Der Virtual Machine Manager steuert QEMU/KVM lokal und im Netz

Aus LinuxUser 01/2019

Der Virtual Machine Manager steuert QEMU/KVM lokal und im Netz

© olegdudko, 123RF

Gut gemanaged

Die bei Sysadmins beliebte Kombination QEMU/KVM zur Virtualisierung von Betriebssystemen bietet sich auch für den Desktop an. Mit dem Virtual Machine Manager steuern und konfigurieren Sie QEMU umfassend. A:Christoph Langner

Genauso unterschiedlich wie die Ansprüche an einen Computer sind auch die Ansprüche an eine virtuelle Maschine und die für die Virtualisierung genutzte Software. Einen typischen Einsatzfall stellt das Nutzen einer einzelnen Anwendung für ein anderes Betriebssystem dar, das eine Dual-Boot-Lösung als zu aufwendig erscheinen lässt. Administratoren hingegen lagern gerne Netzwerkdienste wie Web-, Mail- oder Datenbank-Server in eine VM aus, um sie schnell von einem physischen Server zum nächsten zu verschieben oder Ressourcen dynamisch zu verwalten.

Dementsprechend bevorzugen Anwender Lösungen wie VMware Workstation oder Virtualbox, die ein Betriebssystem samt grafischer Umgebung in einer virtuellen Maschine abbilden. Die VMs von Systemadministratoren hingegen verzichten als Virtual Appliance in der Regel ganz auf eine GUI. Stattdessen benötigt der Admin hier eine Anwendung, über die sich das Geschehen auf den virtuellen Maschinen gut in Form von Statistiken und grafischen Anzeigen überblicken und steuern lässt.

Virtueller Manager

Als Vermittler zwischen den Welten bietet sich der Virtual Machine Manager [1] oder kurz Virt-manager (VMM) an, der mit virtuellen Maschinen aus unterschiedlichen Lagern zurechtkommt. Das Programm auf Basis der Libvirt [2] unterstützt QEMU, KVM sowie Xen; VirtualBox und VMware bleiben jedoch außen vor. Die Anwendung steuert sowohl lokal aktive VMs als auch solche auf anderen Rechnern im Netzwerk.

VMM installieren

Die gängigen Distributionen wie Debian, Ubuntu, Fedora oder Arch Linux führen den Virtual Machine Manager in den Repositories, sodass sich die Installation auf das Einspielen des entsprechenden Pakets beschränkt. Debian aktiviert den Libvirt-Daemon bei der Installation des Pakets virt-manager automatisch, unter Fedora ist dieser Schritt optional (Listing 1).

Listing 1

# dnf install @virtualization
# systemctl enable libvirtd
# systemctl start libvirtd

Die einfachste Möglichkeit, den Virtual Machine Manager zu nutzen, bietet eine QEMU/KVM-Session: So müssen Sie nicht zwingend weitere Dienste einrichten (siehe Artikel zum Thema KVM in diesem Schwerpunkt). Die Verknüpfung zur Libvirt richten Sie über einen kleinen Assistenten unter Datei | Verbindung hinzufügen … ein.

Der Unterschied zwischen QEMU/KVM und QEMU/KVM Benutzer-Session als Hypervisor besteht darin, dass die Benutzer-Session eine lokale Instanz des Libvirt-Daemons mit den Rechten des Benutzers startet und Sie so den Dienst nicht einrichten müssen. Dadurch läuft allerdings auch die virtuelle Maschine im Kontext des Benutzers. Zudem ändert sich der Speicherort der Festplatten-Abbilder von /var/lib/libvirt/images/ auf ~/.local/share/libvirt/images/.

Entfernte VM

Die Client/Server-Architektur von QEMU/KVM erlaubt es, die Darstellung einer virtuellen Maschine von der Ausführung zu trennen. So lassen Sie beispielsweise die VMs auf einem leistungsstarken Server laufen, den Sie auf diesem Weg besser auslasten, und öffnen die Oberfläche dann auf einem sparsamen Client – dafür genügt sogar ein Raspberry Pi.

Für diese Client-Server-Verbindung aktivieren Sie die Option Connect to remote host over SSH und geben den Benutzernamen und den Rechnernamen für das entfernte Systems ein. Damit der Verbindungsaufbau automatisch abläuft, erzeugen Sie einen SSH-Schlüssel und legen den öffentlichen Teil des Keys auf dem Server ab (Listing 2).

Listing 2

$ ssh-keygen -t rsa -b 4096
$ ssh-copy-id -i ~/.ssh/id_rsa.pub Benutzer@Server-IP

Virtuelle Maschinen

Der Virtual Machine Manager zeigt nun die eingerichteten Session sowie die dort jeweils aktiven virtuellen Maschinen in der Übersicht an (Abbildung 1). Über einen Klick auf das Icon ganz links oder über den Menüpunkt Datei | Neue virtuelle Maschine legen Sie in der gerade gewählten Instanz eine neue VM an. Im Kopf des Dialogs lässt sich die genutzte Sitzung kontrollieren und bei Bedarf noch ändern.

Abbildung 1: Mit einer <span class="ui-element">QEMU/VM Benutzer-Session</span> zeigt der Virtual Machine Manager automatisch die mit anderen KVM-Frontends wie Gnome Boxes erstellten VMs an.

Abbildung 1: Mit einer QEMU/VM Benutzer-Session zeigt der Virtual Machine Manager automatisch die mit anderen KVM-Frontends wie Gnome Boxes erstellten VMs an.

Die Installation erfolgt dann wie bei anderen VM-Werkzeugen: ISO-Image einer Distribution wählen, RAM-Größe und Anzahl der virtuellen CPUs wählen und schließlich einen virtuellen Datenträger einrichten. Optional lässt sich am Ende noch die Netzwerkkonfiguration anpassen (Netzwerk Auswahl). Mit einem Klick auf Fertig schließen Sie den Assistenten ab und starten die Installation des Systems in der neu angelegten VM.

Maschinen managen

Die Stärke des Virtual Machine Managers liegt nun darin, dass Sie über die GUI eine Übersicht der in Ihrem Netzwerk aktiven QEMU/KVM-Server inklusive deren aktueller CPU-Last erhalten. Über die Icons im Kopf der Anwendung oder über die Kontextmenüs lassen sich die einzelnen Maschinen starten, pausieren oder gleich komplett abschalten. Über den Schalter Öffnen oder einen Doppelklick laden Sie die Oberfläche auf den Bildschirm.

Im Gegensatz zu anderen KVM-Frontends, wie etwa dem bewusst sehr reduzierten Gnome Boxes, bietet die Anwendung zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten und auch Optionen, um die Konfiguration der virtuellen Maschine zu ändern. Zu diesen Settings gelangen Sie über das Icon mit der stilisierten Glühbirne im Fenster einer geöffneten VM. Zurück zur deren Darstellung wechseln Sie über das Computer-Icon links daneben (Abbildung 2).

Abbildung 2: &Uuml;ber die zwei Icons links (Computer und Gl&uuml;hbirne) schalten Sie zwischen der Darstellung der VM und deren Einstellungen um.

Abbildung 2: Über die zwei Icons links (Computer und Glühbirne) schalten Sie zwischen der Darstellung der VM und deren Einstellungen um.

Gnome Boxes ergänzen

Für Anwender ist nun das Zusammenspiel aus Gnome Boxes und Virt-manager von besonderem Interesse. Boxes erleichtert mit Funktionen wie dem integrierten Download-Manager für Linux-ISOs oder der Expressinstallation von Distributionen wie Debian die Arbeit mit virtuellen Linux-Maschinen. Bei den Konfigurationsmöglichkeiten beschränkt sich Boxes jedoch auf das absolut Nötigste: Details wie den Netzwerkzugang oder die virtuelle Hardware-Konfiguration lässt Sie Boxes nicht ändern.

Richten Sie nun aber im Virt-manager eine QEMU/KVM Benutzer-Session ein, dann listet er automatisch alle Sitzungen mit Gnome Boxes mit auf. Da beide Programme nur ein Frontend zur KVM-Virtualisierung darstellen, funktioniert ein Wechsel zwischen ihnen nahtlos: Starten Sie über Gnome Boxes eine VM und öffnen diese danach über den Virt-manager, schließt sich die VM in Boxes und erscheint umgehend im Virt-manager, ohne dass sich der Status der VM ändert.

Windows-VMs optimieren

Dieses Zusammenspiel empfiehlt sich besonders bei virtuellen Windows-Maschinen. Auch nach Installation der Spice-Guest-Tools [3] im virtuellen System fühlt sich die Oberfläche in der Standardkonfiguration weiter sehr träge an. Schon der Mauszeiger bewegt sich nur widerwillig über den Bildschirm. Zudem passt sich die Auflösung des virtuellen Systems nicht an die Fenstergröße an, stattdessen skaliert nur die Darstellung.

Doch auch Windows-Gäste lassen sich optimal mit KVM verwenden. Dazu müssen Sie lediglich im Virt-manager die Windows-VM öffnen und herunterfahren. Anschließen wechseln Sie über das Glühbirnen-Icon in die Einstellungen der VM. Dort wählen Sie aus der Seitenleiste die Option Video Virtio (Hinweis: Die Option ändert je nach Modell ihren Namen) aus und stellen das Video-Modell von Virtio auf QXL um. Mit einem Klick auf Anwenden sichern Sie die neue Konfiguration (Abbildung 3).

Abbildung 3: Mit <span class="ui-element">QXL</span> als Video-Modell (in den Eigenschaften der VM zu aktivieren) und den Spice-Guest-Tools steigern Sie die Grafikleistung einer Windows-VM sp&uuml;rbar.

Abbildung 3: Mit QXL als Video-Modell (in den Eigenschaften der VM zu aktivieren) und den Spice-Guest-Tools steigern Sie die Grafikleistung einer Windows-VM spürbar.

Starten Sie nun die Windows-VM, egal ob über den Virt-manager oder andere Frontends wie etwa Gnome Boxes, sollte sich die Grafikdarstellung innerhalb der virtuellen Maschine spürbar verbessern. Zudem müsste sich nun auch die Auflösung der VM automatisch an der Fenstergröße orientieren. Zur Sicherheit können Sie noch im Geräte-Manager des virtuellen Windows-Systems überprüfen, ob dieser als Grafikkarte eine Red Hat QXL GPU verwendet (Abbildung 4).

Abbildung 4: Mit der <span class="ui-element">Red Hat QXL GPU</span> steigt die Darstellungsgeschwindigkeit. Zudem passt sich so auch die Aufl&ouml;sung eines virtualisierten Windows-Systems automatisch an die Fenstergr&ouml;&szlig;e an.

Abbildung 4: Mit der Red Hat QXL GPU steigt die Darstellungsgeschwindigkeit. Zudem passt sich so auch die Auflösung eines virtualisierten Windows-Systems automatisch an die Fenstergröße an.

Fazit

Dank offener Standards und vielseitiger Frontends überzeugt QEMU/KVM auch auf dem Desktop als virtuelle Maschine für alltägliche Aufgaben. Besonders die Kombination aus Gnome Boxes und dem Virtual Machine Manager erweist sich als ideal: Boxes empfiehlt sich aufgrund der reduzierten und damit sehr aufgeräumten Oberfläche als Frontend für den Alltag (oder für unerfahrene Anwender, die eine bestehende VM über das Netzwerk verwenden wollen). Mit dem Virt-manager lassen sich die Maschinen dann bis ins Detail konfigurieren und – im Falle von Windows-VMs – auch optimieren. 

Infos

  1. Virt-manager: https://virt-manager.org

  2. Libvirt: https://libvirt.org

  3. Spice-Guest-Tools herunterladen: https://www.spice-space.org/download.html

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