Sechs DVD-Brenner im Vergleich

Aus LinuxUser 12/2003

Sechs DVD-Brenner im Vergleich

Allesbrenner

AUFMACHER: Titelbild LinuxUser 01/2003 ohne Spiralen – DVD ist nicht gleich DVD, fünf Standards kämpfen derzeit um die Gunst des Kunden – und keiner weiß, was sich am Ende durchsetzt. Damit Sie am Ende nicht im Regen stehen, haben wir sechs Brenner getestet, die alle Formate beherrschen.

Ein DVD-Brenner soll es zu Weihnachten sein – wer mit einer solchen Maßgabe auf Laufwerkssuche geht, verirrt sich schnell im Dschungel der Standards: DVD steht zwar überall drauf, doch ob nun RAM, Minus, Plus, R oder RW, jeder Standard setzt eine ganz bestimmte Sorte Rohlinge voraus. Welche der Scheiben sich dann im Video-DVD-Player abspielen oder im Notebook-Laufwerk lesen lassen, steht wiederum auf einem ganz anderen Blatt.

Standard-Dschungel

Am Anfang war die DVD-ROM, flüchtig betrachtet kaum von einer CD-ROM zu unterscheiden. Um das Medium später einmal zweiseitig nutzen zu können, wurde die Datenschicht nicht mehr unmittelbar unter dem Aufdruck aufgedampft, sondern mitten zwischen Ober- und Unterseite verlegt. Damit sind praktisch alle DVDs Laminate, bei denen einfach zwei 0,6 Millimeter dicke Scheiben übereinander geklebt wurden (Abbildung 1). Ansonsten unterscheidet sich die DVD-ROM kaum von der CD, einzig die Datenstrukturen (Pits) sind kleiner und die Spirale verläuft enger.

Abbildung 1: DVDs bestehen aus zwei je 0,6 Millimeter dicken Scheiben, die aufeinander geklebt werden. Die empfindliche Reflektionsschicht liegt in der Mitte des Mediums und ist so gut geschützt

Abbildung 1: DVDs bestehen aus zwei je 0,6 Millimeter dicken Scheiben, die aufeinander geklebt werden. Die empfindliche Reflektionsschicht liegt in der Mitte des Mediums und ist so gut geschützt

Die DVD-ROM ist selbstverständlich nicht beschreibbar, aber vom DVD-Forum [1] abgesegnet und mit dem bekannten DVD-Logo verziert. Zu diesem Format sollten wiederbeschreibbare Medien möglichst kompatibel sein, damit sie auch in alten Laufwerken und Playern problemlos funktionieren.

Als erstes beschreibbares DVD-Medium kam die DVD-RAM auf den Markt und war für die Datenspeicherung ähnlich einer Festplatte gedacht. Entsprechend kann das Medium bis zu 100000 mal wieder beschrieben werden. DVD-RAM-Medien erkennt man an goldfarbenen Strichen auf der Unterseite, eine Art Sektorierung, und man kann die Datenträger in nahezu jedem DVD-Laufwerk auslesen.

Die zwei weiteren vom DVD-Forum abgesegneten beschreibbaren Formate sind die DVD-R und die DVD-RW. Die so genannten “DVD-Minus”-Formate sind den CD-R und CD-RW sehr ähnlich, besonders in der Handhabung: Daten werden mittels Brennprogramm auf die DVD geschrieben, und die wiederbeschreibbare DVD-RW kann vom Brennprogramm vollständig gelöscht werden.

Konkurrenz-Formate

Die “DVD-Plus”-Formate entstanden in Konkurrenz zu den Minus-Formaten und sind offiziell keine DVD-Formate – statt in einer großen Spirale wie bei DVD-R oder CD-R hat die DVD+RW richtige Spuren auf konzentrischen Kreisen, genau wie eine Festplatte. Hinter dem DVD-Plus-Standard stehen allerdings gewichtige Konzerne wie Philips, Ricoh, Hewlett Packard, Sony, Mitsubishi, Yamaha und Verbatim.

Den Anfang bei den Plus-Medien machte DVD+RW, die nur einmal beschreibbare DVD+R kam erst rund 18 Monate später auf den Markt.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

In der grauen Theorie können alle DVD-Medien von allen DVD-Playern und -Laufwerken abgespielt oder gelesen werden, die Praxis schaut aber ganz anders aus: Das einzige halbwegs zuverlässige Format ist DVD-R, immerhin können selbst alte DVD-ROMs und DVD-Player damit etwas anfangen – einmal, weil es DVD-R bereits bei der Produktion der Player gab oder zumindest absehbar war, zum anderen aber auch, weil die DVD-R in den optischen Eigenschaften der DVD-ROM am nächsten kommt. Der Reflexionsgrad der Oberfläche beträgt (wie auch bei der DVD+R) zwischen 45 und 85 Prozent im Vergleich zu einer DVD-ROM, zudem sind die Daten in einer Spirale angeordnet – während es bei der DVD+R Sektoren und Spuren sind.

Auch die DVD-RAM soll sich in manchem DVD-Player abspielen lassen, sie wurde jedoch für die Datenspeicherung entwickelt und hat ähnlich wie die DVD-Plus-Medien eine Sektorierung. Sie bilden auf der Unterseite ein leicht zu erkennendes Muster (Abbildung 2), das unverwechselbar nur bei DVD-RAMs anzutreffen ist.

Für das Beschreiben einer DVD-RAM sind übrigens keine Treiber oder spezielle Brennprogramme erforderlich: Der Brenner mutiert mit eingelegter DVD-RAM zur Festplatte und lässt sich nach belieben partitionieren, formatieren und beschreiben. Eine neue DVD-RAM wird also zum Beispiel per mke2fs -j /dev/scd0 mit Ext3 formatiert und kann dann anschließend mit mount /dev/scd0 /mnt wie eine Diskette eingebunden werden.

Leseprobleme bei Plus-Medien

Das größte Verbreitungshindernis der DVD+R ist die späte Einführung, gerade die Firmware von DVD-Playern kann mit den DVD+R oftmals überhaupt nichts anfangen. Auch mit den wiederbeschreibbaren DVD-Rohlingen gibt es immer wieder Ärger: Sie reflektieren nur 18 bis 30 Prozent des Laser-Lichts (Abbildung 2) im Vergleich zu einer einschichtigen DVD-ROM – und erreichen damit das Reflektionsniveau einer zweischichtigen DVD-ROM, bei der die Daten in zwei Schichten übereinander gespeichert sind.

Für solche zweischichtigen Medien muss der Laser anders fokussieren als bei den einschichtigen, und oft verwendet die Firmware den Reflexionsgrad als Indikator. Das führt gerade bei älteren Playern dazu, dass DVD-RW und DVD+RW fälschlich als zweischichtige DVD-ROM erkannt werden, der Laser jedoch nicht auf die zweite Schicht fokussieren kann – Abspielen unmöglich.

Abbildung 2: Alle fünf beschreibbaren DVD-Medien im Überblick: links oben DVD-RW, rechts oben DVD+RW, links unten DVD-R, rechts unten DVD+R und unten DVD-RAM. Deutlich sind die unterschiedlichen Reflekionseigenschaften zu erkennen

Abbildung 2: Alle fünf beschreibbaren DVD-Medien im Überblick: links oben DVD-RW, rechts oben DVD+RW, links unten DVD-R, rechts unten DVD+R und unten DVD-RAM. Deutlich sind die unterschiedlichen Reflekionseigenschaften zu erkennen

Allesbrenner und Kostverächter

Ob sich das von den Herstellern propagierte Plus-Format oder eben das vom DVD-Forum abgesegnete Minus-Format durchsetzt, ist noch nicht entschieden. Der Test beschränkte sich daher auf Multi-Brenner, die sowohl die Plus- als auch die Minus-Formate beherrschen – so ist man als Anwender stets auf der sicheren Seite. Getestet wurden insgesamt sechs ATAPI-Laufwerke, SCSI-Brenner finden heute faktisch nur noch in professionellen Studios Verwendung.

Die DVD-Rohlinge wurden bewusst aus dem No-Name- und Billig-Segment gewählt, der Medienpreis blieb bei unter 2 Euro. Markenware geht sehr schnell ins Geld, sie kostet meist das Drei- bis Fünffache der Billigware – entsprechend verbreitet sind die No-Name-Scheiben von Prodisk, Princo und Xcitek.

Das Ergebnis ist sehr zwiespältig: Nicht jeder Brenner vertrug alle ihm vorgesetzten Medien, im Falle des BTC DRW-1004 funktionierten selbst DVD-R-Rohlinge von TDK und Teac nicht. Nur der LG GSA-4040B und das Iomega Super DVD Drive schluckten alles ohne Murren.

Doch nicht nur die Medien und Laufwerke führten zu Unverträglichkeiten, teilweise kam das Brennprogramm dvdrecord schlicht und einfach nicht mit den Rohlingen klar – die Prodisk DVD-R brannte dvdrecord nicht in einem einzigen Laufwerk. In der Übersichtstabelle ist vermerkt, welches Laufwerk mit welchen Rohlingen und Brennprogrammen zusammen arbeitete.

Die Platzierungen

Der Testsieger kommt von von LG, das Laufwerk GSA-4040B ist mit 150 Euro (Retail-Version) respektive 140 Euro (Bulk) ein Viertel billiger als Iomegas Super DVD Drive. Beide Laufwerke bereiteten im Test nicht die geringsten Probleme und arbeiteten mit allen Brennprogrammen und allen Medien einwandfrei zusammen.

Als Besonderheit können nur die beiden Laufwerke von LG und Iomega auch DVD-RAMs beschreiben. Die Datenträger (Abbildung 2, unten) sind mit acht bis zwölf Euro sehr teuer, lassen sich aber bis zu 100.000 mal wiederbeschreiben – hundert mal so oft wie DVD-RW oder DVD+RW theoretisch verkraften. Damit sind sie eine interessante Alternative für Streamer-Bänder oder Magneto-Optical Disks (MODs), wenn es um den häufigen Transport von großen Datenmengen geht. Mit den Zugriffsgeschwindigkeiten einer Firewire- oder USB-2.0-Festplatte können die DVD-RAM allerdings nicht mithalten.

Platz 3 belegt der relativ verbreitete NEC-Brenner DV-1300A; er ist ebenso teuer wie der Testsieger, brennt jedoch keine DVD-RAM. Probleme gab es auch mit der Prodisk DVD-R unter dvdrecord und growisofs, mit cdrecord-ProDVD brannte das Laufwerk den Prodisk-Rohling genau wie alle anderen Medien problem- und anstandslos.

Der Teac-Brenner DV-W50DK schaffte es nur auf Platz 4: Einmal ist das Laufwerk nur geringfügig billiger als Iomegas Super DVD Drive, beherrscht jedoch keine DVD-RAM-Medien.

Dicht dahinter auf dem vorletzten Platz folgt das Plextor PX-708A für stattliche 280 Euro – es ist das einzige Laufwerk im Testfeld, das DVD+R bereits mit achtfacher Geschwindigkeit brennen kann, das macht den Preisunterschied aus. DVD-RAM ließen sich auch im Plextor-Laufwerk nicht schreiben.

Eine Auffälligkeit gab es im Zusammenhang mit einem defekten DVD+RW-Rohling: Nachdem growisofs den Brennprozess wegen Medienfehler abgebrochen hatte, musste die Schublade des Laufwerks von Hand geöffnet und wieder geschlossen werden – erst dann akzeptierte der Brenner das Medium erneut. Wenn versucht wurde, das Medium ohne vorheriges Öffnen der Lade zu mounten, kam es in einem Fall zu einem Komplettabsturz des Rechners, in anderen Fällen blieben das System und der Mount-Befehl fast eine halbe Stunde hängen.

Das Schlusslicht ist der BTC DRW-1004. Er kostet wie der Testsieger 150 Euro, hat jedoch mit den DVD-R-Medien von Prodisk, Princo, TDK und Teac bei allen Brennprogrammen erhebliche Probleme. Entweder ließen sich die Medien erst gar nicht beschreiben, oder sie funktionierten später nicht im DVD-Player. Auch die DVD+RW-Medien von Xcitek stellten das Laufwerk vor unlösbare Aufgaben, insgesamt scheint der BTC-Brenner sehr wählerisch bei den Medien zu sein. Hier raten wir unumwunden, besser das LG GSA-4040B zu kaufen.

Fazit

DVD-Brenner funktionieren unter Linux, wenn auch nicht uneingeschränkt: Das Bundle aus Brenner, Medium und Brennprogramm ist wie im Fall von dvdrecord nicht unter allen Bedingungen lauffähig. Wir raten deshalb, entweder eine aktuelle Version von growisofs oder das kommerzielle (aber privat kostenlos nutzbare) cdrecord-ProDVD zu benutzen, mit beiden gab es keine Probleme.

Alle Geräte im Überblick

Platz: 1 2 3
 
Hersteller: LG Iomega NEC
Modell: GSA 4040B Super DVD DV-1300A
Internet: www.lge.de www.iomega.de www.necd.de
Cache: 2 MByte 2 MByte 2 MByte
Schnittstelle: ATAPI, UDMA-2 ATAPI, UDMA-2 ATAPI, UDMA-2
Formate und Geschwindigkeiten
DVD-R / DVD-RW 4x / 2x 4x / 2x 4x / 2x
DVD+R / DVD+RW 4x / 2,4x 4x / 2,4x 4x / 2,4x
DVD-RAM / DVD-ROM 3x / 12x 3x / 12x – / 12x
CD-R / CD-RW / CD-ROM 24x / 16x / 32x 24x / 16x / 32x 16x / 10x / 40x
Linux-Brennprogramme: Medien-Tauglichkeit
cdrecord-ProDVD 2.0.1 DVD-R, DVD-RW, DVD+R, DVD+RW DVD-R, DVD-RW, DVD+R, DVD+RW DVD-R, DVD-RW, DVD+R, DVD+RW
growisofs 5.13.4.7.4 DVD-R, DVD-RW, DVD+R, DVD+RW DVD-R, DVD-RW, DVD+R, DVD+RW DVD-R1, DVD-RW, DVD+R, DVD+RW
dvdrecord 0.1.5 DVD-R1, DVD-RW DVD-R1, DVD-RW DVD-R1, DVD-RW
Lieferumfang (Retail-Kit) IDE-Kabel, Audiokabel, DVD-RAM, Handbuch, Windows-Software Kurzanleitung, Windows-Software Kurzanleitung, Windows-Software
Preis (Retail): 150 Euro 210 Euro 150 Euro

Alle Geräte im Überblick (Fortsetzung)

Platz: 4 5 6
Bild:
Hersteller: Teac Plextor BTC
Modell: DV-W50DK PX-708A DRW-1004
Internet: www.teac.de www.plextor.be www.btceurope.nl
Cache: 2 MByte 2 MByte 2 MByte
Schnittstelle: ATAPI, UDMA-2 ATAPI, UDMA-2 ATAPI, UDMA-2
Formate und Brenngeschwindigkeit
DVD-R / DVD-RW 4x / 2x 4x / 2x 4x / 2x
DVD+R / DVD+RW 4x / 2,4x 8x / 4x 4x / 2,4x
DVD-RAM / DVD-ROM – / 12x – / 12x – / 12x
CD-R / CD-RW / CD-ROM 16x / 10x / 32x 40x / 24x / 40x 40x / 24x / 40x
Linux-Brennprogramme: Medien-Tauglichkeit
cdrecord-ProDVD 2.0.1 DVD-R, DVD-RW, DVD+R, DVD+RW DVD-R, DVD-RW, DVD+R, DVD+RW DVD-R1
growisofs 5.13.4.7.4 DVD-R1, DVD-RW, DVD+R, DVD+RW DVD-R, DVD-RW, DVD+R, DVD+RW
dvdrecord 0.1.5 DVD-R1, DVD-RW
Lieferumfang (Retail-Kit) IDE-Kabel, Audiokabel, Schrauben, DVD-R, CD-R, Handbuch, Windows-Software IDE-Kabel, Schrauben, Jumper, Auswurfstift, DVD+R, Kurzanleitung, Windows-Software Audiokabel, Schrauben, DVD+RW, Windows-Software
Preis (Retail): 200 Euro 280 Euro 150 Euro
1: Prodisk DVD-R ließen sich nicht beschreiben

Infos

[1] DVD-Forum, das DVD-Standardisierungs-Gremium: http://www.dvdforum.org

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