Die Installationsroutine von SuSE Linux 9.1 erlaubt nicht nur das Einrichten eines neuen Linux-Systems, sondern kann auch zum Update einer älteren Version verwendet werden, um aufwändige manuelle Aktualisierungen zu vermeiden.
Gegenüber einer Neuinstallation bietet das Update den Vorteil, dass zum einen Ihre persönlichen Dateien im Home-Verzeichnis unangetastet bleiben und zum anderen Einstellungen (wie etwa die Konfiguration des Internet-Zugangs) übernommen werden. Auch die alte Auswahl der installierten Pakete wird übernommen, soweit dies möglich ist. Haben Sie bei der erstmaligen Installation viel Mühe auf die Paketauswahl verwandt, ersparen Sie sich damit eine Wiederholung dieser Prozedur.
Verschwundene Pakete
Damit kommen wir zu einer ersten Hürde, die beim Update genommen werden muss: Der Installer findet das (alte) installierte System und prüft, welche Software dort vorhanden ist. Ziel ist nun, alle gefundenen Pakete durch die entsprechenden neueren Pakete der aktuelleren Distributionsversion zu ersetzen. In der Regel ändert sich bei den Paketen von einer Distributionsversion zur nächsten nur die Paketversionsnummer. Das ist die “gute” Variante, bei der das Installationsprogramm das alte und neue Paket einander zuordnen kann. In seltenen Fällen ändern aber Pakete ihre Namen, werden in mehrere eigenständige Pakete aufgeteilt, oder mehrere Pakete konvergieren zu einem. Mit einer solchen Situation kann der Installer nicht umgehen, weil nicht klar ist, wie das Ersetzen stattfinden soll.
Auch Fremdpakete bereiten hier Probleme: Haben Sie Software aus Drittquellen eingespielt, lässt der Installer sie links liegen: Nach dem Update ist also noch die alte Version der Software installiert. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit läuft diese in der neuen Umgebung nicht mehr. In einem solchen Fall können Sie versuchen, das Paket manuell zu aktualisieren, indem Sie im Internet nach einer neuen Version der Software suchen, die zu Ihrer neuen Distributionsversion passt.
Versionsfragen
Suse bot bis zur Version 9.2 seine Linux-Distribution in zwei Ausstattungsvarianten an, die “Personal” und “Professional”. Ein Update von einer alten Personal- auf eine neuere Professional-Version erfolgt meist unproblematisch, weil die Professional-Version eine größere Paketauswahl bereitstellt als die Personal-Variante (die eine Teilmenge der Professional darstellt). Umgekehrt müssen Sie mit Problemen rechnen: Ist auf Ihrem Rechner eine ältere Professional-Version installiert und haben Sie damals auch Pakete ausgewählt, die nicht zum Auslieferungsumfang der Personal-Version gehören, ist kein vollständiges Update auf eine neuere Personal-Version möglich, weil diverse Pakete auf den neuen CDs eben nicht vorhanden sind.
Wer aus der Windows-Welt kommt, ist dagegen gewohnt, dass Software unter (fast) allen Windows-Versionen läuft, so dass Programme auch nach einem Windows-Update (etwa von Windows 2000 auf XP) noch benutzbar bleibt. Hier ist einer der Unterschiede zwischen Linux und Windows deutlich zu spüren: Windows-Programme bringen typischerweise einen Satz Bibliotheken (DLL-Dateien) mit. Diese enthalten alles, was das Programm an zusätzlichen Hilfsmitteln benötigt. Bei Linux hingegen erwarten die meisten Programme, dass das System die benötigten Bibliotheken zur Verfügung stellt.
Daher gibt es für einen Großteil der Software separate Programmpakete für jede Distributionsversion: Es gilt nicht nur zwischen den Distributionen (Suse, Red Hat, Mandrake, Debian etc.), sondern auch zwischen den Versionen (z. B. Suse Linux 8.1, 8.2, 9.0, 9.1) zu unterscheiden. Dazu kommt noch, dass Linux-Entwickler innovationsfreudiger sind: Zwischen zwei Versionen einer Distribution liegen wenige Monate, in denen aber von den hunderten oder gar tausenden Einzelpaketen fast jedes verändert oder vollständig überarbeitet wird und nun ganz andere Bibliotheken benötigt als die ältere Version.
Weitere Einstellungen
Bei einem Update kann ein Wechsel des Drucker-Subsystems von LPR zu CUPS stattfinden. Ist das der Fall, muss eventuell der Drucker neu konfiguriert werden.
Wenn das Distributions-Update auch eine Umstellung auf eine neuere KDE-Version mit sich bringt, gehen dabei eventuell Ihre alten Einstellungen für KDE verloren. Es ist aber auch möglich, dass die neue KDE-Version Sie fragt, ob Sie die alten Einstellungen konvertieren wollen. Vielfach ist es aber vorteilhafter, mit einem neu eingerichteten Desktop zu starten und die auf dem alten System geänderten Einstellungen erneut anzupassen. Sonst kann es Probleme mit dem Menüsystem und den Symbolen auf dem Desktop geben.
Welche Suse-Version?
Vor einem Update sollten Sie überprüfen, mit welcher Distributionsversion Sie derzeit arbeiten. Dazu geben Sie beispielsweise in einer Shell den Befehl cat /etc/SuSE-release ein. Die Ausgabe ist dann zweizeilig; die erste Zeile lautet beispielsweise SuSE Linux 8.2 (i586). Bei einem Update sollten Sie einen Versionssprung auf die übernächste oder noch weiter entfernte Versionen vermeiden. Zwar geben die Distributoren an, dass dies möglich ist; der Versuch schlägt aber oft fehl und hinterlässt dann ein unvollständiges oder nicht richtig funktionierendes Linux-System. Ein zu großer Schritt ist z. B. der Sprung von SuSE Linux 8.2 auf 9.1.
Vor einem Update sollten Sie in jedem Fall Ihr Home-Verzeichnis (/home/benutzername) respektive bei mehreren Benutzern das gesamte Verzeichnis /home/ sichern. Systemweite Konfigurationsdateien liegen in /etc/ – deren Wiederverwendung ist aber problematisch. Außerdem wird bei der Neuinstallation das System ohnehin neu konfiguriert, so dass Sie in der Regel auf diese Daten verzichten können. Falls Sie selbst Programme aus dem Quelltext übersetzt haben, ist auch das Verzeichnis /usr/local/ ein Kandidat für das Backup: Dort landen nämlich die meisten selbst kompilierten Tools.




