VDR-Aufnahmen mit VDR-Admin 0.95 verwalten

Aus LinuxUser 03/2004

VDR-Aufnahmen mit VDR-Admin 0.95 verwalten

Fern-Steuerung

Egal ob vom Urlaubsort oder Arbeitsplatz aus, der digitale Videorekorder VDR lässt sich mit VDR-Admin bequem über das Internet programmieren. Die Lieblingssendungen werden sogar vollautomatisch aufgenommen.

Nie wieder brauchen Sie sich abzuhetzen, um noch rechtzeitig zum Abendfilm nach Hause zu kommen. Per VDR-Admin [1] können Sie Ihren VDR mit jedem Browser steuern und komfortabel Aufnahmen programmieren – vorausgesetzt der Videorekorder ist aus dem Internet erreichbar.

Auch ohne Internetzugang hat VDR-Admin seine Daseinsberechtigung, lassen sich doch Aufnahmen sehr komfortabel finden und programmieren. Weitere Schmankerl sind die automatische Aufnahmefunktion sowie die Nachführung, falls sich die Sendezeiten einmal ändern.

Bedienung per Browser

Für die Bedienung von VDR-Admin ist ein Frame- und nach Möglichkeit Javascript-fähiger Browser erforderlich. Im VDR-Portal [2] gibt es jedoch verschiedene Patches, mit denen man VDR-Admin auch auf Organizern vernünftig darstellen kann.

Die Menüpunkte Was läuft jetzt und Programmübersicht zeigen die elektronischen Programmführer (EPG) der Sender an. Die Fernbedienung wird in einem separaten Fenster angezeigt und soll eine Infrarot-Fernbedienung emulieren, und der Fernseher schließlich zeigt in einstellbaren Abständen Screenshots des Fernsehschirms an – im Notfall lässt sich damit sogar eine Aufzeichnung schneiden.

Abbildung 1: Der Autotimer kann mit regulären Ausdrücken sehr vielseitig programmiert werden. Aber Vorsicht, schnell nimmt man das gesamte deutsche Fernsehprogramm auf und der Rechner bricht unter der Last zusammen.

Abbildung 1: Der Autotimer kann mit regulären Ausdrücken sehr vielseitig programmiert werden. Aber Vorsicht, schnell nimmt man das gesamte deutsche Fernsehprogramm auf und der Rechner bricht unter der Last zusammen.

Ampelschaltung

Das Menü Timer zeigt alle derzeit programmierten Aufnahmen. Ein farbiger Punkt zeigt bei aktiven oder automatisch überwachten Einträgen, ob eine Aufnahme mit Sicherheit möglich ist oder ob sich der Zeitraum mit einem anderen Timer überschneidet.

Ein grüner Punkt bedeutet, dass für den Timer in jedem Fall eine freie DVB-Karte zur Verfügung steht. Gelb steht für die volle Ausnutzung der vorhandenen Karten – entsprechend sind bei Systemen mit nur einer DVB-Karte automatisch alle Timer gelb oder rot, grün kommt nicht vor. Ein roter Punkt zeigt an, dass mehr Aufnahmen programmiert sind, als DVB-Karten zur Verfügung stehen – je nach Kanal kann die betreffende Sendung also nicht aufgezeichnet werden.

Die Ampel kann lediglich als Orientierung dienen: Grün markierte Timer funktionieren in jedem Fall. Bei zwei hintereinander liegenden Aufnahmen auf dem gleichen Transponder müssten jedoch beide grün sein – die zweite Aufnahme wird schließlich von der gleichen DVB-Karte bedient wie die erste, eine zweite DVB-Karte bliebe also unbenutzt. VDR-Admin kann jedoch nicht erkennen, welche Kanäle auf welchem Transponder liegen – per SVDRP-Protokoll lassen sich diese Informationen nicht abrufen. Deshalb wird die zweite Aufnahme gelb markiert.

Fehlfarben

Auch der rote Punkt wird sehr konservativ eingesetzt – eine so markierte Aufnahme könnte fehl schlagen, muss aber nicht. Auch hier kann VDR-Admin ohne Transpondernummern nicht erkennen, ob eine Aufnahme eventuell doch durchgeführt werden kann oder sicher scheitert. Dementsprechend muss man selbst die rot markierten Aufnahmen im Auge behalten und überlegen, ob der aufzuzeichnende Transponder zur Aufnahmezeit zur Verfügung steht oder nicht.

Ein weiteres Problem sind Timer auf verschlüsselten Kanälen, etwa Premiere oder ORF. Hier lässt sich nur ein einziger Kanal pro Krypto-Karte aufzeichnen – pro DVB-Karte können jedoch zwei Krypto-Module (CAMs) angeschlossen werden. Auch solche Informationen stehen VDR-Admin nicht zur Verfügung.

Fatal daran ist, dass auf Systemen mit zwei oder mehr DVB-Karten die erste Aufnahme eines verschlüsselten Kanals mit grün angezeigt wird – und eine zweite Aufnahme des selben Anbieters mit gelb, obwohl die Aufnahme gar nicht mehr möglich ist.

Der Autotimer

Eine der beliebtesten Funktionen in VDR-Admin ist der Autotimer. Damit ist es möglich, Aufnahmen voll automatisch nach Kriterien wie Titel der Sendung, Sendezeit und Sender zusammen zu stellen. Der Autotimer hat sich besonders bei Serien und unregelmäßig erscheinenden Sendungen bewährt.

In der einfachsten Form werden bei einem neuen Autotimer nur der Titel oder Teile des Titels eingegeben – zum Beispiel Star Trek – und alle Sender zugelassen. Der Autotimer durchsucht nun regelmäßig die elektronische Programmzeitschrift (EPG) nach Sendungen, bei denen im Titel die Worte Star und Trek vor kommen. Derzeit ergibt das Suchmuster Treffer bei den Sendern Sat 1 und Kabel 1 für Star Trek: Deep Space Nine und Star Trek — Das nächste Jahrhundert.

Soll nun lediglich Star Trek: Deep Space Nine aufgenommen werden, muss der Autotimer-Eintrag eingeschränkt werden. Dazu kann einmal der Titel-Suchbegriff weiter präzisiert werden, etwa Star Trek Deep Space Nine, oder Sie schränken die Suche einfach auf den Sender Sat 1 ein.

Serienaufnahmen

Bei Serien empfiehlt es sich übrigens, im Autotimer-Eintrag die Option Serie einzuschalten. So landen auf der Festplatte nicht etliche Aufzeichnungen mit dem gleichen Titel, sondern es wird ein Verzeichnis mit dem Titel der Serie angelegt und die jeweilige Folge unter ihrem Folgentitel (Subtitle) abgelegt.

Wird eine Serie in der Nacht oder am nächsten Morgen wiederholt, soll sie nicht zwei mal aufgezeichnet werden. Das verhindert die Angabe eines Zeitfensters, in dem die Aufnahme liegen soll. Sie sollten das Zeitfenster sehr großzugig gestalten, damit die gewünschte Sendung auch bei Programmverschiebungen noch zuverlässig erkannt wird. Für die Gerichtsserie Richterin Salesch, die werktags von 15 bis 16 Uhr auf Sat 1 läuft, empfiehlt sich ein Zeitfenster von 12 Uhr bis 19 Uhr; wollen Sie die Nacht-Wiederholung aufzeichnen, geben Sie 0 bis 6 Uhr als Zeitfenster an.

Sender, die ihren elektronischen Programmführer nur für den aktuellen Tag vorhalten, sind problematisch: Der Autotimer wird standardmäßig nur alle 60 Minuten aufgerufen, so dass Aufnahmen, die zwischen Mitternacht und ein Uhr beginnen und nicht vorab im Programmführer enthalten waren, möglicherweise gar nicht programmiert werden. In den letzten Monaten hat sich das Problem zumindest bei deutschen Sendern relativiert, inzwischen senden auch die Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten ihr EPG mehrere Tage im Voraus.

Reguläre Ausdrücke

Der Autotimer kann auch dazu benutzt werden, fehlende Folgen einer Serie gezielt aufzuzeichnen. Dazu muss ein entsprechender regulärer Ausdruck zusammengesetzt und im Titel-Feld eingegeben werden. Für die Folge Kriegsgeschäfte aus Star Trek: Deep Space Nine wäre das zum Beispiel

/.*Deep Space Nine.*~Kriegsgesch\
äfte/

Zudem müssen im Autotimer-Eintrag unter zu suchen in die Optionen Title und Subtitle aktiviert werden.

Der reguläre Ausdruck besteht aus zwei Teilen, dem Titel .*Deep Space Nine.* vor der Tilde und dem Folgentitel (Subtitle) Kriegsgeschäfte, eingefasst in Slashes. Intern vergleicht der Autotimer den regulären Ausdruck mit einer Zeichenkette, die aus Titel und Subtitle getrennt durch eine Tilde zusammengesetzt wird. So lässt sich gezielt nach dem Namen einer Folge suchen. Genauso gut könnte man auch nach einem Namen in der Zusatzbeschreibung suchen – dazu müsste im Autotimer-Eintrag die Option Beschreibung anstatt von Subtitle aktiviert werden (Abbildung 1). Die komplette Beschreibung wird dann wiederum mit Tilde getrennt an die zu durchsuchende Zeichenkette angehängt. Folgendes Beispiel zeichnet alle Folgen von Deep Space Nine auf, bei denen in der Beschreibung Quark genannt wird:

/.*Deep Space Nine.*~.*Quark.*/i

Das i am Ende des regulären Ausdrucks bewirkt, dass die Suche unabhängig von Groß-Kleinschreibung durchgeführt wird (case insensitive).

Die Anwendung regulärer Ausdrücke ist sehr gefährlich: Im besten Fall passt das Suchmuster einfach auf gar keinen Eintrag, im schlimmsten Fall jedoch passt es auf alle Sendungen aller Sender – dann werden binnen Sekunden tausende Aufnahmen programmiert und der Rechner beginnt sofort, bis zu einem Dutzend Sendungen aufzuzeichnen. Unter dieser Last kann der Videorekorder durchaus unbedienbar werden. Die Aufnahmenliste muss dann von Hand gelöscht werden, etwa indem man alle Einträge der Datei timers.conf in /etc/vdr oder /dvb/VDR mit einem Editor entfernt. Anschließend ist ein Neustart von VDR erforderlich.

Deshalb sollten Sie reguläre Ausdrücke immer erst auf einen Sender beschränken, den Sie selten oder gar nicht aufzeichnen und der möglichst wenige Einträge im elektronischen Programmführer hat – etwa der ZDF-Theater-Kanal. Passt der Autotimer-Eintrag auf alle Sendungen, wird im schlimmsten Fall die aktuelle Sendung aufgezeichnet und die Aufnahmenliste mit zwei Dutzend Einträgen dieses Kanals gefüllt. Der Rechner bleibt aber weiter bedienbar und die Aufnahmen lassen sich relativ leicht per VDR-Admin wieder entfernen.

Automatische Überwachung

Ein VPS-Signal, das den Start und das Ende einer Sendung im analogen Fernsehen markiert, gibt es bei digitalen Sendern nicht. Entsprechend problematisch sind kurzfristige Programmänderungen – wenn etwa ein ARD-Brennpunkt um 20:15 Uhr eingeschoben wird, fehlt beim der nach hinten verschobenen Film sehr wahrscheinlich das Ende.

Um dies zu verhindern, gibt es die Automatische Timer-Überwachung. Sie arbeitet in zwei verschiedenen Modi: Überwachung anhand der Sendungskennung und Überwachung anhand der Aufnahmezeit. Bei den meisten deutschen Sendern ist die Überwachung der Sendungskennung am zuverlässigsten; jede Sendung eines Kanals hat im elektronischen Programmführer eine eindeutige Event-ID, die sich bis zur Ausstrahlung nicht verändert.

Sind die Event-IDs eines Senders nicht eindeutig, etwa auf ORF 1 und 2, kann nur die Überwachung der Aufnahmezeiten benutzt werden. Hierbei versucht VDR-Admin, anhand der Beginn- und Endzeiten einer Aufnahme die zugehörige Sendung im elektronischen Programmführer zu identifizieren. Bei längeren Filmen klappt das meist zuverlässig, Sendungen die kürzer als 20 Minuten sind, werden aber hin und wieder mit dem vorherigen oder nachfolgenden Film verwechselt. Das ist aber nicht wirklich tragisch, da die Aufnahmedauer stets nur verlängert wird – es wird als mindestens das ursprünglich programmierte Zeitfenster aufgezeichnet.

Automatisch überwachte Aufnahmen werden in der Timer-Liste mit dem Vermerk Auto gekennzeichnet. Wird eine überwachte Aufnahme über das Onscreen-Menü von VDR verändert oder per Web-Frontend deaktiviert, ist anschließend keine Überwachung anhand der Sendungskennung mehr möglich – die Event-ID geht verloren. Am einfachsten löscht man dann die Aufnahme und lässt den Autotimer per Browser ein manuelles Update durchführen.

Infos

[1] VDR-Admin: http://linvdr.org/projects/vdradmin

[2] VDR-Portal: http://vdrportal.de

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