Datenabgleich mit Multisync, Kitchensync und Opensync

Aus LinuxUser 08/2006

Datenabgleich mit Multisync, Kitchensync und Opensync

Terminabsprache

Noch erfordert die Datensynchronisation zwischen Handy, PDA und PC eine sorgfältige Auswahl des Werkzeugs. Für KDE gibt es Kitchensync, für Evolution Multisync. Künftig soll Opensync das Verwirrspiel beenden.

Moderne Handys und PDAs erfüllen einen Traum des modernen Menschen im digitalen Zeitalter: Die Rufnummer eines neuen Bekannten speichert er direkt im Telefonspeicher, ein unterwegs vereinbarter Termin landet sofort im Kalender. Aber wirft das Mitglied der Kommunikationsgesellschaft dann zu Hause am Computer einen Blick auf seinen Zeitplan, stößt er unweigerlich auf Lücken – die unterwegs gespeicherten Einträge fehlen.

Alle Termine und Kontakte manuell vom Handy auf den PC zu übertragen, ist zeitaufwändig und wenig elegant. Es gilt also, alle Geräte automatisch zu synchronisieren, sodass ein neuer Kalendereintrag im Mobiltelefon auch auf dem Desktop-Kalender erscheint und umgekehrt.

Zu diesem Zweck existieren bislang zwei Standardlösungen: Multisync [1] gleicht über verschiedene Plugins Handys und PDAs mit der zum Gnome-Desktop gehörenden Groupwaresuite Evolution ab und überträgt Termine, Kontakte und anstehende Aufgaben in beide Richtungen. Wer statt Evolution die Kommunikationssuite KDE-PIM[2] bevorzugt, greift zu Kitchensync.

Multisync und Kitchensync sind voneinander allerdings vollkommen unabhängig und bieten verschiedene Plugins unterschiedlicher Qualität an. Das Projekt Opensync [3] hat sich zur Aufgabe gemacht, ein umfassendes Framework zu schaffen, das möglichst viele verschiedene Geräte und Programme miteinander synchronisiert.

Multisync

Das Programm Multisync steht unter allen großen Distributionen in der Version 0.82 zur Verfügung. Es ist bereits über zwei Jahre alt, weil die Entwickler die Arbeit am Projekt in seiner derzeitigen Form aufgegeben haben, um sich am Nachfolger Opensync zu beteiligen. Multisync läuft dennoch stabil, es kommen allerdings keine neuen Features mehr hinzu. Die nächst Ausgabe 0.90 verwendet bereits das neue Framework.

Die Installation von Multisync 0.82 erfolgt über den Paketmanager. Neben dem Programm multisync benötigen Sie die Plugins für Ihren Einsatzzweck. Um beispielsweise mit Evolution zu synchronisieren, installieren Sie unter Suse multisync-evolution oder unter Ubuntu libmultisync-plugin-evolution.

Um Daten per Infrarotschnittstelle oder Kabel mit einem Handy zu abzugleichen, empfiehlt sich bei den meisten Modellen das IrMC-Plugin; für eine Bluetooth-Verbindung existiert IrMC-Bluetooth. Wer Daten lediglich sichern möchte – ein Handy-Verlust ist noch ärgerlicher, wenn damit auch alle gespeicherten Telefonnummern weg sind – verwendet das Backup-Plugin.

Darüber hinaus gibt es Multisync-Plugins für Palm-Handhelds sowie für Linux-basierte PDAs mit der Opie-Oberfläche. Auf dem Desktop synchronisiert Multisync die Daten unterstützter Geräte mit den Komponenten der Groupware-Suite Evolution. Das SyncML-Plugin verwendet den gleichnamigen Standard, der SyncML-kompatible Geräte über das Internet auf einen Stand bringt. Der SyncML-Standard berücksichtigt zwar auch Bluetooth- und Kabelverbindungen, die Kombination aus solchen Verbindungen und SyncML beherrscht jedoch kein Linux-Programm.

Multisync straft den KDE-Desktop nicht mit völliger Ignoranz: Die Entwickler haben die Arbeit an einem Plugin für KAddressbook begonnen, allerdings nicht fertiggestellt. Dass die Multisync-Programmierer ihre Arbeit zu Gunsten von Opensync eingestellt haben, betrifft auch den Fortgang des KDE-PIM-Plugins. Suse liefert als einzige Distribution die unfertige Version dennoch aus, so dass Multisync unter dieser Linux-Variante Kalenderdaten auch mit KAddressbook synchronisiert.

Partnerbörse

Das Verfahren verläuft stets auf dieselbe Weise: Sie erstellen ein Paar aus zwei Datenquellen – egal ob Handy, PDA, Backup-Datei oder Evolution-Komponente. Die Synchronisation gleicht dann diese beiden Datenbestände miteinander ab. Um mehr als zwei Datenbänke auf dem gleichen Stand zu halten, verwenden Sie mehrere Paare, die Sie miteinander synchronisieren.

Nach dem Start von Multisync steht zuerst das Anlegen eines neues Synchronisationspaars über den New-Button an. Im Einstellungsdialog wählen Sie zwei Plugins aus und aktivieren die abzugleichenden Datentypen – Kalender, Adressbücher und Aufgabenlisten (Abbildung 1). Über den Button Options eines Plugins konfigurieren Sie die Geräteeinstellungen; die möglichen Optionen hängen vom Gerätetyp ab.

Abbildung 1: Wie hier mit Multisync verläuft die Synchronisation mehrerer Geräte immer paarweise.

Abbildung 1: Wie hier mit Multisync verläuft die Synchronisation mehrerer Geräte immer paarweise.

Im IrMC-Einstellungsdialog für Mobiltelefone suchen Sie zunächst den Verbindungstyp (Connection type) und davon abhängig den Namen eines Infrarotgeräts, die serielle Schnittstelle für Kabelverbindungen oder die Bluetooth-Adresse aus (Abbildung 2). Im Evolution-Plugin wählen Sie dagegen den abzugleichenden Kalender oder die Adressdatenbank.

Im Reiter Synchronize Options bestimmen Sie für das ausgewählte Synchronisationspaar die Details wie den Intervall eines automatischen Abgleichs und die Umgang mit doppelten Einträgen. Tauchen zwei gleichnamige Datensätze auf, fragt Multisync den Benutzer nach einer Lösung, vertraut im Zweifel nur einer der beiden Quellen oder nimmt widersprüchliche Angaben in Datenbanken hin.

Abbildung 2: Die Konfiguration einer Verbindung hängt vom Typ ab – das IrMC-Plugin synchronisiert Handys über Bluetooth, Kabel oder Infrarot.

Abbildung 2: Die Konfiguration einer Verbindung hängt vom Typ ab – das IrMC-Plugin synchronisiert Handys über Bluetooth, Kabel oder Infrarot.

Sind beide Plugins eines Synchronisationspaars konfiguriert, erscheint ein Eintrag dafür im Multisync-Hauptfenster (Abbildung 3). Ein Klick auf den Button Sync gleicht die beiden Quellen nun miteinander ab. Wer die Ergebnisse der Aktion kontrollieren möchte, findet unter Log ein Protokoll.

Abbildung 3: Das bislang eigenständige Programm Multisync synchronisiert verschiedene Datentypen mit Evolution. Künftige Version dienen als Frontend für das umfassende Opensync.

Abbildung 3: Das bislang eigenständige Programm Multisync synchronisiert verschiedene Datentypen mit Evolution. Künftige Version dienen als Frontend für das umfassende Opensync.

Aktivieren Sie das Häkchen in der Spalte Auto neben einem Paar, führt Multisync die Synchronisation regelmäßig durch. Starten Sie das Programm beispielsweise automatisch beim Desktop-Login und verwenden eine Bluetooth-Verbindung, liest Multisync Ihr Handy aus, sobald es sich in Reichweite befindet. Die Menüoption OptionsStart hidden verhindert beim automatischen Start, dass das Multisync-Fenster Platz wegnimmt.

Kitchensync

KDE-Anwender finden mit Kitchensync ein Synchronisationswerkzeug, das mit den Komponenten der KDE-PIM-Suite [2] –dem KDE-Adressbuch und dem Kalender KOrganizer – zusammenarbeitet. Außerdem verfügt Kitchensync über einen so genannten Konnector für IrMC, um Mobiltelefone anzusprechen. Andere Geräte berücksichtigt dieses Programm nicht.

Auch Kitchensync gehört zu jeder großen Distribution. Suse versteckt es im Paket kdepim3-sync. Einige Linux-Varianten wie Ubuntu verpacken das IrMC-Plugin gesondert unter kdebluetooth-irmcsync. Nach der Installation startet das Kommando kitchensync das Programm (Abbildung 4). Wer das übersichtlichere Design von Multisync bevorzugt, findet im Kitchensync-Paket außerdem über den Aufruf multisynk eine alternative Kitchensync-Oberfläche (Abbildung 5) mit dem Layout des Namensvettern Multisync.

Abbildung 4: Kitchensync gleicht die KDE-Komponenten KOrganizer und KAddressbook mit Mobiltelefonen und Web-Diensten ab.

Abbildung 4: Kitchensync gleicht die KDE-Komponenten KOrganizer und KAddressbook mit Mobiltelefonen und Web-Diensten ab.

Abbildung 5: Wer die Benutzerführung des Gnome-Programm Multisync bevorzugt, findet mit Multisynk ein auf Kitchensync basierendes Äquivalent.

Abbildung 5: Wer die Benutzerführung des Gnome-Programm Multisync bevorzugt, findet mit Multisynk ein auf Kitchensync basierendes Äquivalent.

Die Konfiguration von Multisynk erfolgt ähnlich wie bei Multisync. Der Menüpunkt DateiNeu erzeugt ein neues Synchronisationspaar; zur Verfügung stehen hier außer dem IrMC-Plugin das Adressbuch sowie der Kalender von KAddressbook und KOrganizer. Der Eintrag Lokaler Konnector ermöglicht die Angabe beliebiger Adressbuch- und Kalenderdateien.

Haben Sie einen PDA mit Linux-Betriebssystem und Opie-Oberfläche, beispielsweise einen Sharp Zaurus, wählen Sie das Qtopia-Plugin. Der Fern-Konnector schließlich ermöglicht die Synchronisation mit einem Internet-Server. Sind beide Plugins konfiguriert, erscheint das angelegte Paar im Multisynk-Fenster, der Menüpunkt DateiAbgleichen bringt ihre Daten auf den gleichen Stand.

Angestaubt

Die traditionelle Kitchensync-Oberfläche bietet mit völlig anderer Oberfläche dieselben Möglichkeiten wie Multisynk. Zunächst richten Sie über den Menüpunkt SettingsConfigure KitchenSync… die als Ressourcen bezeichneten Komponenten ein, die Sie synchronisieren möchten. Möchten Sie ein externes Gerät abgleichen, wählen Sie KitchenSync-Konnector. Der Button Add… öffnet ein neues Dialogfenster, in dem Sie eines der bereits unter Multisynk beschriebenen Plugins auswählen.

Die Konfiguration der Konnectoren erfolgt über Edit…; beispielsweise wählen Sie bei einer IrMC-Verbindung den Verbindungstyp und die Kabelschnittstelle respektive Bluetooth-Adresse aus. Sind zwei Quellen eingetragen, gleicht diese ein Klick auf den Synchronize-Button des Hauptfensters miteinander ab.

Goldene Zukunft

Die existierenden Synchronisationslösungen für Linux lassen einige Wünsche offen. Multisync arbeitet zwar äußerst zuverlässig, jedoch nur mit Evolution zusammen. Kitchensync dagegen enthält noch einige Fehler, die vor allem nach dem Löschen von Ressourcen auftreten – danach eingetragene Geräte ignoriert es gelegentlich. Die traditionelle Kitchensync-Oberfläche schreckt außerdem durch eine verwirrende Benutzerführung ab, aber dieses Problem löst Multisynk.

Für das Nachfolgeprojekt Opensync [3] wird es also höchste Zeit. Es synchronisiert neben Kalendern, Adressbüchern und Aufgabenlisten auch Verzeichnisinhalte. Allerdings befindet sich das Projekt noch in den Anfängen seiner Entwicklung und integriert bisher nur wenige Plugins in die grafische Oberfläche. Bei dieser handelt es sich um Multisync, das ab Version 0.90 nicht mehr als vollständiges Programm, sondern nur noch als Opensync-Frontend dient.

Für Opensync existieren bereits zahlreiche Plugins: Auf Desktop-Seite kennt es Evolution, die KDE-PIM-Komponenten und Sunbird [4], den Kalender des Mozilla-Projekts. Diese gleicht es unter anderem mit Palm-, Windows-CE- und Opie-PDAs sowie mit Handys über IrMC und Gnokii [5] ab. Darüber hinaus synchronisiert Opensync die Inhalte von Verzeichnissen oder speichert Datenquellen im Dateisystem.

Im derzeitigen Entwicklungsstadium erfüllt Opensync jedoch lediglich mit dem Kommandozeilenwerkzeug msynctool seine Aufgaben; die Plugins für Multisync funktionieren bis auf die Dateisynchronisation noch nicht.

Mit MSynctool legen Sie zunächst mit dem Befehl msynctool --addgroup Gruppenname eine Synchronisationsgruppe an, der Sie anschließend beispielsweise mit msynctool --addmember Gruppenname irmc-sync Mitglieder hinzufügen. Diese konfigurieren Sie per Text-Editor in einer XML-Datei über msynctool --configure Gruppenname 1, wobei die Ziffer für die Nummer des Plugins in der Gruppe steht. Diese finden Sie mit multisync --showgroup Gruppenname heraus. multisync --sync Gruppenname gleicht die Gruppenmitglieder schließlich miteinander ab.

Die Plugin-Konfiguration unterscheidet sich je nach Datentyp, [6] dokumentiert sie näher. Doch auch für Anwender mit Kommandozeilenaffinität gestaltet sich die Opensync-Bedienung über MSynctool so kompliziert, dass sie der alltäglichen Benutzung im Wege steht. Wer es dennoch ausprobieren möchte, findet auf der Heft-CD den Quelltext sowie Debian-Pakete. Ubuntu- und Debian-Anwender finden die jeweils aktuelle Version außerdem unter [7]. Am bequemsten haben es Fedora-Benutzer, im Extras-Repository liegt Opensync mitsamt einiger Plugins bereit.

Fazit

Als einzige zuverlässig funktionierende Lösung existiert derzeit Multisync – allerdings nur für Evolution-Benutzer. Bei Kitchensync schränken einige Bugs die Funktionalität ein und Opensync fehlt bislang die Benutzeroberfläche. Dennoch lässt die Entwicklung von Opensync darauf hoffen, dass dieses Framework künftig eine zufriedenstellende und umfassende Synchronisationslösung für Linux liefert.

Glossar

PDA

Ein Personal Digital Assistant, auch Handheld genannt, ist ein Mini-Computer mit einem spezialisierten Betriebssystem. Die Oberfläche umfasst meist nur Anwendungen wie Kalender, Adressbuch sowie ein Synchronisationswerkzeug, häufig kommen E-Mail-Programme und kleine Office-Anwendungen hinzu.

PIM

Personal Information Manager steht übergreifend für Software, die die Organisation des Alltags von Personen oder Gruppen erleichtert. Dazu zählen Kalender, Adressverwaltungen, Aufgabenlisten und im weiteren Sinne auch E-Mail-Programme.

Bluetooth

Ein Standard für die Vernetzung von Geräten über kurze Distanz über Funk zur Übertragung beliebiger Daten. Bislang verwenden Bluetooth vor allem Handys und PDAs, aber auch Kopfhörer sowie einige Drucker, Tastaturen und Mäuse. Die Reichweite beträgt maximal etwa 20 Meter.

IrMC

(Infrared mobile communication) Ursprünglich zum Datenaustausch mit mobilen Geräten über Infrarotverbindungen konzipiert, dient IrMC inzwischen auch zur Kommunikation via Bluetooth oder Datenkabel.

Infos

[1] Multisync: http://www.multisync.org

[2] Kitchensync: http://pim.kde.org

[3] Opensync: http://www.opensync.org

[4] Sunbird: http://www.mozilla.org/projects/calendar/sunbird

[5] Gnokii: http://www.gnokii.org

[6] Opensync-Dokumentation: http://www.opensync.org/wiki/doc

[7] Opensync-Debian-Pakete: http://www.in.fh-merseburg.de/~jahn/

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