ISDN-Karten taugen nicht nur für den Internet-Zugang, sondern lassen sich über die CAPI-Schnittstelle auch als Anrufbeantworter und Telefax verwenden. Wie Sie den CAPI-Treiber installieren, erfahren Sie hier.
Eine ISDN-Karte im Rechner erlaubt weit mehr, als nur ins Internet zu gelangen. Direkt an den NTBA angeschlossen, lässt sich der Anschluss weitreichend überwachen, ein Skript kann zum Beispiel mitprotokollieren, welche Anrufe von extern kamen und an wen sie gingen. Oder man löst eine bestimmte Schaltfunktion aus, wenn man sich mit dem eigenen Handy zu Hause anruft – etwa um die Klimaanlage einzuschalten oder den Rechner ins Internet einwählen zu lassen.
Die Programmsammlung Capisuite kann ISDN-Karten über die CAPI-Schnittstelle (Common Application Programming Interface) auch als Anrufbeantworter oder Telefax ansteuern. Voraussetzung dafür ist ein entsprechender CAPI-fähiger Treiber für die jeweilige Karte – er ist entweder schon im Kernel enthalten, oder der Hersteller bietet wie im Falle der meisten AVM-Fritz-Karten entsprechende Binärmodule auf seiner Homepage an.
CAPI-Treiber einrichten
Ist die ISDN-Karte noch nicht eingerichtet oder haben Sie bei der Installation von SuSE Linux den Hisax-Treiber verwendet, starten Sie einfach im YaST unter Netzwerkgeräte das Modul ISDN. Dort wählen Sie Ihre ISDN-Karte aus und richten sie ein.
Wichtig ist, dass Sie als Treiber CAPI 2.0 driver auswählen, wie in Abbildung 1 gezeigt. Der Hisax-Treiber funktioniert mit der CAPI-Suite nicht. YaST warnt, dass für den CAPI-Treiber keine Quellen vorliegen – das ist unschön, weil so niemand Einblick in die Quellen hat und man bei den Treibern vom Hersteller abhängig ist.
Eine Anleitung, wie Sie den CAPI-Treiber unter Debian, Mandrake und Red Hat Linux installieren, finden Sie unter [1], [2] und [3].
CAPI-Treiber-Test
Zur Sicherheit sollten Sie noch einmal überprüfen, ob der CAPI-Treiber fehlerfrei eingerichtet ist. Diesen Test führen Sie einfach mit dem Kommando capiinfo als root in einer Shell durch. Erscheinen, wie in Listing 1 gezeigt, Informationen über ISDN-Karte, CAPI-Treiber, Version, Seriennummer, Optionen und vieles mehr, ist alles in Ordnung.
Listing 1
Ausgabe von
capiinfo
01 Number of Controllers : 1 02 Controller 1: 03 Manufacturer: AVM GmbH 04 CAPI Version: 2.0 05 Manufacturer Version: 3.101-02 (49.18) 06 Serial Number: 1000001 07 BChannels: 2 08 Global Options: 0x00000039 09 internal controller supported 10 DTMF supported 11 Supplementary Services supported 12 channel allocation supported (leased lines) 13 B1 protocols support: 0x4000011f 14 64 kbit/s with HDLC framing 15 64 kbit/s bit-transparent operation 16 V.110 asynconous operation with start/stop byte framing 17 V.110 synconous operation with HDLC framing 18 T.30 modem for fax group 3 19 Modem asyncronous operation with start/stop byte framing 20 B2 protocols support: 0x00000b1b 21 ISO 7776 (X.75 SLP) 22 Transparent 23 LAPD with Q.921 for D channel X.25 (SAPI 16) 24 T.30 for fax group 3 25 ISO 7776 (X.75 SLP) with V.42bis compression 26 V.120 asyncronous mode 27 V.120 bit-transparent mode 28 B3 protocols support: 0x800000bf 29 Transparent 30 T.90NL, T.70NL, T.90 31 ISO 8208 (X.25 DTE-DTE) 32 X.25 DCE 33 T.30 for fax group 3 34 T.30 for fax group 3 with extensions 35 Modem
Über die in Listing 1 enthaltenen Informationen stellen ie fest, ob der verwendete CAPI-Treiber das Faxen unterstützt. Ist das der Fall, muss in den Abschnitten B1 protocol support bis B3 protocol support das Protokoll T.30 aufgelistet sein – ansonsten kann man Capisuite lediglich als Anrufbeantworter benutzen.
Installation der Capisuite
Im einfachsten Fall wird die Capisuite unter SuSE Linux mit YaST installiert, das Programmpaket gehört zum Standardlieferumfang der Distribution. Mit dem Kommando yast -i capisuite, aufgerufen als root, wird die Installation noch einfachen – YaST löst dann automatisch die Abhängigkeiten auf und fordert nur noch die entsprechenden CDs an.
Verwenden Sie eine andere Distribution oder wollen eine aktuelle Version der Capisuite verwenden, bekommen Sie Debian- und RPM-Pakete bei [4], oder Sie übersetzen die Capisuite selbst aus den Quellen.
Die Installation der RPM-Pakete verläuft bei allen Distributionen ungefähr gleich, das Kommando rpm -Uvh capisuite-0.4.4-0.i586.rpm installiert das Paket, selbst wenn bereits eine ältere Version vorhanden ist. Nach der Installation finden Sie das Benutzerhandbuch unter /usr/share/doc/packages/capisuite/manual.pdf oder /usr/share/doc/capisuite/manual.pdf.
Das Kommando zur Installation des Debian-Pakets lautet dpkg -i capisuite_0.4.4-2_i386.deb, das Benutzerhandbuch liegt hier unter /usr/share/doc/capisuite/manual.pdf.gz
Konfiguration und Nutzung
Mit der Installation der Capisuite und Einrichtung des Treibers haben Sie die Grundvoraussetzungen geschaffen, um Ihren Rechner in Zukunft als Telefax und Anrufbeantworter einzusetzen – es fehlen nur noch die individuellen Einstellungen wie Telefonnummern und Benutzer sowie die Einbindung in verschiedene Linux-Applikationen, damit Sie zum Beispiel Texte aus OpenOffice heraus direkt faxen können, ohne sie vorher auszudrucken. Damit befasst sich der Artikel auf Seite 64.
Infos
[1] CAPI 2.0 AVM und Debian: http://www.topf-sicret.de/help/capi20.html
[2] Faxen unter Mandrake: http://ixi.thepenguin.de
[3] Informationen zu CAPI unter Red Hat: http://www.mungo.homelinux.org
[4] RPM-Pakete der Capisuite: http://www.capisuite.de/download.php3





