeren Probleme ergeben sollten. Entpacken Sie das Archiv lomega-0.2.tar.gz (z. B. in /usr/local/src, wechseln Sie in das neue Unterverzeichnis Lomega-0.2 und führen Sie dort den klassischen Dreischritt aus ./configure, make und make install durch. Danach sollte sich das Programm unter /usr/local/bin/lomega finden (und starten) lassen.

Beim ersten Start scannt lomega den SCSI-Bus und zeigt die gefundenen Zip- und Jaz-Laufwerke an; eine Beispielausgabe ist

Welcome hgesser, starting scan…
 IOMEGA  ZIP 100

Die sieben Buttons haben die folgenden Funktionen:

  • Info gibt den aktuellen Zustand des Laufwerks und eines eventuell eingelegten Mediums aus.
  • Mount mountet das Medium in den Mount-Point, der abhängig vom Gerätetyp entweder /mnt/zip oder /mnt/jaz ist. Diese Mount-Points lassen sich aber in der Konfigurationsdatei /etc/lomega.conf ändern.
  • Unmount macht dies wieder rückgängig.
  • Eject wirft das Medium aus.
  • Lock versieht das Medium mit einem Schreib- oder Lese-/Schreibschutz, wobei ein Passwort vergeben werden kann, das benötigt wird, um diesen Schutz später wieder aufzuheben. (Abbildung 2)
  • Un-Lock macht dies wieder rückgängig.
  • Back-Up sichert ein markiertes Verzeichnis auf Zip. Dieses Verzeichnis muss vorher im ebenfalls mit Back-Up bezeichneten Tab, unter dem sich ein Datei-Manager verbirgt, ausgewählt werden.
Abbildung 2: Lomega setzt einen Lese-/Schreibschutz mit Passwort für das Zip-Medium

Abbildung 2: Lomega setzt einen Lese-/Schreibschutz mit Passwort für das Zip-Medium

Zur Unterstützung von Parallelport-Laufwerken bietet Lomega die beiden Optionen File/modprobe/ppa und File/modprobe/imm. imm ist ein Treiber für den “Iomega MatchMaker parallel port SCSI host adapter”, der im Zip-Plus-Laufwerk Verwendung findet; ppa unterstützt das “normale” parallele Zip-Laufwerk. ATAPI-Laufwerke werden nur unterstützt, wenn die IDE-SCSI-Emulation im Kernel aktiviert wurde. Das benötigte Kernel-Modul heißt ide-scsi.o.

gtkZip

Eine Alternative zu Lomega stellt gtkZip dar. Das Programm besitzt ein modernes Design. Leider verweigerte es auf unseren Testmaschinen die Arbeit.

Abbildung 3: gtkZip im schicken Design ist sparsam, was den Platzverbrauch auf dem Desktop angeht

Abbildung 3: gtkZip im schicken Design ist sparsam, was den Platzverbrauch auf dem Desktop angeht

jaZip

jaZip ist Lomega nicht unähnlich, und bei näherem Hinsehen bemerkt man in Lomegas Credits den Hinweis: “Portions of code by: Jarrod A. Smith”; dieser ist der Autor von jaZip. Insofern verwundert es nicht weiter, dass die Funktionen von jaZip ähnlich sind. Einen Leseschutz kann jaZip allerdings nicht einrichten, daher haben wir Lomega ausführlicher besprochen.

Abbildung 4: jaZip ähnelt Lomega

Abbildung 4: jaZip ähnelt Lomega

Etwas störend war im Übrigen das folgende Verhalten von jaZip: Ein Zip-Medium war beim Start von jaZip bereits nach /mnt/zip gemountet. Nach einem Klick auf den Unmount-Button schrieb jaZip dann: “Unmounting and removing /mnt/zip” – unschön, das Verzeichnis musste später manuell wieder angelegt werden. Vor dem ersten Start von jaZip sollte man also einen Blick in dessen Konfigurationsdatei /etc/jaziptab werfen, die einen ähnlichen Aufbau wie fstab hat.

Im übrigen ließen sich die Sourcen von der Heft-CD auf einem aktuellen SuSE-System nicht kompilieren; ein RPM-Paket, das unter ftp://ftp.rpmfind.net/linux/contrib/libc6/i386/jaZip-0.22-4.i386.rpm gefunden wurde, konnten wir aber problemlos installieren.

ziptool

Zurück auf die Kommandozeile: Alles, was Sie per Mausklick erledigen können, lässt sich natürlich auch in der Konsole bewerkstelligen und damit etwa in eigene Shell-Scripts einbauen. Das nützliche Tool ziptool, das Sie ebenfalls auf der Heft-CD finden, unterstützt alle Spezialfunktionen der Zip- und Jaz-Laufwerke.

Zunächst ist ziptool zu übersetzen, wenn Sie kein Binärpaket installieren – in diesem Fall geht das sehr schnell: Einfach als root das Paket ziptool-1.3.tar.gz entpacken, ins neue Verzeichnis wechseln und dort make aufrufen. Ein weiteres make install kopiert Binaries und Man-Pages nach /usr/local. Ein Blick in die Man-Page von ziptool, das (per symbolischem Link) auch als jaztool ansprechbar ist, verrät die generelle Syntax: ziptool -Option Device. Als Device ist dabei immer die Gerätedatei anzugeben, die zum Zip-Laufwerk gehört, nicht die einer Datenpartition (also z. B. /dev/sdd und nicht /dev/sdd4).

Es folgt nun eine Liste der möglichen ziptool-Aufrufe; zur besseren Lesbarkeit wird dort immer das Device /dev/sdd angegeben, das natürlich durch den richtigen Namen zu ersetzen ist.

  • ziptool -e /dev/sdd: eject; Medium auswerfen. Das geht natürlich nur, wenn das Zip nicht gemountet ist – ansonsten kommt die Fehlermeldung “Device is mounted”.
  • ziptool -s /dev/sdd: status; gibt den Schutz-Status des Zip-Mediums ein (also lese- oder schreibgeschützt mit oder ohne Passwort).
  • ziptool -ro /dev/sdd: read-only; das Medium wird schreibgeschützt. Es darf dabei nicht gemountet sein. Dieser Schutz kann von jedem Anwender rückgängig gemacht werden, da kein Passwort vergeben wurde.
  • ziptool -rp /dev/sdd: read-only, password; wie bei “-ro”, aber es wird nach einem Passwort gefragt, ohne das der Schutz nicht aufgehoben werden kann:
[esser@dual ~]$ ziptool -rp /dev/sda
 Password: test
 ziptool: medium is password write-protected.

Vorsicht: Wenn Sie das Passwort vergessen, müssen Sie das Medium formatieren, um es wieder beschreiben zu können.

  • ziptool -rw /dev/sdd: read-write; mit diesem Aufruf wird das Medium wieder allgemein zugänglich gemacht, ein eventueller Schreibschutz wird aufgehoben. Wurde ein Passwort zum Schützen verwendet, muss es hier eingegeben werden, ansonsten lässt sich die Sperre nicht aufheben.
  • ziptool -ud /dev/sdd: unlock door; durch das Mounten eines Zip-Mediums wird es normalerweile im Laufwerk blockiert, d. h. ein Druck auf die Eject-Taste bleibt solange wirkungslos, bis das Dateisystem mit umount freigegeben wird. Hier lässt sich die Verriegelung aufheben ohne vorher zu unmounten – wer’s mag…
  • ziptool -ld /dev/sdd: lock door; macht den “unlock” rückgängig, verriegelt das Laufwerk also wieder.
  • ziptool -m /dev/sdd mountpoint: mount; mountet das Medium. Ist im Prinzip nichts anderes als mount /dev/sda4 mountpoint, kann aber von jedem Anwender ausgeführt werden, da ziptool immer mit root-Rechten läuft.
  • ziptool -u /dev/sdd: unmount; entfernt das Dateisystem wieder aus dem Dateibaum. Wie in der Auflistung bereits erwähnt, wird ziptool mit Administrator-Rechten ausgeführt, dazu hat es das SetUID-Bit gesetzt:
[esser@kira iomega]$ ls -al `which ziptool`
 -rwsr-xr-x  1 root  root  9708 Jun  1 16:10 /usr/local/bin/ziptool

Somit kann mit Hilfe von ziptool jeder Anwender direkt auf alle Gerätedateien zugreifen, auch wenn diese dem Anwender selbst keinen Zugriff erlauben würden.

GUI oder bash#

Wie üblich ist es reine Geschmackssache, ob Aufgabe auf der Kommandozeile oder im grafischen Fenster bearbeitet werden – im Falle der Iomega-Tools ist allerdings interessant, dass Lomega das einzige Tool ist, welches auch einen Leseschutz einrichten kann. Damit empfiehlt es sich noch vor ziptool.

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