Die Banshees der irischen Mythologie kündigten durch ihren Klagegesang den nahen Tod eines Familienangehörigen an. Der unter Linux laufende Namensvetter erzeugt ebenfalls Töne – erfreulicherweise aber mit anderem Ziel – und hilft beim Origanisieren der heimischen Musiksammlung.
Wer hunderte Musiktitel digitalisiert auf seinem PC speichert, kommt um einen gewissen Grad an Organisation nicht herum. Auch unter Linux setzte sich der von Apples iTunes eingeläutete Trend zu leistungsfähigen und dennoch einfach zu bedienenden Audio-Playern fort. Dieser Artikel stellt das in Mono geschriebene Audio-Programm Banshee vor, das eine stetig wachsende Fangemeinde um sich schart. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der derzeit aktuellen Banshee-Version 0.10.8 unter Ubuntu Dapper Drake sowie unter Debian Sid.
Installation
Banshee basiert auf dem Mono-Framework und bedarf der Installation zahlreicher Abhängigkeiten, bevor es losgeht. Glücklicherweise existieren vorkompilierte Pakete für neuere Versionen der Distributionen Suse, Debian, Ubuntu, Fedora, Gentoo, Mandriva und Foresight. Eine Anleitung auf der Banshee-Homepage [1] beschreibt, wie die jeweiligen Installationsquellen in das System einzubinden sind.
Der Installationsumfang hängt dabei von den gewünschten Funktionen ab: Da Banshee auf das GStreamer-Framework aufsetzt, setzt es die zum Abspielen der gewünschten Audioformate benötigten GStreamer-Plugins voraus, etwa jene für Ogg oder MP3. Unter Ubuntu Dapper und Debian Sid installieren Sie dazu die Pakete gstreamer0.10-plugins-base, gstreamer0.10-plugins-good und gstreamer0.10-plugins-ugly.
Bei einer anderen Distribution – oder aber für die jeweils neueste Banshee-Version – heißt es die Ärmel hochkrempeln und die Quellpakete von Hand kompilieren. Da dies aufgrund der zu lösenden Abhängigkeiten ein zwar gangbarer, aber sehr aufwändiger Prozess ist, sei an dieser Stelle auf die Anleitung [2] der Banshee-Homepage verwiesen.
Füttere mich
Sind die Hürden der Installation gemeistert, empfiehlt es sich, vor dem Import der Musikkollektion die Programmeinstellungen unter EditEinstellungen aufzurufen. Das Programm nutzt diese später im Betrieb, etwa beim Brennen von Audio-CDs. Da die Programmoberfläche noch nicht in Deutsch vorliegt, helfen zumindest grundlegende Englisch-Kenntnisse, um durch die Menüs zu navigieren.
Die übersichtlich gestalteten Einstellungen unterteilen sich in die Bereiche Library, Encoding, Burning und Advanced. Unter Library gilt es, den Pfad zum Banshee-Musikordner einzustellen und anzugeben, ob Banshee die Audiodateien aus der noch zu importierenden Bibliothek dorthin kopieren soll. Eine nützliche Funktion für Laptop-Benutzer, deren Audiodateien auf dem PC oder Server lagern und die auch unterwegs nicht auf ihren Musikschatz verzichten möchten.
Der Reiter Encoding enthält Angaben zum Dateiformat und der Bitrate, mit welcher Audio-CDs auf die Festplatte zu übertragen sind. Hier finden sich hier auch die Einstellungen für Apples MP3-Player iPod, falls dieser vorhanden ist. Burning enthält die Vorgaben zum Brennen von CDs (Abbildung 2). Der Reiter Advanced zeigt an, welche Audio-Engine Banshee verwendet.
Der Import der Musikbibliothek findet mittels MusicImport Music statt. Das Einlesen von etwa 740 lokal gespeicherten Ogg- und MP3-Dateien galt es im Test mehrfach zu wiederholen, bis alle Stücke importiert waren, da Banshee sich ab und an verschluckte und gewaltsam mittels kill zur Aufgabe gezwungen werden musste.
Nach dem ersten erfolgreichen einlesen gelangen auch nachfolgende Importe ohne weitere Schwierigkeiten. Mühelos verlief die Kontaktaufnahme mit einem Apple iPod MP3-Player: Kaum in den USB-Port eingesteckt, zeigte Banshee die darauf gespeicherte Song-Bibliothek an. Musikstücke ließen sich widerstandslos zwischen Banshee und iPod übertragen.
Banshee-Plugins
Banshee enthält folgende über EditPlugins… aufzurufende Plugins:
Audioscrobbler: Sendet Informationen zu den in Banshee abgespielten Musikstücken an die Last.fm-Webseite. Dieses Plugin benötigt ein Last.fm-Benutzerkonto. Praktischerweise erlaubt das Plugin das Anlegen unter Configuration. Die Informationen sehen Sie unter http://www.last.fm/user/benutzername im Web ein (siehe [5]).
Music Sharing: Zeigt anderen Benutzern von Banshee, Rhythmbox und iTunes die eigene Musikbibliothek an. Das Aktivieren des Plugin setzt die Pakete banshee-daap und avahi-daemon voraus.
File System Monitor: Überwacht den Status des Musikordners und aktualisiert bei Bedarf die Audiobibliothek.
Multimedia Keys: Fügt die Unterstützung für unter GNOME konfigurierte Multimedia-Tasten hinzu.
Metadata Searcher: Durchsucht die Audiobibliothek und ergänzt bei Bedarf automatisch fehlende Titel-Informationen und Album-Cover.
Notification Area Icon: Zeigt das Programmsymbol im Benachrichtigungsfeld des Gnome-Panel an.
Wiedergabelisten
Nach erfolgtem Import der Musikstücke macht die in zwei Bereiche eingeteilte Benutzeroberfläche einen angenehm aufgeräumten, fast spartanischen Eindruck. Der linke Abschnitt enthält zu Beginn nur den Eintrag Music Library, dessen Inhalt der rechte Bereich anzeigt. Die aus Rhythmbox [3] oder Amarok [4] bekannten intelligenten Wiedergabelisten, die zum Beispiel die zuletzt gespielten Stücke anzeigen, kennt Banshee zurzeit nicht.
Das Anlegen von Listen oder das Stöbern in der Musikkollektion erleichtert die oben rechts gelegene Suchleiste: Tippt man dort einen Suchbegriff ein, zeigt die Liste im darunterliegenden Bereich alle Treffer an. Mit Hilfe der Spaltenköpfe lassen sich die Treffer weiter sortieren, etwa nach Künstler oder Genre. Praktisch: Die Reihenfolge der Spalten ist frei konfigurierbar, die Spaltentitel lassen sich bei gedrückter linker Maustaste an die gewünschte Position ziehen.
Um die gesamte Trefferliste einer Wiedergabeliste hinzufügen, markieren man diese mit [Strg]+[A] und öffnet mit einem Rechtsklick das Kontextmenü. Anfangs existiert noch keine Wiedergabeliste, sie muss mit Add to PlaylistNew Playlist erst angelegrt werden. Durch einen Rechtsklick auf die neu erstellte Wiedergabeliste und die Auswahl von Rename Playlist lässt sich deren Namen anpassen. So ensteht nach und nach eine persönlichen Wiedergabeliste.
Tags vs Metadata
Der Punkt Edit Song Metadata im Kontextmenü erlaubt das komfortable Editieren von Titelinformationen. Ein erster Versuch, die in ID3-Tags gespeicherten Titelinformationen einer Musikkollektion auf einem gemounteten Samba-Share zu bearbeiten, führte zu einem überraschenden Ergebnis: Zwar übernahm Banshee alle Änderungen umgehend, doch ignorierten andere Audioplayer, die ebenfalls auf diese Daten zugriffen, die Modifikationen.
Nach kurzer Recherche stellte sich heraus, dass Banshee vorhandene ID3-Tags zwar liest, aber Änderungen nicht in die ID3-Tags zurückspeichert. Banshee legt sämtliche Titelinformationen in einer Sqlite-Datenbank ab, die sich unter ~/.gnome2/banshee/banshee.db findet. Dort nutzen sie anderen Jukebox-Programmen nichts.
Vom Rippen und Brennen
Banshee macht es leicht, der Musikkollektion neue Audio-CDs hinzuzufügen. Nach dem Einlegen der Disk führt Banshee automatisch eine Abfrage der CD-Informationen durch und zeigt daraufhin den Albumtitel im linken Fensterbereich an. Klickt man nun auf den Albumtitel, erscheinen die einzelnen Stücke im rechten Bereich, und die Schaltfläche Write CD ändert sich in Import CD.
Auch das Brennen von Ogg- und MP3-Dateien ist kinderleicht: Mittels Wiedergabe- oder Suchliste stellt man eine CD zusammen und klickt auf Write CD, um zum Beispiel eine Audio-CD für den Player im Auto anzufertigen. Sämtliche Tests, auch mit verschiedenen Ausgangsformaten, absolvierte Banshee mit Bravour.
Fazit
Einige Funktionen, wie zum Beispiel das Auslesen und Brennen von Audio-CDs oder auch das simple Einbinden eines iPod-MP3-Players, überzeugen auf ganzer Linie. Zudem ist Banshee auch optisch ein Leckerbissen. Als eher umständlich fiel im Test das Anlegen von Wiedergabelisten auf.
Der Sonderweg, den Banshee beim Speichern der Titelinformationen geht, erscheint äußerst fragwürdig. Allerdings gibt das frühe Entwicklungsstadium und die rasant fortschreitende Arbeit am Programm Anlass zur Hoffnung. Ob Lieblingsprogramm oder nicht: Banshee macht sicher auch in Zukunft von sich reden.
Glossar
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Mono
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Eine zu Microsofts .NET kompatible Entwicklungs- und Laufzeit-Umgebung für Software. Das Open-Source-Projekt wird hauptsächlich von Novell (Ximian) vorangetrieben.
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ID3
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Kurz für “Identify an MP3” – Zusatzinformationen, die in Audiodateien des MP3-Formats enthalten sein können. Dazu zählen beispielsweise Angaben zum Titel, Interpreten und der Musikrichtung.
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Sqlite
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Schlanke Programmbibliothek, die ein relationales Datenbanksystem beinhaltet. Sqlite lässt sich direkt in Anwendungen integrieren. Abgesehen von den Zugriffsberechtigungen auf das Dateisystem kennt Sqlite keine Benutzer- oder Zugriffsrechte für die Datenbank.
Infos
[1] Banshee-Homepage http://banshee-project.org
[2] Installation aus Quellen http://banshee-project.org/Banshee_Source
[3] Rhythmbox-Homepage http://www.gnome.org/projects/rhythmbox
[4] Amarok-Homepage http://amarok.kde.org
[5] Last.fm-Homepage (Audioscrobbler) http://www.last.fm







