Mit Imagination lassen sich sehenswerte Präsentationen erzeugen. Dabei gibt es allerdings einige Besonderheiten zu beachten.
Slideshows bestehen im Wesentlichen aus zwei Komponenten: Bildern – den “Folien” oder “Slides” – und den Übergängen dazwischen, die für die Showeffekte sorgen. Dazu kommt, je nach Einsatz und Thema, noch passende Musik. Imagination [1] ist derzeit das wohl leistungsfähigste Programm zum Erzeugen solcher Slideshows unter Linux. Es kommt mit einer gut gegliederten und einfach wirkenden Oberfläche daher.
Als Ergebnis erzeugt es Videos in den gängigen Formaten wie MP4 (H.264/H.265), und VOB mit Auflösungen bis zu 1080×1920, also Full-HD. Hinzu kommt das Ausgabeformat OGV (Theora Vorbis), allerdings nur in kleinen Auflösungen. In der aktuellen Programmversion stehen 69 unterschiedliche Übergänge bereit, zusätzlich lässt sich der Ken-Burns-Effekt [2] simulieren.
Im Februar 2020 stellte der Entwickler Giuseppe Torelli die neue Version 3.5 von Imagination bereit. Sie löste die seit Längerem stabile Version 3.4 ab und ergänzte beispielsweise den aktuellen Video-Codec H.265 für MP4-Ausgaben. Die noch ganz neue Version ist bisher nicht ganz fehlerfrei.
Imagination installieren
Die Paketquellen der meisten Distributionen enthalten das inzwischen veraltete Imagination 3.4, das noch auf GTK 2 basiert. Dieses Toolkit verschwindet derzeit schrittweise zugunsten des Nachfolgers GTK 3 aus den Repositories. Deshalb erscheint ein Upgrade auf das aktuelle, bereits GTK-3-basierte Imagination 3.5 sinnvoll.
Die jeweils aktuellste Version der Anwendung – derzeit Imagination 3.5.1 – lässt sich direkt aus den Quelltexten [3] bauen, die Webseite des Projekts [4] fasst die Voraussetzungen zusammen.
Unter Arch Linux ist es unbedingt sinnvoll, eine sehr aktuelle Version des Ffmpeg-Pakets aus dem AUR zu verwenden – ffmpeg**1:4.2.2 oder ffmpeg-git –, um Problemen bei der Umsetzung der Imagination-Kommandos vorzubeugen.
Bugs melden Sie direkt an den Imagination-Entwickler Giuseppe Torelli [5]. Der sucht noch Mitstreiter und würde sich freuen, wenn sich Interessierte bei ihm melden.
Arbeitsweise
Der Entwickler der Anwendung, Giuseppe Torelli, bezeichnet Imagination als “Slideshow Maker”, was die Arbeitsweise recht gut umreißt. Im Wesentlichen arbeitet Imagination in zwei Schritten: Zunächst erstellen Sie auf der recht leicht zu bedienenden Oberfläche die Abfolge der Bilder oder Folien. Dabei können Sie die Bilder arrangieren und die Übergänge für jede Folie getrennt festlegen und im Detail einstellen. Daneben lassen sich Soundtracks einbinden.
Als Ergebnis erzeugt das Programm eine Datei mit der Endung .img. Dieser Name ist etwas unglücklich gewählt, da ihn auch eine Reihe anderer Programme verwendet, etwa um Dateisystemabbilder zu kennzeichnen. Bei Imaginations IMG-Files dagegen handelt es sich um gut lesbare Klartextdateien, die die Struktur der Slideshow enthalten und sich – in gewissen Grenzen – auch noch mit einem Texteditor nachbearbeiten lassen. Die meisten Schlüsselworte lassen sich direkt nachvollziehen und die Werte bei Bedarf manuell anpassen. Listing 1 zeigt einen Auszug aus einer solchen Datei.
Listing 1
[...] blank slide=false background color=0;0;0; distort images=true number of slides=1 [slide 1] filename=.../imagination/fade.png angle=0 duration=4.9600000000000044 flipped=false transition_id=67 speed=4 [...]
Diese Klartextdateien liest Imagination in einem weiteren Schritt ein und wandelt die enthaltenen Kommandos mittels Ffmpeg in eine Videodatei um. Kommt es dabei zu Problemen, hilft es meistens, das verwendete Ffmpeg-Paket durch eine neuere Version zu ersetzen.
Übergänge gehören bei Imagination immer zum aktuellen Bild, und sie steuern, wie die Folie in der Slideshow erscheint. Um beispielsweise das Verschwinden eines Bilds zu simulieren, muss man eine zusätzliche leere Folie einfügen, deren Einblenden das Ausblenden der vorigen bewirkt.
Praxis
Nach dem Start des Programms (Abbildung 1) erscheint dessen übersichtliche Oberfläche. Alle wesentlichen Funktionen finden Sie in der Werkzeugleiste. Positionieren Sie den Mauszeiger über einem Button, erscheint ein Tooltipp, der dessen Funktion erklärt.
Im rechten Bereich des Hauptfensters fassen drei Register alle wichtigen Einstellungen zusammen. Über den Reiter Video steuern Sie die Folieneffekte, insbesondere die Anzeigezeit und die Übergänge zwischen den Bildern. Der Reiter Audio erlaubt das Einbinden von Soundtracks zu den Bildern.
Im Reiter Meldungen schließlich dokumentiert Imagination die Ausgaben der im Hintergrund ausgeführten Befehle und Funktionen. Diese Informationen erweisen sich in vielen Situationen als ausgesprochen nützlich. Beim Einlesen bereits vorher erstellter Slideshows sehen Sie hier beispielsweise, ob das Programm alle Bilder und Übergänge finden konnte. Sie sollten diesen Reiter daher beim Laden von Slideshows immer geöffnet haben.
Auch die Meldungen der Ffmpeg-Tools finden sich an dieser Stelle. Spielen Sie eine Slideshow im Vorschaumodus ab, sehen Sie hier, ob es zu Problemen kommt. Auch in diesem Modus wandelt Ffmpeg die Bilder um.
Fehlerbehebung
Treten beim Erstellen oder Abspielen einer Slideshow Fehler auf, können Sie dies beim Imagination-Entwickler [5] melden. Dazu starten Sie das Programm von der Befehlszeile, speichern die dort erscheinenden Ausgaben und senden sie zusammen mit der Fehlerbeschreibung ein.
Übergänge einstellen
Zum Erstellen einer neuen Slideshow laden Sie zunächst über den entsprechenden Button, das Menü oder einen Dateimanager die Bilder. Im letzten Fall fügt Imagination sie stets am Ende der Präsentation ein. Am unteren Bildschirmrand erscheint eine Liste der geladenen Bilder als Vorschau. Klicken Sie eines davon an, zeigt Imagination darunter nähere Informationen dazu an, etwa den Pfad sowie die Auflösung des Bilds.
Mittels [Strg]+[X] schneiden Sie ausgewählte Bilder aus und fügen sie mit [Strg]+[V] an beliebiger Position wieder ein. Bei Bedarf scrollen Sie mit dem Mausrad durch die Bilderliste. Bei der Programmversion 3.5 funktioniert das allerdings noch nicht fehlerfrei: Geraten Sie dabei über das Listenende hinaus, bleibt der Rückweg. Durch Verschieben des Scrollbalkens gelangen Sie aber wieder in den gewünschten Bereich der Liste.
Im Bedarfsfall lassen sich die Folien direkt mit der Maus in die gewünschte Position ziehen. Bei einer noch halbwegs überschaubaren Bildanzahl ist das die schnellste Methode, um die Ordnung der Bilder zu verändern. Nicht mehr benötigte Folien löschen Sie mit [Entf].
Im Menü finden Sie unter Dia alle Funktionen zum Bearbeiten der Bilderliste. Auf welche Weise und wie lange ein Bild in der Slideshow erscheint, regeln Sie beispielsweise unter Dia-Einstellungen (Abbildung 2) ein. Die meisten der Einstellungen fallen selbsterklärend aus. Bisher gibt es nur drei fest vorgegebene Überblendgeschwindigkeiten. Der Entwickler hat jedoch in Aussicht gestellt, dies in Folgeversionen durch eine freie Zeitangabe zu ersetzen.
Das Dia-Menü eröffnet auch die Möglichkeit, leere Folien einzufügen. Solche leeren oder mit einem Verlauf versehene Slides dienen dem langsamen Überblenden zwischen Bildern, die nicht unmittelbar in einem Bezug zueinander stehen. Oft kommen sie auch vor dem Einfügen von Texten zum Einsatz.
Abbildung 3 zeigt den dann erscheinenden Dialog. Die angebotenen Farbverlaufsvarianten Solid color, Linear gradient und Radial gradient lassen sich leicht verstehen. Fade gradient sorgt dafür, dass die Folie ihre Farbe während der Anzeige allmählich wechselt.
[Strg]+[Y] öffnet die Farbauswahl, in der Sie eine Anfangs- und Endfarbe vorgeben. In den ersten Varianten von Imagination 3.5 funktioniert das noch nicht fehlerfrei, das Problem sollte aber inzwischen behoben sein.
Übergänge
Nach der Auswahl und dem Sortieren der Bilder geht es an die Wahl der Übergänge, von denen Imagination knapp 70 zur Verfügung stellt. Der Versuchung, möglichst viele davon in eine Präsentation zu packen, sollten Sie tunlichst widerstehen: Schließlich sollen die Slides das wesentliche Element der Präsentation bilden, nicht die Effekte. Aus demselben Grund ist auch die Effektvariante Zufällig nur in ganz speziellen Fällen eine gute Wahl.
Am besten vergeben Sie die Übergänge in der Reihenfolge der Bilder, um den Effekt gut planen zu können. Die Wirkung für die aktuelle Folie prüfen Sie bei Bedarf jederzeit über den Vorschau-Button.
In den Einstellungen finden Sie im Reiter Video im Bereich Dia-Einstellungen unter Überblend-Effekt eine gruppierte Liste mit den Effekten. Alle Effekte gibt es in verschiedenen Varianten, die zu Gruppen zusammengefasst erscheinen. Abbildung 4 zeigt die Darstellung im Menü. Die animierten Menüpunkte zeigen die Überblendung von Bild A nach B.

Abbildung 4: Imagination fasst die Überblendeffekte in Gruppen zusammen und stellt sie als Animationen dar.
Texte
Die Textfähigkeiten von Imagination haben sich in der Version 3.5 deutlich erweitert. In einem Textblock lassen sich nun verschiedene Textformatierungen mischen; Abbildung 5 zeigt ein Beispiel.

Abbildung 5: Formatierungen, wie sie das Rich Text Format RTF erlaubt, lassen sich nun in den Textblöcken mischen und einsetzen.
Um eine Folie zu beschriften, aktivieren Sie sie und tippen dann den gewünschten Text unter Dia-Text ein. Eine Verzögerung vor dem Erscheinen des Texts unterstützt Imagination bisher nicht, die unter Animation ausgewählte Funktion startet unmittelbar nach dem Laden der Folie. Allerdings bremsen hohe Werte bei der Animationsgeschwindigkeit das Erscheinen des Texts aus. Der mit verfärben bezeichnete Einblendeffekt entspricht dem Fade (weichen Einblenden).
Tipps und Tricks
Die wenig beachtete Funktion Bericht aus dem Menü Dia hilft Ihnen, den Überblick über die verwendeten Effekte zu behalten. Wie das Ergebnis aussehen kann, zeigt Abbildung 6.

Abbildung 6: Mithilfe der Funktion Bericht erfahren Sie, welche Übergänge Sie wie oft verwendet haben.
Um sich mit den einzelnen Effekten vertraut zu machen, sollten Sie mit ihnen experimentieren und sich dabei auf genau einen Effekt und eine Folie zur Zeit beschränken. Speichern Sie dann die so erzeugte Datei als Beispiel. Später können Sie Slideshows aus diesen Beispielen zusammenfügen oder einzelne Effekte in die aktuelle Slideshow integrieren. Dabei hilft die Funktion Diaschau importieren aus dem Menü Diaschau.
Bilder sollten Sie gleich in der Auflösung erstellen, die Sie später in der Slideshow verwenden wollen, also beispielsweise in Full-HD (1080 x 1920 Pixel). Das erspart zusätzliche Umrechnungen, die die Bildqualität beeinträchtigen können. Insbesondere beim Einsatz von Schriften macht sich das positiv bemerkbar.
Panning & Zooming
Der Ken-Burns-Effekt gehört seit Langem zum Standardrepertoire von Präsentationen: Bestimmte Teile in einem Bild werden “angefahren” und dann durch Zoomen hervorgehoben. Imagination verwendet ein sehr allgemein gehaltenes Verfahren, um derartige Darstellungen zu ermöglichen.
Durch sogenannte Anhaltepunkte definieren Sie die Ziele der Bewegung im Bild, die Imagination dann der Reihe nach anzeigt. Diese sehr universelle und einfach einzusetzende Methode bietet durch die vorhandenen Parameter weitreichende Darstellungsmöglichkeiten an.
Viele komplexere Effekte muss man bei Imagination aus mehreren Schritten zusammensetzen, was einiger Übung bedarf. So blendet Imagination nach einem Zoom direkt zur nächsten Folie über, wenn Sie dies nicht durch einen weiteren Anhaltepunkt mit einer entsprechenden Standzeit verhindern.
Im Bereich Dia-Bewegung (Abbildung 7) gibt es die dazu notwendigen Einstellungen. Der Button + erzeugt einen neuen Anhaltepunkt. Der erste Anhaltepunkt definiert die Ausgangssituation und sollte das gesamte Bild zeigen. Dauer stellt ein, wie lange der Übergang zum aktuellen Anhaltepunkt dauert. Mit dem Zoom-Wert und dem Verschieben des angezeigten Bildbereichs in der Vorschau mit der Maus erzeugen Sie dann eine weitere Darstellung, die Sie durch den nächsten Anhaltepunkt festlegen.
Diese als Panning & Zooming bezeichneten Verschiebungen dürfen beliebig viele Anhaltepunkte enthalten und können ziemlich aufwendig ausfallen. Am besten speichern Sie zwischenzeitlich die schon fertiggestellten Schritte immer wieder.
Das geht sehr schnell, da Imagination wie eingangs erwähnt in der IMG-Datei nur eine Art Konfiguration für Ffmpeg speichert, aus der erst später der Video-Stream entsteht. Mit den Pfeiltasten links und rechts der Anhaltepunkte wechseln Sie zwischen den definierten Positionen und erhalten so eine Vorschau des Effekts.
Save early, save often
Das Umsetzen der mit Imagination definierten Bilder mittels der Ffmpeg-Tools benötigt reichlich Rechenleistung. Ein kompakter 13- oder 14-Zoll-Laptop kann sich beim Erstellen längerer Slideshows durchaus überhitzen und eine Notabschaltung vornehmen. Sie vermeiden das, indem Sie mittels temp-throttle oder einem ähnlichen Paket die Rechenleistung reduzieren, sobald sich die CPU-Temperatur unzulässig weit erhöht.
Probleme
Imagination nutzt in der aktuellen Version eine Befehlszeile zum Übersetzen der Konfigurationsdatei in den Video-Stream. Dazu benötigt es die Ffmpeg-Tools in einer möglichst aktuellen (und fehlerfreien) Version. In der Praxis ist diese Forderung allerdings nicht ganz einfach zu erfüllen.
Bei Arch Linux und dessen Derivaten – und möglicherweise auch bei anderen Distributionen – weist das Standardpaket von Ffmpeg mindestens in den Versionen 4.0, 4.1 und 4.2 eine ganze Reihe von Fehlern auf, die zu seltsamen Problemen führen. So kann es sein, das plötzlich mitten in der Präsentation einzelne Bilder nur noch aus farbigen oder schwarz-weißen Streifen bestehen. Das fällt beim Durchsehen der Präsentation sofort auf und lässt sich dann manchmal durch einen Wechsel des Codecs beheben.
Schwieriger lassen sich Fehler beim Panning & Zooming aufspüren. Hier fehlen manchmal in der fertiggestellten Präsentation einzelne Zwischenschritte, sodass die Ausgabe zwischen den Anhaltepunkten springt. In diesem Fall hilft es nur, auf eine andere Version des Ffmpeg-Pakets auszuweichen. Unter Arch Linux scheint die Git-Version (ffmpeg-git) die besten Resultate zu erzeugen.
Bitte testen Sie, ob das auch bei Ihnen hilft, bevor Sie dem Entwickler einen Bug-Report senden. Er arbeitet gerade an einer dauerhaften Lösung, indem er die benötigten Funktionen der Ffmpeg-Tools in eine Bibliothek überführt, was sich offenbar als recht umfangreiche Aufgabe erweist.
Fazit
Die ersten Varianten von Imagination 3.5 enthalten noch kleinere Fehler, sodass sich manche Funktionen nicht verwenden lassen. Insgesamt erscheint das Konzept aber vielversprechend, und das Programm lässt sich weitgehend intuitiv bedienen. Von daher bleibt zu wünschen, dass sich noch der eine oder andere Programmierer findet, um Giuseppe Torelli, dem der Autor hier für die gute Kommunikation dankt, bei der Weiterentwicklung von Imagination zu unterstützen. (jlu)
Infos
- Homepage: http://imagination.sourceforge.net
- Ken-Burns-Effekt: https://de.wikipedia.org/wiki/Ken_Burns
- Quellcode: https://downloads.sourceforge.net/project/imagination
- Projektseite: http://imagination.sourceforge.net/download.html
- E-Mail-Adresse für Fehlermeldungen: mailto:gt67@users.sourceforge.net









