Das Softwarepaket Omnitux richtet sich an Kinder im Vor- und Grundschulalter. Ein Autorensystem sorgt für Kontrolle beim Lernen und Spielen.
Gerade auf Kinder im Vor- und Grundschulalter übt der Computer eine magische Anziehungskraft aus. Um dieses Interesse in die richtigen Bahnen zu lenken und für die Kinder gleichzeitig einen Lerneffekt erzielen, brauchen Sie altersgerechte Software. Linux bietet Ihnen dabei wesentlich mehr Flexibilität als proprietäre Systeme und Lösungen: Bei deren Konzeption steht in vielen Fällen weniger die kindliche Entwicklung im Vordergrund als vielmehr das kommerzielle Interesse des Herstellers.
Speziell die Altersgruppe der Drei- bis Sechsjährigen, die noch nicht lesen und schreiben können, taucht bei Software-Entwicklern zudem selten als Zielgruppe auf. Für diese Kinder eignen sich primär Programme, die auf spielerische Weise kognitive Fertigkeiten wie Konzentration, Zuordnung, Assoziation und Gedächtnis trainieren.
Die recht neue Spielesammlung Omnitux legt genau hierauf den Fokus. Sie steht zudem als freie Software unter der GPL und liegt seit kurzem in der Version 1.0.0 auf dem Server [1]. Omnitux besteht aus einem grafisch und multimedial anspruchsvoll gestalteten Bündel von Spielen, die die verschiedenen Aspekte der Entwicklung kleinerer Kinder berücksichtigen.
Installation
Auf der Projektseite sowie auf der Heft-DVD finden Sie vorkompilierte Pakete sowohl für Fedora und OpenSuse als auch für auf Debian basierende Distributionen. Verwenden Sie keine Distribution, die auf RPM- oder DEB-Pakete setzt, laden Sie Omnitux als Quellcode von der Projektseite herunter und kompilieren es selbst. Ein Download in akzeptabler Zeit setzt jedoch eine schnelle Netzwerkanbindung voraus, da das Programmpaket mehr als 125 MByte umfasst.
Im Test ließen sich auf Anhieb allerdings weder das RPM- noch das DEB-Paket unter aktuellen Distributionen installieren, da Omnitux für einen reibungslosen Betrieb das Python-pygame-Archiv zwingend benötigt, und zwar in einer neuen Variante ab Version 1.7. Das erhalten Sie fertig kompiliert für OpenSuse [2], verschiedene Fedora-Systeme [3] und für Ubuntu [4].
Nach Installation des PyGame-Pakets ließ sich die eigentliche Software problemlos auf die Festplatte packen. Die Routine legt dabei unter Gnome – sofern nicht schon vorhanden – im Menü Anwendungen ein Untermenü Bildung an, in dem Sie den Starter für Omnitux finden.
Omnitux startet mit einem kleinen Ruckler im Vollbildmodus, wobei es die Größe der Grafiken automatisch der jeweiligen Auflösung anpasst. Der Startbildschirm erscheint auch für kleine Kinder verständlich und einfach zu bedienen: Aus der Mondperspektive sehen Sie eine kleine Weltkugel mit dem Pinguin Tux davor. Um dieses Symbol herum finden sich neun Spielegruppen und zuoberst ein Auswahlfeld für die Sprachwahl. Oben rechts im Bild befindet sich ein kleiner Schalter zum Verlassen des Programms. Die jeweilige Auswahl nehmen Sie ausschließlich mit der Maus vor, wobei als Mauszeiger das Symbol einer überdimensionierten rechten Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger zum Einsatz kommt.
Einfache Navigation
Generell folgt das Bedienkonzept von Omnitux einer einfachen Regel: Eine weiße Hand in blauem Kreis mit ausgestrecktem Zeigefinger am Rand eines Auswahlfensters bedeutet stets, dass ein Klick hierauf ein Menü zurück führt. Befindet sich eine geöffnete Tür mit einem Pfeil im roten Kreis im Übungsfenster, so bedeutet dies, dass ein Klick die jeweilige Lektion beendet und das Programm zur Gruppenauswahl zurückkehrt.
Innerhalb der Auswahlfenster gruppieren sich die einzelnen, durch ein Symbol visualisierten Lektionen jeweils um die mittig angeordnete Weltkugel. So sehen Sie alle Übungen einer Untergruppe auf einen Blick. Berührt der Mauszeiger eines der Symbole, so zeigt die Software am unteren Bildrand das Thema der Lektion an. Die konsequente Verwendung dieser wenigen, eingängigen Symbole macht die Software auch für Ungeübte leicht verständlich (Abbildung 1).
Nach dem ersten Start stellen Sie zunächst die Lokalisation der Software richtig ein. Omnitux unterstützt neben Deutsch auch Englisch, Französisch, Polnisch und Portugiesisch. Die gewünschte Sprache erreichen Sie durch Klicken auf die entsprechenden Flaggen im Hauptfenster.
Direkt nach dem Start der Spielesammlung ertönt meditative Musik. Sämtliche Spiele und Übungen von Omnitux haben die Entwickler mit verschiedenen Kompositionen unterlegt, die selbstverständlich unter freien Lizenzen stehen. Zusätzlich untermalt das Programm in einigen Lektionen Zahlen und Buchstaben akustisch. Damit sich kleine Kinder die Symbole besser einprägen, benennt ein Sprecher beispielsweise beim Abheben von Memory-Karten das Gezeigte.
Abwechslung
Durchaus anspruchsvoll und abwechslungsreich verzweigt das Auswahlfeld Kunst in ein Untermenü mit verschiedensten Übungen: So finden sich hier nicht nur Spiele mit musikalisch-künstlerischem Thema, sondern auch geografische Lektionen. In diesen gilt es, Fotos mit Bauwerken entweder anhand einer Deutschland- oder einer Weltkarte einem Ort zuzuordnen (Abbildung 2). Selbst Erwachsene, die nicht alle architektonischen Wahrzeichen kennen, lernen hier noch etwas dazu. Ein Zufallsgenerator sorgt für ständig wechselnde Motive innerhalb einer Übungsgruppe.
Die Übungen in der Gruppe Puzzles stellen bereits höhere Anforderungen an den Anwender. Daher erlaubt es die Software, bei den meisten Spielen unterschiedliche Schwierigkeitsgrade einzustellen. Kleine Tux-Symbole symbolisieren dabei die verschiedenen Stufen. Auch kleinen Kindern erschließt sich sofort: Je mehr Pinguine sich aneinander scharen, desto komplizierter fällt die Lektion aus.
Im Bereich der (noch nicht lokalisierten) Rubrik Differences bietet die Software anhand von realen Fotos und Cartoons Übungen, um die visuelle Auffassungsgabe und die Konzentrationsfähigkeit zu fördern. Ähnlich wie auf einem Blatt Papier gilt es, die Unterschiede zwischen zwei vordergründig gleichen Bildern zu markieren. Nach einem Mausklick an der richtigen Stelle setzt die Software automatisch rote Kreise an die jeweiligen Bildbereiche. Da es nur zwei Bilder in kräftigen Farben zu vergleichen gilt, fallen diese Lektionen auch kleinsten Kindern leicht (Abbildung 3).
Autorensystem
Als besonderes Schmankerl bietet Omnitux ein Autorensystem, das Ihnen gestattet, die Programme durch eigene Beiträge zu modifizieren und zu erweitern. Insbesondere im Bereich der Lern- und Bildungssoftware erscheint diese Möglichkeit höchst interessant, weil sie Pädagogen die Möglichkeit bietet, auch ohne Programmierkenntnisse zielgruppen- und lehrinhaltsspezifische Lektionen zu entwerfen.
Omnitux hinterlegt die einzelnen Spiele und Übungen als XML-Dateien. Fügen Sie nun eine neue Datei mit entsprechender Syntax hinzu, erscheint diese als Lektion im Programm. Ein Beispiel dazu sowie eine ausführliche Anleitung zum Anlegen neuer Übungen finden Sie im Netz [5].
Fazit
Mit Omnitux steht unter Linux eine weitere schöne Spielesammlung bereit, in diesem Fall sogar mit leistungsfähigem Autorensystem. Sie unterstützt vor allem Pädagogen und Ergotherapeuten dabei, Kinder im Vor- und Grundschulalter individuell zu fördern wollen. Schon in der Grundversion bietet das Programm eine stattliche Anzahl ansprechend gestalteter Übungen, wie Sie sie selbst bei kostspieligen und weniger flexibel gestalteten proprietären Programmen kaum finden.
Die Software überzeugt zudem durch ein durchgängig durchdachtes und an der Zielgruppe orientiertes Bedienkonzept, das den sofortigen Einstieg ohne langes Einarbeiten leicht macht. Aufgrund der einfachen Erweiterbarkeit mithilfe eigener Übungen eignet sich die Software auch für spezielle Einsatzfelder. Die stellenweise noch nicht ganz abgeschlossenen deutsche Lokalisierung in den Auswahlfeldern mindert den Nutzen nicht.
Infos
[1] Download: http://omnitux.sourceforge.net/index.de.php
[2] Python-pygame (OpenSuse): http://software.opensuse.org/search
[3] Python-pygame (Fedora): http://www.rpmseek.com
[4] Python-pygame (Ubuntu): http://packages.ubuntu.com
[5] Howto: http://omnitux.sourceforge.net/customization.de.php








