/e/OS-Smartphone im Kurztest

Aus LinuxUser 05/2020

/e/OS-Smartphone im Kurztest

© KirillMakarov-123RF

Android ohne Google

Das mobile Custom-ROM /e/OS basiert zwar auf Android, sendet aber keinerlei Daten an Google und ersetzt dessen Dienste durch größtenteils freie Alternativen.

Linux-Phones sind gerade in aller Munde. Was in diesem Jahr in dieser Richtung noch zu erwarten ist, lesen Sie in einem weiteren Artikel in dieser Ausgabe. Zu den Kandidaten gehört ein Custom-ROM-Projekt auf Android-Basis, das zwar kein reines Linux-Betriebssystem bietet, bei dem jedoch Sicherheit und der Schutz der Daten und der Privatsphäre durch völligen Verzicht auf Google-Dienste ganz weit oben im Pflichtenheft der Entwickler stehen. Es geht um den mobilen Android-Ableger /e/OS.

Unter dem Namen Eelo [1] erblickte das Projekt 2017 mit einer Kickstarter-Kampagne [2] das Licht der Welt. 25 000 Euro waren als Ziel angesetzt, am Ende kamen stolze 95 000 Euro zusammen. Der Kopf hinter /e/ ist für Linux-Anwender der ersten Stunde kein Unbekannter: Gaël Duval [3] gründete bereits 1998 die von Red Hat Linux abgeleitete Distribution Mandrake Linux, die später den Namen Mandriva erhielt und heute in dem Fork Mageia weiterlebt.

Google raus!

Als Ziel peilt Duvals derzeitiges Projekt /e/ unter dem Motto “Deine Daten gehören DIR” ein Google-freies Betriebssystem auf der Basis von Android an. Dazu verwendet es als Unterbau LineageOS [4], einen Fork des Custom-ROMs CyanogenMod [5] und früheren Abkömmlings von Android.

Um LineageOS ist es im letzten Jahr ruhig geworden, ein ähnliches Ziel wie Duval verfolgt aber auch das Projekt LineageOS for microG [6], dessen er sich für /e/ bedient. Ausstaffiert mit handverlesenen Android-Apps und von der e Foundation [7] gehosteten Online-Diensten hat es das Potenzial, auch ohne Google ein ganzes Ökosystem aufzubauen.

Dazu haben die Entwickler alle Dienste entfernt, die von Google stammen oder Daten mit Google austauschen. Dazu zählen nicht nur die bekannten GApps, sondern außerdem eher im Hintergrund agierende Dienste, wie DNS oder NTP, bei denen Sie im Fall von /e/OS die Wahl haben, welchen Server Sie nutzen möchten.

microG statt GApps

Dass dies keine leichte Aufgabe ist, merkten die Entwickler bald, denn die Verbindungen zu Google reichen bei Android bis in die letzten Winkel. Mit microG, einem freien Fork der Google-Dienste, lassen sich proprietäre Apps und Dienste (GApps) von Google durch Open-Source-Apps ersetzen.

Dabei tauschen die Entwickler die Binärpakete der sogenannten GApps gegen Apps und Bibliotheken mit gleichem oder ähnlichem Verhalten, aber mit freiem Code aus. Diese Apps, die nicht nur quelloffen sind, sondern außerdem schonender mit dem Speicher und anderen Ressourcen umgehen, geben sich gegenüber Android als GApps aus. Dazu kommt eine Technik namens Signature Spoofing [8] zum Einsatz.

Vorinstalliert

Seit letztem Jahr bietet Duval sein Custom-ROM /e/OS, das derzeit bei Version 0.7 Beta steht und im September eine erste stabile Version anstrebt, vorinstalliert auf aufgearbeiteten Samsung-Smartphones der Galaxy-Reihe an. Derzeit umfasst das Angebot die Modelle S7, S7 Edge, S9 und S9+ zu Preisen zwischen 279 und 549 Euro.

Die Geräte, die bisher nur in Europa über den Ladentisch gehen, kommen entsperrt und mit einem Jahr Garantie zum Kunden. Zudem weist das Wiki der e Foundation derzeit 91 Smartphones aus [9], auf denen sich Android durch /e/OS ersetzen lässt.

Waren dafür bisher vertiefte Kenntnisse beim Flashen von Custom-ROMs vonnöten, so erscheint im April ein Installer, der die Installation für ungeübte Anwender wesentlich vereinfacht. Dazu verbinden Sie ein kompatibles Smartphone mit dem PC und folgen den Bildschirmanweisungen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der Installer öffnet /e/OS für neue Gruppen von Anwendern. Wer sich bisher nicht an den komplexen Vorgang des Flashens herantraute, dem hilft unter Umständen ein für April geplanter Installer, der ähnlich leicht wie bei Ubuntu Touch das Custom-ROM installiert.

Abbildung 1: Der Installer öffnet /e/OS für neue Gruppen von Anwendern. Wer sich bisher nicht an den komplexen Vorgang des Flashens herantraute, dem hilft unter Umständen ein für April geplanter Installer, der ähnlich leicht wie bei Ubuntu Touch das Custom-ROM installiert.

Zusätzlich will die e Foundation demnächst einen Dienst anbieten, bei dem Sie ein kompatibles Smartphone einschicken und mit /e/OS versehen zurückerhalten.

Dienste

Die e Foundation hat uns freundlicherweise ein Testgerät in Form eines Samsung Galaxy S9 (SM-G960F) mit Dual-SIM, 4 GByte RAM und 64 GByte Speicher zur Verfügung gestellt. Das ist das zweitgrößte der angebotenen Modelle und steht im Shop der e Foundation [10] für 449 Euro zum Verkauf. Das S9 wurde 2018 veröffentlicht und kostet neu mit Android 8 derzeit ebenfalls rund 450 Euro.

Bei dem Gerät lässt sich der Speicher per SD-Karte auf bis zu 1 TByte erweitern. Das darauf installierte /e/OS 0.7 basiert auf Android 8.1. Mit im Karton befindet sich neben den Kabeln ein kleines Heft, das die ersten Schritte mit dem alternativen Betriebssystem beschreibt. Es empfiehlt, sich auf der Webseite des Unternehmens ein Konto anzulegen.

Zu diesem Account gehören 5 GByte Online-Speicher in der /e/-Cloud, den die e Foundation auf einer Nextcloud-Instanz verwaltet. Über den Online-Dienst lassen sich Daten, Kontakte und Termine synchronisieren. Außerdem erhalten Sie eine E-Mail-Adresse mit der Endung @e.email.

Nach dem ersten Einschalten des S9 startet das System eine Routine zum Einrichten, wie es bei vorinstallierten Betriebssystemen üblich ist. Dabei stellen Sie unter anderem die Sprache, die Zeitzone und den WLAN-Zugang ein. Die Eingabe der Zugangsdaten für den /e/-Account, die Vergabe einer PIN und, falls gewünscht, das Einrichten des Sensors für den Fingerabdruck schließen die Konfiguration ab.

Üblicher Homescreen

Der zweigeteilte Homescreen von /e/OS beherbergt auf der Hauptseite wie üblich Icons zum Starten der installierten Apps, wobei in der unteren Reihe Icons für Anrufe, SMS, Browser und die Kamera fixiert sind (Abbildung 2).

Abbildung 2: Der Homescreen von /e/OS belegt zwei Seiten und verwendet den <span class="ui-element">Bliss Launcher</span>. Auf der ersten Seite findet man, wie bei Android &uuml;blich, eine Auswahl an Apps, w&auml;hrend in der unteren Zeile die Apps f&uuml;r Telefonate, Messenger, Browser und Kamera stets im Zugriff bleiben.

Abbildung 2: Der Homescreen von /e/OS belegt zwei Seiten und verwendet den Bliss Launcher. Auf der ersten Seite findet man, wie bei Android üblich, eine Auswahl an Apps, während in der unteren Zeile die Apps für Telefonate, Messenger, Browser und Kamera stets im Zugriff bleiben.

Die zweite Seite enthält neben einer Eingabezeile für die Suche unter anderem die Liste der Apps (Abbildung 3), die Ihnen das Betriebssystem empfiehlt. Über eine Editierfunktion haben Sie die Möglichkeit, dem Startbildschirm weitere Apps oder Widgets hinzuzufügen (Abbildung 4).

Abbildung 3: Seite&nbsp;2 des Homescreens bietet am Kopf eine Suchleiste sowie eine Leiste mit App-Empfehlungen. Darunter bleibt Platz f&uuml;r Widgets, wobei das Wetter-Widget bereits geladen ist.

Abbildung 3: Seite 2 des Homescreens bietet am Kopf eine Suchleiste sowie eine Leiste mit App-Empfehlungen. Darunter bleibt Platz für Widgets, wobei das Wetter-Widget bereits geladen ist.

Abbildung 4: Ein Klick auf <span class="ui-element">Edit</span> im zweiten Homescreen erlaubt die Auswahl vieler weiterer Widgets der vorinstallierten Apps.

Abbildung 4: Ein Klick auf Edit im zweiten Homescreen erlaubt die Auswahl vieler weiterer Widgets der vorinstallierten Apps.

Vorinstalliert

/e/OS bringt 28 Apps für die wichtigsten Aufgaben vorinstalliert mit, von denen lediglich die Karten-App Magic Earth das Open-Source-Kriterium nicht erfüllt.

Die Apps funktionierten beim Tests zuverlässig und die Bedienung ging insgesamt sehr flüssig von der Hand. Das wie immer nützliche KDE Connect verband das Smartphone anstandslos mit den weiteren Geräten. Lediglich die Lokalisierung per GPS funktionierte noch nicht zuverlässig und verortete das Gerät in der Wetter-App in London, Prenzlauer Berg (Abbildung 5).

Abbildung 5: Mit der genauen Lokalisierung per GPS gibt es noch einige Probleme. Dass der Berliner Bezirk Prenzlauer Berg im Rahmen des Brexit nach London eingemeindet wurde, war f&uuml;r uns neu.

Abbildung 5: Mit der genauen Lokalisierung per GPS gibt es noch einige Probleme. Dass der Berliner Bezirk Prenzlauer Berg im Rahmen des Brexit nach London eingemeindet wurde, war für uns neu.

Unsere Position in der Maps-App lag bei verschiedenen Versuchen rund 30 bis 70 Meter daneben. Das machte die Navigation mit dem Fahrrad an großen Kreuzungen zum Glücksspiel. Immerhin können Sie mit /e/OS telefonieren und SMS versenden, wie Sie es von jedem anderen Smartphone gewohnt sind.

Um neue Apps zu installieren, klicken Sie auf das erste Icon in der oberen Reihe, das folgerichtig mit Apps betitelt ist und in den App-Store führt. Hier finden Sie auch die Updates. Die erste Seite präsentiert unter anderem populäre Apps und Spiele. Einen besseren Überblick über das gesamte Angebot bietet die Ansicht nach Kategorien.

Alternativ nutzen Sie F-Droid zur App-Installation. Zugriff auf alle Apps aus Google Play bietet der alternative Aurora Store [11], den Sie unter /e/OS installieren können. Dabei gilt es, darauf zu achten, dass Sie dabei einen anonymen Zugang wählen und nicht den Zugriff über das Google-Konto (Abbildung 6).

Abbildung 6: Der freie Aurora Store lehnt sich optisch stark an Googles propriet&auml;ren Play Store an und bietet alle dort vertretene Apps an, ohne dass das Ger&auml;t dazu Daten mit Google austauscht.

Abbildung 6: Der freie Aurora Store lehnt sich optisch stark an Googles proprietären Play Store an und bietet alle dort vertretene Apps an, ohne dass das Gerät dazu Daten mit Google austauscht.

80 000 Apps

Der /e/OS-App-Store bietet bei Weitem nicht alle Apps an, die Google Play im Angebot hat, führt aber bereits beachtliche 80 000 Programme im Angebot. Falls die Suche eine gewünschte App nicht zutage fördert, besteht die Möglichkeit, sie in den Einstellungen des App-Stores zur Aufnahme vorzuschlagen (Abbildung 7).

Abbildung 7: Der App-Store von /e/OS bietet rund 80 000 Android-Apps an. Vorschl&auml;ge f&uuml;r weitere offizielle Apps nehmen die Entwickler entgegen. Zugriff auf alle Apps aus dem Google Play Store bietet die Open-Source-Anwendung Aurora Store.

Abbildung 7: Der App-Store von /e/OS bietet rund 80 000 Android-Apps an. Vorschläge für weitere offizielle Apps nehmen die Entwickler entgegen. Zugriff auf alle Apps aus dem Google Play Store bietet die Open-Source-Anwendung Aurora Store.

Dabei untersuchen die Entwickler jede neu aufzunehmende App hinsichtlich der den Anwender verfolgenden Tracker. Entsprechende Informationen zeigt der Store bei allen Apps vor der Installation an. Demnächst kommen vermutlich auch Progressive Web Apps in den Store.

Nextcloud als Basis

Bei den angebotenen Online-Diensten verhält es sich wie mit ähnlichen Angeboten: Sie setzen Vertrauen in den Anbieter voraus. Bei der e Foundation gilt die Annahme, dass die Daten auf einer Nextcloud-Instanz liegen und diese in Europa läuft. Die Infrastruktur liegt auf Gitlab [12] offen. Daher lässt sich leicht feststellen, wie die Nextcloud aufgesetzt ist. Alternativ wäre es möglich, die Infrastruktur auf einer eigenen Instanz umzusetzen.

In der Grundeinstellung bietet /e/OS relativ sichere Parameter, was die Rechte der Apps angeht. Hier bleibt es Ihnen überlassen, wo das individuelle Optimum beim praktischen Einsatz des Geräts liegt. Standardmäßig darf der Browser auf der Basis von Chromium etwa keine Dateien auf dem Gerät speichern.

Fazit und Ausblick

Das Betriebssystem /e/OS stellt einen Kompromiss zwischen einem handelsüblichen Android-Phone und einem echten Linux-Phone dar. Die Apps sind bis auf eine Open Source, und Google bleibt ausgesperrt. Trotzdem will /e/OS so viele Android-Apps wie möglich anbieten. Das System bietet Optionen für alle Anwender, die an einem Umstieg interessiert sind.

Je nach Erfahrung kaufen Sie ein vorinstalliertes Gerät oder senden ein kompatibles Gerät ein, um es mit /e/OS ausstatten zu lassen. Mit ausreichenden Kenntnissen spielen Sie das System auf vielen Geräten selbst auf, wobei Sie es bei Bedarf aber vorher selbst bauen müssen [13]. Die gesamte Entwicklung erfolgt jedoch transparent.

Was im Test bei /e/ überhaupt nicht gefiel und was auch nicht zur Verbreitung des Projekts beiträgt, ist der gehirntote Name – das zeigt sich spätestens bei einer Websuche. Den ursprüngliche Namen Eelo musste das Projekt wegen Problemen mit dem Markenrecht fallenlassen.

Wie Gaël Duval verriet, erhält das Projekt im April seinen endgültigen Namen, den er aber noch nicht verraten wollte. Außerdem steht in diesem Jahr noch der Abschluss von Partnerschaften mit einigen Hardware-Herstellern aus dem Mobilbereich an. (jlu)

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Bo
5 Jahre her

Mit Internet-Recherchen führte ich folgende Vorgehensweise –> sudo rm /etc/apt/preferences.d/nosnap.pref (Da Mint sich von Ubuntu’s Snap (anscheinend)distanzieren will) sudo apt-get update sudo apt install snapd snap install easy-installer –channel=latest/beta whereis easy-installer …–>hin-navigieren und starten mit ./easy-installer Die Menü-Führung ist auf Deutsch. Man muss USB-Zugriff erlauben, Debugging (Gerät geht auf Werkseinstellung,aber dann ist es aktiviert) und noch irgend’ne Sache die ich leider nicht mehr weiß ! Die entsprechenden/passenden Treiber lädt easy-installer automatisch herunter, nach erkennen des Gerätes. Mit Bildchen wird man nach und nach begleitet. Hat bei mir gut geklappt,muss aber nicht heißen daß ich es nach dem Erst-Versuch kann !!!… Mehr »

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