Trotz seiner Relevanz behandeln viele Nutzer das Thema Backup nach wie vor eher stiefmütterlich: zu kompliziert, zu umständlich. Back in Time nimmt der ungeliebten Datensicherung den Schrecken.
README
Für einfache manuelle oder automatische Datensicherung bietet Back in Time eine intuitive grafische Oberfläche, die es erlaubt, das darunterliegende Programm Rsync zu bedienen.
Die meisten Anwender wissen durchaus um die Relevanz von Backups, dennoch sichern die wenigsten ihre Daten regelmäßig. Der Grund ist derselbe, aus dem auch viele immer noch auf das Verschlüsseln von E-Mails verzichten: Die Sache erscheint zu kompliziert, zu aufwendig, benötigt zu viel Zeit und Aufmerksamkeit, um sie regelmäßig zu wiederholen.
Zumindest für die Datensicherung gibt es aber eine handliche Lösung: Back in Time [1]. Die Software dient als grafische Oberfläche für das altbekannte konsolenbasierte Synchronisierungsprogramm Rsync [2], das speziell weniger versierte Nutzer aber häufig wegen seiner Komplexität meiden.
Das Python-Programm steht in den Repositories aller großen Distributionen zur Installation bereit. Nutzer des KDE-Desktops verwenden die Qt-basierte Variante, die von Gnome das Gtk-Pendant. Arch-Linux bietet ein drittes Paket namens backintime-CLI an, das für den automatischen Einsatz mit der Shell (“command line interface”) entwickelt wurde. Darüber hinaus stellt das Projekt auf seiner Webseite die Software auch als Tarball zum Download bereit. Diesen finden Sie auch auf der Heft-DVD.
Einstieg
Back in Time beherrscht auch die inkrementelle Datensicherung. Im Unterschied zu archivbasierten Backupsystemen erstellt Back in Time eine Kopie der zu sichernden Ordner und speichert bei weiteren Backups nur noch veränderte Dateien. Das spart Platz und Zeit.
Die Software legt die Sicherungen in einem Ordner mit dem Namen des Erstellungsdatums ab, sodass Sie bereits am Verzeichnisnamen den Zustand der Dateien an einem bestimmten Tag erkennen. Bereits gesicherte und unveränderte Dateien kopiert die Software in Form harter Links in die Verzeichnisse der jeweils neuen Datensicherung, womit diese jeweils den gesamten Inhalt abbilden. Die Struktur der von Back in Time angelegten Verzeichnisse folgt dem folgenden Muster:
/mnt/backintime/<Rechner>/<User>/<Profil>/<Datum>-<iNummer>/
Das Verzeichnis backintime/ erstellt die Software obligatorisch. Rechner kennzeichnet den Namen des Rechners, User denjenigen des Benutzers und Profil die Nummer eines Profils, das Sie beim Einrichten vergeben. Die Backups selbst befinden sich in Verzeichnissen mit Datumsnamen samt Uhrzeit und einer internen Nummer (iNummer). So landet die Sicherung vom 06.07.2015 um 20:19:51 Uhr im Ordner 20150706-201951-427.
Das zuletzt erzeugte Backup steht dabei immer als Link mit dem Namen last_snapshot zur Verfügung. Diese Struktur erlaubt es, Daten von mehreren Anwendern oder verschiedenen Verzeichnissen durch unterschiedliche Profile auf einem einzigen Backupmedium zu sichern und von dort wiederherzustellen.
Konfiguration
Die Konfiguration von Back in Time starten Sie über den dritten Schalter von rechts in der Werkzeugleiste des Hauptfensters. Beim ersten Start der Software erscheint diese sofort. Durch die Möglichkeit, über Profile unterschiedliche Konfigurationen zu verwalten, gewinnt Back in Time an Flexibilität. Benötigen Sie das nicht, dann achten Sie darauf, dass am oberen Rand neben Profil immer Hauptprofil erscheint.
Im ersten Reiter Allgemein (Abbildung 1) stellen Sie zunächst ein, wann und wohin die Software die Daten sichern soll. Unter Modus wählen Sie den Typ des Backups aus. Vorsicht ist bei der Anwahl verschlüsselter Backups geboten: Sollten Sie den hier angegebenen Schlüssel verlieren, kommen Sie nicht mehr an die gesicherten Daten. In der Rubrik Speicherort für Schnappschüsse legen Sie das Zielverzeichnis fest, im einfachsten Fall eine zuvor vorbereitete USB-Festplatte oder ein ausreichend großer USB-Stick.

Abbildung 1: Back in Time bietet als Ziel nicht nur lokal angeschlossene Speicher an, sondern erlaubt auch die Übertragung via SSH, beispielsweise zu einem NAS.
Bei den manchmal noch vorab eingerichteten FAT-Dateisystemen gilt es, zu beachten, dass diese oft mit den Dateinamen unter Linux nicht zurechtkommen. Darüber hinaus kennt das veraltete Dateisystem auch keine Hardlinks. Back in Time speichert daher in diesem Fall relativ speicherintensiv bei jedem Sicherungslauf die komplette Quelle und nicht nur die darin enthaltenen Änderungen. Für Abhilfe sorgt hier der Einsatz “intelligenter” Dateisysteme wie Ext4, Btrfs oder ZFS. Letztere erlauben auch das Anlegen platzsparender Backups, da sie Datenblöcke komprimieren. Alternativ speichern Sie die Sicherungen auch via SSH auf einem entfernten Rechner oder NAS.
Im Abschnitt Erweitert legen Sie die zuvor beschriebene Ordnerhierarchie fest; hier liefert die Software bereits sinnvolle Vorgaben. Unter Zeitplan legen Sie die Frequenz fest, mit der das Programm die Datensicherungen startet. Im Reiter Einbeziehen rechts daneben legen Sie fest, welche Dateien und Verzeichnisse die Software beim Backup berücksichtigen soll.
Normalerweise enthalten Ordner wie das Home-Verzeichnis diverse Dateien und Verzeichnisse, die Sie nicht mit sichern möchten, beispielsweise weil es sich um temporäre Inhalte oder Caches handelt. Diese nehmen Sie daher in der Rubrik Ausschließen von der Sicherung aus (Abbildung 2). In den Vorgaben fehlt manchmal .wine, was häufig zu Problemen führt. Dateinamensmuster definieren Sie über die Schaltfläche Hinzufügen. Ein Ausschlussmuster in der Form .*, verhindert beispielsweise, dass die “versteckten” Dateien und Verzeichnisse – typischerweise Konfigurationen im Home-Verzeichnis – mit ins Backup aufgenommen werden.

Abbildung 2: Mittels konkreter Pfade und Dateinamen, aber auch anhand von Mustern schließen Sie gezielt Objekte von der Datensicherung aus.
Was mit alten Backups geschehen soll, definieren Sie unter Automatisch entfernen (Abbildung 3). Die darin enthaltene Rubrik intelligentes Löschen bietet eine Reihe interessanter Optionen, mit denen Sie die Menge der Backups auf das unbedingt Notwendige reduzieren. Durch das Aktivieren von Entferne benannte Backups nicht schützen Sie besonders wichtige – und daher benannte – Backups separat.

Abbildung 3: Back in Time bietet Ihnen diverse Möglichkeiten, alte Backups automatisch entfernen zu lassen.
Im Reiter Optionen stellen Sie verschiedene Eigenschaften für den Betrieb der Software ein. Sofern Sie keine speziellen Anforderungen haben, belassen Sie hier im Regelfall alles bei den Voreinstellungen. In den Einstellungen für Experten legen Sie gegebenenfalls unter anderem fest, welche Attribute Sie im Backup bewahren wollen. Das hängt von der Strategie im System beziehungsweise dem Home-Verzeichnis ab [3].
Darin finden Sie aber auch eine wichtige Option für die Bearbeitung von Symlinks: Verknüpfungen kopieren (dereferenziert symbolische Verknüpfungen). Nur wenn Sie diese aktivieren, berücksichtigt Back in Time die über Symlinks eingebundenen Dateien. Ohne diese Option speichert das Programm nur die Symlinks selbst als Dateien, die dann aber möglicherweise ins Nirwana zeigen.
Backups verwalten
Normalerweise arbeitet Back in Time (Abbildung 4) nach dem Setup relativ unauffällig im Hintergrund, es nimmt aber auch auf Zuruf seine Tätigkeit auf. Die zweite Variante erlaubt Ihnen, in bestimmten Situationen manuelle Backups anzulegen, die beispielsweise vor einem Update alle relevanten Daten enthalten. Dazu legen Sie händisch einen Schnappschuss an, den Sie mit einem Namen versehen. Dies ermöglicht der Schalter mit dem Stift-Symbol. Nach dem Anlegen des Schnappschusses wählen Sie diesen aus und benennen ihn. Diese Art von Backups verwaltet Back in Time gegebenenfalls anders.

Abbildung 4: Das Hauptfenster von Back in Time hält Sie stets über die verschiedenen Jobs im Bilde und gewährt Ihnen einfachen Zugriff auf bereits angelegte Sicherungen.
Back in Time unterstützt das Analysieren von Backups mit einer relativ unbekannten Funktion, die sich hinter einem Button im Hauptfenster versteckt (Abbildung 5). Über diesen öffnen Sie einen Dialog, der die vorhandenen Schnappschüsse in Form einer Liste anzeigt. Darin lassen sich nun gezielt einzelne Schnappschüsse auswählen, vergleichen und gegebenenfalls löschen – oder auch wiederherstellen. Zur Analyse der Schnappschüsse setzt Back in Time voreingestellt Meld [4] ein, andere Diff-Tools konfigurieren Sie bei Bedarf unter Vergleichsoptionen.

Abbildung 5: Backups, sogenannte Snapshots, vergleicht Back in Time sowohl untereinander als auch mit dem aktuellen Zustand des Dateisystems via Meld.
Die Eingabe von backintime -b auf der Kommandozeile startet die Applikation ohne grafische Oberfläche. Die Option --backup-job berücksichtigt dabei die Schedule-Regeln für automatische Backups. Der Schalter --snapshots-path zeigt den für den Schnappschuss verwendeten Pfad, --snapshots-list die dort vorhandenen Schnappschüsse, --snapshots-list-path die Pfade der Snapshots. Die Erweiterung --last-snapshot zeigt die ID des letzten Schnappschusses, --last-snapshot-path seinen Pfad.
Fazit
Wer sich mit einfachen Backups zufriedengibt, ist mit Back in Time bestens bedient. Es erfordert kaum Lernaufwand und liefert gute Ergebnisse. Problematisch zeigt sich die Software höchstens in Grenzbereichen, etwa beim Verwenden von Symlinks, dem Eliminieren von Fehlern oder dem gezielten Ein- und Ausschließen von Ordnern und Dateien mit komplizierten Mustern. Für den reibungslosen Ablauf erwartet die Software allerdings auf dem zur Sicherung verwendeten Datenträger ein vernünftiges Dateisystem wie Ext4 oder Btrfs.
Infos
[1] Back in Time: http://backintime.le-web.org
[2] Rsync: http://rsync.samba.org
[3] Back in Time Konfiguration: http://manpages.ubuntu.com/manpages/utopic/man1/backintime-config.1.html
[4] Meld: http://meldmerge.org





