Gibt es mit der OpenOffice-Komponente Writer, KWord, HancomWord und Abiword nicht bereits genug Textverarbeitungen für Linux? Anscheinend bleibt trotz der Auswahl noch eine Marktlücke offen, denn in die will Textmaker hineinstoßen.
Wer für Windows oder Microsofts PDA-Betriebssystem PocketWindows nach alternativen Office-Anwendungen sucht, findet sie häufig in der “Softmaker Office“-Suite der Nürnberger Softwareschmiede Softmaker (http://www.softmaker.de/). Seit Anfang März bietet die Firma deren Textverarbeitungskomponente Textmaker in einer Beta-Version auch für Linux an. Fertiggestellt soll sie 49,95 Euro kosten.
Neugierig darauf, was man dafür erwarten kann, unterzogen wir die Betaversion 377 einem Vorabtest. Wenn dieses Heft erscheint, ist mit Sicherheit bereits eine andere Version aktuell.
Um die Betaversion auszuprobieren, muss sich die interessierte Benutzerin unter http://www.softmaker.de/tmlreg.htm mit Namen und einer gültigen E-Mailadresse bei Softmaker registrieren. Nach dem Download, der mit 7,5 MByte für eine ausgewachsene Textverarbeitung sehr moderat ausfällt (eine bis zum 31. Mai 2003 beschränkte Version finden Sie auf der Heft-CD), und dem Auspacken des Textmaker-Archivs textmakerbeta.tgz im Home-Verzeichnis mit dem Befehl tar -xzvf textmakerbeta.tgz wechselt die Anwenderin ins neu entstandene Verzeichnis textmakerbeta und startet das Programm durch Eingabe von tml & in einem X-Terminal (Abbildung 1). Nach ersten Aufruf erfragt es E-Mail-Adresse, Name und Seriennummer.
Klein, aber oho
Was sofort auffällt, ist die hohe Geschwindigkeit, mit der das Programm startet. Auf einem modernen Rechner ist die Textmaker-Oberfläche sofort da, und auch auf älterer Hardware lässt es sich flüssig mit ihr arbeiten: Zur Probe installierten wir die Textverarbeitung auf einem Laptop, der von einem Pentium-I-Prozessor mit 133 MHz angetrieben wird und über 24 MByte RAM verfügt. Selbst das Laden und Bearbeiten eines 177-seitigen Word-Dokuments klappte auf diesem Rechner sehr gut.
Ein möglicher Grund für die flotte Reaktion: Textmaker benutzt keines der unter Linux verbreiteten Toolkits wie GTK oder Qt, vielmehr eine eigene Klassenbibliothek. Das bringt allerdings auch den Nachteil mit sich, dass man zum Beispiel auf Drag&Drop aus dem Konqueror verzichten muss.
Abgesehen davon lässt sich das Programm intuitiv bedienen, die Dialoge bestechen durch ihre Übersichtlichkeit und Verständlichkeit. Falls es doch einmal Probleme gibt, hilft das Handbuch im PDF-Format weiter, das im textmakerbeta-Verzeichnis zu finden ist.
Werkzeugleisten und Tastenkürzel passt die Benutzerin problemlos an die eigenen Vorlieben an, und selbst kleine Schriften lassen sich dank Kantenglättung gut lesen.
Texte mit Format
Ob Vorlagen für Dokumente, Absätze und Zeichen – Textmaker bietet alle Funktionen, die man von einer modernen Textverarbeitung gewohnt ist. Masterseiten ermöglichen das Einfügen von Wasserzeichen, Firmenlogos und anderen Elementen, die auf jeder Seite erscheinen sollen. Absätze lassen sich mit verschiedenen Rastern und Mustern hinterlegen. Tabellen, Fußnoten, Inhalts- und Stichwortverzeichnisse in mehreren Varianten und frei definierbare Textbausteine beherrscht das Programm ebenso wie mehrspaltigen Textsatz.
Text- und Grafikrahmen erlauben DTP-ähnliche Dokument-Gestaltung, wobei Textrahmen in 90-Grad-Schritten drehbar sind. Mit Hilfslinien und einem frei definierbaren Raster lassen sich alle Elemente präzise ausrichten. Beim Layout des Texts helfen Linien, Rechtecke und Ellipsen.
Die mitgelieferte Rechtschreibprüfung kontrolliert den Text auf Fehler und bedient sich dabei entweder der neuen oder der alten Regeln. Auf Wunsch unterkringelt Textmaker bei Verwendung der neuen Rechtschreibung Wörter in alter Schreibweise blau.
Als sehr praktisch erweist sich die Lupenfunktion, mit der sich ein Bildschirmausschnitt wie in einem Zeichenprogramm vergrößern lässt.
Datenbanken und Formulare
Etwas ungewöhnlich für eine Textverarbeitung bringt Textmaker Datenbankfunktionalität mit, die weit über das Erstellen von Serienbriefen hinaus geht: Damit lassen sich beliebige nichtrelationale Datenbanken definieren, die das Programm im dbase-Format speichert (Abbildung 3).
Ist die Datenbank einmal angelegt, dient ein Eingabeformular (Abbildung 4) oder eine Tabelle zur Dateneingabe. Datenbankfelder fügt die Anwenderin an jeder beliebigen Stelle in den Text ein.
Mit Inhalt aus Datenbanken lassen sich auch interaktive Formulare verknüpfen. Diese können so geschützt werden, dass die Benutzerin sie nur noch ausfüllen, nicht aber verändern darf.
Rein und raus
Auf Wunsch benutzt das Programm das MS-Word-Dateiformat als Standard zum Speichern. Abgesehen von diesem und dem eigenen Textformat liest und schreibt Textmaker RTF- und HTML-Dokumente. Auch die diversen PocketWord-Formate werden unterstützt. Der Import von MS-Word-Dokumenten funktionierte sehr gut, auch aufwändige Layouts stellte das Programm korrekt dar (Abbildung 5). Ein Filter für OpenOffice-Dokumente, die in der Linux-Welt weit verbreitet sind, ist geplant, wird aber in Version 1.0 noch nicht enthalten sein.
Bilder fügt man entweder wie ein Zeichen in den Text ein oder packt sie in einen Rahmen, der von Text umflossen wird. Dabei unterstützt Textmaker alle gängigen Pixelgrafikformate.
Wie geht es weiter?
Einfache Bedienung, großer Funktionsumfang und überzeugende Verarbeitungsgeschwindigkeit – so neugierig die Textmaker-Beta auf das fertige Produkt macht, so drängend stellt sich die Frage, wann die übrigen Anwendungen aus der Softmaker-Office-Suite als Linux-Version erscheinen. Als nächster Portierungskandidat steht die Tabellenkalkulation PlanMaker in den Startlöchern; mit einer ersten Beta-Version ist noch in diesem Frühjahr zu rechnen. Abgerundet wird das Office-Paket durch die End-User-Datenbank Datamaker, deren erste Vorabversion im Herbst erscheinen soll.
Traurig dürften allerdings die Benutzerinnen von Linux-PDAs sein: Zur PocketWindows-Version ist derzeit kein Pendant für Yopy, iPAQ oder den Zaurus zu erwarten.
Wenn die endgültige Version für Linux auf dem Desktop erschienen ist, werden wir die neue Office-Suite selbstverständlich einem ausführlichem Test unterziehen.









