Wer digitalen Lesestoff nicht nur auf seinem Reader verwaltet, sondern auch auf dem heimischen Rechner, der kommt kaum am freien E-Book-Manager Calibre vorbei.
Ursprünglich zum Verwalten von E-Books entwickelt, gilt Calibre [1] heute als das Werkzeug der Wahl bei fast allen Aufgaben mit diesem Medium. Es kann E-Books nicht nur verwalten, sondern auch deren Inhalte und Metadaten bearbeiten, sie in andere Formate umwandeln und auf einen Reader laden. In den letzten Monaten erschienen in kurzer Folge die Versionen 2.0 bis 2.11, die wir uns hier genauer ansehen.
Installation
Calibre findet sich zwar in den Repositories aller gängigen Distributionen, jedoch zumeist nur in älteren Versionen. Es gibt allerdings gute Gründe, die Software auf das aktuellste Release zu heben. Den Hinweis auf eine neue Version zeigt Calibre am unteren Bildschirmrand an. Ein Mausklick darauf führt Sie zur Download-Seite [2], von wo der vorbereitete Funktionsaufruf ein Installer-Skript herunterlädt (Listing 1), das die Software im Verzeichnis /opt/calibre/ einrichtet. Was sich an den Versionen geändert hat, zeigt das Changelog [3].
Listing 1
$ sudo -v && wget -nv -O- https://raw.githubusercontent.com/kovidgoyal/calibre/master/setup/linux-installer.py | sudo python -c "import sys; main=lambda:sys.stderr.write('Download failed\n'); exec(sys.stdin.read()); main()"
Das Einrichten von Calibre gestaltet sich dann dank des Wizards erfreulich einfach und kurz: Nach der Auswahl der Sprache für die Oberfläche müssen Sie zunächst nur ein leeres Verzeichnis angeben, in dem die Software zukünftig alle E-Books speichert. Für die aufgenommenen E-Books legt sie darin nach Autorennamen benannte Verzeichnisse an, in denen sie wiederum Verzeichnisse mit den Namen der Medientitel erstellt. Dort lagert Calibre die E-Books in unterschiedlichen Formaten ein, sofern Sie das wünschen.
Die oberste Ebene der Verzeichnishierarchie enthält die SQLite-Datenbank metadata.db, in der das Programm die Informationen zu den E-Books verwaltet.
Bücher verwalten
Nach dem Start von Calibre erscheint das dreigeteilte Hauptfenster (Abbildung 1), das mehrere Darstellungen zur Auswahl stellt. Dazu zählen eine sehr technisch gehaltene Listenausgabe, eine Variante mit Icons sowie eine mit Cover-Bildern. Der Aufbau sieht vor, dass Sie links Suchkriterien eingeben, deren Ergebnisse Calibre in der Mitte zeigt. Rechts davon erscheinen Details zu dem aktuell angewählten E-Book.

Abbildung 1: Calibres Oberfläche stellt die erfassten E-Books wahlweise auf eine von mehreren Arten (Cover-Bilder, Icons, Liste) dar. Die Art der Anzeige schalten Sie über die Buttons am unteren Rand um (Pfeil). Tooltipps zeigen Informationen zu dem Medium unter dem Mauszeiger. Calibres grundlegende Funktionen erreichen Sie über die Schalter in der Werkzeugleiste (oben).
Calibre verwaltet neben den klassischen E-Books in den unterschiedlichsten Formaten auch selbst erstellte PDF-Dateien. Auch Quellen aus dem Internet, beispielsweise in ZIP-Archiven gespeicherte HTML-Seiten oder RSS-Feeds, bindet es auf Wunsch ein. Alle wichtigen Funktionen, Actions genannt, finden Sie an zwei Stellen: in der am oberen Fensterrand dargestellten Werkzeugleiste oder im wechselnden Kontextmenü. In der Werkzeugleiste beschreiben Tooltipps die Funktionen, sobald Sie die Einträge mit dem Mauszeiger berühren; dasselbe gilt auch für die E-Book-Liste.
Die Software bietet verschiedene Möglichkeiten an, um ein neues Dokument in die Sammlung aufzunehmen. Der erste Schalter links in der Werkzeugleiste enthält die dafür zuständigen Funktionen (Abbildung 2). Die Option, mehrere Medien aus Verzeichnissen und Unterverzeichnissen automatisch zu importieren, führt in der Praxis des Öfteren zu Problemen: Calibre fügt in diesem Fall alle E-Books, PDFs, aber auch Text- und ZIP-Dateien zur Bibliothek hinzu. Immerhin erkennt das Programm die dabei in der Regel entstehenden Duplikate beim Import und erlaubt, die Dubletten auszuschließen.
Allerdings untersucht Calibre dabei nicht den Inhalt der Medien, sondern lediglich deren (möglicherweise falsche) Metadaten. Dummerweise funktioniert das aufgrund der fehlenden Volltextsuche nicht zwischen unterschiedlichen Formaten. In diesem Fall nimmt Calibre also alle Formate eines Dokuments auf, was Sie vermutlich anschließend manuell rückgängig machen wollen.
Um E-Books zu löschen, klicken Sie zunächst auf den gewünschten Eintrag; [Strg] erlaubt dabei auch eine Mehrfachauswahl. Danach betätigen Sie das Icon Bücher entfernen aus der Menüleiste. Ein Druck auf [Entf] bewirkt dasselbe.
Metadaten bearbeiten
Egal, aus welchen Quellen Ihre von Calibre verwalteten Dokumente stammen: Werfen Sie immer einen Blick auf deren Metadaten. Diese verwendet Calibre im Wesentlichen, um Dokumente zu verwalten und zu finden. In den meisten Fällen erweisen sich die Metadaten jedoch erfahrungsgemäß als zumindest unvollständig, wenn nicht sogar falsch. Mindestens Autorenname und Titel sollten unbedingt stimmen, aber auch eine korrekte Verschlagwortung hilft bei der Suche weiter. Eine rühmliche Ausnahme stellen hier die freien E-Books aus dem Gutenberg-Projekt dar: Sie enthalten meistens korrekte Metadaten, die Sie allerdings in vielen Fällen noch ergänzen sollten.
Möchten Sie mehrere Einträge in einem Rutsch modifizieren, wählen Sie diese aus, aktivieren mit der rechten Maustaste das Kontextmenü und wählen daraus Metadaten bearbeiten | Metadaten auf einmal bearbeiten (Abbildung 3). Alternativ bietet die Software über Metadaten und Cover im gleichen Menü an, Metadaten und Titelseiten für ein oder mehrere Dokumente im Internet zu suchen. Sie erreichen die Funktion auch über [Strg]+[D]. Neben den bekannten Shops wie Amazon durchsucht Calibre hierbei auch einige freie Sites, etwa Open Library.
Optional erweitern Sie die Metadaten mit eigenen Schlagwörtern. Dazu öffnen Sie den Metadaten-Dialog mit einem Klick auf den Schalter mit dem i in der Werkzeugleiste. Je nachdem, ob Sie ein oder mehrere E-Books angewählt haben, erscheinen verschiedene Dialoge (Abbildung 4). Der erste bietet Ihnen die schnellsten Möglichkeiten, der zweite integriert die Schlagwörter in die allgemeinen Metadaten und erfordert respektive ermöglicht etwas mehr Detailarbeit, beispielsweise beim Entfernen von Schlagwörtern.

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Metadaten auf einmal bearbeiten, den darunter unter Metadaten einzeln bearbeiten.Die Variante zum Bearbeiten einzelner E-Books bietet einen Metadaten-Editor an (Abbildung 5), den Sie über einen kleinen Schalter links vom Eingabefeld für Schlagwörter: erreichen. Dieser Editor bietet die derzeit komfortabelste Möglichkeit, Schlagwörter zu vergeben beziehungsweise schon vergebene anderen E-Books zuzuordnen.

Abbildung 5: Der Metadaten-Editor bietet eine einfache Möglichkeit, Schlagwörter nachträglich zu bearbeiten.
Suchen und finden
Calibres Datenbank enthält neben den Metadaten auch die Schlagwörter zu den einzelnen Dokumenten. Am einfachsten jedoch finden Sie das gewünschte E-Book anhand des Covers. Dafür bringt die Software einen Coverbild-Browser mit, den Sie mit einem Mausklick auf das nach rechts zeigende Pfeil-Symbol in der Fußleiste aktivieren (Abbildung 6). Bevorzugen Sie eine Kachelansicht der Coverbilder, klicken Sie auf das Icon Cover-Raster rechts daneben.

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Abbildung 6: Das von einigen Readern bekannte “Karussel” bietet Calibre alsCoverbild-Browser an. Sie aktivieren es mit dem Button unten rechts. Daneben: die Icon-Ansicht und die Listendarstellung.Befinden sich mehrere Versionen eines Dokuments in der Datenbank oder suchen Sie E-Books ohne Cover, dann hilft der Tag-Browser weiter. Den linken Rand von Calibres Hauptfenster nehmen in der Grundeinstellung neun Kategorien von Autornamen bis Kennungen ein. Ein Klick auf das kleine schwarze Dreieck am linken Rand einer jeden Kategorie öffnet eine aus den Metadaten generierte Liste, die zum jeweiligen Thema passt. Bei Bedarf ergänzen Sie die vorgegebenen Kategorien um eigene; wie das funktioniert, beschreibt das Calibre-Handbuch [4] ausführlich.
Die genaue Form der Anzeige im Listenmodus ändern Sie im Hauptfenster mit den Einstellungen unter Schlagwort-Browser anpassen, das Sie am Ende der Spalte finden. In den meisten Fällen führen die bisher beschriebenen Methoden schnell zum Erfolg; falls nicht, geben Sie stattdessen die Suchbegriffe in das Eingabefeld am oberen Rand ein. Calibre sucht den Begriff dann in allen verfügbaren Metadaten. Klappt auch das nicht, hilft oft die Erweiterte Suche weiter, die Sie mit einem Klick auf das Fernglas-Icon aktivieren (Abbildung 7).

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Abbildung 7: Bei derErweiterten Suche haben Sie auch die Möglichkeit, unerwünschte Ergebnisse auszuschließen.Als alternative, aber weit weniger präzise Methode bietet Calibre eine Schnellsuche an. Hier wählen Sie zunächst aus der Liste der E-Books das gewünschte Metadatenfeld an, beispielsweise den Autornamen, und drücken danach [Q]. Das Programm zeigt nun alle Einträge mit denselben Attributen. Die Funktion Ähnliche Bücher… aus dem Kontextmenü ermöglicht eine weitere Suche dieser Art.
Bibliotheksmanagement
Allerdings fehlt derzeit noch eine Möglichkeit, Medien in unterschiedlichen “Regalen” in einer Bibliothek abzulegen, weshalb Calibre immer den gesamten Bestand durchsucht. Die Software bietet immerhin an, mehrere quasi unabhängige Bibliotheken zu nutzen.
Klicken Sie dafür zunächst auf die Schaltfläche Calibre-Bibliotheken und aktivieren Sie im Dialog den Eintrag Erstelle eine leere Bibliothek am neuen Ort. Geben Sie dann den Pfad zur neuen Bibliothek in der Eingabeleiste unter Neuer Ort: ein. Ein Klick auf OK übernimmt die Eingaben und öffnet automatisch die noch leere Bibliothek.
Um wieder die alte Bibliothek zu aktivieren, klicken Sie auf den nach unten gerichteten Pfeil neben Calibre-Bibliothek und wählen aus dem Menü den Punkt Schneller Wechsel. Im entsprechenden Dialog finden Sie die alte Bibliothek und aktivieren sie mit einem Klick auf den Eintrag.
Um der neuen Bibliothek Bücher hinzuzufügen, markieren Sie die gewünschten E-Books, klicken mit der rechten Maustaste darauf und navigieren im Kontextmenü zum Eintrag In Bibliothek kopieren, der bereits alle verfügbaren Datenbanken anzeigt.
In diesem Zusammenhang ist es auch interessant, dass Calibre erlaubt, ausgewählte Medien auf beliebigen Datenträgern zu speichern. Liegt ein E-Book auf einem Reader, findet Calibre es auch dort. So lässt es sich nicht nur in die Sammlung aufnehmen, sondern von dort aus auch beispielsweise auf einem USB-Stick sichern. Verwenden Sie dazu den Punkt Auf Festplatte speichern aus dem Kontextmenü und wählen Sie das gewünschte Zielmedium aus.
Intern verwendet Calibre zwei sogenannte Kataloge, um die Dokumente zu verwalten. Der erste enthält den Inhalt des Calibre-Library-Verzeichnisses, der zweite den des externen E-Book-Readers, den Calibre mit Dokumenten versorgt. Diese beiden Kataloge sorgen immer für einen Abgleich zwischen Library und Reader. Um Medien auf einen Reader zu senden, wählen Sie das gewünschte Dokument aus und schicken es via An Reader senden aus dem Kontextmenü an das Gerät. Eine erforderliche Konvertierung nimmt Calibre gegebenenfalls automatisch vor.
Einkaufshelfer
Das Programm hilft auch dabei, Bücher im Internet zu finden und zu kaufen. Das Icon mit der Weltkugel öffnet den dafür vorgesehenen Dialog (Abbildung 8). Calibre durchsucht unter Händler alle von Ihnen freigeschalteten E-Book-Shops nach den in den oberen Feldern definierten Angaben und listet die gefundenen E-Books preislich sortiert auf.

Abbildung 8: Mit Calibre finden Sie schnell die günstigste Variante eines gesuchten E-Books. Allerdings lässt sich nicht immer ersehen, ob es sich um DRM-beschränkte Ausgaben handelt.
Integrierter Reader
Ein Doppelklick auf ein Buch öffnet den eingebauten Reader (Abbildung 9), der die meisten E-Book-Dokumententypen darstellen kann. Für PDFs und andere Formate nutzt die Software externe Betrachter. Mithilfe der Schalter am linken Rand nutzen Sie viele grundlegende Funktionen, mit den Buttons am oberen Rand steuern Sie die Suche im aktuellen Dokument und schalten den Seitenumbruch um.

Abbildung 9: Calibres recht brauchbarer Reader kommt auch mit großen E-Books zurecht. Eine Reihe von Details stellen Sie mit den Schaltern links und oben manuell ein.
Fazit
Wer sich heute mit E-Books beschäftigt, kommt kaum an Calibre vorbei – nicht zuletzt deshalb, weil es einen guten Zugang zu den E-Books und das saubere Verwalten der Datenbank ermöglicht. Wegen seines Funktionsreichtums lohnt sich jedoch auf jeden Fall ein Blick in die Dokumentation und die Demo [5].
Wirklich interessant wird es, wenn Sie selbst E-Books erstellen oder vorhandene modifizieren wollen: Dabei bietet Calibre nicht nur alle Fähigkeiten, die auch der Konkurrent Sigil vorzuweisen hat, sondern darüber hinaus in einigen Bereichen deutlich mehr. In einem Folgeartikel werden wir dieses Thema vertiefen.
Infos
[1] Calibre: http://calibre-ebook.com
[2] Calibre herunterladen: http://calibre-ebook.com/download_linux/
[3] Changelog: http://calibre-ebook.com/whats-new/
[4] Handbuch: http://manual.calibre-ebook.com
[5] Demo: http://calibre-ebook.com/demo/







