Auch auf dem heimischen PC wachsen die Datenbestände stetig an. Mit FreeFileSync legen Sie schnell und bequem eine zuverlässige Sicherungskopie Ihrer Daten an.
Dank Digitalkameras, MP3-Player und moderner Smartphones mit HD-Videofähigkeiten füllen auch Privatanwender inzwischen problemlos Massenspeicher in Terabyte-Größe bis zum letzten Bit. Oft befindet sich darunter Unwiederbringliches, wie Fotos von der letzten Geburtstagsfeier oder Videosequenzen aus dem vergangenen Urlaub. Umso wichtiger ist es, diese Daten zu sichern, damit sie im Falle eines Festplattendefekts nicht verloren gehen. Doch die herkömmlichen Backup-Lösungen lassen sich häufig nur umständlich bedienen und erschlagen den Heimanwender mit einer Fülle von Funktionen, die er nie benötigt. Hier kommt das Programm FreeFileSync [1] ins Spiel, das sich speziell an die Bedürfnisse von Privatanwendern richtet.
Erster Einsatz
Da die meisten gängigen Distributionen das Tool in ihren Repositories vorhalten, installieren Sie es in der Regel bequem via Paketmanager, etwa mit Synaptic oder YaST. Legen Sie Wert auf die derzeit aktuellste Version 6.13, müssen Sie diese jedoch von der Webseite des Projekts herunterladen. Dort stellen die Entwickler sowohl angepasste Tarballs für einige große Distributionen bereit als auch den Quellcode zum manuellen Kompilieren [2].
Nach erfolgreicher Installation erscheint das Programm in der Menüstruktur mit einem Starter, über den Sie es bequem per Mausklick aufrufen. Beim ersten Start fällt das eingängig aufgebaute Programmfenster auf. In dessen Kopf befindet sich die Menüzeile und darunter eine Schalterleiste. Besonders präsent fallen die beiden Schaltknöpfe Vergleichen und Synchronisieren aus, neben denen jeweils ein Button steht, über den Sie zu den zugehörigen Einstellungen gelangen. Hinter dem Schaltknopf mit einem Trichter-Symbol verbirgt sich eine Routine zum Anlegen von Filterkriterien. Rechts unten platziert die Software eine kleine Statistikanzeige. Das Hauptfenster mit seinen drei Listen zeigt die zu synchronisierenden Verzeichnisse sowie eine Kontrollliste an.
Im ersten Schritt legen Sie fest, welche Datenträger oder Verzeichnisse Sie in die Synchronisation einbeziehen möchten. Dazu finden Sie oberhalb der Listen jeweils ein Eingabefeld, in das Sie die jeweiligen Pfade eintragen. Durch einen Klick auf Auswählen jeweils rechts neben den Eingabefeldern wählen Sie die Pfade mit dem integrierten Dateimanager aus. Um anschließend einen Überblick über die Unterschiede der vorhandenen Datenbestände zu erhalten, klicken Sie auf Vergleichen. Mit einem Klick auf das daneben befindliche Zahnrad steuern Sie dessen Verhalten. Dazu zählt unter anderem, nach welcher Methode die Software den Datenbestand miteinander vergleicht. Zur Auswahl stehen Dateiinhalt, Datums- und Zeitstempel sowie Dateigröße. Der Abgleich der Dateiinhalte nimmt je nach Umfang des geplanten Backups sehr viel Zeit in Anspruch. Im Test verglich die Software etwa 25 bis 30 MByte je Sekunde. Deswegen empfiehlt es sich, bei größeren Datenbeständen den voreingestellten Vergleich nach Datum und Größe vorzunehmen.
Nach einem anschließenden Klick auf Vergleichen listet das Programm die in den Verzeichnissen enthaltenen Dateien und Unterordner von Quelle und Ziel auf, die auf der jeweils anderen Seite fehlen. Ein Übersichtsfenster links daneben zeigt außerdem die prozentualen Unterschiede an, geordnet nach den betroffenen Verzeichnissen. Mittig zwischen den Dateilisten finden Sie zusätzlich eine Spalte mit jeweils drei Elementen. Die Checkbox erlaubt es, einzelne Dateien und Verzeichnisse von der Synchronisation auszuschließen, in der rechten Spalte erscheint die vom Programm eingestellte Aktion (Abbildung 1).

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Abbildung 1: Ein Klick aufVergleichen zeigt im Hauptfenster an, welche Dateien und Ordner das Programm zum Synchronisieren vorsieht.Beachten Sie, dass insbesondere beim Verwenden von Flash-Speicherkarten und USB-Speichersticks ein Durchlauf zum Vergleich von Quell- und Zieldatenträger zuweilen lange dauert. Dieser erhöhte Zeitaufwand resultiert aus den oft bei solchen Wechselspeichern genutzten minderwertigen Speicherchips, die nur relativ geringe Geschwindigkeiten beim Auslesen von Daten und noch niedrigere Schreibgeschwindigkeiten zulassen. Auch aus Gründen der Datensicherheit empfiehlt es sich, solche Medien nicht als Primärspeicher für das Backup wichtiger Daten zu nutzen.
Mithilfe der integrierten Filteroptionen definieren Sie bestimmte Dateiformate oder Suchpfade, die das Tool explizit in den Synchronisationslauf ein- oder davon ausschließt. Klicken Sie dazu auf den Schalter mit Trichter-Symbol oben mittig im Programmfenster. Im übersichtlich gestalteten Dialog legen Sie die Kriterien fest und übernehmen sie mit einem Klick auf OK (Abbildung 2).

Abbildung 2: Im Filterdialog legen Sie fest, welche Dateien, Dateitypen oder Verzeichnisse Sie explizit in die Synchronisation mit einschließen oder davon ausnehmen möchten.
Spieglein, Spieglein…
Um beim ersten Abgleich großer Datenbestände eine vollständige Spiegelkopie des Quellmediums zu erhalten, gilt es, die Einstellungen zur Synchronisation anzupassen. Das Programm bietet dazu nach einem Klick auf das grüne Zahnrad neben Synchronisieren mehrere Varianten an. Beim ersten Synchronisationslauf wählen Sie die Option Spiegeln ->>. Dabei spiegelt die Software sämtliche Daten aus dem ausgewählten Pfad auf das Backup-Medium. Sofern dieses bereits Daten enthält, schließt das auch Löschvorgänge mit ein. Nach einem Klick auf OK gleicht die Software die Listenanzeige an und zeigt unten rechts im Programmfenster eine Statistik darüber, welche Datenbestände sie löscht, überschreibt oder neu kopiert (Abbildung 3).

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Spiegeln und Aktualisieren erlaubt das Programm, auch eigene Synchronisierungsmethoden umzusetzen.Links in der Übersicht zeigt das Programmfenster alphabetisch geordnet alle Ordner mit jeweiligen Prozentangaben der zu modifizierenden Daten an. Um nähere Informationen darüber zu erhalten, welche Datenbestände aus den gelisteten Verzeichnissen gelöscht, neu angelegt oder überschrieben werden sollen, klicken Sie auf den fraglichen Ordner. FreeFileSync ändert nun in den beiden Listenfenstern die Anzeige so, dass ausschließlich der ausgewählte Ordner mit seinen Unterverzeichnissen darin erscheint. Zwischen den Listenansichten sehen Sie in einer Spalte anhand zeilenweise angeordneter grüner Symbole, was mit der jeweiligen Datei geschieht.
Welche der Aktionen das Fenster anzeigt, legen Sie im unteren Abschnitt neben Ansicht wählen: fest. Zur Auswahl stehen das Kopieren in die eine oder andere Richtung sowie die Anzeige identischer Dateien, die unverändert bleiben. Die Software aktualisiert anschließend die Listenansichten entsprechend, sodass Sie insbesondere bei umfangreichen Datenbeständen mit wenigen Mausklicks einen Überblick erhalten, wie die Software mit den Daten verfährt.
Nach einem anschließenden Klick auf Synchronisieren öffnet das Programm nochmals ein kleines Fenster, das die anstehenden Aktionen zur Kontrolle anzeigt. Um den Synchronisationslauf zu starten, klicken Sie in diesem Fenster auf Start (Abbildung 4). In der Grundeinstellung übernimmt die Software die Synchronisierungsvorgaben, die Sie unter Vergleichen eingestellt haben. Um diese zu ändern, klicken Sie auf das Zahnrad-Symbol daneben und passen die Werte gemäß Ihren Wünschen an.

Abbildung 4: Vor dem Datenabgleich zeigt ein kleines Fenster noch einmal eine quantitative Zusammenfassung an.
Während des Synchronisationslaufs präsentiert die Software in einem Dialog eine Fortschrittsanzeige, sodass Sie den Ablauf verfolgen können (Abbildung 5). Da sich nach dem Ende der Synchronisation die Datenbestände nicht mehr unterscheiden, bleiben die Listenansichten dann leer.
Bei einem erneuten Abgleich zwischen bereits synchronisierten Verzeichnissen ist es nicht mehr notwendig, den kompletten Datenbestand zu spiegeln. Zum einen dauert je nach Synchronisationsintervall der Abgleich relativ lang, zum anderen werden sehr viele Daten trotz Inhaltsgleichheit überschrieben. Daher empfiehlt es sich, im Konfigurationsmenü von Synchronisieren auf Aktualisieren -> umzustellen. Die Software kopiert nun ausschließlich neue Datenbestände von links nach rechts oder solche, die sich seit dem letzten Abgleich verändert haben. Die Statistikanzeige zeigt, dass der zu kopierende Datenbestand deutlich geringer ausfällt als bei einer kompletten Spiegelung.
Halbautomatik
Um Ihre Datenbestände flexibler zu synchronisieren als mit den drei vorgegebenen Optionen <- Zwei Wege ->, Spiegeln ->> und Aktualisieren -> erlaubt der Button Eigene in den Synchronisationseinstellungen das Anlegen individueller Regeln. Dazu klicken Sie rechts im Konfigurationsdialog Aktion die entsprechenden Optionen an. So synchronisieren Sie beispielsweise Datenbestände simultan in beide Richtungen, ohne dazu einen zweiten Durchlauf starten zu müssen (Abbildung 6).

Abbildung 6: Eigene Regeln erlauben beispielsweise die simultane Synchronisation in beide Richtungen, ohne dazu einen neuen Lauf starten zu müssen.
Treten beim Datenabgleich Fehler auf, so zeigt die Software diese sofort an. Typischerweise klemmt es beim Verwenden unterschiedlicher Dateisysteme oft. Diese Fehler häufen sich vor allem dann, wenn eines der beiden Speichermedien FAT32 verwendet. Da die Software nicht synchronisierte Dateien im Listenfenster belässt, dürfen Sie die Fehlermeldungen zunächst getrost ignorieren und kümmern sich erst nach Abschluss des Durchlaufs manuell um die verbleibenden Problemfälle.
Vollautomatik
Der größte Nachteil manueller Datensicherungen: Man vergisst gerne, sie regelmäßig zu starten. Abhilfe schafft eine automatische Synchronisation. Dazu bringt FreeFileSync das Modul RealtimeSync mit, für das es auch einen entsprechenden Starter anlegt. RealtimeSync erleichtert den automatischen Abgleich mehrerer Datenträger, indem es durch den Einsatz einer Stapeldatei Daten permanent auf Veränderungen überwacht und sie gemäß den festlegten Regeln aktualisiert. Um RealtimeSync zu nutzen, bedarf es einer Batch-Datei, die alle notwendigen Einstellungen für die Synchronisationsläufe enthält.
Um diese zu erstellen, legen Sie in FreeFileSync einen Job nach Ihren Wünschen an und speichern ihn via Datei | Speichern als Batchauftrag… als Datei mit der Endung .ffs_batch in einem Verzeichnis Ihrer Wahl. Nach einem späteren Start von RealtimeSync ziehen Sie diese Datei in dessen Programmfenster. Die Software übernimmt damit automatisch alle enthaltenen Einstellungen, ein Klick auf Start beginnt mit der Synchronisation (Abbildung 7).

Abbildung 7: RealtimeSync gleicht die Daten überwachter Ordner permanent mit dem Synchronisationsziel ab.
Das Programm minimiert sich anschließend in den System-Tray der Desktop-Umgebung und überwacht fortan die eingestellten Ordner auf Veränderungen. Treten solche auf, synchronisiert es die betroffenen Dateien automatisch und blendet währenddessen kurz eine Fortschrittsanzeige auf dem Desktop ein.
Je nach eingestelltem Intervall (Ruhezeit (in Sekunden):) synchronisiert die Software die Verzeichnisse mit einer Verzögerung. Insbesondere bei stark frequentierten Dateiservern ist diese Verzögerung durchaus sinnvoll, da ein ständiger Datenabgleich mit externen Massenspeichern zu deutlichen Geschwindigkeitseinbußen beim Ausführen der Serverdienste führen würde.
Fazit
Mit FreeFileSync steht Ihnen ein leistungsfähiges Programm zur Datensynchronisation in kleinen Netzen zur Verfügung, das allerdings keine echten Backups mit inkrementeller beziehungsweise differenzieller Datensicherung beherrscht. Das Zusatzprogramm RealtimeSync erledigt Synchronisationsjobs selbstständig, nach einem einmaligem Setup müssen Sie sich um nichts mehr kümmern. Mit externen Massenspeichern als Zieldatenträger kommt FreeFileSync problemlos zurecht und gleicht dabei auch größere Datenbestände zügig ab. Daher sollte die Software auf keinem Einzelplatzsystem fehlen, wenn es darum geht, wichtige Daten redundant vorzuhalten.
Infos
[1] FreeFileSync: http://www.freefilesync.org
[2] FreeFileSync herunterladen: http://sourceforge.net/projects/freefilesync/files/FreeFileSync/






