DVDs brennen mit CD-Record-ProDVD, Grow-Iso-FS und DVD-Record

Aus LinuxUser 12/2003

DVDs brennen mit CD-Record-ProDVD, Grow-Iso-FS und DVD-Record

Zunder und Feuerstein

Ob DVD-R(W), +R(W) oder RAM: Am schnellsten brennt Linux die Daten-DVD auf der Kommandozeile.

Egal, was Sie auf eine DVD packen wollen, viel installieren müssen Sie vorher nicht. Hat Ihr PC noch keinen DVD-Brenner an Bord, müssen Sie den natürlich zuerst einbauen. Achten Sie schon bei der Anschaffung darauf, welche Formate er unterstützt: Die Hersteller haben sich bisher noch nicht auf einen gemeinsamen Standard einigen können.

So unterscheidet der Handel heute zwischen drei Rohlingtypen: DVD-R(W), DVD+R(W) und DVD-RAM. Manch neues Laufwerk unterstützt mehrere Formate, und mit DVD-R- und DVD+R-Geräten lassen sich auch CD-Rohlinge beschreiben. Grundsätzlich kann Linux mit allen Formaten umgehen – braucht aber je nach Typ unterschiedliche Konfiguration. Ohne Belang ist dabei, ob es sich um SCSI- oder IDE-Laufwerke handelt.

SCSI oder IDE

Beim Anschluss eines SCSI-Brenners an einen bereits eingerichteten SCSI-Controller ist nichts weiter zu beachten. Der Controller und alle angeschlossenen Geräte sollten, sofern der Bus korrekt verkabelt und terminiert ist, von jeder Linux-Distribution erkannt und angesprochen werden.

Einen IDE-Brenner einzurichten, erfordert dagegen zusätzliche Einstellungen, soweit das nicht die Hardware-Erkennung Ihrer Distribution besorgt. Weil ein CD- oder DVD-Brenner nur mit SCSI-Kommandos gesteuert werden kann, muss dem Betriebssystem vorgegaukelt werden, das IDE-Gerät sei eigentlich ein SCSI-Gerät. Diese IDE-SCSI-Emulation ist in Kerneln der aktuellen Distributionen schon eingebaut, nur die Boot-Loader-Konfigurationsdatei /etc/lilo.conf muss noch angepasst werden. Mit einem Text-Editor tragen Sie am Ende der Konfigurationsdatei eine Zeile nach dem Muster ein:

append = "hdd=ide-scsi"

Ersetzen Sie hdd dabei durch die interne IDE-Bezeichnung Ihres DVD-Brenners. (In unserem Beispiel ist es das Slave-Laufwerk am sekundären IDE-Port.) Ein Neustart des Systems macht die Änderung wirksam.

Abbildung 1: "cdrecord -scanbus" listet alle am SCSI-System angeschlossenen Geräte auf, in diesem Beispiel sind die Geräte 0,0,0 und 1,0,0 Brenner

Abbildung 1: “cdrecord -scanbus” listet alle am SCSI-System angeschlossenen Geräte auf, in diesem Beispiel sind die Geräte 0,0,0 und 1,0,0 Brenner

Verschiedene Medientypen

Für DVD-RAM-Medien brauchen Sie keine speziellen Treiber oder Programme, sofern Ihr Laufwerk diesen Medien-Typ verarbeiten kann, benutzen Sie es wie eine normale Diskette. So formatiert etwa mke2fs /dev/scd0 das DVD-RAM-Medium im ersten DVD-Brenner, anschließend können Sie es mit mount /dev/scd0 /mnt einbinden. Dateien werden, wie auch bei Festplatten und Disketten, einfach per Kommandozeile (oder Datei-Manager) drauf kopiert. Vor dem Entnehmen müssen Sie die DVD-RAM unbedingt unmounten, damit noch im Puffer verbliebenen Daten auf das Medium geschrieben werden. Der Nachteil von DVD-RAM ist, dass sie in nicht allen Laufwerken gelesen werden können.

Für das Brennen von Daten und Videos auf DVD-Rohlinge sind spezielle Programme erforderlich. Das Paket dvdrecord (dvdrtools[1]) ist in vielen aktuellen Distributionen enthalten und unterstützt DVD-R(W)-Laufwerke. Eigentlich ist es eine überarbeitete Version der cdrtools, die schon seit einiger Zeit das Brennen von CDs erlauben.

Eine Alternative zu dvdrecord ist das Programm growisofs aus den dvd+rwtools, damit können Sie angefangen von DVD-R über DVD-RW und DVD+R bis hin zu DVD+RW alle Formate schreiben. Die Handhabung von growisofs unterscheidet sich jedoch deutlich von dvdrecord[2].

Wem dieses Durcheinander zu undurchsichtig ist, für den gibt es mit cdrecord-ProDVD eine kommerzielle, erweiterte Variante von cdrecord, die DVD-R/W und DVD+R/W unterstützt. Die Lizenz ist für den privaten Gebrauch kostenlos [3], muss jedoch alle halbe Jahr erneuert werden – eine Open-Source-Version gibt es leider nicht; die vorkompilierten Pakete sind aber für viele Plattformen erhältlich, darunter neben Linux auch FreeBSD, Windows und sogar MacOS X und weitere Unixe.

Ist ein DVD-Brenner eingebaut, lassen sich herkömmliche CDs mit dem Kommandozeilen-Tool cdrecord und mit oder ohne grafischem Frontend nach Wahl ohne Probleme brennen. Möchten Sie DVD-Rohlinge beschreiben, müssen Sie je nach Laufwerk das Paket dvd+rw-tools, dvdrtools (dvdrecord) oder cdrecord-prodvd installieren. Passende RPM-Pakete für Ihre Distribution finden Sie auf der Rpmseek-Seite [4], bei einigen (etwa SuSE Linux) ist schon ein Paket dabei.

dvdrecord und cdrecord-ProDVD

Die Bedienung von dvdrecord und cdrecord-ProDVD ist identisch mit der von cdrecord, nachfolgend wir deshalb nur jeweils ein Beispiel gezeigt. Alle drei Brennprogramme erwarten die Angabe des Brenners über die SCSI-ID in der Form 0,0,0 oder 0,1,0 und nicht etwa mittels Gerätenamen wie /dev/scd0. Der Befehl

dvdrecord --scanbus

listet alle verfügbaren SCSI-Geräte auf. Die ersten Spalte enthält die benötigte SCSI-ID bestehend aus Controller-Nummer, Gerätenummer und logischer Laufwerksnummer getrennt durch Kommas. Das folgende Beispiel kopiert eine DVD vom ersten SCSI-Laufwerk am ersten (virtuellen) Controller:

readcd dev=0,0,0 f=image
dvdrecord speed=2 dev=0,0,0 -v image

Die erste Zeile liest eine eingelegte DVD aus und schreibt den Inhalt in eine Image-Datei, die zweite Zeile brennt dieses Image mit zweifacher Geschwindigkeit auf einen Rohling. Auf diese Weise lassen sich allerdings nur DVDs mit einer Kapazität von maximal 4482 MByte kopieren. Daneben eignen sich DVD-R-Laufwerke natürlich auch für die Datensicherung: Eine Image-Datei aus dem aktuellen Verzeichnis einschließlich aller Unterverzeichnisse erstellt der Befehl:

mkisofs -r -J -o /tmp/image .

Die Datei image lässt sich analog zum letzten Beispiel mit dem Kommando

dvdrecord speed=2 dev=0,0,0 -v /tmp/image

auf DVD brennen. Auch für Images gilt die Kapazitätsgrenze von 4482 MB. Falls Ihr Dateisystem älter ist und nicht mit Dateien zurecht kommt, die größer als 2 GB sind, teilt der Befehl

mkisofs -r -J -split -o /tmp/image .

den Verzeichnisbaum in bis zu 1 GB große Einzel-Images auf, die dvdrecord als zusammenhängende Image-Dateien erkennt und entsprechend auf den Rohling brennt.

DVD-RW

Mit dvdrecord lassen sich auch wiederbeschreibbare DVD-RW-Medien benutzen (cdrecord-ProDVD beherrscht zusätzlich noch DVD+R und DVD+RW). Der Befehl

dvdrecord -v speed=2 dev=0,0,0 blank=fast

führt ein schnelles Löschen aus,

dvdrecord -v speed=2 dev=0,0,0 blank=all

löscht das Medium vollständig. Der Schreibvorgang selbst ist bei DVD-RW und DVD-R der gleiche.

Unterschiede

In der Voreinstellung bietet dvdrecord wie schon erwähnt die selben Optionen und Funktionen wie cdrecord. Auch die Manpage beschreibt äquivalente Optionen, schon, damit sich mit dvdrecord auch CDs brennen lassen. Die Praxis zeigt jedoch Ungeschliffenes: Der Brennvorgang für eine Daten-DVD-R im (nicht standardisierten) Multisession-Mode startet zwar, bricht jedoch stets ohne aussagekräftige Fehlermeldung ab. Der einzige Brennmodus, der unter dvdrecord für DVD-Rohlinge funktioniert, ist das DAO-Format (Disc at once), und diese Medien können auch nicht mit der Option --overburn überbrannt werden. Andere Optionen, etwa das automatische Auswerfen der DVD nach dem Brennen, funktionieren hingegen.

Das kommerzielle cdrecord-ProDVD zeigt die genannten Schwächen nicht, es ist insgesamt das ausgereiftere Programm – noch dazu, weil es neben den Minus-Formaten auch die Plus-Formate beherrscht, also faktisch mit jedem am Markt erhältlichen DVD-Brenner und -Medium problemlos zusammen arbeitet.

Für alle Fälle growisofs

Durch die Beschränkung von dvdrecord auf DVD-R(W) benötigt man, will man weiterhin auf Open-Source-Software setzen, für ein DVD+R(W)-Laufwerk in jedem Fall das Paket dvd+rw-Tools. Seit der Version 5.14 unterstützen die Plus-Tools jedoch auch Minus-Brenner, so dass growisofs inzwischen dvdrecord den Rang abläuft. Unter [4] liegen fertigte RPM-Pakete für viele Distributionen, die Ihr Paket-Manager einspielt. Wer selbst kompilieren will, lädt sich die Quellen von der Projekt-Homepage und installiert es mit den Befehlen:

tar xzf dvd+rw-tools-version.tar.gz
cd dvd+rw-tools-version
make
make install

Hier steht version für die jeweils aktuelle Versionsnummer. Das installierte Paket enthält eine Reihe von Kommandozeilenbefehlen, mit denen sich DVD+Rs beschreiben lassen, interessant ist unter anderem die Backup-Funktion: Ein DVD-Image eines Verzeichnisbaums anlegen und auf DVD+R brennen – das erledigt der Befehl:

growisofs -R -J -Z /dev/scd0 /home

Auch hier und in den folgenden Beispielen ist die Gerätedatei wieder durch die SCSI-Gerätedatei Ihres DVD-Laufwerks zu ersetzen. Die nötigen Informationen entnehmen Sie auf Ihrem System der Datei /proc/scsi/scsi. Das erste dort aufgeführte SCSI-Laufwerk trägt die Bezeichnung /dev/scd0, das zweite /dev/scd1 usw.

Abbildung 2: Backups auf DVD, in diesem Beispiel werden die Home-Verzeichnisse der Benutzer gesichert, sind mit growisofs sehr einfach zu machen

Abbildung 2: Backups auf DVD, in diesem Beispiel werden die Home-Verzeichnisse der Benutzer gesichert, sind mit growisofs sehr einfach zu machen

Zusätzliche Dateien schreibt ein leicht abgewandelter Befehl aufs gleiche Medium: growisofs -R -J -M /dev/scd0 /data (-M statt -Z). Vorhandene DVD-Images brennen Sie mit

growisofs -Z /dev/scd0=image.iso

DVD+RW löschen

Die wiederbeschreibbaren DVD+RW-Medien lassen sich erfreulich leicht händeln. Sowohl beschriebene als auch neue Medien müssen zunächst formatiert werden:

dvd+rw-format -f /dev/scd0

Eine geschlossene DVD-Session erleichtert es, die Scheibe auf anderen Systemen zu lesen. Das besorgt die Format-Option

dvd+rw-format -lead-out /dev/scd0

Fazit

Einfache Daten-DVDs sind unter Linux in der Regel kein Problem, insbesondere cdrecord-ProDVD und growisofs unterstützen nahezu alle Brenner und Medien. Aufwändige DVD-Masterings für Video- oder Audio-DVDs dagegen immer noch. Wie Sie auch einfache Video-DVD-Titel unter Linux erzeugen, beschreibt der entsprechende Artikel in diesem Heft. Wenn das Brennen auf der Kommandozeile klappt, funktioniert natürlich auch ein beliebiges grafisches Frontend, zum Beispiel XCDRoast [5] oder K3B [6]. Auch über die erfahren Sie mehr in einem eigenen Artikel.

Glossar

DVD

Die Digital Versatile Disk ist die Nachfolgerin der CD mit deutlich erhöhter Speicherkapazität. Sie ist ähnlich aufgebaut wie die CD, die Spezifikationen sind jedoch nicht offengelegt, sondern werden von einem Konsortium überwiegend japanischer Unternehmen bestimmt und verwaltet. Hauptsächlich durch größere Schreibfläche und engeres Beschreiben erhält eine DVD ihre Kapazität von etwa 4,7 GB. Es gibt doppelseitige DVDs, die eigentlich nur zwei gegeneinander geklebte DVDs sind, und DVDs mit zwei Schichten, so dass sich je nach Bauweise Gesamtkapazitäten von bis zu 15,9 GB ergeben.

DVD-R und DVD-RW

Der DVD-R-Standard beschreibt analog zur CD-R einen einmal beschreibbaren Datenträger. DVD-R wird von den meisten Geräten unterstützt. Wie bei den CDs, zu denen sich schnell die CD-RWs gesellten, wurden zu den DVD-Rs die mehrfach beschreibbaren DVD-RWs entwickelt.

DVD+R und DVD+RW

Das Lager der Hersteller von DVD-Brennern hatte sich schon frühzeitig in zwei Lager gespalten: Als sich das DVD-R-Format als De-Fakto-Standard abzeichnete, versuchten einige Hersteller noch schnell, ein eigenes Format auf dem Markt durchzudrücken.. Noch hat keines der beiden Lager den Markt an sich reißen können, und so existiert für DVDs der “zweite” Standard DVD+R(W).

DVD-RAM

Dieses Format bietet Platz für bis zu 4,8 GB und kann theoretisch 100.000 mal wiederbeschrieben werden (DVD+/-RW theoretisch bis 1000 mal). Es funktioniert unter Linux ohne zusätzliche Treiber oder Tools, die Medien sind jedoch auch die teuersten.

SCSI

Das Small Computer Systems Interface ist ein Bus, der Daten zwischen den angeschlossenen Geräten und der SCSI-Controllerkarte führt. Weil der Bus auch aus dem Computer-Gehäuse heraus geführt werden kann, können flexibel je nach Typ bis zu 15 Geräte auch extern angeschlossen werden. Es gibt inzwischen die Typen SCSI-2, Fast-SCSI, Ultra-SCSI, Wide-SCSI, Ultra-Wide-SCSI und Ultra2Wide-SCSI.

IDE

Integrated Drive Electronics ist kein Bus, sondern eine Schnittstelle, an die maximal zwei Geräte angeschlossen werden können. Der Controller unterscheidet die beiden anhand der Einstellung mit Jumpern, die eines der Geräte als Master, das andere als Slave identifizieren. EIDE bedeutet Enhanced IDE und durchbricht die alte 504-MB-Grenze für angeschlossene Festplatten. ATA erweitert den EIDE-Standard. IDE-Schnittstellen unterscheiden nach der Übertragungsgeschwindigkeit zwischen UDMA/33, UDMA/66, UDMA/100 und UDMA/133, wobei die Zahlen die maximale Übetragungsrate in MB/s bezeichnen.

Infos

[1] DVD-R-Tools mit dvdrecord: http://www.nongnu.org/dvdrtools/

[2] DVD+RW-Tools mit growisofs und dvd+rw-format: http://fy.chalmers.se/~appro/linux/DVD+RW/

[3] CD-Record und CD-Record-ProDVD: http://www.fokus.gmd.de/research/cc/glone/employees/joerg.schilling/private/cdrecord.html

[4] RPM-Suchmaschine: http://www.rpmseek.com/

[5] Projekt-Homepage von X-CD-Roast: http://www.xcdroast.org/

[6] Projekt-Homepage von K3b: http://k3b.sourceforge.net/

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