CAPI-Treiber für ISDN-Karten einrichten

Aus LinuxUser 06/2004

CAPI-Treiber für ISDN-Karten einrichten

Treiberjagd

ISDN-Karten taugen nicht nur für den Internet-Zugang, sondern lassen sich über die CAPI-Schnittstelle auch als Anrufbeantworter und Telefax verwenden. Wie Sie den CAPI-Treiber installieren, erfahren Sie hier.

Eine ISDN-Karte im Rechner erlaubt weit mehr, als nur ins Internet zu gelangen. Direkt an den NTBA angeschlossen, lässt sich der Anschluss weitreichend überwachen, ein Skript kann zum Beispiel mitprotokollieren, welche Anrufe von extern kamen und an wen sie gingen. Oder man löst eine bestimmte Schaltfunktion aus, wenn man sich mit dem eigenen Handy zu Hause anruft – etwa um die Klimaanlage einzuschalten oder den Rechner ins Internet einwählen zu lassen.

Die Programmsammlung Capisuite kann ISDN-Karten über die CAPI-Schnittstelle (Common Application Programming Interface) auch als Anrufbeantworter oder Telefax ansteuern. Voraussetzung dafür ist ein entsprechender CAPI-fähiger Treiber für die jeweilige Karte – er ist entweder schon im Kernel enthalten, oder der Hersteller bietet wie im Falle der meisten AVM-Fritz-Karten entsprechende Binärmodule auf seiner Homepage an.

CAPI-Treiber einrichten

Ist die ISDN-Karte noch nicht eingerichtet oder haben Sie bei der Installation von SuSE Linux den Hisax-Treiber verwendet, starten Sie einfach im YaST unter Netzwerkgeräte das Modul ISDN. Dort wählen Sie Ihre ISDN-Karte aus und richten sie ein.

Wichtig ist, dass Sie als Treiber CAPI 2.0 driver auswählen, wie in Abbildung 1 gezeigt. Der Hisax-Treiber funktioniert mit der CAPI-Suite nicht. YaST warnt, dass für den CAPI-Treiber keine Quellen vorliegen – das ist unschön, weil so niemand Einblick in die Quellen hat und man bei den Treibern vom Hersteller abhängig ist.

Abbildung 1: Bei SuSE Linux müssen Sie in der ISDN-Einrichtung unbedingt den CAPI-2.0-Treiber auswählen, damit die Capisuite auf die ISDN-Karte zugreifen kann.

Abbildung 1: Bei SuSE Linux müssen Sie in der ISDN-Einrichtung unbedingt den CAPI-2.0-Treiber auswählen, damit die Capisuite auf die ISDN-Karte zugreifen kann.

Eine Anleitung, wie Sie den CAPI-Treiber unter Debian, Mandrake und Red Hat Linux installieren, finden Sie unter [1], [2] und [3].

CAPI-Treiber-Test

Zur Sicherheit sollten Sie noch einmal überprüfen, ob der CAPI-Treiber fehlerfrei eingerichtet ist. Diesen Test führen Sie einfach mit dem Kommando capiinfo als root in einer Shell durch. Erscheinen, wie in Listing 1 gezeigt, Informationen über ISDN-Karte, CAPI-Treiber, Version, Seriennummer, Optionen und vieles mehr, ist alles in Ordnung.

Listing 1

Ausgabe von

capiinfo

01 Number of Controllers : 1
02 Controller 1:
03 Manufacturer: AVM GmbH
04 CAPI Version: 2.0
05 Manufacturer Version: 3.101-02  (49.18)
06 Serial Number: 1000001
07 BChannels: 2
08 Global Options: 0x00000039
09    internal controller supported
10    DTMF supported
11    Supplementary Services supported
12    channel allocation supported (leased lines)
13 B1 protocols support: 0x4000011f
14    64 kbit/s with HDLC framing
15    64 kbit/s bit-transparent operation
16    V.110 asynconous operation with start/stop byte framing
17    V.110 synconous operation with HDLC framing
18    T.30 modem for fax group 3
19    Modem asyncronous operation with start/stop byte framing
20 B2 protocols support: 0x00000b1b
21    ISO 7776 (X.75 SLP)
22    Transparent
23    LAPD with Q.921 for D channel X.25 (SAPI 16)
24    T.30 for fax group 3
25    ISO 7776 (X.75 SLP) with V.42bis compression
26    V.120 asyncronous mode
27    V.120 bit-transparent mode
28 B3 protocols support: 0x800000bf
29    Transparent
30    T.90NL, T.70NL, T.90
31    ISO 8208 (X.25 DTE-DTE)
32    X.25 DCE
33    T.30 for fax group 3
34    T.30 for fax group 3 with extensions
35    Modem

Über die in Listing 1 enthaltenen Informationen stellen ie fest, ob der verwendete CAPI-Treiber das Faxen unterstützt. Ist das der Fall, muss in den Abschnitten B1 protocol support bis B3 protocol support das Protokoll T.30 aufgelistet sein – ansonsten kann man Capisuite lediglich als Anrufbeantworter benutzen.

Installation der Capisuite

Im einfachsten Fall wird die Capisuite unter SuSE Linux mit YaST installiert, das Programmpaket gehört zum Standardlieferumfang der Distribution. Mit dem Kommando yast -i capisuite, aufgerufen als root, wird die Installation noch einfachen – YaST löst dann automatisch die Abhängigkeiten auf und fordert nur noch die entsprechenden CDs an.

Verwenden Sie eine andere Distribution oder wollen eine aktuelle Version der Capisuite verwenden, bekommen Sie Debian- und RPM-Pakete bei [4], oder Sie übersetzen die Capisuite selbst aus den Quellen.

Die Installation der RPM-Pakete verläuft bei allen Distributionen ungefähr gleich, das Kommando rpm -Uvh capisuite-0.4.4-0.i586.rpm installiert das Paket, selbst wenn bereits eine ältere Version vorhanden ist. Nach der Installation finden Sie das Benutzerhandbuch unter /usr/share/doc/packages/capisuite/manual.pdf oder /usr/share/doc/capisuite/manual.pdf.

Das Kommando zur Installation des Debian-Pakets lautet dpkg -i capisuite_0.4.4-2_i386.deb, das Benutzerhandbuch liegt hier unter /usr/share/doc/capisuite/manual.pdf.gz

Konfiguration und Nutzung

Mit der Installation der Capisuite und Einrichtung des Treibers haben Sie die Grundvoraussetzungen geschaffen, um Ihren Rechner in Zukunft als Telefax und Anrufbeantworter einzusetzen – es fehlen nur noch die individuellen Einstellungen wie Telefonnummern und Benutzer sowie die Einbindung in verschiedene Linux-Applikationen, damit Sie zum Beispiel Texte aus OpenOffice heraus direkt faxen können, ohne sie vorher auszudrucken. Damit befasst sich der Artikel auf Seite 64.

Infos

[1] CAPI 2.0 AVM und Debian: http://www.topf-sicret.de/help/capi20.html

[2] Faxen unter Mandrake: http://ixi.thepenguin.de

[3] Informationen zu CAPI unter Red Hat: http://www.mungo.homelinux.org

[4] RPM-Pakete der Capisuite: http://www.capisuite.de/download.php3

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