In dieser Rubrik stellen wir Monat für Monat Tools vor, die sich bei der Arbeit unter KDE als besonders nützlich erweisen, eine Aufgabe erfüllen, die sonst geflissentlich unbeachtet bleibt, oder einfach nur zu den netten Dingen im Leben gehören, die man – einmal entdeckt – nicht mehr missen möchte.
Wer an die grafische Aufarbeitung des Druckerspools unter Windows 9x gewöhnt ist, hat sicherlich schon das eine oder andere Mal über die Druckerei unter Linux geflucht. Woran das liegt? Sicherlich nicht daran, dass die Linux-Entwickler als solche Sadisten sind, die sich diebisch darüber freuen, wenn wir User beim Drucken heulend vor unserem Rechner sitzen. Es hat vielmehr damit zu tun, dass Linux ein ausgewachsenes Multiuser-Betriebssystem ist.
In einem solchen kann es durchaus passieren, dass die werte Freundin gerade die neuesten Brad-Pitt-Schnappschüsse zu Papier bringen will, während Sie versuchen, das dringend für Ihren Boss vorbereitete Memo auszudrucken. Über die Priorität der Aufgaben mag man streiten (ich plädiere für Brad Pitt), aber auf jeden Fall senden in unserem Beispiel zwei Personen gleichzeitig einen Druckauftrag an den Drucker. Oder versuchen es zumindest, denn wenn sie es tatsächlich täten, käme es zum großen Drucker-Fiasko: Memos und Brad Pitt vertragen sich hier nicht wirklich gut.
In einer solchen Situation greift unser Lieblingsbetriebssystem schlichtend ein. Unter Linux sprechen Sie den Drucker nie selbst an, sondern benutzen das Hilfsprogramm lpr, das die diversen Druckaufträge erst einmal basisdemokratisch im Spoolverzeichnis zwischenlagert. Sobald der Drucker frei ist, nimmt der Druckerdämonlpd die Sache in die Hand und schaufelt die betreffende Datei auf den Drucker.
Aber was hat das alles mit KDE zu tun, werden Sie sich fragen. Einiges, denn KDE stellt Ihnen klpq zur Verfügung – in der 2.0er Version schöner und funktionaler denn je. Aha. Und was macht das gute Stück? Die Sache transparent könnte man sagen. Es zeigt Ihnen die Druckerwarteschlange an, entfernt per Mausklick wartende Aufträge aus dem Spool oder verändert deren Prioritäten und erspart immer öfter den Griff zu lpr auf der Kommandozeile.
Um die Installation des Druckerhelferleins brauchen Sie sich nicht großartig zu kümmern, da es Bestandteil des kdeutils-Pakets ist. Auch die Konfiguration ist simpel. Aber wahrscheinlich interessiert es Sie erst einmal, wie Sie das Programm überhaupt starten können.
Das geht auf zwei Arten: Geben Sie entweder in einer Terminalemulation Ihrer Wahl das Kommando klpq & ein, oder entscheiden Sie sich für den Weg über das K-Menü. Hier führt Sie Dienstprogramme/Druckaufträge verwalten ans Ziel.
Beim ersten Start will klpq lediglich von Ihnen wissen, welches Drucker-Spoolsystem Sie benutzen. Voreingestellt ist BSD, womit Sie auf einem Linux-System in der Regel richtig liegen dürften. Sollten sich die Kommandos lpq, lprm und lpc, derer sich klpq künftig eifrigst bedienen wird, in irgendwelchen obskuren Verzeichnissen befinden, die von den Standardpfaden abweichen, passen Sie diese unter dem Punkt Optionen/Spooler an (Abbildung 1).
Wozu diese Helferlein gut sind? Das Kommando lpq zeigt auf der Kommandozeile die im Spoolverzeichnis herumliegenden Dateien, die auf Ihren Ausdruck warten, mitsamt der Jobnummer an, lprm stoppt einen Druckauftrag, und mit lpc kontrollieren Sie den Drucker selbst. Damit kann die Druckverwaltung beginnen.
klpq« auf den rechten Pfad zurück…” width=”297″ height=”196″ /> Abbildung 1: Bringen Sie War das schon alles?
Sobald Sie klpq ein Argument auf der Kommandozeile spendieren, können Sie das Programm sogar als Ersatz für lpr benutzen. Tippen Sie dann beispielsweise nicht lpr druckmichbaby ein, sondern drucken Sie zwei Fliegen mit einer Klappe, und versuchen Sie es direkt mit klpq druckmichbaby. In diesem Fall startet klpq nicht nur, sondern führt ganz selbstlos auch noch den benötigten lpr-Befehl für Sie aus.
klpq unterstützt aber noch viel abgedrehtere Aktionen und akzeptiert als Kommandozeilen-Argument URLs. Solange Sie online sind, benutzt es den Konqueror dazu, die entsprechende(n) Datei(en) temporär auf Ihren Rechner zu kopieren und sie an den Drucker zu senden. Lassen Sie klpq während des gesamten Downloads tatsächlich laufen. Beenden Sie das Programm zwischenzeitlich, können die heruntergeladenen Dateien nicht gedruckt werden.
Wie fast alle KDE-Programme versteht klpq selbstverständlich auch das KDE-eigene Drag&Drop-Protokoll, so dass Sie eine Datei zum Drucken eigentlich nur noch mit der Maus aus dem Konqueror heraus ziehen und über dem klpq-Fenster fallen lassen müssen.
Sobald Sie den Button Auto betätigen, wird die aktuelle Druckerwarteschlange von klpq aller x Sekunden automatisch neu eingelesen, so dass Sie nicht permanent den Aktualisieren-Knopf bemühen müssen (Abbildung 2). Welches Zeitintervall Ihnen sinnvoll erscheint, stellen Sie unter Optionen/Aktualisierungsfrequenz ein. Steht der Regler in der dazugehörigen Dialogbox auf 0, ist dieser Automatismus außer Kraft gesetzt (Abbildung 3).

klpq« in voller Pracht” width=”300″ height=”111″ />
Abbildung 2:
Abbildung 3: Wer’s nicht automatisch möchte
Der Rest ist so gut wie selbsterklärend: Möchten Sie Druckaufträge aus der Schlange löschen, wählen Sie die betreffende Datei im klpq-Fenster aus und klicken auf den Entfernen-Button. Das funktioniert natürlich nur mit Druckaufträgen, die Ihnen gehören. Möchten Sie fremde Aufträge aus dem Spool entfernen, müssen Sie mit root-Rechten ausgestattet sein.
Sie verfügen darüber? Dann erlaubt es Ihnen klpq sogar, Prioritäten zu setzen: Wenn Sie Ihr ach so wichtiges Memo an den Pitt-Fotos vorbei schmuggeln wollen, sage ich zwar “Schande über Sie”. Aber sobald Sie die Datei und danach den Button Nach oben setzen anklicken, rückt das Memo allen Freundinnenprotesten zum Trotz an die erste Stelle.
Glossar
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Spoolverzeichnis
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Der “Wartesaal”, in dem Dateien schön brav und der Reihe nach darauf warten, dass sie abgearbeitet (z. B. ausgedruckt) werden. Die (Druck-)Aufträge werden der Reihe nach “abgespult” und die abgearbeiteten Dateien anschließend aus dem Verzeichnis gelöscht.
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Druckerdämon
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Ein Dienstprogramm, das weitgehend unbemerkt im Hintergrund dafür sorgt, dass die Druckaufträge aus dem Spoolverzeichnis an den Drucker geschickt werden.
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URL
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“Uniform Resource Locator”, die eindeutige Adressangabe einer Datei im Internet. Ein Beispiel: http://www.linux-user.de/.




