Viele freie Projekte werden im Internet auf einem zentralen Server gehostet. Diese dienen nicht nur der Dateiablage, sondern auch der Kommunikation zwischen Anwender und Entwickler. Wir geben Ihnen einen Überblick über die Funktionen.
Ohne die Mithilfe tausender Anwender und Entwickler hätte Linux nicht weltweit die breite Akzeptanz errungen, die es heute genießt. Doch wie koordinieren Autoren umfangreicher Open-Source-Projekte die vielen Aufgaben und das User-Feedback? Linus Torvalds, der Vater von Linux, tut das über seine Mailbox und ein geniales Verständnis der Materie.
Oftmals geschieht dies jedoch durch sehr spezielle Werkzeuge, die unentgeltlich von Dritten zur Verfügung gestellt werden, wie beispielsweise Internet-Foren. Eine beliebte Plattform, die von Entwicklern und Anwendern gleichermaßen genutzt wird, ist die amerikanische Internet-Domain SourceForge. Sie ist zu einem Quasi-Standard geworden; es gibt jedoch Alternativen.
Wie die meisten Projekte, die auf SourceForge verwaltet werden, ist die Plattform selbst teilweise Open-Source. Ihr wichtigstes Interface ist die Schnittstelle zum World Wide Web (http://sourceforge.net/). Darüber werden Mailing-Listen eingerichtet, Quelltexte aktualisiert, Feedback entgegengenommen und noch unzählige andere Aufgaben erledigt. Im Hintergrund verwaltet eine Datenbank die Einträge der Entwickler.
SourceForge bietet insgesamt mehr als 27.000 verschiedenen Projekten Platz: Bekannte Beispiele sind MiKTeX, der Window Manager Enlightenment oder die Implementierung der Programmiersprache Python. Diesen und allen anderen stehen weitere Dienstleistungen kostenlos zur Verfügung.
Leider ist es gerade für Neulinge und Nicht-Programmier-Profis manchmal schwierig, nicht in der Funktionsvielfalt von Projekt-Seiten zu ertrinken. Da die einzelnen Seiten allerdings stets gleich aussehen (siehe Abbildung 1), gewöhnen Sie sich mit ein wenig Hintergrundinformationen schnell an SourceForge.
Artenvielfalt
Bevor wir damit beginnen, die wichtigsten Funktionen von SourceForge vorzustellen, sollten die Alternativen erwähnt werden, denn mittlerweile gibt es ähnliche Dienstleistungen von anderen Anbietern und in anderen Ländern, wie beispielsweise in Deutschland mit BerliOS (http://www.berlios.de/). Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie ebenfalls die SourceForge Software einsetzen und somit im Grossen und Ganzen die gleichen Werkzeuge und Schnittstellen bieten. Für Projekte der Free Software Foundation gibt es unter anderem Savannah (http://savannah.gnu.org/), das dem Original zum verwechseln ähnlich sieht. Wenn Sie sich also in einer der Plattformen zurechtfinden, ist es genauso einfach, jedes andere Derivat zu bedienen, denn sie funktionieren nach dem gleichen Prinzip und bauen auf den gleichen Komponenten auf.
Nicht nur für Profis
Doch nicht nur Entwickler von Software sollten sich mit den frei verfügbaren Tools auskennen – auch die Anwender sind gefordert, sich auf den umfangreichen Web-Oberflächen der Internet-Plattformen zu orientieren. Immer dann, wenn es um Updates oder Bug-Reports zu Programmen geht, die von SourceForge & Co. gehostet werden. Feedback dieser Art wird beispielsweise von einem Bug-Tracker entgegengenommen, wohingegen ein Update meistens über ein CVS-Repository abgewickelt wird. Ähnlich wie in diesen beiden Fällen gibt es für nahezu alle Aufgaben, die bei einem Software-Projekt anfallen, spezialisierte Werkzeuge.
In Abbildung 2 sehen Sie die üblichen Auswahlmöglichkeiten eines Projekts, das auf den freien Entwickler-Plattformen zu Hause ist. Am Häufigsten jedoch werden Sie als Anwender auf die diversen Kommunikationsmechanismen zurückgreifen wollen. Dazu zählen das Einschreiben in Mailing-Listen, Foren und die erwähnten Tracker. Um sich beispielsweise bei einer Mailing-Liste anzumelden, folgt man dem Link unter Public Areas und verwendet das entsprechende web-basierte Formular, welches sich dahinter verbirgt. Einige andere Dienste erfordern allerdings die Registrierung des Anwenders bei dem zugrundeliegenden Dienstleister. Doch das ist keine echte Einschränkung, da die Anmeldung ebenfalls kostenlos ist und die neuen Mitglieder zudem zu nichts verpflichtet. Eine gültige E-Mail-Adresse reicht völlig aus.
Etwas aus dem Rahmen fällt der Link Project Home Page (Siehe Kasten “Project Home Page”) in dieser Werkzeugkiste. Nicht jedes Projekt hat eine zusätzliche Internet-Seite und wenn, dann ist diese sicher sehr individuell gestaltet ist, denn es obliegt den Autoren, was sie dort anbieten und wie sie die Inhalte optisch gestalten.
Project Home Page
Die “Project Home Page” ist nicht zwingend integraler Bestandteil von Projekten der SourceForge-ähnlichen Plattformen. Die gängigen Schemata zur Unterscheidung der funktionalen Projekt-Seite (also dem Teil, den wir in diesem Artikel besprechen) von der frei gestaltbaren Internet “Home Page” des Projekts sieht dabei so aus: Unter der Adresse http://sourceforge.net/projects/Projektname/ befindet sich die Werkzeugkiste und alle damit verbundenen Dienste, während die Adresse http://Projektname.sourceforge.net/ normalerweise auf die individuelle Internet-Präsenz verweist. Was dort zu finden ist, hängt einzig und allein vom Ideenreichtum der Software-Entwickler ab.
Download neuer Programme
Wollen Sie ein neues Programm von einer der Entwickler-Plattformen beziehen, so bieten sich mehrere Möglichkeiten. Entweder Sie folgen den Latest File Releases (siehe Abbildung 1), um die Dateien direkt auf den eigenen Rechner zu übertragen, oder aber Sie bedienen sich des Anonymous-FTP. Eine weitere Möglichkeit ist, eine ältere Programm-Version aus dem Archiv zu laden.
Das ist möglich, da zu einer guten Entwicklungsumgebung auch Platz für alte Dateien gehört. Zudem ist die aktuellste Version einer Software nicht automatisch die stabilste, so dass dieses Feature durchaus Sinn ergibt. Erreichbar ist das Archiv über die horizontale Funktionsleiste am oberen Rand der Seite unter dem Eintrag Files.
Jede dieser Möglichkeiten wird stets den komprimierten Source-Tarball anbieten, der die Quelltexte zur Übersetzung enthält. Viele Projekte bieten zusätzlich RPM- und Debian-Pakete an, die Sie mit den entsprechenden Paket-Managern direkt installieren können.
Anonymous FTP wird meistens nur zur Sicherheit bereitgestellt, falls die anderen Download-Mechanismen streiken oder es wegen Überlastung vorübergehend zu Engpässen kommt. BerliOS und Savannah bieten dies ebenfalls an, während SourceForge sich in diesen Tagen von dem Dienst trennen wird.
Updates
Etwas anders verhält es sich, wenn Sie bereits eine Version eines bestimmten Programmes installiert haben und lediglich die neuesten Entwickler-Patches und Erweiterungen beziehen wollen. Obwohl es für brandaktuelle Programmänderungen meistens keine eigenständige Release der Software gibt, kann man trotzdem schon von ihnen profitieren. Durch einen Anonymous-CVS-Server ist es jedem (nicht notwendigerweise als Benutzer registrierten) Anwender möglich, den aktuellen Quelltext eines Programmes herunterzuladen und diesen auf dem eigenen Rechner zu übersetzen. Wie das im Detail funktioniert, finden Sie im LinuxUser 08/2001, “Programm-Versionen verwalten wie die Profis mit dem Concurrent Versions System”. In den meisten Fällen reichen jedoch zwei Kommandos aus:
cvs -d:pserver:anonymous@cvs.Projektname.sourceforge.net:/cvsroot/Projektname login cvs -z3 -d:pserver:anonymous@cvs.Projektname.sourceforge.net:/cvsroot/Projektname co Modulname
Die beiden Zeilen müssen auf der eigenen Konsole abgesetzt werden und funktionieren nur, wenn ein CVS- und Secure-Shell-Client installiert sind. Dabei handelt es sich allerdings um zwei Standardkomponenten, die bei allen gängigen Linux-Distributionen automatisch mit eingerichtet werden. Außerdem müssen natürlich “Projektname” und “Modulname” durch die zum Projekt passenden Einträge ersetzt werden. Nach einer kurzen Pause wird CVS eine Passwort-Anfrage stellen, die man getrost durch Drücken der [Enter]-Taste überspringen kann, um mit dem Download der neuesten Quellen fortzufahren.
Kontaktaufnahme
Wollen Sie sich aktiv an einem Projekt durch Verbesserungsvorschläge oder Diskussionsbeiträge beteiligen, werden Sie in aller Regel auf die Mailing-Listen verwiesen. Stehen mehrere Listen zur Auswahl, halten Sie nach den Kürzeln “Announcements” oder “Users” Ausschau. Diese stehen für Ankündigungen und Informationsaustausch, wohingegen die Abkürzung “Dev” im Namen der Liste darauf hindeutet, dass es hier um die Kommunikation zwischen Software-Entwicklern geht. Seien Sie sich aber darüber im klaren, dass das Abonnieren einer Liste unter Umständen mehrere Dutzend E-Mails pro Tag zur Folge hat!
Sind Sie nicht daran interessiert, permanent alle Diskussionsbeiträge frei Haus geliefert zu bekommen, und wollen sich dennoch einem Projekt mitteilen, dann können Sie als registrierter Benutzer auf die Foren und die Feedback-Tracker ausweichen. Die Bedienung ist denkbar einfach und über Web-Formulare realisiert, wie es in Abbildung 3 dargestellt ist. Zusatz-Software ist nicht nötig. (Für die Mailing-Listen muss man zumindest über einen E-Mail-Client verfügen.) Die Foren funktionieren nach einem sehr ähnlichen Schema.
Nützliche Spielereien
Die mächtigen Internet-Plattformen bieten zudem ausgefallene Features, wie die Möglichkeit zur Durchführung von Umfragen (Surveys). Damit können Entwickler gezielt die Anwender nach ihrer Meinung befragen und überlassen die Auswertung den automatisierten Werkzeugen im Hintergrund. Es ist ebenfalls möglich, vor einem CVS-Abgleich die neuesten Änderungen am Quelltext zuersteinmal bequem über ein Web-Interface zu begutachten. Somit können Sie sich vorab über Art und Umfang der neuen Features informieren.
Ultimativer Wegweiser
Die hier vorgestellten Features beschränken sich auf das Elementare. Um jedoch den vollen Leistungsumfang von SourceForge & Co. zu erforschen, ist es notwendig, einen Blick auf die ausführliche Dokumentation zu werfen. Ein Link zu den globalen Dokumenten befindet sich bei allen Projekten am linken Seitenrand. In den mehrsprachig verfügbaren Anleitungen finden Sie wertvolle Hinweise zur Installation von CVS, Secure-Shell oder einfach zur Mitgliedschaft in der Community.
Die Umgebung, die SourceForge kreiert hat und seit mehreren Jahren kontinuierlich verfeinert, wirkt sehr durchdacht und erweist sich im täglichen Einsatz als ungemein nützlich. Sie zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie die grundlegenden Funktionen so unkompliziert wie möglich zur Verfügung stellt und höheren Anforderungen durch komplexe Profi-Tools gerecht wird. Doch egal, ob Sie nun zu den Open-Source-Neulingen oder den alten Hasen zählen, ein Bisschen auskennen sollten Sie sich mit dieser Art von Entwickler-Plattform auf jeden Fall, denn die Zahl der neu registrierten Projekte wächst beständig.







