Schnelles Surfen im Textmodus, Informationen aus dem WWW gewinnen ohne grafische Oberfläche oder HTML-Dokumente in gut lesbare Textdateien konvertieren – das alles und noch viel mehr bieten Programme wie lynx, links und w3m. Dabei werden Probleme wie die Darstellung von Framesoder Tabellen unterschiedlich gut gelöst. Auch die Bedienung der einzelnen Browser ist mal mehr oder weniger komfortabel. Hier kommt ein Überblick, was die Surf-Tools auf der Kommandozeile alles können.
Wenn’s mal wieder länger dauert – <C>lynx<C>
Das Programm lässt sich aus einem xterm oder von der Konsole aus starten. Sie können dabei direkt eine URL oder lokale HTML-Datei angeben, also z. B.:
lynx www.linux-user.de lynx ~/linuxuser/zubefehl.html
Standardmäßig ist in den unteren drei Zeilen eine Kurzübersicht über die wichtigsten Kommandos eingeblendet. Mit h oder ? kommen Sie jederzeit in die Online-Hilfe zu lynx. Das Programm lässt sich mit oder ohne Mausunterstützung bedienen; dazu stehen eine Reihe von Tastenkombinationen zur Verfügung (s. Tabelle 1). Vielen Befehlen sind gleich mehrere Möglichkeiten zugeordnet, z. B. aktiviert die Pfeiltaste nach rechts einen Link genauso wie das Betätigen der [Return]-Taste.
Tabelle 1: Die wichtigsten Tastenkombinationen für <C>lynx<C>
| Kommando | Funktion |
|---|---|
| [Pfeil hoch],[Pfeil runter] | Vorwärts und rückwärts durch die Links blättern |
| [Pfeil rechts] oder [Return] | Folgt einem Link |
| [Pfeil links] | Geht zur vorherigen Seite zurück |
k |
Liefert eine komplette Liste der verfügbaren Kommandos |
d |
Macht einen Download der aufgerufenen Seite (mit allen Grafiken) |
g |
“Gehe zur” angegeben URL |
G |
“Gehe zur” letzten URL; bietet zusätzlich die Möglichkeit, diese nochmal zu editieren |
l |
Listet alle Links des Dokuments auf |
o |
Bietet die Möglichkeit, die Optionen für lynx zu verändern |
p |
Print-Optionen, z. B. Seite auf lokalem Drucker ausdrucken |
q |
Beendet das Programm mit der Abfrage, ob man lynx wirklich verlassen will |
Q |
Beendet lynx ohne Nachfrage |
a |
Fügt die aufgerufene Seite den eigenen Bookmarks hinzu |
v |
Gibt einen Überblick über die gesetzten “Lesezeichen” |
r |
Löscht ein Lesezeichen (mit Sicherheitsabfrage) |
z |
Unterbricht den Verbindungsaufbau zur Seite |
| [Strg-a] | Springt an den Anfang der Seite |
| [Strg-e] | Springt ans Ende |
| [Strg-r] | Lädt die Seite neu |
! |
Erlaubt die Eingabe eines Befehls auf der Shell |
/ |
Erlaubt die Suche nach einem Begriff im aktuellen Dokument |
| [Del]/[Entf] | Zeigt die “history”, d. h. die zuletzt besuchten Seiten |
Abgesehen von den interaktiven Kommandos lässt sich lynx auch direkt beim Start mit einigen Parametern versehen. Der Aufruf lynx -accept_all_cookies macht genau das, was man erwartet: Es werden alle Cookies ohne Interaktion vom Benutzer akzeptiert. Andernfalls werden Sie beim Aufruf einer solchen Seite gefragt:
www.seite-mit-cookie.de cookie: session-id=302-8162141-3688069 Allow? (Y/N/Always/neVer)
Jetzt können Sie entscheiden, ob Sie für diesen Cookie zustimmen (Y), ablehnen (N), auf jeden Fall alle Cookies dieser Sitzung annehmen (A) oder immer alle ablehnen (V).
Praktisch ist der Start mit dem Parameter -book – als Startseite sehen Sie Ihre persönlichen Lesezeichen aufgelistet. Wenn Sie selbstgebastelte HTML-Seiten auf der Konsole testen möchten: Starten Sie lynx mit dem Zusatz -editor=vim (oder einem anderen Editor Ihrer Wahl). Wenn Sie nun e tippen, können Sie die gerade angezeigte Seite direkt im Editor bearbeiten. Nach Beenden des Editors können Sie mit [Strg-r] (für “reload”) die HTML-Datei neu laden. Angenehm für das Arbeiten auf dem lokalen Computer ist die Option -localhost; beim Versuch, einen externen Link aufzurufen, wehrt lynx sich mit den Worten: Only files and servers on the local host can be accessed.
HTML-Dateien in gut lesbare Texte umwandeln kann man übrigens mit der Option -dump. Ein Aufruf wie z. B. lynx -dump http://www.linux-user.de/ausgabe/2001/01/index_html > linux-user.txt produziert ein recht übersichtliches Dokument:
LinuxUser: Januar 2001
Titel:Der optimale Linux-PC
* Intro (12)
Rechtzeitig vor der letzten Verkaufswoche im Weihnachtsgeschäft
erscheint diese LinuxUser-Ausgabe, um Ihnen noch ein paar letzte
Tipps mit auf den Weg zu geben.
* [7]Hardware-Kauf (13)
Die Linux-Treiberabdeckung für PC-Komponenten ist zwar inzwischen
[…]
Übrigens: Sie können eine ganze Reihe von Einstellungen festlegen, um lynx nicht jedesmal beim Start die Parameter mitgeben zu müssen – tippen Sie nach dem Start des Programms o, um die Optionen einzurichten. Wichtig: Bevor Sie durch alle Einstellungen gehen, aktivieren Sie zuerst ganz am Anfang des Menüs Save options to disk: [ ] (Drücken der [Return]-Taste, wenn Sie über dem Link sind). Blättern Sie jetzt mit der Pfeiltaste nach unten und schauen Sie sich die einzelnen Punkte genau an. Bei den Feldern in den eckigen Klammern ([ ]) können Sie jeweils mit [Return] in ein Auswahlfenster gelangen. Wählen Sie bei User mode: [Novice___] z. B. Advanced aus, verschwinden die eingeblendeten Hilfsfunktionen des Programms – Sie haben dann zwei Zeilen mehr im Fenster. Bei den Textfeldern, z. B. bei Editor: ____, tragen Sie direkt etwas ein. Ist alles nach Ihren Wünschen eingestellt, wählen Sie entweder Accept Changes zum Aktivieren oder Reset Changes, um alles wieder in den ursprünglichen Zustand zu bringen. Alle Einstellungen, die Sie über dieses Optionen-Menü vornehmen, landen in der Datei .lynxrc in Ihrem Home-Verzeichnis. Natürlich können Sie auch direkt in dieser Konfigurationsdatei Änderungen vornehmen, aber Vorsicht: Das nächste Mal, wenn Sie neue Einstellungen über das Optionen-Menü speichern, wird die Datei einfach überschrieben!
Browsen mit <C>links<C>
Direkt beim ersten Aufruf dieses Browsers wird eine Konfigurationsdatei im eigenen Home-Verzeichnis angelegt. Haben Sie beim Programmstart keine URL oder lokale HTML-Datei angegeben, sehen Sie erstmal nur ein leeres Fenster. Drücken Sie die [Esc]-Taste, und ein Menü erscheint am oberen Fensterrand. Blättern Sie mit der rechten Pfeiltaste bis zum Punkt Setup/Einstellungen und konfigurieren das Programm nach Ihren Wünschen. Gehen Sie z. B. auf Language/Sprache, drücken [Return], um in ein Untermenü zu gelangen und wählen German. Danach können Sie mir dem Pfeil nach links wieder ins vorherige Menü zurückkehren. links ist genauso wie lynx fähig, Farben darzustellen – immer unter der Voraussetzung, dass Ihr Terminal diese unterstützt. Wenn Sie alles nach Ihren Wünschen konfiguriert haben, wählen Sie im Menü Einstellungen unbedingt den letzten Punkt Optionen speichern, sonst “vergisst” links alle eigenen Konfigurationen nach dem Verlassen des Programms.
Sie können das Programm – wie die anderen Browser auch – vollständig mit Tastaturkommandos steuern. Darüberhinaus lässt sich links ganz einfach per Maus-Klick bedienen. Um in das Menü zu gelangen, können Sie auf die Benutzung der Esc-Taste verzichten und stattdessen mit der Maus in die oberste Zeile im Terminal klicken. Besonders praktisch ist, dass zu jeder Funktion auch direkt das Tastaturkommando mit aufgeführt ist. Nach einer Weile hat man dann die wichtigsten Abkürzungen zu den einzelnen Befehlen einfach gelernt. Mit der Maus geht aber noch viel mehr: Um einem Link zu folgen, klicken Sie mit der linken Maustaste darauf. Klicken Sie mit der rechten Taste, öffnet sich ein Kontextmenü, in dem Sie die Auswahl haben, ob Sie dem Link folgen, ihn in einem neuen Fenster öffnen oder einen Download starten möchten. Wenn Sie Text markieren möchten, halten Sie die [Shift]-Taste gedrückt und markieren erst dann mit der Maus den Text.
Abgesehen davon, dass links Frames und Tabellen ordentlich darstellen kann (s. Abb. 2), kann man dem Browser auch “beibringen”, wie er mit bestimmten Datei-Typen (MIME-Type) umgehen soll. Während lynx auf Konfigurationen aus /etc/mailcap und /etc/mime.types oder .mailcap bzw. .mime.types im eigenen Home-Verzeichnis zugreift, können Sie links im Menü Setup/Einstellungen unter Associations/Verknüpfungen sagen, wie es z. B. mit JPG-Bildern umgehen soll. Dazu gehen Sie dort auf Add/Hinzufügen. Das erste Feld (Label/Bezeichnung) ist nur ein Name für den Eintrag, nennen Sie es also z.B. JPGs. Bei Content-Type(s)/Inhalts-Typ(en) tragen Sie image/jpeg ein. Unter Program/Programm taucht dann das Programm auf, mit dem Sie die Datei öffnen möchten, also z. B. xv %. Bestätigen Sie alles mit OK und vergessen Sie auch hier nicht, die neuen Einstellungen zu speichern. Übrigens: Wenn Sie für JPG-Dateien verschiedene Dateiendungen wie z. B. jpeg, jpg, jpe definieren möchten, können Sie dies unter Einstellungen, File extensions/Datei-Endungen: Bei Extension(s)/Erweiterung(en) tragen Sie die einzelnen Endungen durch Kommata getrennt ein, der Content-Type/Inhaltstyp ist wieder image/jpeg. Wenn Sie jetzt auf ein als [IMG] dargestelltes JPG mit der rechten Maustaste klicken, erhalten Sie unter Bild anzeigen eine neue Option: [ Öffnen ]. Wählen Sie diese aus, wird die Bilddatei wie gewünscht mit xv angezeigt.

links” width=”300″ height=”161″ />
Abbildung 1: Korrekte Tabellen und Frames mit netter Menü-Steuerung beilinks
lynx – hier gilt es noch einiges zu verbessern” width=”300″ height=”185″ />
Abbildung 2: Die gleiche Seite mitlynx – hier gilt es noch einiges zu verbessernAb ins W3 mit <C>w3m<C>
Hier kommt ein ausgefeiltes Tool aus Japan – w3m steht für “WWW-to-Miru”. Das ist Japanisch und bedeutet: “Schau das WWW an”. Dieser Browser kann ebenso wie links mit Tabellen und Frames umgehen (s. Optionen-Menü). Anders als die ersten beiden Programme will w3m auf jeden Fall eine Zieldatei zum Programmstart wissen. Geben Sie entweder eine lokale HTML-Datei oder eine URL an, sonst beendet sich der Browser direkt wieder. Was hier auf den ersten Blick fehlt, ist eine Einblendung, wie es in die Hilfe geht oder wie man das Programm beendet. Schauen Sie sich dazu einfach in Tabelle 2 nach.
Tabelle 2: Steuerungskommandos für <C>w3m<C>
| Kommando | Funktion |
|---|---|
| [Leertaste] | Blättert in der Datei seitenweise nach vorne |
b |
Blättert in der Datei seitenweise nach hinten |
| > | Lässt die Anzeige ganz nach rechts wandern |
| < | Lässt die Anzeige nach links wandern |
g |
Geht zur ersten Zeile der Datei |
G |
Geht zur letzten Zeile der Datei |
| [Tabulator] | Springt zum nächsten Link |
| [Esc] [Tabulator] | Springt zum vorherigen Link |
| [Return] | Folgt dem Link |
U |
Öffnet URL |
u |
Zeigt die URL des Links unten im Fenster an |
v |
Zeigt den HTML-Quelltext des Dokuments an |
V |
Lädt eine neue lokale Datei |
B |
Geht zur vorherigen Seite/Datei |
a (nur im Link selbst) |
Speichert Link in Datei |
[Esc] a |
Fügt die Seite den Bookmarks hinzu |
[Esc] b |
Zeigt die eigenen Bookmarks an |
R |
Lädt die Seite neu |
s |
Zeigt die zuletzt besuchten Seiten in der History an |
[Esc] s |
Speichert die Datei auf die eigene Festplatte |
/ |
Sucht “vorwärts” nach einem Begriff |
? |
Sucht “rückwärts” nach einem Begriff |
H |
Ruft die Hilfe auf, liefert eine komplette Übersicht über die Tastaturkommandos |
o |
Wechselt in das Optionen-Menü |
Vorsicht bei den Bookmarks für
w3m
Wenn Sie das erste Mal ein Lesezeichen für diesen Browser setzen möchten, kann es sein, dass Sie die Fehlermeldung erhalten, die Datei ~/.w3m/bookmark.html könne nicht gefunden werden. Nach einigen Nachforschungen wurde klar, dass beim ersten Eintrag für Bookmarks unbedingt das Feld Section: [ ] ausgefüllt werden muss. Gehen Sie zu dem Texteintrag, drücken Sie [Return] und tragen eine Bezeichnung ein – erst danach kann w3m ordentlich weiter arbeiten, die Datei anlegen und darin schreiben.
Schauen Sie sich unbedingt das Optionen-Menü an, bevor Sie das erste Mal lossurfen. Wenn Sie die Option Automatic rendering of frame eingeschaltet haben, kann w3m prima mit Seiten mit Frames umgehen. Wenn Sie ein Terminal mit Farben haben, können Sie Display with color einschalten – angenehm, dass man hier auch noch auswählen darf, in welchen Farben die Links, Eingabefelder, Hintergrund, aktiver Link etc. dargestellt werden.
Um im Internet nach Informationen zu suchen, ist kein aufwendig gestalteter grafischer Browser mit 15 MB Dateigröße nötig – w3m, links und lynx können in vielen Fällen Web-Inhalte genauso komfortabel präsentieren wie ihre X-Window-Verwandten, und das in der Regel mit höherer Geschwindigkeit, da lästige Werbe-Banner erst gar nicht geladen werden.

w3m – komfortabler Kommandozeilen-Browser mit netten Features” width=”300″ height=”152″ />
Abbildung 3:w3m – komfortabler Kommandozeilen-Browser mit netten FeaturesGlossar
-
HTML
-
Steht für Hypertext Markup Language und bezeichnet das Format für Dokumente im WWW. HTML-Anweisungen, sogenannte Tags, sind in spitzen Klammern dargestellt, z. B. <H1>Text</H1> für eine Überschrift erster Ordnung.
-
Frame
-
Bedeutet “Rahmen”, es handelt sich um eine Unterteilung des Browser-Fensters in weitere kleine Fenster. Jedes dieser Unterfenster kann unabhängig von den anderen Fenstern eigene Dokumente darstellen.
-
URL
-
Eine WWW-Adresse, die Abkürzung steht für Uniform Resource Locator. Jede dieser Adressen ist eine eindeutige Zuordnung zu einer Seite, die im Netz liegt, z. B.: http://www.linux-user.de/index.html. Die einfache Syntax ist: http://host/path, wobei host der Computer ist, zu dem eine Verbindung aufgebaut werden soll, und path das Dokument repräsentiert, das angezeigt wird.
-
sind Informationen, die von einem Server an den Browser übergeben werden. Im Klartext heißt das, dass mit der Web-Seite ein spezieller Header mitgeliefert wird, welchen der Browser speichern kann oder nicht. Speichert man diese Informationen und greift erneut auf die WWW-Seite zu, sendet man den eigenen Cookie zusammen mit der Anfrage an den Server zurück. Dieser Mechanismus ermöglicht viele Dinge: Voreinstellungen der Benutzer können gespeichert und damit individuelle Web-Seiten für den Anwender gestaltet werden.
-
Header
-
Das Hypertext Transfer Protocol, mit dem im WWW Dokumente aller Art übermittelt werden, fügt einige Informationen zu diesen hinzu, die in Form von Merkmal-Werte-Paaren überliefert werden: Ein bestimmter Header erhält so einen bestimmten Wert. Wenn der Browser eine Web-Seite abruft, erhält er intern z. B. folgende Antwort: Date: Thu, 21 Dec 2000 15:58:10 GMT, Server: Apache/1.3.12 (Unix)… usw.
-
MIME-Type
-
Aufgeschlüsselt heisst das Multipurpose Internet Mail Extension. MIME-Types sind festgelegte Dateitypen mit genau definierten Dateiendungen. Dieser Mechanismus ermöglicht es, Dateitypen zu transportieren, z. B. über das WWW oder per E-Mail. Das funktioniert nur, wenn sowohl beim Sender als auch beim Empfänger diese Typen bekannt sind. Normalerweise werden diese Informationen in einer Datei namens mime.types abgelegt (bei den meisten Distributionen unter /etc/mime.types).
Infos
[1] Homepage von lynx: http://www.lynx.browser.org
[2] Page zu links: http://artax.karlin.mff.cuni.cz/~mikulas/links/
[3] w3m-Homepage: http://ei5nazha.yz.yamagata-u.ac.jp/~aito/w3m/eng/index.html
[4] SSL für lynx: http://www.moxienet.com/lynx/

