Die prominenten Linux-Distributionen bilden immer wieder die Grundlage für Derivate – so auch bei Arch Linux. Wir sehen nach, wie viel Arch noch in den diversen Ablegern der Rolling-Release-Distribution für fortgeschrittene Anwender steckt.
Fragt man Linux-Anwender danach, was sie von Arch Linux halten, erhält man oft Antworten wie “immer aktuell”, “rasend schnell” oder “irgendwie cool”. Doch nicht jede Reaktion fällt positiv aus: Vielen kommen bei Fragen zu Arch Kriterien wie “instabil”, “kompliziert” oder “elitär” in den Sinn.
Tatsächlich ist Arch insofern elitär, als dass Sie nach einer aufwendigen Installation in einem Terminal wieder in einem solchen landen. Zahlreichen Anwendern gefällt gerade das – sie wollen das System selbst von Grund auf aufbauen. Anderen fehlen zwar entweder die Zeit oder die Kenntnisse, sich eine Installation auf diese Weise hochzuziehen, sie möchten aber trotzdem eine Rolling-Release-Distribution nutzen, die stets sehr aktuell ist und Pacman als Paketmanager nutzt.
Auch für diese Zielgruppe gibt es maßgeschneiderte Angebote: Arch Linux listet in seinem Wiki [1] derzeit über 30 aktive Derivate. Die Liste unterteilt sich in Distributionen, die direkt auf Arch aufsetzen, und solche, die nur Teile nutzen, wie etwa das Paketmanagement, aber ihre eigenen Paketarchive pflegen. Dann gibt es noch Arch-Ableger für spezielle Aufgaben, wie etwa Ubos, das sich an Anwender richtet, die Geräte für das Internet der Dinge aufbauen möchten.
Im Rahmen dieses Beitrags sehen wir uns fünf Arch-Derivate genauer an und prüfen, wie nah sie am Original bleiben und wie sie im Vergleich zu Arch Linux in der Praxis funktionieren. Neben den etwas bekannteren Kandidaten Antergos [2] und Manjaro [3] beschäftigen wir uns mit dem Newcomer Apricity OS [4], dem Minimalisten Archbang [5] und der KDE-Distribution Chakra [6]. Alle diese Distributionen bieten den Vorteil, dass sie von der äußerst umfangreichen Dokumentation von Arch profitieren.
Nicht unerwähnt bleiben soll ein weiterer vielversprechender Neuzugang bei den Arch-Derivaten: Das Projekt heißt VeltOS [7] und will der Community alle Entscheidungen über Design und Paketauswahl überlassen. Dazu entstand eigens eine Wahlplattform [8]. Sobald das Projekt auf etwas sichereren Füßen steht, werden wir ausführlich darüber berichten.
Antergos
Antergos startete im Jahr 2012 zunächst unter dem Namen Cinnarch, da die Entwickler aus Galicien auf Cinnamon als Desktop-Umgebung setzten. Ein Jahr wechselten die Spanier zu Gnome als Standard und änderten den Namen der Distribution in Antergos. Wie Arch Linux setzt auch Antergos auf das Rolling-Release-Prinzip und verwendet neben einigen eigenen Repositories hauptsächlich die Arch-Quellen.
Antergos steht als Live-Image in 32- und 64-Bit-Versionen zur Verfügung. Neben der normalen Ausführung mit einem Umfang von 1,7 GByte gibt es auch ein nur 482 MByte großes Minimal-ISO mit einem Basissystem, das Sie nach eigenen Wünschen ausgestalten können. Daneben gibt es noch jeweils am Sonntag veröffentlichte Testbuilds. Die von uns getestete stabile Version stammt vom 18. Oktober 2015 und setzt auf Gnome 3.18 auf.
Das Live-System startet in die Gnome-Umgebung, der Installer Cnchi offeriert neben einem Basissystem ohne Desktop die Geschmacksrichtungen Cinnamon, KDE, Maté, Openbox und XFCE. An gleicher Stelle stehen weitere Optionen zur Wahl, wie eine einfache Firewall, eine Druckumgebung, Steam und PlayOnLinux, Windows-Freigaben per SMB und das Einbinden des Arch-User-Repositorys AUR. Die Installation der Gnome-Fassung dauert rund 15 Minuten, danach ist das System aber bereits auf dem neuesten Stand. Wie bei Arch Linux kommt Pacman als Paketmanager zum Einsatz, daneben steht als GUI auch PacmanXG4 zur Verfügung. Derzeit arbeitet das Team an einer weiteren GUI für das Paketmanagement und folgt dabei dem Ansatz eines Appstores. Die Desktop- und Icon-Themes bei Antergos stammen aus dem Numix-Projekt [9].
Da Antergos direkt die Paketquellen von Arch Linux einbindet, erhalten seine Nutzer Updates und neue Pakete genauso schnell beim Original. Der Befehl sudo pacman -Syu befördert die neuesten Pakete ins System. Nur wenige Packages, wie die Paketmanagement-Frontends Pamac und Yaourt oder Themes und Icons für die Desktop-Umgebung, stammen aus dem Antergos-Repo. So bleiben Sie sehr nah am Puls von Arch Linux, ohne dessen zwar lehrreiche, aber für Anfänger schwierige und zeitaufwendige Installation durchlaufen zu müssen. Auch die Auswahl der gewünschten Desktop-Umgebung per Mausklick und das Aktualisieren des Gesamtsystems während der Installation nehmen Ihnen einige Arbeit ab, ansonsten bestehen keine Vorteile gegenüber dem Original.
In der FAQ auf der Projekt-Webseite [10] schreiben die Entwickler zu den Unterschieden der beiden Distributionen, diese beschränkte sich eher auf philosophische denn auf technische Aspekte. Während sich Arch Linux eher an fortgeschrittene Anwender richtet, sei Antergos für jedermann gedacht. In einem kleinen Seitenhieb auf die zwar ausgezeichneten, aber als elitär verschrieenen Support-Angebote von Arch Linux heißt es, in den Foren und IRC-Kanälen zu Antergos brauche niemand Angst zu haben, Fragen zu stellen.
Suchen Sie also eine Abkürzung zu einer Arch-Installation, deren Ergebnis möglichst nah am Original liegt, sollten Sie zu Antergos greifen. Der Lerneffekt, den Arch Linux im Original bei Installation und Administration quasi mitliefert, entfällt hier allerdings.

Abbildung 1: Da Antergos direkt die Paketquellen von Arch Linux einbindet, bleibt dieses Arch-Derivat sehr nah am Original.
Manjaro
Auch das Arch-Derivat Manjaro darf sich mit dem Begriff Allround-Distribution schmücken. Wie Antergos bietet es eine Vielfalt an optionalen Desktop-Umgebungen, wobei hier XFCE als liebevoll gepflegter Standard dient. Als zweite offizielle Arbeitsumgebung pflegt Manjaro KDE. Ein Netinstaller ohne Arbeitsumgebung zählt ebenfalls zum offiziellen Angebot. Daneben gibt es Community-Editionen mit Cinnamon, Gnome, Enlightenment, LXDE, Maté und Openbox sowie den Tiling-Window-Manager i3.
Für den Test nutzen wir den XFCE-Desktop, der mit Manjaro 15.09 “Bellatrix” in Version 4.12 auf die Platte wandert. Die Größe des entsprechenden Images beträgt 1,5 GByte. Neben der primären, kommandozeilenbasierten Installationsroutine finden sich zwei grafische Installer im Angebot: Thus, nach Angaben der Entwickler noch unfertig, sowie ein auf dem Calamares-Framework [11] basierendes Exemplar, das klaglos seinen Dienst tut.
Manjaro nimmt in Bezug auf die Aktualität der Pakete etwas mehr Abstand von Arch als Antergos. Hier kommen die Arch-Repositories nicht direkt zum Zug: Die Entwickler testen, filtern und bündeln die Pakete für ihre Anwender und liefern von Zeit zu Zeit kumulative Snapshots [12] aus, die dann dem jeweiligen Stand von Arch Linux entsprechen. Diese Snapshots erleichtern auch neuen Anwendern den Einstieg, indem sie ein umfangreiches Upgrade zur Aktualisierung des Systems nach der Installation ersparen. Manjaro stellt somit ebenfalls ein Rolling-Release-System dar – wenn auch ein wenig gebremst.
Neben dem stable-Repository gibt es auch solche mit den Bezeichnungen testing und unstable, die entsprechend aktuellere, aber potenziell instabile Software enthalten. Zum Aktualisieren und Installieren dient das Konsolentool Pacman aus Arch. Die XFCE-Variante installiert zusätzlich das grafische Frontend Pacmac, in der KDE-Variante kommt an dieser Stelle Octopi zum Zug. Mit Yaourt greifen Sie auf Pakete aus dem Arch-User-Repository AUR zurück.
Die mit dem Standard-Archiv von Manjaro ausgelieferten Pakete und Update-Packs erfordern deutlich weniger fortgeschrittenes Wissen als bei Arch und Antergos. Nehmen Sie zugunsten etwas neuerer Pakete etwas mehr Risiko in Kauf, steht Ihnen der testing-Zweig zur Verfügung. Aber selbst das unstable-Repository hinkt Arch zeitlich hinterher. Manjaro bietet somit eine quasi gefilterte Version von Arch, die sich gut anfühlt, stabil funktioniert und das anerkannt gute Arch-Paketmanagement nutzt.
Allerdings definiert sich Arch Linux selbst als Grundsystem, das sich nach den Bedürfnissen des jeweiligen Nutzers nahezu beliebig erweitern lässt. Dies bietet Manjaro nicht einmal mit der Net-Edition, da diese bereits einen X-Server mitbringt. Von solchen Haarspaltereien einmal abgesehen, besitzt Manjaro aber durchaus seine Berechtigung in der Reihe der Arch-Derivate. Es eignet sich hervorragend für Anwender, die sich bei DEB- oder RPM-basierten Distributionen nicht zu Hause fühlen und nach einer grafischen Installation ein komplettes System vorfinden möchten, dem man mit einigen Kniffen etwas mehr Arch-Gefühl einhauchen kann.

Abbildung 2: Manjaro nutzt als Standard-Desktops XFCE und KDE. Mit eigenen Paketquellen entfernt es sich ein wenig weiter von Arch als Antergos.
Apricity OS
Apricity OS 10.2015 Beta richtet sich, ähnlich wie etwa Chromixium [13], als noch recht junges Betriebssystem an die Generation der mobilen Cloud-Anwender. Weniger modern ist die Herkunft des gewählten Namens: Apricity steht als altertümlicher Begriff für die Wintersonnenwärme.
Während Chromixium auf Ubuntu basiert, setzt Apricity – etwas ungewöhnlich für die Gattung – auf Arch Linux auf. Das 1,7 GByte große Abbild, das derzeit nur die 64-Bit-Plattform bedient, arbeitet mit einem Installer im Live-Modus. Dabei handelt es sich um einen alten Bekannten, den aus Antergos stammenden Cnchi. Eine Alternative bietet ein auf dem Calamares-Installer-Framework basierender Installer, den Sie mangels Startmenü-Eintrag allerdings per Terminal anstoßen müssen.
Wie Antergos nutzt auch Apricity direkt die Paketquellen von Arch. In einem zusätzlichen kleinen Apricity-Core-Archiv finden sich unter anderem einige spezifische Tools und Skripte sowie diverse Google-Plugins, die Backup-Anwendung Sbackup, Wine und PlayOnLinux sowie Silverlight. Als grafischer Paketmanager kommt wie bei Manjaro Pamac zum Einsatz, der hier ebenfalls bereits die notwendige Konfiguration zur Benutzung des AUR mitbringt. Das Absichern der stark auf Internetnutzung zugeschnittenen Distribution erfolgt über die Uncomplicated Firewall (UFW) [14]. Sie lässt sich auch ohne Fachkenntnisse sehr einfach konfigurieren und nutzt Iptables als Grundlage.
Als Desktop-Umgebung nutzt Apricity ein etwas reduziertes Gnome 3.18 in einer grafisch leicht angepassten Version. Bei den Icons greift die Distribution auf das attraktive Numix-Projekt [15] zurück. Im Dock am unteren Bildschirmrand, das auf dem eigenständigen Programm Plank [16] beruht, findet sich neben den üblichen Gnome-Programmen sowie LibreOffice der seitenspezifische Browser Ice, der zum schnellen Zugriff Webapps und -seiten als Icons auf den Desktop legen kann. Dass im Dock ein Icon für ein Terminal fehlt, zeigt bereits die Zielrichtung von Apricity an.
Für Webarbeiter, die ständig mit diversen mobilen Geräten hantieren, bietet Apricity mit Ice, dem P2P-Sync-Tool Syncthing, dem Notebook-Energiemanagement TLP und Pushbullet [17] interessante Ansätze zur Arbeitserleichterung. Die Oberfläche kommt modern mit flachen Icons daher, das System agiert schnell und lässt sich intuitiv bedienen. Mit dem Erscheinen der ersten stabilen Version soll es Apricity auch in einer (vermutlich ebenfalls abgespeckten) KDE-Variante geben. Die Vorbereitungen dazu lassen sich bereits erkennen, wenn man die Paketliste unter dem Buchstaben K betrachtet. Ob allerdings Anwender, die auf ein Terminal-Icon im Dock verzichten können, mit den möglichen Tücken eines Arch Linux klarkommen, steht auf einem anderen Blatt.

Abbildung 3: Apricity setzt auf Arch und einen stark angepassten Gnome-Desktop. Die Distribution richtet sich mit der Integration von diversen Web-Apps an Online-Arbeiter.
Chakra
Chakra [18] entstand ursprünglich 2006 unter dem Namen KDEmod mit dem Ziel, eine einfache Arch-Installation mit KDE anzubieten. Im Jahr 2010 trennte sich das Chakra-Projekt, wie es sich von da an nannte, von Arch und gründete eine eigene Distribution. Als Prämisse nahm man sich vor, sich voll und ganz auf KDE und Qt zu konzentrieren und dem Anwender eine benutzerfreundliche Umgebung mit grafischen Werkzeugen für die Systemadministration zu bieten.
GTK-Anwendungen lagert die Distribution in ein eigenes Archiv aus, sodass sich ein reines Qt-System leicht realisieren lässt. Die Entwickler säubern dabei die Qt-Pakete auch von eventuellen GTK-Abhängigkeiten. Auch ansonsten geht Chakra eigene Wege und nabelt sich immer mehr von Arch Linux ab. Derzeit kommen noch Pacman für die Paketverwaltung und Pkgbuild als Buildsystem zum Einsatz, allerdings arbeitet das Projekt seit einiger Zeit an einem eigenen Paketmanager.
Chakra bezeichnet sich selbst als halb-rollend. Das soll bedeuten, dass das Basissystem behutsam und kontrolliert aktualisiert wird, während der Großteil der Anwendungen rollt. Erst kürzlich begann Chakra mit der Umstellung auf die fünfte Generation von KDE und krempelt gleichzeitig seine Infrastruktur um, wobei die Vereinfachung der Repositories im Vordergrund stehen. Neben dem erwähnten GTK-Archiv gibt es ein Core- sowie ein Desktop-Repository. Letzteres rollt ungehindert, allerdings werden die Pakete für Chakra neu paketiert.
Das Core-Repository bleibt dagegen eher statisch: Updates der Hauptkomponenten des Systems wie Kernel, Grafikstack, Treiber, Toolchain und alle wichtigen Bibliotheken erfolgen koordiniert in einem Rutsch. Als Installer kommt, wie bei immer mehr Distributionen, Calamares zum Einsatz. Die vorinstallierte Software-Auswahl erlaubt es, sofort produktiv loszulegen. Als Browser kommt Qupzilla [19] zum Einsatz, Firefox wartet bei Bedarf ebenso im GTK-Repo wie Gimp oder Inkscape. Für Büroarbeiten kommt KDEs Calligra-Bürosuite zum Einsatz, ergänzt um die Kontakt-Suite aus den KDE Applications.
Somit bewegt sich Chakra eher am Rand des Arch-Universums und katapultiert sich, sobald die Arbeit am selbstgestrickten Paketmanager Akabei ein Ende findet, in die Weiten des Distributionskosmos hinaus, ohne dabei seine Wurzeln ganz zu leugnen. Die Entwickler versicherten uns, dass selbst wenn irgendwann außer Pkgbuild keine direkte Nutzung von Arch mehr ersichtlich sein sollte, im Inneren von Chakra immer noch viele Arch-spezifische Mechanismen greifen und KISS (“Keep it simple, stupid.”) als Grundprinzip weiter verinnerlicht bleibt.
Chakra 2015.11-Fermi mit Plasma 5 steht erst seit relativ kurzer Zeit zur Installation bereit. Liegen Ihre Prioritäten auf Qt-Software in einer benutzerfreundlichen Umgebung mit einer hilfreichen und freundlichen Community in Foren und IRC, dürften Sie sich bei Chakra gut aufgehoben fühlen.

Abbildung 4: Chakra entfernt sich mit der Entwicklung eines eigenen Paketmanagers immer weiter von Arch. Das KISS-Prinzip möchte Chakra jedoch nicht über Bord werfen.
Archbang
Das minimalistische Archbang fällt etwas aus dem Rahmen der hier vorgestellten Distributionen: Es setzt sich nicht zum Ziel, die Installation von Arch Linux zu erleichtern oder Teile der Arch-Infrastruktur in anderen Zusammenhängen zu nutzen. Stattdessen richtet es sich wie das Vorbild eher an erfahrene Anwender, die eine sehr leichtgewichtige Distribution für ältere Hardware suchen und sich unter Umständen bereits mit Arch auskennen.
Das weniger als 500 MByte große Archbang-Image setzt für die Arbeitsoberfläche auf den vorkonfigurierten Fenstermanager Openbox [20] und kommt als Live-Medium mit einer angepassten Version des Arch-Installerskripts. Dazu gibt es eine Anleitung im Archbang-Wiki [21], die nicht nur die Installation erläutert, sondern auch die spätere Handhabung des installierten Systems.
Archbang ging aus der Anfang 2015 in der damaligen Form eingestellten Distribution #Crunchbang hervor. “#”, wie die Distro in der Szene abgekürzt wurde, basierte auf Ubuntu beziehungsweise später Debian und verwendete ebenfalls ein vorkonfiguriertes Openbox als Fenstermanager. Dessen Konfiguration übernahm Archbang und setzte das aktuellere und ständig rollende Arch Linux als Basis darunter.
Beim Start des Live-Mediums bietet das System neben dem normalen Start an, Archbang mit optimaler Geschwindigkeit gänzlich im Hauptspeicher laufen zu lassen. Das setzt jedoch einen Rechner mit mindestens 2 GByte Arbeitsspeicher voraus. Mangelt es dem System an USB-Ports, dürfen Sie in diesem Modus den Speicherstick nach dem Hochfahren abziehen. Der Speicherbedarf nach einem normalen Start beträgt rund 130 MByte, starten Sie Archbang hingegen komplett im RAM, belegt das System anfangs rund 500 MByte, was logischerweise der Größe des Abbilds entspricht.
Nach dem Start finden Sie sich auf einem Desktop wieder, der lediglich über den Systemmonitor Conky [22] einige Systemparameter und Tastenkürzel einblendet. Am unteren Rand lädt ein Panel mit einem Status-Icon, das Platz für aktive Anwendungen und Apps im Hintergrund bietet. Ein Rechtsklick auf den Desktop oder ersatzweise [Super]+[Leer] zaubert ein karges Menü hervor. Hier finden Sie Optionen zum Herunterfahren des Systems, zum Aufruf des Installers und der Dokumentation sowie Menüpunkte für die wenigen vorinstallierten Applikationen. Zu Letzteren zählen im Wesentlichen Firefox, der Editor Geany, der Bildbetrachter Feh, die Systemanzeige Htop und das LX-Terminal. Letzteres kommt ausgiebig zum Einsatz, wenn Sie das System an die eigenen Vorstellungen anpassen und erweitern möchten.
Archbang richtet sich an fortgeschrittene Anwender oder solche, die es werden wollen und dafür genügend Zeit mitbringen. Wer Arch kennt, fühlt sich auch bei Archbang schnell heimisch: Immerhin ist der semi-grafische Installer ein Subset des Arch-Installers und Pacman anfangs die einzige Möglichkeit, das System zu erweitern. Mit Archbang lassen sich, wie generell mit Arch Linux, kompakte und, aufgrund des sehr schlanken Fenstermanagers Openbox, schnelle Systeme aufbauen sowie bis ins Kleinste an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Die detaillierte Installationsanleitung hilft dabei auch weniger fortgeschrittenen Nutzern, die Distribution auf die Platte zu bannen. Die Wahrscheinlichkeit, dass blutige Linux-Anwender gefallen an Archbang (oder Arch Linux) finden, dürfte jedoch eher gering sein.

Abbildung 5: Mit Openbox als Fenstermanager eignet sich Archbang für ältere Rechner sowie für Fans schlanker Desktop-Umgebungen ohne viel optischen Firlefanz.
Fazit
Arch Linux bildet eine beliebte Plattform, um andere Projekte darauf aufzubauen. Dabei geht es meist um Desktop-Distributionen wie die hier besprochenen, aber auch sehr spezialisierte Projekte wie Ubos [23] oder Msys2 [24].
Suchen Sie ein Derivat möglichst nahe am Original, sollten Sie sich Antergos anschauen. Manjaro entfernt sich etwas weiter von Arch, macht als Desktop aber eine gute Figur. Vom Design etwas moderner und sehr nah an Arch ist Apricity, das sich an Anwender richtet, die gerne mit Web-Anwendungen arbeiten. Chakra orientiert sich nur noch sehr lose an Arch, steht aber zu dessen Prinzipien und favorisiert KDE und Qt. Diese Kandidaten richten sich ebenso an Einsteiger, da sie eine einfache Installation bieten und ansonsten den Anwender bei der Hand nehmen. Archbang dagegen ist pures Arch Linux, klein und leichtgewichtig und sucht fortgeschrittene Anwender, die bereits Erfahrungen mit Arch gesammelt haben.
Unter den vorgestellten Distributionen sollte damit für jeden Geschmack etwas dabei sein. Alle Distributionen liegen als Live-Medien vor, sodass einer ausführlichen Testrunde nichts im Weg steht.
Infos
[1] Arch-Derivate: https://wiki.archlinux.org/index.php/Arch_based_distributions_(active)
[2] Antergos: https://antergos.com
[3] Manjaro: http://manjaro.github.io
[4] Apricity OS: https://apricityos.com
[5] Archbang: http://wiki.archbang.org
[6] Chakra: https://chakraos.org
[7] VeltOS: https://velt.io/our-story
[8] Wahlplattform: https://velt.io/community/categories/voting
[9] Numix: https://numixproject.org
[10] Antergos FAQ: https://antergos.com/wiki/miscellaneous/frequently-asked-questions/
[11] Calamares: https://calamares.io
[12] Manjaros Release-Modell: https://wiki.manjaro.org/index.php?title=The_Rolling_Release_Development_Model
[13] Chromixium: http://chromixium.org/
[14] UFW: http://guides.webbynode.com/articles/security/ubuntu-ufw.html
[15] Numix: https://numixproject.org
[16] Plank: http://wiki.go-docky.com/index.php?title=Plank:Introduction
[17] Pushbullet: https://www.pushbullet.com
[18] Chakra: https://chakraos.org
[19] Qupzilla: http://www.qupzilla.com
[20] Openbox: http://openbox.org
[21] Dokumentation: http://wiki.archbang.org/index.php?title=ArchBang_Document
[22] Conky: https://github.com/brndnmtthws/conky
[23] Ubos: http://ubos.net
[24] Msys2: http://sourceforge.net/p/msys2/






Arch-Linux ist eine tolle Linux-Distribution, deren Wert aber leider durch die Community leidet. Es gibt insbesondere für die deutschsprachige Unterstützung ein Forum, welches sich durch eine eher despotische Forenführung auszeichnet. Zum einen ist die Unterstützung dort nur für das “echte” Arch Linux gewährleistet, Fragen zu Installationen, die mit anderen Installern (Manjaro, Anteregos, aber auch mit Installern, die ein “echtes” Arch hinzaubern, aber mit weniger Mühe, die werden ganz einfach gesperrt. Aber damit nicht genug: Hat man ein Linux in mühseliger Arbeit mit dem “echten” Arch-Linux-Installer hingezaubert, so wird einem dies nicht geglaubt, weil man Begriffe nutzt (Z.B. “Gummiboot” als alter… Mehr »
Ja, kann ich zu 100% bestätigen.
Probleme werden erst von den Moderatoren im zweiten Post eines neuen Thread gebaut, um dann von der Forenfangemeinde verteidigt zu werden.
Das Problem des Thread- erstellers ist keines. Das Forum ist mehr ein ruhender Ort, bis sich wieder ein Opfer findet, dass runter gemacht werden kann.
Ich frage mich, was im dt. Archforum passiert, wenn wider Erwarten das Arch Entwicklerteam auf die Idee kommt und den Derivaten einmal einen grafischen Installer zeigt? Wer, wenn nicht sie?
Das wäre mal ein Anblick, diese Forenscheinbetreiber zu sehen.