Der Weg zur eigenen Internetseite gerät ohne passendes Werkzeug recht steinig. Während Einsteiger ohne HTML-Kenntnisse nach einer komfortablen Layout-Hilfe verlangen, stoßen Kenner schnell an die Grenzen eines einfachen Texteditors. Für beide Welten stehen unter Linux gleich mehrere Programme bereit, die antreten das Designerleben zu erleichtern.
Eine Internetseite ist nichts anderes als eine herkömmliche Textdatei, die mit zusätzlichen Befehlen angereichert wurde. Letztere sind spezielle Wörter, die dem Browser sagen, wie er den folgenden Textteil darzustellen hat. Taucht beispielsweise die Zeichenkette <\b> auf, so folgt ein fettgedruckter Text. In der Internetsprache nennt man einen solchen Befehl Tag. Damit nicht jeder Browser-Hersteller sein eigenes Süppchen kocht, hat das World Wide Web Consortium (kurz W3C) in einem Standard festgelegt, welche Tags in einem Internetdokument vorkommen dürfen und wie sie der Browser darstellen muss. Schnürt man alle Tags zu einem Paket, so erhält man eine so genannte Formatierungs- oder Auszeichnungssprache. In diesem Fall taufte sie das W3C auf den Namen Hypertext Markup Language oder kurz HTML. Im Laufe der Jahre erfuhr HTML mehrere Überarbeitungen. Derzeit aktuell ist HTML 4, welches aber über kurz oder lang von XHTML abgelöst werden soll. Letzteres ist salopp gesagt eine aufgeräumte Version von HTML 4.
Leider begrenzt HTML den Seitengestalter stark in seinen Darstellungsmöglichkeiten. Insbesondere der gezielte Einfluss auf Schriftarten, eine genaue Positionierung der Elemente oder ein animiertes Menü sind nur schwer bis gar nicht zu erzielen. Aus diesem Grund wurden verschiedene Zusatzsprachen und Erweiterungen definiert. Hierzu zählen beispielsweise die Cascade Style Sheets (CSS). Durch das Konzept der Formatvorlagen erlauben sie sogar eine Trennung von Inhalt und Layout: In HTML notiert man nur noch den eigentlichen Seiteninhalt, welchen man anschließend mit CSS-Befehlen formatiert. Auf diese Weise kann man ein Layout gleich für mehrere Seiten wiederverwenden und kommt zusätzlich der Barrierefreiheit entgegen.
Valider Code
Auf dem Weg zu einer korrekten HTML-Seite lauern gleich mehrere Stolperfallen. Die ersten Hürden bilden Tippfehler, vergessene (Ende-)Tags oder falsch verschachtelte Tags. Letztere treten sehr gerne bei Tabellen auf, in denen dann plötzlich die Zeilen in den Spalten stehen. Derartige Fehler, die sich rein auf die Syntax beziehen, können so genannte Validatoren aufspüren. Sie lesen ein HTML-Dokument ein und prüfen, ob eine Regel des Standards verletzt ist. Ein kostenloser Validator steht beispielsweise auf den Seiten des W3C unter http://validator.w3.org bereit. Die nächste Hürde bilden die Browser selbst. In der Vergangenheit unterstützten sie einige Elemente nur mangelhaft oder stellten sie unterschiedlich dar. Aus diesem Grund sollte man die fertige Seite in allen wichtigen Browsern begutachten. Unterstützung bieten die so genannten Lints. Programme dieser Gattung liefern dem Gestalter wertvolle Tipps und Änderungshinweise zu einem Dokument.
KWrite und Co.
Um eine Internetseite zu erstellen genügt bereits ein einfacher Texteditor. In diesen tippt man zunächst seine Texte ein und reichert sie anschließend mit HTML-Befehlen an. KWrite und Emacs sind hier klassische Beispiele. Die beiden heben sogar alle Tags farblich hervor. Diese Funktion bezeichnet man als Syntax-Highlighting.
Bei einfachen Seiten mag ein Texteditor noch praktikabel sein, in großen Projekten verliert man nicht nur die Übersicht, auch Tippfehler sind wahrscheinlicher. Unter Linux existieren verschiedene Werkzeuge, die in dieser Situation helfend einspringen. Hierbei unterscheidet man drei Gruppen: Textbasierende Editoren sind aufgerüstete Texteditoren und setzen somit Kenntnisse in HTML voraus. In Web-Generatoren erstellt man hingegen eine Seite wie in einem Layout- oder Grafikprogramm. Erst wenn das Layout stimmt, generiert das Werkzeug die eigentliche Internetseite. Aufgrund der Grenzen von HTML kann das exportierte Ergebnis jedoch von der Ansicht im Programm abweichen. Die so genannten WYSIWYG-Editoren gehen deshalb einen Mittelweg. In ihnen bestimmt man das Layout ebenfalls per Mausklick – allerdings nur in den engen Grenzen von HTML.
Die verfügbaren Werkzeuge der letzten Kategrorie kann man unter Linux leider an einer Hand abzählen. Web-Generatoren existieren erst gar nicht. Besser sieht da schon die Situation bei den Textbasierenden Editoren aus.
August 0.63b
Zwar stammt die letzte Version von August aus dem April 2001, da der Oldtimer seinen Dienst aber immer noch tadellos verrichtet, darf er in diesem Vergleich noch einmal antreten. Voraussetzung für seinen Betrieb ist ein installiertes Tcl/Tk-System, das alle gängigen Distributionen mitbringen. Zusätzlich empfiehlt die Dokumentation die externen Programme Image Magick und weblint. Ersteres dient zur Ermittlung von Bildproportionen, zweites klopft die Seiten auf Schwachstellen im Layout ab.
Nach dem Download entpackt man das Archiv und startet das Programm ./august. Die nun erscheinende Oberfläche ist minimalistisch und entspricht im Wesentlichen einem normalen Texteditor mit Syntax-Highlighting. Für einige Tags hält August Eingabemasken bereit. In ihnen kann man die benötigten Parameter, wie zum Beispiel den Dateinamen oder die Ausrichtung eines Bildes, bequem zusammenklicken.
Beliebige Textabschnitte speichert August als so genannte Vorlagen (Templates). Diese bietet der HTML-Editor auch gleich bei der Erstellung eines neuen Dokumentes an. Das mitgelieferte Basic Structure-Template führt jedoch noch zu HTML 3.2. Zusätzlich versteht August HTML 4.0 und CSS.
Eine Vorschau und den Korrektheits-Check stößt man über entsprechende Menüpunkte an. August startet dann im Hintergrund passende, externe Programme. Für die Vorschau werden Netscape, Konqueror, die KDE-Hilfe oder der Textbrowser Lynx bevorzugt. Wem das nicht reicht, erweitert das Menü um eigene Punkte. Die Hilfe ist kurz und knapp, eine Rechtschreibkorrektur fehlt komplett.

Abbildung 1: August: Die wichtigsten Tags liegen hinter Schaltflächen, die nach einem Mausklick den jeweiligen Befehl an der aktuellen Cursor-Position einfügen.
Bluefish 1.0
Der auf der GTK-Bibliothek basierende HTML-Editor Bluefish erfreut sich einer stetig steigender Beliebtheit. Im Gegensatz zu August bietet er eine Fülle von Funktionen, mit denen er den Benutzer nach dem ersten Start fast erschlägt (vgl. Abbildung 3). Immerhin bleibt die Oberfläche vielfältig anpassbar: Auf der Quickbar legt man häufig benutzte Funktionen ab und sogar eigene Tags können definiert und eingebunden werden. Bluefish bietet eine Projektverwaltung nebst einfachem Stylesheet-Manager. Bei so viel Komfort bleibt unverständlich, warum es keine integrierte Vorschau gibt. Auch Bluefish weicht hier auf ein externes Programm aus.
Für die wichtigsten HTML-Elemente gibt es unter dem etwas irreführenden Menüpunkt Dialogs eine Sammlung von Assistenten. Der Quickstart-Assistent hat sogar eine Reihe von Meta-Tags im Angebot. Viel Arbeit erspart Bluefish demjenigen, der schnell seine Fotoserien im Netz veröffentlichen möchte. Hierfür existiert ein eigener Assistent, der eine Reihe von Bildern entgegennimmt und daraus eine Seite mit Thumbnails (Vorschaubildern) generiert. Diese Funktion ist im gesamten Testfeld einzigartig.
Viele kleine Details helfen dem Gestalter im Alltag. Als Beispiel sei die erweiterte Suchen und Ersetzen-Funktion genannt, welche unter anderem alle <td> in <th> Tags umwandelt oder Umlaute in ihre HTML-Pendants übersetzt. So wird aus Ü schnell ein Ü. Blickt man etwas genauer in die Optionen, entdeckt man sogar das Ersetzen von Zeichenketten über mehrere Dateien hinweg. Damit ist ein Begriff auf allen Unterseiten in einem Rutsch korrigiert.
Neben HTML kommt Bluefish auch mit vielen anderen Dokumentenformaten zurecht. Neben XML oder JavaScript sind sogar Programmiersprachen wie C oder Python im Angebot. Je nach Format werden andere Farbschemata für das Syntax-Highlighting angewendet.
Auf Wunsch zählt Bluefish alle Wörter oder prüft die Rechtschreibung, was jedoch ein installiertes ispell voraussetzt. Den Code selbst validiert man mit Hilfe der externen Programme weblint oder tidy. Um Flüchtigkeitsfehler schon im Vorfeld zu vermeiden, kann der Web-Designer verschiedene Eingabehilfen zuschalten. Auf Wunsch fügt Bluefish dann automatisch ein abschließendes Tag hinzu oder schreibt im Hinblick auf XHTML alle Tags klein.
Bluefish selbst besitzt keine Online-Hilfe. Als Ersatz steht auf den Internetseiten ein pralles, aber leider nur in englisch verfasstes Handbuch im PDF-Format bereit.

Abbildung 3: Bluefish: Die Fenster auf der linken Seite dienen der Dateiverwaltung, rechts das Editorfenster mit geladener LinuxUser-Homepage.
Erwin 0.8
Erwin tritt als kleiner, leichter Editor in die Fußstapfen von August. Das Programm existiert schon seit 1999, wird aber nur in kleinen Schritten weiterentwickelt. Optisch orientiert es sich an Bluefish, dessen Funktionsumfang es allerdings bei weitem nicht erreicht. So bietet Erwin bei den Assistenten lediglich einen Quickstart und eine Hand voll rudimentärer Kollegen für Standardelemente, wie beispielsweise zum Anlegen einer Tabelle oder dem Hinzufügen von Bildern.
Analog zu August werden Formatanweisungen über Symbole oder entsprechende Menüpunkte eingefügt. Über einen Shortcut CTRL-P schließt man das jeweils aktuelle Tag. Eine Prüfung, ob das überhaupt nötig ist, findet dabei genau so wenig statt, wie eine Valdierung des gesamten Dokumentes. Immerhin existiert eine eingebaute Vorschau, sofern man bei der Übersetzung alle dazu nötigen Entwicklungspakete installiert hat.

Abbildung 6: … setzt sich bei den Dialogfenstern fort. Hier der Assistent zum Erstellen einer Tabelle.
(X)HTML-Format
Auf Java basierend kommt (X)HTML-Format einher. Das Werkzeug mit dem etwas sperrigen Namen ist zwar Freeware, den Quellcode behält der Autor jedoch für sich. Zur Inbetriebnahme entpackt man das herunter geladene Archiv als Benutzer root in ein Verzeichnis seiner Wahl, wie zum Beispiel /opt/html-format. Dort öffnet man mit einem Texteditor die Datei HF-linux.start. In ihr setzt man hinter die Zeichenkette JAVA_HOME= den Pfad zum Java Runtime Environment (JRE). Diese Software liegt allen Distributionen bei und muss für den Betrieb von (X)HTML-Format installiert sein. Nun sucht man die Zeichenkette HF_HOME= und hängt ihr den Pfad zum Programm an. In diesem Fall lautet die Zeile HF_HOME=/opt/html-format. Jetzt kann man das Programm per /opt/html-format/HF-linux.start in einem Terminalfenster starten.
Bei den angebotenen Funktionen spielt (X)HTML-Format in der Liga von Bluefish. So bietet das Werkzeug eine Projektverwaltung, die Ersetzung von Textpassagen über Dateigrenzen hinweg, eine Umwandlung von Umlauten in entsprechende HTML-Codes und eine interne Vorschau. Letztere stellt jedoch schon einfache Seiten fehlerhaft dar. Immerhin dürfen auch externe Browser angebunden werden. Weitere nützliche Programme und Links findet man hinter dem Extras-Menü. Hierzu gehört beispielsweise die Anmeldung in Suchmaschinen. Die meisten Menüpunkte rufen jedoch lediglich einen Link auf, der auf eine Unterseite der homepagehelper.de-Seiten führt. Überhaupt findet man an zu vielen weiteren Stellen als Menüpunkte getarnte Links auf besagte Homepage.
Interessant ist die Option Bearbeiten/Formatieren, welche unstrukturierten Code in eine lesbare Form bringt. Die dabei erzielten Ergebnisse können durchaus überzeugen.
Wiederkehrende Konstrukte speichert (X)HTML auf Wunsch als so genannte Code-Snippets und fügt sie über das gleichnamige Menü direkt in die aktuelle Seite ein. Einige nützliche Snippets sind bereits vordefiniert. Für Standardelemente bietet (X)HTML-Format Assistenten in Form von einfachen Dialogfenstern. Der Menüpunkt Dokument schnell erzeugt eine neue Dokumentenstruktur, in der zwar Meta-Tags enthalten sind, dafür aber die DOCTYPE-Definition fehlt. Als Ausgleich wartet der CSS-Editor mit recht umfangreichen Einstellungsmöglichkeiten auf.
(X)HTML-Format fügt beim Klick auf das Symbol für einen Absatz lediglich ein öffnendes <p>-Tag ein. Um das von XHTML geforderte schließende Tag muss man sich entweder selbst kümmern oder einen zweiten, eigentlich redundanten Menüpunkt unter Bearbeiten bemühen.
Die Hilfe ist recht umfangreich und durchgängig in Deutsch verfasst. Auf Knopfdruck konsultiert (X)HTML-Format zusätzlich die berühmte SelfHTML-Einführung aus dem Internet.
Quanta+ 3.4
Das KDE-Gegenstück zu Bluefish heißt Quanta+. Ursprünglich war es die freie Variante des kommerziellen Quanta Gold-Editors (vgl. Kasten Problemkinder). Mittlerweile wird der HTML-Editor unabhängig vom theKompany-Produkt weiterentwickelt und hat laut den Programmierern keine Gemeinsamkeiten mehr mit Quanta Gold. Vor dem Download sollte man zweimal hinschauen: Das aktuelle Paket wurde etwas irreführend in kdewebdev umbenannt. Es enthält neben Quanta+ noch einige nützliche KDE-Tools. Darüber hinaus ist die Versionspolitik etwas undurchsichtig. So kennzeichnet die Versionsnummer gleich mit, welche KDE-Version vorausgesetzt wird. Da zudem die Übersetzung in eine ausführbare Datei recht aufwendig ist, raten wir zum Einsatz der Quanta-Version, die zusammen mit Ihrer Distribution ausgeliefert wurde.
Wie Abbildung 9 zeigt, quillt Quanta fast vor Funktionen über und toppt damit sogar noch die Möglichkeiten von Bluefish. Leider erleichtert diese Materialschlacht weder die Bedienung, noch den Einstieg. Quanta öffnet gerne innerhalb des Hauptfensters mehrere Fenster gleichezeitig. So hat man beispielsweise die Dokumentenstruktur und die Online-Referenz immer im Blick. Letztere listet Erklärungen zu allen HTML, PHP und JavaScript Befehlen auf. Die Hilfeseiten des eigentlichen Handbuchs sind jedoch recht mager und beschränken sich im wesentlichen auf die Installation.
Funktionell lässt das Programm nahezu keine Wünsche offen: Quanta erlaubt sogar das direkte Hochladen der erstellten Seiten aus dem Programm heraus. Als Zusatzmodul ist neben der Syntaxprüfung über das externe Tidy auch ein Link-Checker enthalten. Er überprüft, ob alle Links im Dokument noch gütig sind. Darüber hinaus wurde KImageMapEditor für die Bearbeitung von Image-Maps, sowie eine CVS-Versionsverwaltung mittels cervisia integriert. Somit ist Quanta+ auch der Gruppenarbeit gewachsen.
Neben der Wahl zwischen einer integrierten oder externen Vorschau, erlaubt Quanta visuelle Änderungen im so genannten VPL-Editor. In ihm kann man nach der WYSIWYG-Methode die benötigten Elemente grafisch zusammenklicken, jedoch keinen Text eingeben. Da diese Ansicht offenbar noch nicht ganz ausgereift ist, läuft man dort immer Gefahr das eigene Layout zu zerschießen.
Assistenten sind nur für gängige Elemente vorhanden, bieten dort aber recht gute Einstellmöglichkeiten. So berücksichtigt der Schnellstart-Assistent sowohl verschiedene META-Tags, als auch DTDs. Ebenfalls sehenswert ist der CSS Editor, indem man den benötigten Stil einfach aus einer Palette von Möglichkeiten zusammenklickt.
Quanta+ kennt viele optionale Eingabehilfen. Beispielsweise wirkt sich die Änderung eines Endetags automatisch auf das Anfangs-Tag aus und die Autovervollständigung bereits während der Eingabe kennen Programmierer als geschätzte Hilfe aus guten Entwicklungsumgebungen. Nützlich, aber etwas gewöhnungsbedürftig ist die sofortige Überführung von Umlauten in ihr HTML-Pendant.

Abbildung 9: Quanta: KDE-Benutzer fühlen sich dank der integrierten KWrite und KHTML Komponenten dennoch schnell heimisch.
Alle bislang vorgestellten Werkzeuge setzen fundierte Kenntnisse in HTML voraus. Wer jedoch nicht mit dem mehr oder weniger kryptischen Quelltext in Berührung kommen möchte, sollte eine der folgenden WYSIWYG-Lösungen vorziehen.
Firefox mit cuneAform 0.3.1
Firefox ist von Grund auf als schlanker Browser ausgelegt und bringt daher selbst keinen HTML-Editor mit. Mit cuneAform existiert jedoch eine Erweiterung (Extension), welche eine entsprechende Funktionalität nachrüstet. Die Installation erfolgt in Firefox über den Menüpunkt Tools/Extensions/Get More Extensions. Auf der nun auftauchenden Seite suchen Sie nach cuneAform und klicken dann auf Installieren. Der Start des Editors geschieht nach dem Kopiervorgang über Tools/cuneAform HTML Editor.
Die Oberfläche ist etwas gewöhnungsbedürftig, da sie ausschließlich über Symbole gesteuert wird. Zudem versteht cuneAform nur wenige, gängige HTML-Elemente. Ansonsten orientiert sich der Autor an der Bedienung von Mozialla Composer. Etwas nervend ist der immer wieder stockende Arbeitsfluss.
Composer 1.7.8
Das große Browser-Paket Mozilla enthält etwas versteckt auch einen HTML-Editor namens Composer. Leider wird Mozilla zugunsten von Firefox nicht mehr weiterentwickelt, so dass auch die Zukunft von Composer im Ungewissen liegt. Derzeit wird die Mozilla Version 1.7 aber noch gepflegt und ist daher mangels Konkurrenz durchaus einen Blick wert. Die Browser-Suite gibt es als startfertiges Paket auf der Mozilla Homepage: Entpacken Sie einfach das Archiv und führen anschließend das Programm mozilla aus. Den Weg zum Composer entdeckt man im Fenster, bzw. Window-Menü.
Nach dem Start erscheint die Oberfläche aus Abbildung 13. Composer kennt vier Darstellungsmodi, die man über die Register am unteren Fensterrand aktiviert: Das erste Register führt zur grafischen Editor Ansicht. Dort werden beispielsweise Tabellen mit einem roten Rand und entsprechenden Kästchen zur Größenänderung versehen. Im späteren Dokument bleiben diese Layouthilfen unsichtbar. Das Register HTML-Tags zeigt alle verwendeten Tags innerhalb des Layouts an, wohingegen HTML Quelle einen einfachen Texteditor bietet. Dieser ist als extrem rudimentär zu bezeichnen, da er noch nicht einmal Syntax-Highlighting mitbringt. Im Vorschau-Register erhält man schließlich noch einen Einblick, wie das Ergebnis später im Mozilla Browser aussieht. Alle Elemente und Texte bleiben in den vier Ansichten editierbar, wobei sich Änderungen unmittelbar auf alle anderen Register auswirken.
Die Arbeit in Composer erfolgt wie in einer (einfachen) Textverarbeitung. Wer hierin Erfahrung mitbringt, wird sich sofort heimisch fühlen. Im Gegenzug sind aufgrund der WYSIWYG-Arbeitsweise keine komplexeren Seiten möglich. Für fast alle Elemente existieren umfangreiche Assistenten und Eingabehilfen, wobei Composer jedoch auf reines HTML 4.01 zurückgreift. Andere Sprachen, wie CSS oder JavaScript werden nicht unterstützt. Möchte man auf sie nicht verzichten, muss man sie manuell nachtragen. Wer auf solche Eingriffe verzichtet, erhält bei Bedarf ein automatisch generiertes Inhaltsverzeichnis.
Eine Projektverwaltung ist nicht vorhanden, was Composer für größere Projekte disqualifiziert. Für das Aufspielen der Seite auf einen Web-Server existiert immerhin ein Symbol in der Symbolleiste.

Abbildung 13: Composer: Dir roten Linien verdeutlichen die Ränder der Tabelle. Dank ihnen sieht man schnell auf einen Blick, ob Zwischenräe und Abstände korrekt gesetzt sind.

Abbildung 14: Composer: Der Dialog der Tabelleneigenschaften bietet komfortablen Zugriff auf alle Eigenschaften einer Tabelle.
NVU 1.0PR
Auf der Basis von Composer entwickelte der Linux-Distributor Linspire den eigenständigen HTML-Editor NVU. Nach dem absehbaren Tod für Mozilla wird es in Zukunft der wohl einzige ernsthafte WYSIWYG-Editor unter Linux sein. Zum Redaktionsschluss aktuell war das Preview auf die kommende Version 1.0, mit dessen Erscheinen die in SuSE Linux 9.3 enthaltene Version 0.80 obsolet wird. Ein Update ist jedoch denkbar einfach: Laden Sie das passende Archiv für Linux herunter, entpacken es und starten das Programm nvu.
Dem Hauptfenster merkt man seine Herkunft noch deutlich an – es wirkt wie ein aufgebohrter Composer. So verwundert es nicht, dass NVU ebenfalls die vier Ansichten kennt. Diese haben jedoch einiges dazu gelernt. Beispielsweise versteht sich der Quelltexteditor nun auf Syntax-Highlighting, während alle anderen Ansichten die aktuellen Maße der Seite am linken und oberen Rand einblenden. Die meisten Dialogfenster wurden erweitert und teilweise sogar komplett umgestaltet. So kann man nun eine Tabelle schnell durch entsprechendes Aufziehen mit der Maus einfügen. Darüber hinaus spendierten die Entwickler einen CSS-Editor, der ähnlich komfortabel wie der von Quanta arbeitet.
Neben der Validierung kann NVU den Quelltext säubern. Dabei wird die Seite auf kosmetische Probleme überprüft. Auf diese Weise wandern beispielsweise überflüssige <br> Anweisungen ins Nirvana. Dies ist insbesondere dann nützlich, wenn man einer bereits bestehende Seite den letzten Schliff verpassen möchte.
Die Projektverwaltung lässt in NVU noch zu wünschen übrig. Lediglich am linken Rand gibt es eine so genannte Seitenverwaltung, die jedoch mehr einem erweiterten Dateimanager gleicht.
Analog zu Firefox lässt sich NVU durch Erweiterungen und Themes aufbohren (Abbildung 16). Sie stehen auf der Seite http://nvuext.mozdev.org bereit. Dort gibt es auch zusätzliche Wörterbücher für die integrierte Rechtschreibprüfung.
Die Hilfe ist sehr ausführlich, vollständig in Deutsch und zählt zu den Besten im Testfeld.
Amaya 0.91
Der vom W3C betreute (X)HTML-Editor Amaya ist in der aktuellen Version vollständig auf XHTML und XML ausgerichtet, versteht aber auch noch die alten Standards. Einigen Distributionen liegt er von Haus aus bei, was unter SuSE Linux seit neustem jedoch nicht mehr der Fall ist. Beim Download ist Vorsicht geboten, da das fertige RPM-Paket nur unter Red Hat, bzw. Fedora arbeitet. Im Gegensatz zur Konkurrenz hält sich Amaya penibel an die W3C-Standards, was vielleicht auch dazu führte, dass unsere LinuxUser-Homepage etwas zerpflückt dargestellt wurde.
Die Bedienung der Oberfläche geriet etwas eigenwillig. So öffnet Amaya beispielsweise für jede angeforderte Ansicht ein eigenes Fenster. Dabei existieren neben der WYSIWYG-Ansicht noch je eine für den Quelltext und die Seitenstruktur, eine alternative Textbrowser-Darstellung (nützlich bei einer Überprüfung der Seite auf Barrierefreiheit) und abschließend noch eine Liste aller Links. Dabei werden die Ansichten nicht immer automatisch aktualisiert. Erst ein Klick auf Synchronise stopft dann den aktuellen Fensterinhalt in die anderen.
Interessant ist, dass man per Mausklick ein Dokument in einen anderen XHTML-Standard überführen kann. Amaya passt dann selbstständig die Syntax im Hintergrund an. Ob das visuelle Ergebnis stimmt, muss man aber noch selbst prüfen.
Gegenüber anderen Editoren versteht sich Amaya auf die Behandlung von Annotationen. Das sind Anmerkungen, die Elementen oder Textstellen angefügt und später im Browser über den Klick auf ein entsprechendes Symbol angezeigt werden.
Fazit
Die Wahl des richtigen HTML-Editors fällt nicht leicht. Von den textbasierten Editoren ist August nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Wer die Eingabemasken nicht benötigt, fährt hier mit einem aktuellen Texteditor aus KDE oder Gnome besser. Freunde von Tcl können jedoch einen Blick riskieren. Ähnliches gilt für Erwin, der in seinem Funktionsumfang schon seit mehreren Jahren nicht recht voran kommt. Zusätzlich sollte man berücksichtigen, dass gerade die kleinen Editoren nicht mit verschiedenen Zeichenkodierungen umgehen können. Erst aktuelle Editoren wissen zum Beispiel um Unicode (UTF). Dafür sind August und Erwin recht schlank, was gerade auf Notebooks ein Pluspunkt ist.
(X)HTML-Format hinterlässt gemischte Gefühle. Es ist ein recht guter Editor, bei dem jedoch einige Funktionen im Ansatz stecken bleiben. Wer Betriebssystemunabhängig arbeiten möchte, sollte (X)HTML-Format antesten.
Quanta+ und Bluefish bilden die Funktionsspitze des Teilnehmerfeldes, was sich aber beide mit einer etwas umständlichen Bedienung erkaufen. Schade, dass Bluefish keine integrierte Vorschau enthält und man seine Dokumente manuell hochladen muss. Bei Quanta haben sich die, in der Vergangenheit noch häufigen Abstürze mittlerweile verringert. Dennoch bleibt der HTML-Editor instabiler als die Konkurrenz.
Bei den WYSIWYG-Editoren läuft cuneAform der Konkurrenz hinterher. Um mal eben eine Seite vorzubereiten genügt es, ansonsten sollte man auf Composer oder NVU ausweichen. Composer eignet sich für kleine Seiten, die ohne HTML-Kenntnisse “schnell mal eben” erstellt werden müssen. Leider ist der generierte Code häufig recht unübersichtlich und enthält auch gerne einmal überflüssige Tags. Wer grafisch seine Seiten zusammenstellen möchte, kommt somit nicht um NVU herum.
Compilieren
Einige der vorgestellten Programme werden nur im Quelltext geliefert und müssen daher zunächst in eine ausführbare Version übersetzt werden. Dazu installieren Sie zunächst die Entwicklungspakete ihrer Distribution. Spielen Sie dann die benötigten Bibliotheken ein, wobei dazu jeweils auch die Entwicklungspakete gehören (diese tragen meistens ein -devel im Namen). Bei Erwin sind libgtk2, libgtkhtml2, libxml2, libgtksourceview1, sowie libgnomeui, libgnomeprint, libglade2 und popt erforderlich, bei Quanta+ neben den Qt und KDE-Entwicklungspaketen noch gcc-c++, libjpeg und libgcrypt.
Die Übersetzung wird auf der Kommandozeile mit dem Dreiklang ./configure, make und make install angestoßen.
Beim Sonderfall Amaya laden Sie zunächst das Komplettpaket herunter und installieren alle imlib-Pakete, die ihre Distribution hergibt. Wechseln Sie ins Unterverzeichnis Amaya (Groß- und Kleinschreibung beachten) und geben Sie dann nacheinander die Befehle mkdir LINUX-ELF, cd LINUX-ELF, ../configure, make und make install ein.
Problemkinder
Neben den, im Artikel vorgestellten HTML-Editoren existieren noch ein paar weitere Kandidaten, die uns jedoch einige Probleme bereiteten. Nicht mehr vertrieben wird der, in früheren Ausgaben bereits vorgestellte und in WINE emulierte WebSphere Homepagebuilder von IBM. Zwar gibt es im Internet noch ein RPM-Paket (http://www-128.ibm.com/developerworks/websphere/library/techarticles/0103_czap/0103_czap.html), zu dem jedoch das passende WINE-Pendant fehlte. Analoges gilt für Quanta Gold. Von ihm gibt es eine Demoversion auf den Seiten von theKompany (www.thekompany.com). Nach der Installation unter SuSE Linux verweigerte das Programm jedoch den Start. Offenbar fehlt hier ebenfalls ein Zusatzpaket – welches das ist, blieb im Unklaren. Screem (www.screem.org) wollte auf unserem Testsystem erst gar nicht kompilieren.
HTML-Editoren
| Name | Amaya 0.91 | August 0.63b | Bluefish 1.0 | Erwin 0.8 | Firefox 1.0.x mit cuneAform 0.3.1 | (X)HTML-Format 8 R85a | Mozilla Composer 1.7.8 | NVU 1.0PR | Quanta+ 3.4 |
| Webseite | http://www.w3.org/Amaya | http://www.bostream.nu/johanb/august | http://bluefish.openoffice.nl | http://lisas.de/erwin | http://www.mozilla.org | http://www.homepagehelper.de/software/html-format/ | http://www.mozilla.org | http://nvu-composer.de/ | http://quanta.kdewebdev.org |
| Lizenz | eigene (W3C) | GPL | GPL | GPL | MPL | eigene (Freeware) | MPL | MPL | GPL |
| Sprache Oberfläche | englisch | englisch | englisch, deutsch | englisch | englisch | deutsch, englisch | deutsch | deutsch | deutsch, englisch |
| dynamisches Syntaxhighlighting | nein | ja | ja | ja | nein | ja | nein | ja | ja |
| Hilfe bei Erstellung eines Seitengerüsts | automatisch (WYSIWYG) | Template | Assistent | Assistent | automatisch, WYSIWYG | Assistent | automatisch (WYSIWYG) | automatisch (WYSIWYG) | Assistent |
| Rechtschreibkorrektur | ja | nein | ja, ispell | nein | nein | nein | ja | ja | ja |
| Voschau | ja | extern | extern | intern | intern (sofort) | intern, extern | intern | intern | intern, extern |
| Haupt HTML-Sprache | XHTML | HTML 3.2 | HTML 4 | HTML 4 | HTML 4 | HTML 4 | HTML 4 | HTML 4, XHTML | HTML 4 |
| Image Maps | nein | nein | nein | nein | nein | nein | nein | nein | ja (Plugin KImageMapEditor) |
| Code-Validierung | ja | extern (weblint) | extern (weblint, tidy) | nein | nein | extern (Internet) | nein | ja | extern (tidy) |
| Überprüfen von Links | nein | nein | nein | nein | nein | nein | nein | nein | ja (Plugin Link Checker) |
| Projektmanagement | nein | nein | ja | nein | nein | ja | nein | ja (rudimentär) | ja |
| Seiten auf Server laden (FTP) | nein | nein | nein | nein | nein | nein | ja | ja | ja |
















