Instant Messaging ist weit verbreitet in der Windows-Welt, aber was macht ein Linux-Anwender, wenn’s um diese Art des Chattens geht? Dr. Linux hilft.
Dr. Linux
Komplizierte Organismen, wie Linux-Systeme es nun einmal sind, haben so ihre ganz eigenen Wehwehchen. Dr. Linux beobachtet die Patienten in den Linux-Newsgruppen, stellt an dieser Stelle Rezepte für aktuelle Probleme aus und alternative Heilmethoden vor.
Kasten 1: Was ist Instant Messaging?
Instant Messaging (IM) erlaubt das Versenden und Empfangen von Nachrichten quasi in Echtzeit. Was auf der einen Seite gerade geschrieben wurde, erscheint schon kurz nach dem Abschicken beim Empfänger auf dem Bildschirm.
Anders als beim älteren und weiterhin sehr beliebten Internet Relay Chat” (IRC) sind User von Instant-Messaging-Systemen nicht für alle anderen Nutzer desselben Systems öffentlich zu sehen, der “Blickkontakt” beschränkt sich auf Personen, die man als Kontakt in seiner Buddy-Liste hat. Dadurch wird auch der aktuelle Abwesenheitsstatus weit wichtiger als bei IRC, wo man nur zwischen “da” und “nicht da” (away) unterscheidet. Die verschiedenen Instant-Messaging-Systeme unterscheiden üblicherweise zwischen “anwesend”, “beschäftigt”, “abwesend” und “unsichtbar”.
Zu den bekanntesten Instant-Messaging-Systeme zählen ICQ [1], AIM [2], MSN [3] und Yahoo! Messenger [4], proprietäre kommerzielle Entwicklungen, die alle nicht miteinander kompatibel sind. Die Open-Source-Variante Jabber [5] stellt zu allen diesen (und einigen anderen) Systemen den nötigen Gateway zur Verfügung, so dass man Plattform-übergreifend miteinander reden kann. Eine Garantie dafür gibt es jedoch nicht: Wenn kommerzielle Betreiber (wie letztens MSN und Yahoo!) eine neue Version ihrer Software aufspielen, funktioniert die System-übergreifende Kommunikation meist nicht mehr. Auch bieten nicht alle Jabber-Server Gateways an.
Instant Messaging ist in der Regel kostenlos für den Endverbraucher und macht als Kommunikationsmittel – was die Verbreitung betrifft – mittlerweile sogar E-Mail Konkurrenz. Anmelden kann man sich entweder auf der Website des Anbieters oder nach dem Download des Clients.
Anders ist der Zugang bei Jabber geregelt: Hier legt man bei der Anmeldung an einem Jabber-Server einfach fest, dass gleichzeitig ein neuer Account erstellt werden soll. Im Gegensatz zu den anderen Instant-Messaging-Systemen ist es bei Jabber egal, auf welchem Server man angemeldet ist. Ein bekannter deutscher Jabber-Server ist amessage.de[6]; er bietet auch Gateways zu den anderen Systemen.
Zu viel Auswahl
Ich habe einen AIM-Account und will diesen unter Linux nutzen. Allerdings sehe ich bei der Fülle von Programmen nicht mehr ganz durch. Welche sind empfehlenswert?
Dr. Linux: Es ist in der Tat sehr schwierig, bei der Vielzahl der verfügbaren Software den Überblick zu behalten. Aus der schier endlosen Liste greifen wir daher zwei Programme heraus, die die meisten Distributoren mitliefern und die über einen sehr großen Funktionsumfang verfügen: Gaim [7] (Abbildung 1) und Kopete [8] (Abbildung 2), derzeit quasi die Standard-Programme für Instant Messaging unter GNOME bzw. KDE.

Abbildung 2: Kopete hat seinen Namen von einem chilenischen Wort – über dessen Bedeutung die Entwickler sich allerdings ausschweigen
Gaim entstand ursprünglich, um die Funktionalität eines AIM-Clients unter Linux nachzubilden. Mittlerweile bietet das Tool – genau wie Kopete – Zugang zu vielen verschiedenen Instant-Messaging-Systemen an (Abbildung 3). Beide Programme decken nicht nur alle Bedürfnisse eines Instant-Messaging-Users ab; sie erlauben auch die Nutzung des Internet Relay Chat (siehe Kasten 1). In der Handhabung unterscheiden sie sich ein wenig und natürlich auch durch die Integration in die jeweilige Desktop-Umgebung.
Für AIM (Abbildung 4) und auch für Yahoo! Messenger gibt es unter http://www.aim.com/get_aim/linux/latest_linux.adp?aolp= bzw. http://messenger.yahoo.com/messenger/download/unix.html zudem je einen offiziellen Client für Linux, allerdings reicht deren Funktionalität nicht an Gaim und Kopete heran.
Yahoo!-Nutzer sollten es auf jeden Fall mit dem proprietären Client versuchen, wenn sie mit Gaim und Kopete keinen Zugang zum Netz des Anbieters finden, denn der ist (übrigens wie MSN) sehr restriktiv, was die Nutzung seines Instant-Messaging-Netzes betrifft. AIM und ICQ machen in der Regel keine Probleme. Es empfiehlt sich übrigens in allen Fällen, die allerneueste Version des gewählten Programms zu nutzen, um Probleme beim Zugriff auf fremde IM-Netze zu vermeiden.
Jabber-Nutzer, die auch auf andere Netze zugreifen wollen, kommen übrigens nicht um eine Registrierung bei den jeweiligen Diensten umhin. Erst dann erlaubte zum Beispiel das getestete Jabber-ICQ-Gateway die Anmeldung. Für die ICQ-User ist man mit seinem ICQ-Account sichtbar, die erfahren nichts vom eingesetzten Client oder gar vom Jabber-Server.
Gruppen-Diskussion
Manchmal will ich mit mehr als einer Person gleichzeitig reden. Wie kann ich das machen? Cut & Paste zwischen den verschiedenen Fenstern ist so umständlich …
Dr. Linux: Nicht alle Instant-Messaging-Systeme erlauben den sogenannten Groupchat. Die einfachste Lösung geht über Jabber, dort kann man mit einigen Mausklicks eine Konferenz einberufen. Man benötigt lediglich einen Jabber-Server, der das Erstellen von Konferenzräumen anbietet, beispielsweise amessage.de[6].
Bei Gaim aktiviert man unter dem Menüpunkt Buddies die Option Chat beitreten und erstellt dann den Konferenzraum wie in Abbildung 5. Bei Kopete klickt man mit der rechten Maustaste auf die Glühbirne unten rechts im Hauptfenster und wählt dann die entsprechende Option aus. Steht der Konferenzraum bereit, lädt man alle Beteiligten (meist per Rechtsklick auf den Eintrag in der Buddy-Liste und Auswahl des Punktes Konferenz, Groupchat o. ä.) ein, und schon kann man alles in Ruhe in der Gruppe besprechen.
Einstellungssache
Ich arbeite an verschiedenen Rechnern und will immer und überall alle meine Einstellungen parat haben. Gibt’s da einen Trick?
Dr. Linux: Das Problem mit den Einstellungen ist gar nicht so einfach zu lösen. Natürlich könnte man einfach die Konfigurationsdateien der einzelnen Programme immer von Rechner zu Rechner kopieren, aber das ist eher unpraktisch. Nur MSN Messenger, Yahoo! Messenger und Jabber verwalten die Liste der Kontakte, auch Buddy List oder Roster genannt, auf dem Server.

Abbildung 6: Über Jabber gespeicherte Buddy-Listen lassen sich von verschiedenen Clients und Rechnern aus ansprechen
Die einfachste Lösung ist also das Einrichten eines Jabber-Accounts mitsamt Konfiguration der Gateways zu den anderen Netzen. Dort trägt man alle seine Kontakte ein und hat diese auf jedem Rechner sofort parat, egal mit welchem Jabber-Client man sich anmeldet.
Äußerst unschön ist allerdings die Tatsache, dass die einzelnen Chats nur auf dem Client gespeichert werden. Will man sich das Log eines Chats später noch einmal durchlesen (Abbildung 7), ist man auf die Log-Funktion des Clients angewiesen. Hier hilft wirklich nur abspeichern und ggf. zu einem anderen Rechner transferieren.

Abbildung 7: Wer zwischendurch die Rechner wechselt und trotzdem nie etwas verpassen will, überlässt dem unbeaufsichtigten Client das Logging und holt sich den Mitschnitt auf den Arbeitsrechner
Wo finde ich User?
Instant Messaging bringt mehr Spass, wenn man auch mit Leuten reden kann. Außerdem kann ich mir die ICQ-Nummern nie merken. Gibt es ein Benutzer-Verzeichnis?
Dr. Linux: Im Gegensatz zu IRC, wo man einfach einen Channel betritt und mit allen Leuten reden kann, nutzt man IM eher für das direkte Gespräch. Die Suche nach Gesprächspartnern ist also komplizierter.
Auf http://amessage.de/ findet sich ein Verzeichnis offener Konferenzräume, die noch User zum Chatten suchen. Ansonsten bietet http://www.icq.com/ eine gute Möglichkeit, nach Benutzern zu suchen.
Bei Jabber gibt es die sogenannten Jabber User Directories” (JUD), die Jabber-Nutzer auf Wunsch aufnehmen. Dazu füllt man ein User-Profil aus und erlaubt dabei die Eintragung ins JUD. Die meisten potentiellen Gesprächspartner führt sicherlich der JUD von jabber.org; dort kann man ganz einfach nach seinen Kontakten suchen.
File-Transfer
Kann man auch unter Linux Dateien per Instant Messaging austauschen? Ich finde das ziemlich praktisch, einfach mal eben ein File rüber zu schieben.
Dr. Linux: File-Transfer ist das Stiefkind der Instant-Messaging-Clients unter Linux. Bei Gaim geht es gar nicht. Kopete bietet es zwar im Kontextmenü zur Buddy-Liste unter send files an, doch stellt man beim täglichen Gebrauch immer wieder fest, dass der File-Transfer fehl schlägt, wenn man mehrere Instant-Messaging-Systeme nutzt.
Bin weg
Wenn ich nicht am Rechner bin, möchte ich meinen Status nicht einfach nur auf “abwesend” setzen, sondern gerne mehr da stehen haben.
Dr. Linux: Die eigene Status-Meldung ändern Sie in Gaim im Menüpunkt Werkzeuge. Dort wählen Sie die Option Abwesenheit an und können sich nun entweder bereits bestehende Mitteilungen aussuchen oder über Neue Abwesenheitsmitteilung eigene erstellen.
Bei Kopete gibt es in den Einstellungen den Menüpunkt Verhalten, der es im Abschnitt Abwesenheitseinstellungen erlaubt, beliebige Status-Messages zu konfigurieren.
Grinsebacke
Mir gefallen die Smileys nicht, die beim Programm dabei sind. Wie kann ich die ändern?
Dr. Linux: Instant Messaging ohne Smileys ist langweilig, daher haben viele Designer eigene Emoticons gebastelt. Für Gaim gibt es unter http://gaim.sourceforge.net/themes.php eine lange Liste zusätzlicher Icons, Kopete integriert bereits eine Menge verschiedener Bildchen. Diese wählen Sie im KDE-Programm unter Einstellungen / Erscheinungsbild aus dem Reiter Emoticons aus (Abbildung 8).
Bei Gaim gehen Sie auf Einstellungen, dann auf Smiley-Themen unterhalb des Punktes Schnittstelle und ziehen den Download-Link des gewünschten Themes von http://gaim.sourceforge.net/themes.php per Drag & Drop aus dem Browser in die Theme-Auswahl – schon haben Sie ein neues Smiley-Set (Abbildung 9).
Glossar
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Gateway
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englisch: “Tor, Einfahrt”; eine Software, die das Verbindungsglied zwischen verschiedenen Diensten oder Netzen bildet.
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Account
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“Benutzerkonto”, das durch Hinterlegung von Zugangsdaten die Anmeldung zur Nutzung eines Dienstes ermöglicht.
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Log
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Automatischer “Mitschrieb” von Aktionen, bei Chats des Gesprächs.
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Kontextmenü
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Menü, das erscheint, wenn man auf einen bestimmten Teil der grafischen Benutzerschnittstelle (zum Beispiel einen Eintrag in der Buddy-Liste) mit der rechten Maustaste klickt.
Infos
[1] ICQ: http://web.icq.com/
[2] AIM: http://www.aol.de/instantmessenger/
[3] MSN Messenger: http://messenger.msn.de/
[4] Yahoo! Messenger: http://de.messenger.yahoo.com/
[5] Jabber: http://www.jabber.org/
[6] Deutscher Jabber-Server: http://www.amessage.de/
[7] Gaim: http://gaim.sourceforge.net/
[8] Kopete: http://kopete.kde.org/










