Ubuntu One Music Store: Top oder Flop?

Ubuntu One Music Store: Top oder Flop?

Let the music play

Musik scheint auch unter Linux eine gute Einnahmequelle zu sein. Nachdem Amarok und Rhythmbox mit Magnatune immerhin ein paar Hundert Dollar verdient haben, steigt nun Ubuntu groß ins Geschäft ein.

Die kommende LTS-Version Ubuntu 10.04 alias Lucid Lynx wird einen kommerziellen Musikshop enthalten, der sich Ubuntu One Music Store nennt und vorerst in die Gnome-Jukebox Rhythmox, später auch in andere Musikplayer integriert werden soll. Der Ubuntu One Music Store befindet sich zurzeit in einer geschlossenen Testphase, die täglichen Lucid-Builds zeigen lediglich einen Hinweis an, dass der Shop demnächst verfügbar sein wird.

Bei der ersten Kontaktausnahme installiert Ubuntu die fehlenden Plugins für die MP3-Wiedergabe nach.

Bei der ersten Kontaktausnahme installiert Ubuntu die fehlenden Plugins für die MP3-Wiedergabe nach.

Im Anfang war Magnatune

Kommerzielle Musikanbieter innerhalb freier Software sind kein Novum. Der KDE-Player Amarok bindet schon seit mehreren Jahren den Musikdienst Magnatune ein, einzelne Songs oder komplette Alben lassen sich direkt in Amarok kaufen. Auch Rhythmbox verfügt inzwischen über eine Magnatune-Anbindung, die dem Gnome-Projekt bislang rund 614 US-Dollar eingespielt hatten, wie Magnatune-Gründer John Buckman Anfang März in seinem Blog berichtete.

Delikates Detail: Da Ubuntu den generischen Rhythmbox-String zu einem Ubuntu-String geändert hat, stehen Canonical ebenfalls etwas mehr als 100 USD aus den Rhythmbox-Verkäufen zu. Buckman will aber mit der Überweisung noch abwarten, ob Canonical den kleinen Betrag tatsächlich für sich behalten wolle oder doch lieber dem Gnome-Projekt überlasse. Zahlen von Amarok liegen nur für das Jahr 2008 vor. Damals hatte Buckman dem Amarok-Projekt einen Scheck über 1156 USD ausgestellt. Die Zahlen stehen jeweils für zehn Prozent des mit den Verkäufen erreichten Umsatzes.

Die Umsätze mit Magnatune haben in letzter Zeit leider etwas abgenommen, da Magnatune Kreditkarten nicht mehr direkt belasten will und die Käufer deshalb zunächst im Magnatune-Shop Gutscheincodes kaufen müssen, die Sie dann über das Amarok-Frontend einlösen können (unter Rhythmbox funktioniert der Kauf zurzeit aufgrund dieser Änderung nicht).

Ubuntu One Music Store: U1MS

Nun steigt Canonical also mit einem eigenen Shop in dieses Business ein. Da Canonical selbst keine Musik anbietet, musste man sich für den Musikverkauf einen externen Provider suchen. Die Wahl fiel auf 7digital, da dieser von den Anbietern ohne DRM das breiteste Angebot bietet. In den Genuss des kompletten Angebots kommen zunächst nur die Nutzer in den USA, England und Deutschland. Sie können auf alle vier großen Labels zugreifen, die 7digial anbietet.

Der Rest der EU muss sich mit zwei großen Labels begnügen, während alle Ubuntu-Nutzer außerhalb der EU und außerhalb der USA nur Stücke der unabhängigen Labels kaufen können — ein Angebot, das in etwa Magnatune entspricht. Canonical will die Wahl der Länder nach dem Launch des Shops im April überprüfen und das Angebot nach Möglichkeit erweitern.

Im leeren weißen Feld erscheint demnächst eine HTML-Seite von 7digital.

Im leeren weißen Feld erscheint demnächst eine HTML-Seite von 7digital.

Der Shop ist als Rhythmbox-Plugin realisiert, das sich wahlweise auch deaktivieren lässt.

Der Shop ist als Rhythmbox-Plugin realisiert, das sich wahlweise auch deaktivieren lässt.

Ab in die Cloud

Der neue Shop heißt nicht 7digital-Store, auch nicht Ubuntu Music Store sondern Ubuntu One Music Store. Canonical bringt bei der Realisierung somit die Cloud ins Spiel. Die DRM-freien Songs im MP3-Format mit einer Bitrate von mindestens 256 kbit/s landen nach dem Kauf nicht auf dem lokalen Rechner, sondern in der Ubuntu-One-Wolke. Von hier synchronisiert sie dann der Ubuntu-One-Dienst nach .local/share/ubuntuone.

Das ist praktisch, da die Musikstücke so automatisch auf jedem Rechner mit Ubuntu-One-Account landen, sperrt allerdings sämtliche Nutzer aus, die nicht auf die Ubuntu-One-Cloud zugreifen möchten, weil sie entweder generell skeptisch gegenüber Online-Speicherlösungen eingestellt sind oder nicht darauf zugreifen können, weil Sie gar kein Ubuntu benutzen.

Nach dem Kauf wandern die Songs in die Cloud und werden dann per Symlink nach .ubutuone verfrachtet.

Nach dem Kauf wandern die Songs in die Cloud und werden dann per Symlink nach .ubutuone verfrachtet.

Der letztere Punkt ist insofern kein ganz triviales Problem, da laut Canonical neben dem Rhythmbox-Plugin noch weitere folgen sollen (“Banshee, Amarok, and a few other applications“) und generell auch andere Distributionen den Shop über das passende Plugin einbinden könnten. Hier bleibt den Nutzern als einziger Weg zur Canonical-Cloud der Weg über den Browser, solange es keine passenden Clients für andere Distributionen gibt.

Wie viel?

Hier schließt sich der Kreis zum Magnatune-Shop wieder. Laut den aktuellen Verkaufszahlen von Magnatune nutzt nur rund einer von sechs Rhythmbox-Nutzern Ubuntu. Die Summe von 614 US-Dollar für das Gnome-Projekt verteilt sich zudem auf fast vier Jahre (das Magnatune-Plugin gibt es seit 2006). Wahrlich keine großartigen Summen.

Während Magnatune an Amarok und Rhythmbox zehn Prozent des Umsatzes abgibt, dürften die Margen bei 7digital im einstelligen Prozentbereich liegen. 7digital bietet die Alben zudem nur im MP3-Format (teilweise sogar als WMA) an, während bei Magnatune der Nutzer wahlweise auch FLAC und OGG Vorbis als Dateiformat wählen kann.

Will Canonical mit dem Ubuntu One Music Shop wirklich Geld verdienen, ist die Distribution deshalb auf eine möglichst breite Nutzer-Basis und ein sehr populäres Angebot angewiesen. Mal schauen, wann das Gnome-Projekt zum nächsten Mal einen Scheck von John Buckman bekommt.

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5 Kommentare
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Hans Peter
16 Jahre her

Beim Lesen dieses Artikels musste ich schon sehr lachen. Offenbar hat der Autor nicht wirklich Ahnung von dem Musikgeschäft. Eine verschwindend geringe Maße nutzt vielleicht Magnatune. Im Musikbereich ist das wohl eher ein NIschenshop. Hab ihn anfänglich auch einmal ausprobiert. Leider besitzt Magnatune längst nicht so ein umfangreiches Angebot wie beispielsweise 7digital. Die 614 USD in 4 Jahren sprechen ja auch für sich. Bei Napster haben wir diesen Betrag innerhalb von 7 Tage in Deutschland als Sales-Prämie an unsere Agentur ausgeschüttet. Was ich damit sagen will – Magnatune ist für die Masse einfach uninteressant. Hier braucht es einen Partner mit… Mehr »

peterf
16 Jahre her
Reply to  Hans Peter

Was der Autor nicht erwähnt und warum der Vergleich mit Magnatune hinkt: Bei Magnatune muss man ja keine Musik kaufen. Man kann sich alle lieder online anhören und die Songs auch in kompletter Länger herunterladen. Es wäre interessant einen Vergleich zwischen Downloads und Käufen zu sehen,vermutlich machen die Käufer nur einen Bruchteil der Downloader aus.

Bei 7digital muss man die Musik jedoch kaufen, d.h die beiden Angebote lassen sich nicht direkt vergleichen.

peterf
16 Jahre her

Ich finde, Ubuntu macht das gut. Die Distro wird zwar mit diesem Shop wieder einen Tick kommerzieller, aber anscheinend wollen die Leute so etwas. Und die Verbreitung von Ubuntu zeigt, dass das klappt. Das Angebot von 7digital ist 100 mal besser als Magnatune, da liegen also 60 000 $ in 6 Jahren drin :-)

Paloran
16 Jahre her

Ich finde das Ubuntu auf dem richtigem Weg ist. Ubuntu kann schließlich nicht immer ausschließlich durch Mark Shuttleworths Privatvermögen finanziert werden. Irgendwann ist der auch mal Pleite! Und wenn man meint das Ubuntu zu kommerziell wird, kann ich nur sagen, was ist denn im Vergleich dazu bitte schön Red Hat? Schimpft denn darüber jemand?

floppy
16 Jahre her
Reply to  Paloran

Das sehe ich etwas differenzierter. Red Hat ist zwar (absolut) kommerziell ausgerichtet, vertreibt aber zu praktisch 100 Prozent freie Software. Ubuntu bastelt in letzter Zeit immer mehr an closed source Dingen. Angefangen bei ubuntu one über den neuen Single Sign On [1] Login bis eben zu diesem Musik-Shop. Ein 7digital-Plugin für Rhythmbox hätte man auch ohne Ubuntu One machen können. Dann hätten alle Linux-Nutzer etwas davon…

[1] http://doctormo.ubuntu-ma.us/2010/03/01/launchpad-moving-to-closed-source-auth/

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