Mit Baobab die Auslastung von Datenträgern analysieren

Aus LinuxUser 07/2019

Mit Baobab die Auslastung von Datenträgern analysieren

© believeinme33, 123RF

Aufräumen!

Überflüssige Dateien und Verzeichnisse blockieren wertvolle Kapazität auf Festplatten oder SSDs. Mit Baobab lokalisieren und entfernen Sie den Datenmüll per Mausklick.

Massenspeicher für Computer werden immer größer und preisgünstiger. Doch die rasant zunehmende Kapazität von Festplatten, SSDs und USB-Sticks verleitet so manchen Anwender dazu, immer mehr Daten abzuspeichern, die allerdings teils schon nach kurzer Zeit dem Vergessen anheimfallen.

Um sich im Dschungel dieser enormen Datenmengen zurechtzufinden, bietet Linux auf der Kommandozeile Werkzeuge wie Du oder Df. Die zeigen jedoch nicht sofort im Detail auf, welche Daten wo liegen und welche Dateien für möglicherweise auftretende Kapazitätsengpässe verantwortlich sind.

Mit dem grafischen Werkzeug Baobab, das unter allen gängigen Desktop-Umgebungen zur Verfügung steht, kommen Sie nicht nur obsoleten Daten schnell auf die Spur, sondern ermitteln auch Speicherfresser, die den Massenspeicher füllen [1]. Obendrein hilft Ihnen das Programm dabei, den Datenträger aufzuräumen und unnütze Dateien zu entfernen, ohne dass dafür ein langer Suchaufwand nötig wäre.

Baobab findet sich bei faktisch allen gängigen Linux-Distributionen in den Paketquellen und lässt sich daher bequem mithilfe der Paketverwaltungswerkzeuge installieren. Einige Distributionen, darunter etwa Ubuntu, spielen Baobab bereits in der Grundkonfiguration des Betriebssystems mit auf die Festplatte.

Obwohl das Werkzeug mit dem GTK+-Toolkit arbeitet, funktioniert Baobab selbstverständlich auch mit anderen GTK-Desktop-Umgebungen als Gnome. Die Installationsroutine legt dabei in der Menühierarchie des jeweiligen Desktops automatisch einen Starter an, der meist Festplattenbelegung analysieren heißt.

Fensterln

Baobab öffnet nach dem Start zunächst ein Auswahlfenster, in dem Sie alle im System vorhandenen Laufwerke sehen, egal, ob eingehängt oder nicht. Zusätzlich blendet das Programm rechts neben der Laufwerksbezeichnung die jeweilige Größe des Datenträgers ein und – durch einen farblich hervorgehobenen Balken – die darauf belegte Kapazität. Somit erkennen Sie auf einen Blick die Gesamtauslastung eines Laufwerks (Abbildung 1).

Abbildung 1: Baobab zeigt beim Start alle dem System zur Verfügung stehenden Laufwerke mitsamt deren Grundauslastung an.

Abbildung 1: Baobab zeigt beim Start alle dem System zur Verfügung stehenden Laufwerke mitsamt deren Grundauslastung an.

Nach einem Klick auf eines der angezeigten Laufwerke öffnet die Software eine zweigeteilte Detailansicht, in der Sie links voreingestellt die Verzeichnishierarchien des jeweiligen Laufwerks in einer Baumstruktur sehen. Auch hier macht Baobab links vor den einzelnen Verzeichnissen durch farbige Balken die Auslastung sichtbar. Dabei signalisiert die in mehreren Stufen von Rot (randvoll) über Gelb (gut gefüllt) nach Grün (fast leer) wechselnde Farbe den Grad der Belegung. Findet sich vor dem jeweiligen Verzeichnisnamen ein kleines Dreieck, so lässt sich durch einen Klick darauf die nächste Hierarchieebene ausklappen.

Rechts neben den Verzeichnissen und deren Belegungsanzeige finden Sie außerdem die absolute Größe der jeweiligen Ebene und die Anzahl der darin vorhandenen Objekte. In einem weiteren Fenstersegment rechts daneben zeigt die Applikation in einer zweidimensionalen, mehrschichtigen Kreisgrafik die Belegung des Datenträgers an. Jede Schicht steht dabei für eine weitere Hierarchieebene. Fahren Sie mit dem Mauszeiger über diese Grafik, dann blendet Baobab temporär die dazugehörigen Unterverzeichnisse und die belegte Speicherkapazität ein (Abbildung 2).

Abbildung 2: In der Detailansicht lassen sich Verzeichnisse mit den größten Datenmengen schnell lokalisieren.

Abbildung 2: In der Detailansicht lassen sich Verzeichnisse mit den größten Datenmengen schnell lokalisieren.

Sobald Sie links in der Baumansicht ein anderes Verzeichnis anklicken, wechselt auch im rechten Fenstersegment die Ansicht. Die lässt sich bei Bedarf über den rechten der beiden Knöpfe darunter vom Kreisdiagramm in eine Kachelgrafik umschalten. Ein Klick auf den linken Schalter wechselt wieder zurück in die Kreisgrafik. Erscheint bei komplexen Hierarchien die Ansicht zu detailliert oder zu grob, können Sie außerdem über das Kontextmenü die Ansicht vergrößern oder verkleinern.

Verwaltung

Baobab gewährt jedoch nicht nur einen Einblick in die Struktur der im System vorhandenen Datenträger und deren Belegung, sondern gestattet auch grundlegende Verwaltungsarbeiten. Durch einen Rechtsklick in der grafischen Anzeige auf die gewünschten Verzeichnisse öffnet das Werkzeug ein Kontextmenü, mit dessen Hilfe Sie beispielsweise das aktive Verzeichnis im Dateimanager des Desktops öffnen, um mit den darin befindlichen Datenbeständen zu arbeiten.

Alternativ lässt sich ein markiertes Verzeichnis inklusive sämtlicher Unterverzeichnisse direkt aus Baobab heraus in den Papierkorb verschieben. Auch in der linken Baumansicht stehen Funktionen für Verwaltungsaufgaben über ein Kontextmenü bereit, das Sie ebenfalls per rechtem Mausklick auf das gewünschte Verzeichnis öffnen: Hier stehen jedoch nur die Optionen zur Verfügung, den Dateipfad in die Zwischenablage zu speichern, das Verzeichnis mit seinen Unterhierarchien in den Papierkorb zu verschieben oder den Ordner zu öffnen.

Insbesondere auf Rechnern, auf denen die Nutzer viele Daten in tief verästelten Strukturen ablegen, bietet es sich an, mit einzelnen Ordnern zu arbeiten. Dazu klicken Sie in der Laufwerksansicht oben links in der Titelleiste auf den Schalter Ordner analysieren… (das “Hamburger”-Icon) und wählen danach im Dateimanager den gewünschten Ordner aus. Nach dem Schließen des Dialogs zeigt Baobab in der gewohnten Weise die Ordnerinhalte an, wobei in der Baumstruktur als Stammverzeichnis der aktivierte Ordner erscheint.

Entfernt

Neben dem Scannen von lokal angeschlossenen Datenträgern unterstützt Baobab auch die Datenträgeranalyse und das Bereinigen von Daten auf entfernten Rechnern. Um zunächst die Verbindung zu einem externen Rechner herzustellen, wählen Sie im Dialog Ordner analysieren… links in der vertikalen Laufwerks- und Verzeichnisansicht die Option Andere Orte an.

Der Dateimanager blendet nun weitere im lokalen Netz gefundene Systeme ein und offeriert unten rechts eine Eingabezeile. Hier verbinden Sie sich jetzt entweder durch einen Klick auf den gewünschten entfernten Rechner mit diesem oder geben, falls die Direktverbindung nicht funktioniert, in der Eingabezeile die Server-Adresse ein.

Nach einem anschließenden Klick auf Verbinden baut Baobab die entsprechende Verbindung auf. Die Software wechselt dann wieder ins Hauptfenster und zeigt die Inhalte des entfernten Rechners oder Servers an, mit denen sich wie mit lokalen Dateien und Verzeichnissen arbeiten lässt (Abbildung 3).

Abbildung 3: Baobab kann auch entfernte Systeme über das Netzwerk von obsoleten Datenbeständen befreien.

Abbildung 3: Baobab kann auch entfernte Systeme über das Netzwerk von obsoleten Datenbeständen befreien.

Fazit

Baobab bringt Ordnung in das Datei- und Verzeichnischaos auf Massenspeichern. Droht der Speicherplatz zur Neige zu gehen, finden Sie dank dieses Programms schnell die größten Speicherfresser heraus und entsorgen sie direkt über den Papierkorb, ohne dazu auf der Kommandozeile in Verzeichnisse wechseln und dort manuell arbeiten zu müssen. Das Werkzeug überzeugt durch einfachste Bedienung, gute Übersicht und die Option, auch zu entfernten Systemen eine Verbindung aufbauen und mit den dortigen Datenbeständen arbeiten zu können. 

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