Neue Anwendungen kurz vorgestellt

Aus LinuxUser 04/2001

Neue Anwendungen kurz vorgestellt

Frisch entdeckt

Persönliche Finanz-Manager Kapital und Moneyplex

Wer bislang unter Linux vergebens nach einem Ersatz für Intuit Quicken oder MS Money gesucht hat, wird sich sicherlich über die Nachricht freuen, dass es in einigen Monaten unter Linux möglicherweise gleich mehrere Homebanking-Alternativen geben könnte. Den Anfang macht die amerikanische KDE-Software-Schmiede theKompany.com mit ihrem persönlichen Finanz-Manager Kapital. Laut theKompany.com enthält das Programm in der endgültigen Version alles, was man als durchschnittlicher Quicken-Anwender im Alltag tatsächlich verwendet. Zu den besondere Highlights dürften jedenfalls der Import-/Export-Filter für QIF-Dateien und die integrierte Homebanking-Funktionalität gehören. Ab März können Interessierte für den Vorzugspreis von 24.95 US-$ (Download-Version) bzw. 29.95 US-$ zuzüglich Verpackung/Porto (Paket-Version) die Preview-Version von Kapital samt kostenloser Update-Option (gültig bis September 2001) online bestellen. Anwender aus deutschsprachigen Ländern werden sich allerdings noch einige Monate gedulden müssen, bis (hoffentlich bald) eine Anpassung an die hiesigen Verhältnisse (v. a. Kreditinstitute und deren Homebanking-Schnittstellen) erfolgt sein wird.

Aber auch hierzulande tut sich bei den Software-Häusern endlich was in Sachen Homebanking unter Linux. Zumindest hat die Aalener Firma matrica Informationstechnologien GmbH kürzlich bekanntgegeben, dass ihre Homebanking-Software Moneyplex voraussichtlich ab Mitte 2001 auch für Linux erhältlich sein wird. Die bereits seit mehreren Jahren erhältliche OS/2-Version dieser Finanz-Suite bringt so ziemlich alles mit, was man für ein bequemes und sicheres Homebanking benötigt: Umfassende private und geschäftliche Finanzverwaltung, HBCI-Fähigkeit, Import- und Export-Filter für gängige Dateiformate und vieles mehr. Man darf also gespannt sein, welche Features die Linux-Version mitbringen wird und vor allem, wie viel diese letztendlich kosten wird. Die OS/2-Version (inklusive Chip-Kartenleser) kostet derzeit nämlich je nach Ausführung zwischen 300 und 400 DM und ist damit vermutlich etwas zu teuer für den reinen Privatanwender. In einer der nächsten Ausgaben finden Sie einen Test zur Linux-Version von t@x2001 (http://www.buhl.de, 49,95 DM) – hier erreichte uns kurz vor Redaktionsschluss eine Vorabversion.http://www.thekompany.com/products/kapital/http://www.matrica.de/moneyplx.htm

Video-/DVD-Player Open Media System

Rettung ist in Sicht für alle DVD-Freunde, die bisher unter Linux, wenn überhaupt, dann nur mit größter Mühe ihre DVDs abspielen konnten. Das LiVid-Team der neuen Website linuxvideo.org hat nämlich vor kurzem erstmals offiziell das Open Media System, kurz: OMS, für Interessierte zum Download bereitgestellt. Hauptkomponente von OMS ist derzeit der integrierte DVD-Player. Die Entwickler sind aber bestrebt, OMS mittelfristig zu einer universellen Open-Source-Plattform für diverse neuere Wiedergabemedien zu machen. Bislang kommen nur Besitzer von Matrox G200/G400- sowie ATI-Rage-Pro-Grafikkarten beim Abspielen von DVDs in den zusätzlichen Genuss 3D-beschleunigter Grafikunterstützung. Das LiVid-Team will aber natürlich so schnell wie möglich auch die weitverbreiteten nVidia- und 3dfx-Grafikchips hardware-beschleunigt unterstützen. Geplant ist darüber hinaus auch die Ausnutzung CPU-spezifischer 3D-Ergänzungstechnologien wie MMX, 3dNow und MVI. Voraussetzung für den Einsatz des DVD-Players unter Linux ist neben der erfolgreichen Übersetzung der auf der Heft-CD befindlichen Programmbestandteile nur ein richtig konfigurierter Linux-Kernel der Version 2.4.x. Für ältere Linux-Kernel der 2.2er Serie haben die Entwickler auf dem CVS-Server OMS ein CDROM-Patch-Modul bereitgestellt.http://www.linuxvideo.org/oms/

Web-Browser Mozilla 0.8 und Opera 5.0b6

Die Entwicklung des Web-Browser Mozilla läuft derzeit auf Hochtouren. Man will den Open-Source-Browser scheinbar möglichst bald guten Gewissens in Richtung Version 1.0 treiben. Zu Recht, denn nicht nur im Linux-Lager wird es höchste Zeit, dass es wieder einen wirklich guten (möglichst) freien Browser gibt. Auch in der Windows-Welt sehnen sich viele nach einer akzeptablen Alternative zum inzwischen (fast) alles beherrschenden MS Internet Explorer. Sie finden die aktuelle Version 0.8 von Mozilla auf unserer Heft-CD. Die norwegische Firma Opera Software hat nun auch für Linux eine erste Beta-Version (Beta 6) ihrer neuen Browser-Generation Opera 5 zum Download bereitgestellt. Bleibt nur zu hoffen, dass es für Linux nicht wie in Version 4 bei einigen sporadisch veröffentlichten Beta-Releases bleibt, sondern dass die Norweger Linux in Zukunft (nahezu) gleichwertig wie andere wichtige Betriebssysteme behandelt. Die Binärpakete liegen sowohl in einer statisch (falls kein KDE 2 installiert) als auch in einer dynamisch (falls KDE 2 installiert) gegen das Toolkit qt 2.2.x gelinkten Version auf unserer Heft-CD.http://www.mozilla.orghttp://www.opera.com

GnuPG-Frontend Seahorse 0.5

Mit Seahorse können auch konsolenscheue LinuxUser endlich über ein komfortables grafisches GNOME-Frontend ihre Mails und sonstige geheimzuhaltende Dateien ver- und entschlüsseln. Da das bekannte Verschlüsselungsprogramm PGP (Pretty Good Privacy) proprietäre Verschlüsselungsalgorithmen (z. B. IDEA) einsetzt, verwendet Seahorse zum Verschlüsseln das freie Konsolenprogramm GnuPG, dessen Weiterentwicklung derzeit übrigens sogar vom deutschen Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie offiziell unterstützt wird. Neben der eigentlichen Dateiver- und entschlüsselung kann Seahorse im Gespann mit GnuPG auch mit digitalen Signaturen umgehen. Der integrierte Key Manager hilft schließlich bei der Verwaltung der zahlreichen Public- bzw. Private Keys.http://seahorse.sourceforge.net/http://www.gnupg.org/

Web-Entwicklungsumgebung Quanta+ 2.0

Die Entwickler von Quanta+ haben es sich zum Ziel gesetzt, unter Linux eine perfekte Entwicklungsumgebung für Web-Entwickler zu schaffen. Quanta+ ist in der Tat längst mehr als nur ein gewöhnlicher textbasierter HTML-Editor. Von der HTML-Eingabehilfe über die CSS-Unterstützung bis hin zur PHP-Entwicklungshilfe profitieren unter Linux inzwischen viele Web-Entwickler von diesem Tool. In der aktuellen Version 2 haben die Entwickler von Quanta+ neben einigen interessanten zusätzlichen Funktionalitäten vor allem den Versionssprung von qt1 (KDE 1.x) nach qt2 (KDE 2.x) hinter sich gebracht. Alle interessierten Quanta-Nutzer sind übrigens ausdrücklich aufgefordert, Vorschläge für weitere zu implementierende Features an die Entwickler zu richten. Auf die Heft-CD hat es aus terminlichen Gründen leider nur die Preview-Version 1 und die Dokumentationen von Quanta+ 2.0 jeweils in Form von Quellpaketen geschafft.http://quanta.sourceforge.net/

KDE 2.1 und GNOME 1.4 beta

Es tut sich wieder was im Linux-Desktop-Bereich. Am 26.2.2001 hat das KDE-Entwickler-Team mit KDE 2.1 eine erste Aktualisierung ihrer Desktop-Umgebung vorgelegt. Gerade rechtzeitig, um es noch auf unsere aktuelle Heft-CD zu schaffen ;-) Sie können sich also den zeit- und kostenintensiven Download der KDE-Pakete sparen. Zu den Highlights von KDE 2.1 zählen sicherlich die C/C++-Entwicklungsumgebung KDevelop 1.4 (erstmals nativ KDE2), der neue KDE-Medien-Player Noatun sowie das Bilder-Management-System Pixie. Es wurden aber noch zahlreiche weitere Verbesserungen vorgenommen, z. B. am Web-Browser Konqueror und beim KDE2-Sound-Server aRts, so dass sich ein Upgrade für Sie auf alle Fälle lohnen dürfte. Auch beim einstigen Gegenprojekt zu KDE, der gtk+-basierten Desktop-Umgebung GNOME, steht ein Versionssprung unmittelbar bevor bzw. könnte sich beim Erscheinen dieser Ausgabe unter Umständen sogar schon vollzogen haben. GNOME-Freunde dürfen gespannt sein auf die offizielle Desktop-Premiere von Eazel´s sagenumwobenem Datei-Manager Nautilus, der schon seit Monaten als ultimativer Datei-Manager gehandelt wird. Außerdem soll ein sogenanntes Application Launch Feedback in Zukunft anzeigen, wie weit der Ladevorgang eines Programmes bereits fortgeschritten ist. Neben diversen weiteren wichtige Verbesserungen haben die Entwickler auch einige zur Stunde noch geheimgehaltenen Überraschungen angekündigt. Wer mit den Quellpaketen von der GNOME-Homepage nichts anfangen kann, der kann sich bei der Firma Ximian, vormals bekannt unter dem Namen Helixcode, die für seine Distribution vorgefertigten Binärpakete besorgen. Wenn Sie noch etwas Geduld haben bzw. den großen Download scheuen, dann können Sie die endgültige Version von GNOME 1.4 auch von einer unserer nächsten Heft-CDs aus installieren.http://www.kde.orghttp://www.eazel.comhttp://www.gnome.orghttp://www.ximian.org

Delphi-RAD-Tool Kylix

Zum Schluss noch eine Neuigkeit für Freunde der Programmiersprache Delphi: Nach monatelangem Warten vertreibt Borland seit kurzem die Rapid-Application-Development-Umgebung Kylix für (potentielle) Linux-Delphi-Entwickler. Dies allerdings zu einem Preis, den sich wohl nur kommerziell ambitionierte Entwickler-Teams leisten können. Die Server Developer Edition für die Entwicklung von Delphi-basierten Web-Applikationen kostet satte 1.999 US-$. Aber auch Entwickler von Desktop-Anwendungen müssen immerhin noch 999 US-$ für die komfortable Delphi-IDE hinblättern. (ahu)http://www.borland.com/kylix/

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