Wörterbücher aus dem Hause Duden sind jedem ein Begriff. Ein Test zeigt, ob die elektronischen Varianten unter Linux ans Gedruckte heranreichen.
In vielen deutschen Haushalten findet sich bereits seit Jahrzehnten ein Duden-Wörterbuch in gedruckter Form vom Bibliographischen Institut aus Mannheim, das insbesondere immer bei kniffligen Problemen mit der deutschen Sprache zum Einsatz kommt. Neben den klassischen Universalwörterbüchern und dem “Duden” hat das Bibliographische Institut in den letzten Dekaden viele Spezialwörterbücher herausgebracht – unter anderem zu Synonymen, Fremdwörtern, Zitaten und Redewendungen.
Im Jahre 1984 kamen im Wege der Fusion mit dem F.A.Brockhaus-Verlag zur Bifab AG zu den Duden-Wörterbüchern noch die Brockhaus-Lexika hinzu. Die Bifab AG verlegt außerdem seit geraumer Zeit ihre Nachschlagewerke auch auf CDs und DVDs. Bereits zu Beginn des 21. Jahrhunderts hat das Management die Zeichen der Zeit erkannt und vertreibt die Lexika in wachsendem Maße auch für Linux.
Zudem weist das Bifab-Programm seit kurzem automatische Korrektursoftware auf, und zwar eine Rechtschreibkorrektur für OpenOffice und ein eigenständiges Korrekturprogramm mit integriertem Texteditor. Letzteres trägt den etwas sperrigen Namen “Duden Korrektor Starterbox”.
Abgesehen von den Brockhaus-Multimedial-Varianten verfügen die Nachschlagewerke der Bifab AG über eine gemeinsame Retrievalsoftware zum Anzeigen der Lexika-Informationen, die sogenannte Office-Bibliothek. Diese ist inzwischen für Linux in der Version 4.1 erhältlich und erinnert aufgrund ihrer spartanischen Oberfläche ohne überflüssige und verwirrende Gimmicks etwas an die alten BeeBook-Wörterbücher von Bertelsmann oder die Dataware-Sprachprogramme aus dem Rossipaul-Verlag, die als native DOS-Software vor rund 15 Jahren eine ähnlich karge Oberfläche aufwiesen.
Wörterbücher der Office-Bibliothek
| Die deutsche Rechtschreibung | Das Fremdwörterbuch | Das Synonymwörterbuch | Deutsches Universalwörterbuch | |
|---|---|---|---|---|
| Stichwörter | 125?000 | 55?000 | 20?000 | 250?000 |
| Bedeutungen / Beispiele / Synonyme | 500?000 | 400?000 | 300?000 | > 100?000 |
| Umfang | 1 CD | 1 CD | 1 CD | 1 CD |
| ISBN | 3-411-06379-3 | 3-411-06434-X | 3-411-06376-9 | 3-411-71924-9 |
| Preis | 15 Euro | 19,95 Euro | 19,95 Euro | 29,95 Euro |
| Systemanforderungen: jeweils Pentium-CPU, Red Hat 8.0, Suse 8.0, Debian 3.0 | ||||
Office-Bibliothek einrichten
Das Setup der Office-Bibliothek auf der Festplatte gestaltet sich denkbar einfach: Auf der jeweiligen CD befindet sich sowohl ein RPM-Paket als auch ein Tarball. Das RPM-Paket installieren Sie unter Red Hat, Mandriva oder Suse mit dem passenden Tool, wohingegen Sie unter Debian-basierten Distributionen den Tarball entpacken und anschließend per Setup-Skript im neu angelegten Officebib-Verzeichnis die Installation des Programms vornehmen.
Nach dieser kurzen Prozedur rufen Sie durch Eingabe des Befehls officebib in einem Schnellstartfenster ([Alt]+[F2]) die Anwendung auf, um anschließend in der Retrieval-Software unten links mit dem Button Neues Buch installieren das neue Nachschlagewerk in das Suchprogramm einzubinden. Danach fragt ein sich öffnender Dialog nach dem Datenverzeichnis (in der Regel das CD-Laufwerk). Nach dem Bestätigen der Nutzerlizenz installiert das Programm dann das neue Buch (Abbildung 1).

Abbildung 1: Für die Installation der Office-Bibliothek unter Ubuntu 6.06.1 LTS bietet der Duden-Verlag fertige Pakete an.
Unter Ubuntu 6.06.1 LTS legt die Office-Bibliothek selbstständig einen gleichnamigen Eintrag im Menü Anwendungen | Büro an, unter anderen Distributionen legen Sie einfach einen eigenen Starter an.
Oberflächliches
Der Bildschirm der Office-Bibliothek ist zweigeteilt: Im linken oberen Bereich befindet sich das Feld für die Eingabe des Suchbegriffs. Darunter zeigt das Programm in einem größeren Feld die gefundenen Einträge an, wobei jeweils ein kleines Symbol auf das Wörterbuch hinweist, in dem der Begriff vorhanden ist.
Im linken unteren Bereich zeigt die Software die Symbole der aktiven Wörterbücher an. Wer nur ein bestimmtes Lexikon befragen möchte, deaktiviert die übrigen Nachschlagewerke durch einen einfachen Klick auf ihre Symbole. Im rechten Bereich der Software erscheinen in einem großen Fenster die entsprechenden Erklärungen zum Suchbegriff. Sofern Sie den Brockhaus installiert haben, finden sich im rechten Fenster auch Fotos zu den Suchbegriffen.
Vorsicht ist geboten beim Kauf älterer Wörterbücher, die noch öfters in Restbeständen von kleineren Buchhandlungen ausliegen: Sie bringen in der Regel die Version 3 der Office-Bibliothek mit, die zwar auch mit den neuen Nachschlagewerke klar kommt, der aber einige nützliche Funktionen fehlen, wie zum Beispiel das Single-Klick-Interface. Obendrein verwendet die Version nicht besonders einprägsame Symbole für die einzelnen Lexika.
Die neuen Wörterbücher verwenden dagegen eine aussagekräftige Symbolik, die unter den alten Versionen der Office-Bibliothek nicht erscheint. Daher sehen Sie nicht, aus welchem Wörterbuch sie den jeweiligen Eintrag entnimmt (Abbildung 2). Es ist daher anzuraten, eine Version aus der Reihe 4 der Office-Bibliothek zu verwenden. Die jeweils aktuelle Version stellt die Bifab kostenlos online [1] bereit.
Daten über Daten
Im Test kamen das Synonymwörterbuch, das Fremdwörterbuch, das deutsche Universalwörterbuch und der “Brockhaus in Wort und Bild” unter verschiedenen Linux-Distributionen zum Einsatz. Weitere Titel finden sich im Internetangebot [2][3]. Bereits während der Eingabe eines Begriffs durchsucht die Office-Bibliothek die Datenbestände und zeigt die gefundenen Übereinstimmungen nahezu in Echtzeit an. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie auf dem Rechner nur ein Lexikon installiert haben oder mehrere.
Angesichts der Tatsache, dass die getestete Konfiguration rund eine halbe Million Einträge vorhält, spricht die Schnelligkeit und Stabilität der Retrievalsoftware für deren Qualität. Die Einträge entsprechen durchgängig dem von Duden-Lexika gewohnten Umfang und Niveau. Bei Fremdwörtern zeigt das Programm neben der Bedeutungserklärung und Verweisen auf weitere Fundstellen auch gelegentlich die Lautschrift mit an.
Einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterlässt der Brockhaus: Die Verknüpfungen zwischen Begriffen und Abbildungen erweisen sich in vielen Fällen als Schwachpunkt des Lexikons. So zeigt der Brockhaus beim Aufruf des Begriffs “Willy Brandt” gleich zwei Porträtaufnahmen des Friedensnobelpreisträgers und ehemaligen deutschen Bundeskanzlers an. Wesentlich aussagekräftiger wäre jedoch statt des zweiten Porträtfotos ein Bild zum Beispiel vom berühmten Warschauer Kniefall Brandts gewesen.
Speziell bei Persönlichkeiten des öffentlichen und politischen Lebens punktet der Brockhaus: Hier bietet das Lexikon oft durch Links weiterführende Informationen in Gestalt von zusätzlichen redaktionellen Beiträgen an. Allein zum Begriff Deutschland verweist der Brockhaus auf mehr als 20 solche höchst informativen Beiträge. Sehr zahlreich integriert der Brockhaus außerdem Hyperlinks zu den Suchbegriffen: Sofern Sie im Einstellungsmenu (Ansicht | Einstellungen) den aktuellen Webbrowser eingetragen haben (Vorgabe: Konqueror), ruft ein Klick auf den Link die entsprechende Website auf.
Als nützlich erweist sich zudem der Verweis auf weiterführende Literatur, der sich jeweils am Ende der Beiträge findet. Wer tiefer in ein Thema einsteigen möchte, findet hier neben Standardwerken auch themenbezogene Aufsätze.
Leuchtstift und Lesezeichen
Doch die Version 4 der Office-Bibliothek bietet nicht nur die reine Suche im Datenbestand der installierten Lexika: Das Programm erlaubt es auch, zusätzlich Begriffe innerhalb eines Eintrages zu lokalisieren. Die erweiterte Suche bietet eine Reihe von Ein- und Ausschlusskriterien, welche Sie wahlfrei miteinander kombinieren und dauerhaft abgespeichern dürfen. Zudem zeigt eine Archivfunktion bereits nachgeschlagene Termini an und öffnet diese per Mausklick erneut.
Bei verschiedensten Begriffen findet sich außerdem innerhalb des Erklärungstexts ein kleines Lautsprechersymbol. Klicken Sie darauf, so spielt das Programm hinterlegte Sounddateien ab (zum Beispiel zur korrekten Aussprache eines Fremdwortes). Ein weiteres Schmankerl stellen die Leuchtstift- und Lesezeichenfunktionen der Office-Bibliothek dar: So markieren Sie besonders interessante Passagen in Texten je nach Wunsch farbig oder versehen sie mit einem Lesezeichen, um sie später zügig wiederzufinden. Selbstverständlich erlaubt es die Software, Texte auszudrucken oder zu speichern, sodass dem Weiterverarbeiten nichts im Wege steht.
Problemfall Korrektor
Mit der Duden Korrektor Starterbox bietet die Bifab AG einen eigenständig arbeitenden Korrektureditor für Texte in deutscher Sprache an, den das Unternehmen als unter Linux ablauffähig bewirbt (ISBN 3-411-70323-7, Preis: 9,95 Euro).
Als Systemvoraussetzungen nennt es hierbei unter anderem Suse ab Version 10.0 oder alternativ Distributionen mit Kernel 2.2.13 und höher sowie der Glibc ab Version 2.2.0. Da diese Kernel- und Glibc-Versionen bereits so betagt sind, dass sie de facto nirgendwo mehr im Einsatz sind, suggeriert dies dem Kunden, dass die Korrektor Starterbox auf nahezu allen gängigen und halbwegs aktuellen Linux-Distributionen läuft. Auf Anfrage – so ein Boxaufdruck – teile das Unternehmen zudem weitere Distributionen mit, unter denen die Korrektor Starterbox arbeitet.
Nach Öffnen der Box findet sich auf der Innenseite ein exakt zwei Zeilen umfassender Installationshinweis, demzufolge der Anwender die Datei dk_start.rpm wie ein Shell-Skript aufzurufen hat. Dieses absolut unübliche Vorgehen findet eine wenig erfreuliche Ergänzung in der Tatsache, dass die laut Beipackzettel aufzurufende Datei dk_start.rpm sich gar nicht auf der CD-ROM befindet. Stattdessen findet sich dort in einem Unterordner ein Tar-Archiv, das es zunächst zu entpacken gilt.
Nach dem Wechsel in das beim Entpacken entstandene Unterverzeichnis DKS-3.5.1-setup rufen Sie entweder das Shellskript ./setup.sh oder ./installer.sh auf. Beide Skripte produzieren nach Annahme der Lizenzbedingungen verschiedenste Fehlermeldungen, in manchen Fällen legen Sie jedoch noch nach Rückfrage eine veraltete Java-Version auf der Festplatte ab. Nach dieser Installationsprozedur sollte der Befehl ./start im Unterverzeichnis /opt/Duden/DudenKorrektorStarterbox das Programm aufrufen.
Support: Fehlanzeige
Leider passiert nach dem Programmstart in den meisten Fällen gar nichts. Im Test standen Systeme mit Suse 10.1, Mandriva LE 2005, Mandriva 2007, Ubuntu 6.06.1 LTS, SAM Linux 3-2006, CentOS 4.4 und Zenwalk 2.6 zur Verfügung. Unter SAM Linux 3-2006 ließ sich das Programm zwar starten, verweigerte aber die angepriesenen Korrekturdienste. Lediglich unter der bereits veralteten Version 2.6 des Slackware-Derivats Zenwalk zeigt sich die Starterbox zur Mitarbeit bereit.
Unter allen anderen Distributionen brach die Software beim Start mit verschiedensten Fehlermeldungen ab, die teils inkompatible Java-Aufrufe als Ursache anzeigten, meistens jedoch auf gravierende Fehler in den Shellskripten zurückgingen. Angesichts dieses schlichtweg desaströsen Programmpakets wächst der Wunsch, den Entwicklern der Bifab AG ernsthaft einen Grundkurs in Sachen Shellprogrammierung und Dokumentation nahezulegen, bevor sie sich dem Entwickeln anspruchsvoller Software widmen.
Genauso zuverlässig wie die Software als solche erwies sich die Bereitschaft der Bifab AG, auf Anfrage weitere unterstützte Distributionen mitzuteilen: Auf mehrere entsprechende E-Mails an die angegebenen Supportadressen reagierte das Unternehmen nicht. Lediglich einmal bestätigte eine automatisch generierte Antwort-Mail den Empfang der Anfrage, wobei diese E-Mail auf diverse, ebenfalls noch nicht gelöste Softwareprobleme mit dem Lexikon “Der Brockhaus multimedial” hinwies.
“Kauf mich!”
Einzig unter Zenwalk Linux 2.6 korrigierte die “Duden Korrektor Starterbox” mangels anderer funktionsfähiger Installationen vorbereitete Texte automatisch. Nach dem Aufruf des Programms fallen zunächst die penetranten Kauf mich-Buttons ins Auge. Im Hauptfenster befindet sich links oben ein solcher übergroßer Knopf. Beim Öffnen des Korrektor-Menüs fällt der Blick sofort auf einen weiteren Button dieser Art.
Der Verlag bietet auf diese Weise die großen Korrektorpakete an, wobei für Linux-Anwender einzig die OpenOffice-Suite mit der Duden-Rechtschreibprüfung für den Writer interessant sein dürfte. Für 49,95 Euro bekommen Sie dabei die andernorts kostenlose, bereits mit einer hervorragenden Rechtschreibkorrektur ausgestattete OpenOffice-Suite zusammen mit einer Software aus dem Hause Bifab AG.
Zusätzlich sind in diesem Paket noch das Fremd- und das Synonymwörterbuch sowie der die Ausgabe “Duden – Richtiges und gutes Deutsch” enthalten. Für professionelle Anwender im Sekretariat dürfte dieses Angebot insbesondere wegen der zusätzlichen Wörterbücher interessant sein. Für den Gelegenheitsschreiber hingegen ist in aller Regel die in OpenOffice bereits integrierte Rechtschreibprüfung vollkommen ausreichend.
Die Korrekturergebnisse der Starterbox erfüllen nur teilweise die Erwartungen (Abbildung 3). Zu bemängeln ist vor allem, dass die Software keine kontextabhängige Satzanalyse kennt, sondern Wort für Wort korrigiert. Dadurch ergeben sich teilweise die Lachmuskeln strapazierende Konstrukte. Sind zu viele orthographische Fehler in einem Satz vorhanden, so versagt die Software komplett den Dienst (Abbildung 4).
Unangenehm fällt weiterhin auf, dass sich nach einer manuellen Korrektur während des Programmlaufs jeweils nur der Button Neu starten anklicken lässt, sodass bereits verbesserter Text erneut durch die Korrektur läuft – für längere Manuskripte ein unbrauchbares Verfahren.
Fazit
Während die Brockhaus-Lexika und die linguistischen Duden-Nachschlagewerke unter der Oberfläche der Office-Bibliothek sowohl von den dargebotenen Such- und Editiermöglichkeiten als auch vom Datenbestand her voll überzeugen und daher durchaus ihr Geld wert sind, entpuppt sich die Duden Korrektor Starterbox als katastrophaler Marketing-Gag. Dieses Programm dürfte dazu geeignet sein, interessierte Kunden vom Kauf der Korrekturprogramme abzuhalten und dem positiven Image des Traditionsunternehmens Bifab AG ernsthaften Schaden zuzufügen.
Eine vollkommene Überarbeitung der “Duden Korrektor Starterbox” erscheint angezeigt, und zwar nicht nur wegen der gravierenden Mängel bei der Installation und Ablauffähigkeit des Programms, sondern auch im Hinblick auf die beworbenen vermeintlichen Fähigkeiten der Software. Mit dem derzeit angebotenen Produkt ist jedenfalls keinerlei Staat zu machen, und auch der angepriesene Service per E-Mail erscheint dringend verbesserungswürdig.
Infos
[1] Retrieval-Software: http://office-bibliothek.de/service
[2] Duden-Programm: http://www.duden.de
[3] Brockhaus-Produktpalette: http://www.brockhaus.de







