apt – Paketverwaltung für Nicht-RPM’ler

Aus LinuxUser 06/2001

apt – Paketverwaltung für Nicht-RPM’ler

"apt-get it on"

Fast alle Distributionen setzen heute auf RPM-Pakete. Doch es gibt auch Ausreißer, z. B. Debian GNU/Linux. Wie Sie die Pakete im *.deb-Format installieren und wieder los werden und wie Sie mit Hilfe des Tools apt Ihr System auf den neuesten Stand bringen, erfahren Sie in diesem Artikel.

apt (Advanced Package Tool) ist das Paketverwaltungs-Tool der freien Linux-Distribution Debian GNU/Linux. Es dient jedoch nicht nur zum Einspielen von neuer Software, man kann mit apt auch kinderleicht seinen Computer auf den neuesten Stand bringen. Die wichtigsten Funktionen von apt lernen Sie in diesem Artikel kennen. Bevor es ins Detail geht: Alle Aktionen mit apt können nur als root ausgeführt werden.

Die Konfiguration

apt hat im Wesentlichen zwei Konfigurationsdateien, die Sie sich einmal anschauen sollten:

  • /etc/apt/apt.conf
  • /etc/apt/sources.listIn der Datei /etc/apt/apt.conf können Sie einige Optionen von apt festlegen. Verzichten Sie zunächst auf das manuelle Editieren dieser Datei – Sie brauchen sie nicht zwingend, außerdem legt apt selbst dort einige Einstellungen fest. Interessant wird es bei der Datei /etc/apt/sources.list. Sie haben zwei Möglichkeiten, dieses File zu bearbeiten:
  • mit einem Editor Ihrer Wahl (z. B. Vi, Emacs, etc.)
  • mit apt-setup

Starten Sie das Programm auf der Konsole mit apt-setup – jetzt haben Sie die Möglichkeit, die Installations-Quellen für die Pakete festzulegen. Hier stehen Ihnen cdrom, http, ftp und filesystem zur Verfügung. Haben Sie Debian-CDs zur Hand, wählen Sie die erste Option und geben dann (sollte die Auto-Detection nicht funktionieren) das CD-ROM-Device von Hand ein (z. B. /dev/cdrom/). Die Fragen nach non-US, non-free und contrib können Sie ruhig immer mit yes beantworten. Als nächstes wird eine Liste von Ländern angezeigt, wählen Sie hier Germany, Austria oder Switzerland je nach Wohnort. Für Ihr Land erscheint in der nächsten Auswahl eine Liste von Debian-Mirrors. Unter dem Punkt http können Sie, falls erforderlich, noch einen Proxy-Server einstellen. Nach der Bestätigung wird eine Verbindung zum ausgewählten Rechner oder der Quelle aufgebaut, und die entsprechenden Daten werden ausgetauscht. Nachdem eine Quelle in die Datei /etc/apt/sources.list eingetragen wurde, werden Sie gefragt, ob Sie weitere Einträge machen möchten. Bestätigen Sie dieses, kommen Sie wieder zum ersten Auswahlmenü. Nach Beendigung dieses Setup-Tools steht Ihnen eine gut konfigurierte /etc/apt/sources.list zur Verfügung.

Werfen Sie einen Blick in die Datei /etc/apt/sources.list – sie kann beispielsweise so aussehen:

deb http://ftp.debian.org/ potato main non-free contrib
 deb http://security.debianorg/ potato/updates main non-free contrib
 deb ftp://ftp.uni-erlangen.de/pub/Linux/debian/ unstable main non-free contrib
 deb-src ftp://ftp.uni-erlangen.de/pub/Linux/debian/ unstable main non-free contrib
 deb http://non-us.debian.org/debian-non-US unstable/non-US main contrib non-free

Die Struktur ist: Typ URI Distribution [Kategorie] [Kategorie]. Wie Sie im Listing sehen können, gibt es als Typ deb – eine andere Möglichkeit ist im Moment noch deb-src für Source-Quellen. URI steht für “Uniform Resource Identifier” und gibt das Basisverzeichnis der Distribution an (z. B. mit file, http, ftp oder cdrom). Unter Distribution wird der Ort der Quelle relativ zum Basisverzeichnis angegeben. Es muss mindestens eine Bezeichnung (z. B. potato, woody oder stable) genannt werden. Durch die Kategorie, von der auch mehrere genannt werden können, wird festgelegt, welche Pakete der Distribution zur Installation gewählt werden können (z. B. contrib, non-free oder non-US).

Jetzt geht’s los! – Installation

Jetzt sind Sie mit der fertigen /etc/apt/sources.list für den Kampf im Dschungel der Pakete bestens gerüstet – schauen Sie sich nun an, was apt am Besten kann: das Einspielen neuer Software. Mit apt-get install paketname können Sie ein Paket installieren; mit apt-get remove paketname werden Sie das Programm wieder los. Wenn mehrere Pakete zusätzlich zu dem von Ihnen ausgewählten installiert werden müssen, beispielsweise um Abhängigkeitenaufzulösen, dann wird apt Sie fragen, ob Sie mit der Installation fortfahren möchten. Sie können dem Tool auch direkt mehrere Pakete in einem Aufruf zur Installation mitgeben: apt-get install mutt emacs less.

Minerva:~# apt-get install mutt
 Reading Package Lists… Done
 Building Dependency Tree… Done
 The following NEW packages will be installed:
   mutt
 0 packages upgraded, 1 newly installed, 0 to remove and 2  not upgraded.
 Need to get 1019kB of archives. After unpacking 2736kB will be used.
 Get:1 ftp://ftp.uni-erlangen.de stable/main mutt 1.2.5-4 [1019kB]
 Fetched 1019kB in 2m18s (7360B/s)
 Selecting previously deselected package mutt.
 (Reading database … 50119 files and directories currently installed.)
 Unpacking mutt (from …/archives/mutt_1.2.5-4_i386.deb) …
 Setting up mutt (1.2.5-4) …
 Minerva:~#

Upgrade – von Potato auf Woody

Woody ist der Nachfolger von Debian 2.2 (Potato). Hier gibt es viele Bugfixes und aktuelle Programme, die es in Potato noch nicht gab, z. B. XFree 4.0.2. Da es sich bei Woody noch um kein offizielles Release handelt, können Sie mit einem Inernet-Anschluss, ein paar Handgriffen und ein bisschen Geduld ganz einfach auf Woody upgraden:

  • Bearbeiten der /etc/apt/sources.list: Hier müssen Sie jedes stable gegen ein testing oder woody austauschen. (Beispiel: Wenn der Eintrag vorher deb ftp://ftp.uni-erlangen.de/pub/Linux/debian/ stable main non-free contrib war, so muss er nun deb ftp://ftp.uni-erlangen.de/pub/Linux/debian/ testing main non-free contrib heißen.)
  • Update der Paket-Listen: Nachdem Sie nun also die Sourcen-Liste angepasst haben, müssen Sie nun die Paket-Listen erneuern. Dies geht mit apt-get update. Es werden automatisch vom in der /etc/apt/sources.list angegebenen Mirrordie aktuellen Paket-Listen heruntergeladen.
  • Upgrade: apt-get dist-upgrade Wenn apt-get update seine Arbeit erledigt hat, können Sie nun das eigentliche Upgrade mit apt-get dist-upgrade starten.

Achtung: Oft kommt es vor, dass apt beim ersten Dist-Upgrade zwar alle Pakete herunterlädt, sie aber nicht korrekt installieren kann, weil voneinander abhängende Pakete noch nicht installiert sind. In dem Fall sollten Sie apt-get dist-upgrade einfach immer wieder neu starten, bis alle Pakete ordnungsgemäß installiert sind.

Upgrade – von Potato auf Sid

Bei Debian GNU/Linux gibt es nicht nur Potato als stable– und Woody als testing-Version. Für Entwickler und erfahrene Debian-Nutzer, die gerne auf dem allerneuesten Stand sein möchten, gibt es “Sid”, die aktuelle unstable. Bisher gibt es dort weniger als fünf Prozent stable-Anwendungen. Viele aktuelle Programme funktionieren unter Sid noch gar nicht oder nicht zufriedenstellend. Wer ein zuverlässiges und stabiles System haben will oder wer im Umgang mit Linux noch nicht so geübt ist, sollte von Sid auf jeden Fall die Finger lassen und lieber Woody benutzen. Auch beim produktiven Einsatz, beispielsweise als Server, ist von Sid im Moment noch abzuraten.

Das Upgrade von Potato auf Sid funktioniert prinzipiell genauso wie das Upgrade von Potato auf Woody – zunächst wird die /etc/apt/sources.list angepasst (aus stable wird unstable), dann folgt apt-get update und zum Schluss apt-get dist-upgrade.

Besonderheiten

Die offizielle Seite für Bugfixes ist http://security.debian.org. Durch das Hinzufügen des Eintrags deb http://security.debian.org/ potato/updates main non-free contrib in die /etc/apt/sources.list sorgen Sie dafür, dass Sie in Punkto Sicherheit immer auf dem neuesten Stand bleiben.

Tabelle 1: Befehlsreferenz

apt-setup konfiguriert die Sourcen-Listen von apt-get
apt-get install paketname Installiert ein Paket
apt-get remove paketname Deinstalliert ein Paket
apt-get update Update Ihrer Paketliste
apt-cache search paketname Durchsucht die Paketliste
apt-get dist-upgrade Bringt Ihr Debian GNU/Linux auf den neuesten Stand
apt-get upgrade wie apt-get dist-upgrade, updatet jedoch nur die wichtigsten System-Dateien.

Glossar

non-US

Einige Pakete dürfen nicht aus den USA “exportiert werden”, z. B. Kryptographie-Software (ssh, gpg, pgp). Diese ist nur auf einigen internationalen Debian-Servern verfügbar.

non-free

Einige Software unterliegt Einschränkungen und ist nach den Regeln von Debian nicht vollkommen frei. Dazu gehören beispielsweise Programme wie Netscape.

contrib

Hier gibt es Pakete, die zwar frei sind, aber auf Programmen aus dem non-free-Bereich basieren.

Abhängigkeiten

Eine Abhängigkeit besteht dann, wenn ein Paket ein anderes benötigt, damit die enthaltenen Programme korrekt ausgeführt werden können. Die meisten Paket-Manager lösen Abhängigkeiten heutzutage selbständig auf.

Mirror

Ein Mirror “spiegelt” den Inhalt eines Servers im Internet, meistens um diesen zu entlasten. Mirrors von ftp.debian.org sind beispielsweise ftp.de.debian.org und ftp.at.debian.org.

Infos

[1] http://www.openoffice.de/linux/buch/apt.html

[2] Peter Ganten: Debian GNU/Linux – Grundlagen, Installation, Administration und Anwendung, Verlag Springer, ISBN 3-540-65841-6.

[3] http://www.debian.org/distrib/packages

Der Autor

Martin Loschwitz ist Schüler aus Viersen und hat eigentlich gar keine Ahnung von Linux ;) Zu erreichen ist er im IRCnet als “Madkiss” oder per E-Mail unter mailto:madkiss@rylpz.de.

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