Terminplaner für den Desktop

Aus LinuxUser 02/2001

Terminplaner für den Desktop

Ordnung im Chaos

Spätestens dann, wenn das persönliche Umfeld extrem sauer reagiert, weil man schon wieder einen wichtigen Termin, etwa der Geburtstag der eigenen Mutter oder ein wichtiges Geschäftsessen mangels Organisation schlichtweg vergessen hat, ist es höchste Zeit, dass etwas mehr Ordnung in das alltägliche Terminchaos kommt. Neben der konventionellen Lösung, einmal pro Jahr in eine Buchhandlung zu gehen und dort einen aktuellen Terminkalender aus Papier zu erwerben, gibt es im Zeitalter der Mikrochips natürlich auch eine entsprechende elektronische Alternative.

Wenn der Entschluss gefasst ist, dass der Linux-Rechner fortan die anfallenden Termine verwalten soll, stellt sich die Frage, welches Desktop-Programm sich für diesen Zweck am besten eignet. LinuxUser stellt Ihnen einige Terminplaner, Kalender und Organizer für den X11-Desktop vor.

Mobile Assistenten

Wer viel unterwegs ist, wird sich möglicherweise einen Persönlichen Digitalen Assistenten (PDA) oder gar einen Tastatur-Handheld-PC zulegen. Diese mobilen Zwerge vollbringen zwar inzwischen wahre Wunder, den klassischen Einzelplatz-Rechner ersetzen Sie aber deswegen noch lange nicht. Vielmehr fungieren sie in der Regel als eine Art verlängerter Arm für heimische Desktop-Anwendungen, in unserem Falle also Terminverwaltungs-Software unter Linux.

PIMs oder Groupware?

Terminplaner kommen heutzutage in der Regel nicht als isolierte Anwendungen daher, sondern sind normalerweise Bestandteil einer Sammlung von elektronischen Helfer-Werkzeugen für die effizientere Organisation des Office-Alltags. Handelt es sich bei einem solchen Office-Bundle um Anwendungen, die sich in erster Linie für die bessere Organisation des privaten und beruflichen Alltags einer einzelnen Person eignen, spricht man häufig auch von Persönlichen Informations-Managern.

Solche PIMs bestehen meist aus einer Termin- und Aufgabenverwaltung, einer Adressdatenbank und in selteneren Fällen einem E-Mail-Client-Programm. Wurde die Anwendung dagegen konzipiert, damit sich ganze Organisationen oder andere häufig miteinander interagierende Personengruppen besser aufeinander abstimmen können, dann verwendet man meist von dem Begriff Groupware. In diesem Artikel beschränken wir uns bewusst auf die Vorstellung einiger PIMs, die auf dem heimischen Linux-Desktop für Ordnung sorgen können.

Desktop, Server oder WWW?

Historisch betrachtet ist Linux als ein Kind des Internets von Anfang an auf Netzwerkfähigkeit hin ausgelegt. Anders als in der Windows- oder Mac-Welt gehen viele Entwickler von Linux-Anwendungsprogrammen bis zum heutigen Tag davon aus, dass Linux vor allem im Umfeld von Netzwerken eingesetzt wird. Entsprechend herrscht unter Linux momentan ein relativ großes Angebot an netzwerkbasierten Client-Server-Lösungen für alle nur erdenklichen Anwendungsfälle, während die Desktop-Anwendungen erst noch heranreifen müssen. Wundern Sie sich also nicht, wenn es im Moment unter Linux auch im Bereich von Terminverwaltungs-Programmen noch einfacher ist, eine Groupware-Lösung zu finden, die sich mit allen möglichen PDAs synchronisieren lässt, als eine entsprechend universale Desktop-Lösung. Schließlich gibt es noch Terminplaner, die nach einer entsprechenden Registrierung – ähnlich wie manche E-Mail- und Fax-Provider auch – z. T. sogar als kostenlose Dienste im WWW beansprucht werden können (z. B. bei yahoo oder netscape). Es bleibt natürlich jedem selbst überlassen, ob er seine persönlichen Termine und Notizen mit den Betreibern solcher WWW-Angebote teilen will oder nicht.

Standardformate

In der Windows-Welt haben sich in den letzten Jahren vor allem MS Outlook und der Lotus Organizer als defacto-Standards im PIM-Bereich etablieren können. Da Linux erst vor kurzem als Desktop-Betriebssystem ins Gespräch gekommen ist, existiert hier noch kein vergleichbarer Standard. Die Entwickler neuer PIMs (KDE-PIM oder gnome-pim) scheinen sich derzeit jedenfalls an die Philosophie zu halten, in quelloffenen Anwendungen auch möglichst offene Dateistandards einzusetzen. Das Internet Mail Consortium, ein weltweites Gremium, dem führende IT-Unternehmen wie AOL, HP, IBM, Nokia und sogar Microsoft angehören, hat unter http://www.imc.org/pdi/ zwei Standardspezifikationen für den persönlichen Datenaustausch (PDI) veröffentlicht: vCard und vCalendar. Insbesondere letztgenannte Spezifikation soll dafür sorgen, dass – selbstverständlich nur, wenn sich die Entwickler eines PIMs oder einer Groupware auch 100% an die Spezifikationsanforderungen halten – der Austausch von Daten zwischen elektronischen Kalendern, Terminplanern und Adressbeständen verschiedener Hersteller reibungslos vonstatten geht.

Synchronisation erwünscht?

J-pilot übernimmt die Synchronisation mit dem PalmPilot.

J-pilot übernimmt die Synchronisation mit dem PalmPilot.

Wenn Sie Besitzer eines PalmPilots der Firma 3Com sind und gerne Ihre Palm-Termindaten mit Ihrem PC-Terminverwaltungsprogramm synchronisieren wollen, dann schränkt sich für Sie zumindest momentan noch die Wahl des richtigen Terminplaners unter Linux deutlich ein. Neben der beiden in der Übersicht vorgestellten PIMs StarOffice Schedule 5.2 und J-Pilot gibt es sicherlich noch einige weitere gangbare Lösungen (etwa auch die hier nicht vorgestellte Terminverwaltung CorelCentral 9 in Corel’s Wordperfect Office 2000). Die Installation und Konfiguration der Palm-Synchronisations-Software ist aber häufig nicht allzu trivial, sondern erfordert z. T. schon einiges an Geschick. Aber Rettung ist in Sicht: die PIM-Entwickler von KDE und GNOME arbeiten schon fleißig an einer entsprechenden Palm-Schnittstelle für KOrganizer und gnomecal.

Psion-Anhänger haben da derzeit unter Linux leider schlechtere Karten, denn sie müssen sich entweder mit den Möglichkeiten und Grenzen einer Reihe von Kommandozeilen-Tools (psiconv) zufrieden geben oder nach einer der wenigen Groupware-Lösungen unter Linux Ausschau halten, die auch eine entsprechende Psion-Synchronisation (z. B. der Cyberscheduler der Firma envicon) ermöglicht.

Integriert und zukunftsoffen

Sollten Sie zumindest im Moment keinen Bedarf für eine PDA-Synchronisation sehen und in erster Linie ein für private Zwecke brauchbarer elektronischer Terminplaner suchen, dann bieten sich die beiden heranwachsenden PIMs von KDE und GNOME durchaus schon an. KOrganizer hinterlässt hinsichtlich der Funktionsvielfalt momentan sicherlich den etwas ausgereifteren Eindruck. Der GNOME Kalender – ähnlich übrigens wie der Tagesplaner plan – richtet sich dank seiner interessanten Kommandozeilenoptionen vermutlich eher an fortgeschrittenere Linux-Anwender, die z. B. ihre Anwendungen mit Hilfe von originellen Shell-Skripten (teil-)automatisieren wollen und damit ihrem Ziel, noch mehr Zeit zu sparen, näher kommen wollen.

Einfach aber mächtig ist der Terminplaner plan.

Einfach aber mächtig ist der Terminplaner plan.

Zum Abschluss noch ein kleiner Ausblick auf die nahe Zukunft: Die US-amerikanische Firma Helixcode (http://www.helixcode.com), in der Linux-Szene bekannt geworden durch die großzügige Bereitstellung von fertigen Binär-Paketen des aktuellen GNOME-Desktops, arbeitet schon seit geraumer Zeit an einer vielversprechenden Mischung aus PIM und Groupware namens Evolution. Momentan eignet es sich zwar noch nicht für den Endanwender, da es sehr schwer zu installieren ist. Es besteht jedoch Grund zur Hoffnung, dass Evolution vielleicht schon in der nächsten Major-Release von Helixcode GNOME (1.4 oder 2.0) integriert sein wird.

Terminplaner in der Übersicht

Name GNOME Kalender 1.2.0 Ical 2.2 J-Pilot 0.98 KOrganizer 2.0 StarOffice Schedule 5.2 Tagesplaner 1.8.4
Hersteller/Entwickler de Icaza, Mena und andere Sanjay Ghemawat Judd Montgomery Braun, Schumacher und andere Sun Microsystems, Inc. Thomas Driemeyer
URL http://www.gnome.org www.research.digital.com/SRC/personal/Sanjay_Ghemawat/ical/home.html http://jpilot.linuxbox.com http://korganizer.kde.org http://www.sun.com/staroffice http://www.bitrot.de/plan.html
Lizenz/Preis GPL frei kopierbar GPL GPL Sun-eigene Lizenz / kostenlos GPL-ähnliche Lizenz
Verwendetes GUI-Toolkit GTK+1.2 / GNOME 1.2 Tcl / Tk GTK+ 1.2 qt 2.2.x / KDE 2.0.x staroffice-intern Motif (auch statischer Link möglich)
Termine/Aufgaben
Terminbeginn/-ende * / * * / * * / * * / * * / * * / *
Explizite Ortsangabe * *
Anzahl vorgeg. Terminkateg. 12 (+weitere definierbar) 5 (+weitere definierbar)
Wiederkehrender Termin * (auch Ausnahmen) * (große Auswahl an Wdh.) * * (auch Ausnahmen) * * (auch Ausnahmen)
Prioritätsstufe der Aufgabe Ebene 1-5 Ebene 1-5 Ebene 1-5
Zugriffsrechte öffentlich/privat/vertraulich öffentlich/privat/vertraulich
Archivierung alter Termine? * (über Skript icalexpire) * (mehrfache Backups) * (als vcs-Datei) * (als XML-Datei) – (Löschoptionen)
Erinnerungsalarm
Über Benutzerdialog / Klang * / * * / * * / * – / * * / * * / *
Per E-Mail * (belieb. sonstige Anwendung) * (belieb. sonstige Anwendung) * * (belieb. Shell-Skript)
Erinnerungswiederholung? min/max 15 Tage vorher min/hh/tt min/hh/tt tt/ww/mm/jj *
Angaben zu Teilnehmern? * (Rolle/Status) * (Status)
Kalenderansichten
Auflistung aller Termine * *
Tagesüberblick * * * * * *
Wochenüberblick * * * * *
Monatsüberblick * * * * * (kleine/große)
Einzelne Arbeitswoche * * *
Mehrere Arbeitswochen *
Jahresüberblick * *     * (2 versch. Ansichten)
Termine nach Aufgabenliste * * *
PDA-Synchronisation
PalmPilot in Entwicklung * in Entwicklung * (keine Mehrbenutzersync.)
Psion 5 mx PRO / Revo
Import-/Exportfilter
Import       Import aus Ical 2.2 möglich
– Lotus Organizer (*.txt) * s. u.
– MS Outlook (*.csw) * s. u.
– XML-iCalendar (*.xcs) * s. u.
– iCalendar (*.ics) geplant * s. u.
– vCalendar (*.vcs) * * s. u.
Eigenes Dateiformat vCalendar (*.vcs) $HOME/.calendar Verzeichnis $HOME/.jpilot/ vCalendar (*.vcs) ../usr/store/schedule.cal $HOME/.dayplan
Export
– iCalendar (*.ics) geplant *
– vCalendar (*.vcs) * * *
– XML-iCalendar (*.xcs) *
– Web-Seite (*.html) * (über Skript ical2html) * (Ereignis-/Aufg.-Liste)
Druckoptionen
Tagesübersicht * * Über Vorlagen *
Wochenübersicht * * Über Vorlagen * (2 versch. Ansichten)
Monatsübersicht – (über Tagesoptionen) * Über Vorlagen * (auch 2 Jahresübersichten)
Aufgabenliste * * Über Vorlagen
Datumsbereich frei wählbar
Besonderheiten
  Große Einstellungsvielfalt bei Unix-Klassiker unter den Terminkalendern Programm zur Synchronisation Integrierte Aufgabenverwaltung Integrierte Aufgabenverwaltung Sehr große Einstellungsvielfalt
  Kalenderfarben, Todo-Listen   mit PalmPilots Adressbuch Anbindung an Adressverwaltung Laufender Daemon (Alarme)
  und Alarme   auch Adressen/Memos Option ?Kalender zusammenführen? Netscape-Calendar-Kompatibilitätsmodus auch Kommandozeilenaufrufe
  Kommandozeilenoptionen   über Plugins erweiterbar Interaktion mit KDE-Dateimanager Konqueror Bundesländerspezifische Feiertagsberechnung Anpassbare Feiertagsdatei
  Bestandteil des Pakets gnome-pim     Bestandteil des Pakets kdepim in KDE 2.0.x   Liest Dateien aus Datenbanken
            und von entfernten Netplan-Servern
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2 Kommentare
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Jutta
8 Jahre her

Hallo,

wo bekommen ich denn nun einen Kalender den ich auch mit einer Linux Installation verwenden kann?
Bisher bin ich nur auf Schwierigkeiten gestoßen. Es konnte keiner der angebotenen Kalender installiert werden.
Es kann doch nicht sein, dass ich nun wieder auf Papier umsteigen muss, nur weil Linux keinen Kalender anbietet. Da braucht man sich dann auch nicht zu wundern, wenn Linux immer noch unter “ferner liefen” läuft und keine Anwender findet. Ein Kalender ist in der heutigen Zeit einfach ein MUSS!

Tim Schürmann
8 Jahre her
Reply to  Jutta

Hallo,

wenn Sie sich auf den Artikel beziehen: Der stammt aus dem Jahr 2001, die Angaben im Text sind folglich hoffnungslos veraltet.

Ansonsten gibt es unzählige Kalender für Linux, die auch einwandfrei funktionieren. Recht beliebt ist beispielsweise die Kombination aus dem E-Mail-Programm Thunderbird mit der Kalender-Erweiterung Lightning.

Um Ihnen genauer helfen zu können, wären ein paar weitere Informationen hilfreich: Welche Linux-Distribution verwenden Sie, welche Kalender-Anwendung wollten Sie installieren und welche Fehlermeldungen haben Sie dabei erhalten?

Beste Grüße,

Tim Schürmann

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