In Klassenräumen lösen heute Whiteboards die alte Wandtafel zunehmend ab. Mit Xournal bringen Sie das Whiteboard auch auf den PC in Ihrem digitalen Klassenzimmer.
Durch das Homeschooling haben Lernmanagement- und andere computerbasierte Kommunikationssysteme, aber auch fächerbezogen einsetzbare Programme einen ungeahnten Aufschwung genommen. Im Zusammenspiel mit solcher Software lockert ein virtuelles Whiteboard den Unterricht auf. Mit Xournal erhalten Sie dazu eine universell und fächerübergreifend einsetzbare Anwendung, mit der Sie Inhalte frei visualisieren können.
Konzept
Sie bedienen Xournal [1] mit einem Stift oder mithilfe eines Grafiktabletts. Die Oberfläche ähnelt der eines Whiteboards, wobei Xournal optische Gestaltungsmöglichkeiten der Inhalte wie etwa unterschiedliche Linienfarben und -dicken bietet.
Ursprünglich als reine Software zum Erfassen von Notizen gedacht, wirkt der Arbeitsbereich von Xournal wie eine Seite aus einem aufgeschlagenen Schreibheft. Die Software eignet sich jedoch durch die Möglichkeit zum halbautomatisierten Anlegen geometrischer Formen und Figuren auch zum Anfertigen einfacher Zeichnungen.
Daneben eignet sich Xournal auch für Screencasts oder das Übertragen der Programminhalte in Echtzeit während einer Videokonferenz, da sie sich auch mit der Maus am PC bedienen lässt.
Installation
Xournal findet sich in den Repositories aller gängigen Distributionen. Für zahlreiche Linux-Derivate gibt es sowohl Pakete für 32-Bit- als auch für 64-Bit-Rechner. Außerdem läuft die Software auch auf diversen BSD-Derivaten.
Nach der Installation starten Sie Xournal bequem über einen Starter in der Menüstruktur der Desktop-Umgebung. Im Programmfenster finden Sie neben einer konventionellen Menüleiste eine zweizeilige Schalterleiste zur schnellen Auswahl der Zeichenelemente und verschiedener Attribute. Im Hauptbereich zum freihändigen Zeichnen erleichtert eine Linienstruktur das Platzieren der einzugebenden Elemente (Abbildung 1).
Zunächst legen Sie über das Menü Seite | Papierart fest, ob statt der Linienstruktur künftig eine leere weiße Fläche oder ein kariertes Arbeitsblatt erscheinen soll. Im Dialog Seite stellen Sie zudem im Untermenü Papierformat die voreingestellte US-Norm auf das deutsche DIN-A4-Format um. Das vermeidet mögliche Probleme beim Ausdruck. Um die Einstellungen dauerhaft zu sichern, aktivieren Sie die Option Auf alle Seiten anwenden, indem Sie davor ein Häkchen setzen.
Werkzeuge
Xournal bietet zahlreiche Werkzeuge zum Erfassen der Inhalte. So finden Sie in der Schalterleiste ein Stiftwerkzeug, einen Radierer, ein Textwerkzeug und eine Umrisserkennung. Letztere dient dazu, Freihandzeichnungen in sauber justierte Linien umzusetzen. Zum Zeichnen gerader Linien gibt es zudem ein Lineal.
Für das Textwerkzeug legen Sie im Menü Werkzeuge über den Dialog Schriftart einen Font fest. Dieser Dialog greift auf eigene Schriften zurück. In den Dialogen Stiftoptionen und Radiereroptionen, die sich ebenfalls im Menü Werkzeuge befinden, definieren Sie Schriftstärken und die Breite des Radierers. Das Untermenü Farben gestattet darüber hinaus die freie Farbwahl. Dazu nutzen Sie gegebenenfalls auch die eingeschränkten Farboptionen in der unteren Schalterleiste.
Zum Markieren von Bereichen auf dem Arbeitsblatt dienen die Optionen Rechteck auswählen und Bereich auswählen. Mit deren Hilfe verändern Sie die innerhalb des markierten Bereichs liegenden Inhalte. So können Sie beispielsweise in einer längeren Textpassage die Schriftfarbe oder andere Attribute über die Markierungsfunktion schnell modifizieren (Abbildung 2).
Xournal kann zum Generieren von Inhalten grundsätzlich die gesamte im Rechner vorhandene Eingabe-Hardware nutzen. Neben der Tastatur zur Texteingabe verwenden Sie die Maus und, sofern vorhanden, ein Grafiktablett. Einige moderne Notebooks oder ältere Convertible-Systeme verfügen darüber hinaus über einen Touchscreen, der meist mithilfe eines Stifts bedient wird. Auch ihn können Sie in Xournal nutzen, wobei Sie über Optionen | Stift und Touch die Drucksensitivität des Stifts einstellen beziehungsweise angeben, ob Sie den Touchscreen ohne Stift bedienen. In diesem Fall zeichnen Sie Inhalte durch Fingereingabe. Darüber hinaus legen Sie in diesem Dialog auch fest, welche Tasten zum schnellen Wechsel zwischen den Eingabeoptionen dienen sollen.
Seitenweise
Um Sie beim Entwurf der Inhalte nicht auf den sichtbaren Bildschirmbereich zu beschränken, gestattet Xournal eine seitenweise Erfassung und Modifikation von Inhalten. Dazu fügen Sie jederzeit vor oder nach der sichtbaren Seite eine neue ein, indem Sie im Menü Seite die Optionen Neue Seite davor oder Neue Seite danach nutzen. Um die neue Seite ganz am Ende des Arbeitsbereichs einzufügen, verwenden Sie die Option Neue Seite am Ende.
Analog löschen Sie eine Seite über die Option Seite löschen im selben Menü. Dabei müssen Sie sich im Arbeitsbereich auf der zu löschenden Seite befinden. Die Auswahl mehrerer Seiten zum Löschen in einem Schritt ermöglicht Xournal nicht. Um in den einzelnen Seiten zu blättern, nutzen Sie entweder die Seitenzählung am unteren Rand, mit deren Hilfe Sie bei Bedarf auch über mehrere Seiten hinweg springen, oder Sie navigieren in der oberen Schalterleiste mithilfe der Pfeiltasten im Arbeitsbereich.
Formulare
Durch die Möglichkeit, PDF-Dateien einzulesen und zu bearbeiten, eignet sich Xournal auch zum Ausfüllen vorgefertigter Formulare. Die Software legt dabei eine zweite Ebene über das eigentliche Formular, auf der Sie die nötigen Einträge vornehmen. Zunächst laden Sie das Dokument über den Menüpunkt Datei | PDF annotieren ins Programm. Dann füllen Sie das Formular aus (Abbildung 3), wobei Ihnen alle gestalterischen und Schriftelemente zur Verfügung stehen.
Danach sichern Sie das Gesamtdokument entweder über den Dialog Datei | Speichern im Xournal-eigenen Dateiformat oder legen es über die Option Als PDF exportieren als PDF-Datei ab. Dabei fügt Xournal die beiden Ebenen zusammen, was die manuell ausgefüllten Bereiche in das neue Dokument übernimmt. Es lässt sich danach mit jedem PDF-Viewer öffnen, betrachten und mit PDF-Editoren weiterbearbeiten.
Da Xournal ein eigenes Format zum Sichern der Inhalte nutzt, können Sie entsprechende Dateien nur in Xournal öffnen, weiterverarbeiten und drucken. Um die Dateien in Drittanwendungen weiterzuverarbeiten, konvertieren Sie sie ebenfalls zunächst ins PDF-Format (Datei | Als PDF exportieren). Dabei legt Xournal die Dateien stets als vollständige Seiten ab (Abbildung 4).
Fazit
Xournal stellt im Zusammenspiel mit Lernmanagementsystemen und anderen Formen der digitalen Wissensvermittlung wie Screencasts eine nützliche Ergänzung zu herkömmlichen Lernmitteln dar. Durch die Möglichkeit des Freihandzeichnens können Sie die Software auch als Whiteboard einsetzen, um so Zusammenhänge besser verständlich zu machen. Über den PDF-Export machen Sie die generierten Inhalte den Teilnehmern einer Lerneinheit zudem per Mausklick auch als Arbeitsmaterial zugänglich. Daher sollte Xournal in keiner virtuellen Teamsitzung fehlen. (jlu)
Infos
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Xournal: http://xournal.sourceforge.net









