Der Versandanbieter Linux-Onlineshop.de bietet eine breite Palette an Rechnern mit vorinstalliertem Linux an. Wir haben uns zwei besonders interessante Notebooks näher angesehen.
Es gibt wohl kaum ein anderes Betriebssystem, das bereits von vornherein eine derart umfassende Treiberausstattung mitbringt wie Linux. Trotzdem gerät der Einkauf eines Laptops oft zum Glücksspiel: Nur zu gerne verbauen die Hersteller in ihren Notebooks brandneue Hardware-Komponenten, für die es aufgrund mangelnder Dokumentation noch keine passenden Kernel-Module gibt. Dann heißt es warten, bis die Linux-Entwickler der Hardware ihre Geheimnisse entlocken und einen passenden Treiber bereitstellen können.
Die Einführung von Windows 8 hat dieses Situation noch verschärft. Um aus Redmond ein entsprechendes Label zu bekommen, das dem Kunden die Kompatibilität der Hardware mit Microsofts jüngstem Betriebssystem garantiert, muss der Rechner UEFI statt eines BIOS mitbringen. Hier treten zurzeit bei Notebooks mancher Hersteller massive Schwierigkeiten auf, Linux auch nur gebootet zu bekommen. Das liegt nicht etwa am berühmt-berüchtigten Secure-Boot-Feature: Vielmehr schlampen selbst große Hersteller wie Samsung, Toshiba oder Lenovo schlicht bei der Implementierung von UEFI.
Der Red-Hat-Kernelentwickler Matt Garrett – der UEFI-Spezialist entwickelte auch die Secure-Boot-Lösung für das brandneue Fedora 18 – hat dazu eine “Hall of Shame” zusammengestellt [1]. Das Ärgerliche an den beschriebenen Fällen: Auf den meisten der von Garrett angesprochenen Geräte läuft ein Live-Linux problemlos, selbst eine Installation klappt ohne Schwierigkeiten. Nur booten lassen sich die Systeme hinterher dann nicht, einige werden sogar durch einen Firmware-Fehler gänzlich funktionsunfähig.
Der bisher von vielen Käufern beschrittene Weg, beim Händler des Vertrauens vor dem Erwerb eines Notebooks dieses mithilfe einer Live-Distribution auf Linux-Kompatibilität zu testen, bringt also heute keinerlei Sicherheit mehr. Wer beim Einkauf nicht auf gut Glück vorgehen möchte, der greift deswegen am besten zu einem Laptop mit bereits vorinstalliertem Linux.
Kleine Unterschiede
Allerdings heißt vorinstalliert nicht unbedingt das selbe wie fertig eingerichtet, wie wir bei zahlreichen früheren Tests solcher Systeme immer wieder feststellen mussten. Bei einer typischen OEM-Installation spielt der Lieferant lediglich das rudimentäre Basis-Betriebssystem ein, sodass nach dem Auspacken erst einmal Konfiguration und Endeinrichtung anstehen. In vielen Fällen funktionieren sogar einzelne Hardware-Komponenten nicht out-of-the-box und wollen erst noch zur Mitarbeit überredet werden.
Auf der Suche nach einer etwas kundenfreundlicheren und weniger arbeitsintensiven Lösung stießen wir schnell auf den Linux-Onlineshop [2]. Der bekannte Versandanbieter liefert neben Geek-Shirts, Linux-Fanartikeln, Distributionen und Literatur unter dem Label TuxedoComputers auch eine breite Palette an Hardware, die von Nettops über Mini- und Desktop-PCs bis hin zu Notebooks der verschiedensten Kategorien reicht.
Aus diesem Portfolio haben wir uns zwei typische Laptops zum Test bestellt: Beim Tuxedo Book BC1501 handelt es sich um ein schlankes Arbeitstier im 15-Zoll-Format mit integrierter Grafik. Das Tuxedo Book DX1701 bietet dagegen eine opulentes 17-Zoll-Display mit Full-HD-Auflösung und eignet sich damit als anspruchsvolles Consumer-Gerät für Multimedia oder Spiele. Näheres zu den jeweils verbauten Komponenten verrät die Tabelle “Technische Daten”.
Technische Daten
| Tuxedo Book BC1501 | Tuxedo Book DX1701 | |
| Display | 15,6 Zoll LED-Backlight, matt, 1366×768 Pixel | 17,3 Zoll LED-Backlight, matt, 1920×1080 Pixel |
| CPU | Pentium B980 | Pentium B980 |
| RAM | 2 GByte (max. 16 GByte) | 4 GByte (max. 24 GByte) |
| Chipsatzgrafik | Intel HD Graphics 1 | Intel HD Graphics 1 |
| Grafikkarte | keine | Nvidia Geforce GTX660M, 2 GByte GDDR5 |
| Massenspeicher | 500 GByte HDD 2, CD/DVD-Brenner, 9-in-1-Cardreader | 500 GByte HDD 2, CD/DVD-Brenner, 9-in-1-Cardreader |
| Netzwerk | Gigabit Ethernet | Gigabit Ethernet |
| Webcam | 1,3 Megapixel | 2 Megapixel |
| Sound | 2x2W Lautsprecher, Mikro | 2x2W Lautsprecher, Mikro |
| Anschlüsse | 2 USB 3.0, USB 2.0, HDMI, VGA, Mikro, Kopfhörer | 3 USB 3.0, USB 2.0, eSATA, HDMI, VGA, S/PDIF, Mikro, Kopfhörer |
| Maße / Gewicht | 37,4×25,0x3,4 cm / 2,3 kg 3 | 41,3×27,7×4,4 cm / 2,6 kg 3 |
| Akku | 6 Zellen, 5600 mAh, 62,16 Wh | 8 Zellen, 7200 mAh, 79,96 Wh |
| Laufzeit | ca. 4,5 Stunden 4 | ca. 4 Stunden 4 |
| Betriebssystem | Ubuntu, Ubuntu LTS, Kubuntu, Lubuntu, Xubuntu, Linux Mint, OpenSuse | Ubuntu, Ubuntu LTS, Kubuntu, Lubuntu, Xubuntu, Linux Mint, OpenSuse |
| Zubehör | Netzteil, Netzkabel, Kurzanleitung, Betriebssystem-DVD | Netzteil, Netzkabel, Kurzanleitung, Betriebssystem-DVD |
| Garantie | 2 Jahre Pick-Up and Return (6 Monate Akku) | 2 Jahre Pick-Up and Return (6 Monate Akku) |
| Basispreis | 489 Euro | 789 Euro |
| Optionen | ||
|---|---|---|
| CPU | Core i3-3110M (Dual-Core, 2,4 GHz, 35W) bis Core i7-3840QM (Quad-Core, 2,8 bis 3,8 GHz, 45W | Core i3-3110M (Dual-Core, 2,4 GHz, 35W) bis Core i7-3840QM (Quad-Core, 2,8 bis 3,8 GHz, 45W |
| Massenspeicher | HDD 750 GByte / 1 TByte, SSD 60/120/240/480 GByte, Blue-ray / BD-RW | HDD 750 GByte / 1 TByte, SSD 60/120/240/480 GByte, Blue-ray / BD-RW |
| Netzwerk | WLAN 802.11b/g/n und Bluetooth 4.0 | WLAN 802.11b/g/n und Bluetooth 4.0 |
| 3G | UMTS/HSDPA | UMTS/HSDPA |
| Betriebssystem | Windows 7 oder Windows 8 (Dualboot) | Windows 7 oder Windows 8 (Dualboot) |
| 1 bei Core-CPUs: Intel HD 4000; 2 statt CD/DVD-Brenner zweite Festplatte möglich; 3 Gewicht ohne Akku; 4 beim Websurfen mit WLAN (Herstellerangabe) | ||
Perfekt serviert
Als Betriebssystem installiert Linux-Onlineshop ohne Aufpreis Ubuntu, Ubuntu LTS, Kubuntu, Lubuntu, Xubuntu, Linux Mint oder OpenSuse in der jeweils aktuellsten stabilen 64-Bit-Version. Wer auf Windows nicht verzichten kann oder mag, erhält gegen Aufpreis eine Dual-Boot-Konfiguration mit Windows 7 oder 8 in der Einsteiger- oder Pro-Version. Die Zusatzkosten belaufen sich je nach gewählter Variante auf 120 bis 170 Euro.
Dabei beschränkt sich Linux-Onlineshop nicht bloß auf eine OEM-Einrichtung der gewählten Distribution. Stattdessen nimmt der Anbieter eine individuelle Installation vor. Standardmäßig richtet er dazu drei Partitionen ein: Einen Swap-Bereich in der Größe des Arbeitsspeichers plus 1 GByte, eine Root-Partition mit 10 Prozent der Festplattengröße sowie eine Home-Partition mit dem restlichen verbleibenden Speicherplatz. Wünschen Sie eine andere Aufteilung der Platte, können Sie dies bei der Bestellung mit angeben und erhalten dann ein entsprechend konfiguriertes Gerät.
Dann spielt der Anbieter die gewünschte Distribution ein, inklusive aller zum Lieferzeitpunkt verfügbaren Updates und Treiber. Dabei passt er die Software für alle im Rechner verbauten Komponenten so an, dass diese bei der Auslieferung bereits einwandfrei funktionieren. So klappt hinterher das Anmelden per Fingerabdruckscanner genauso wie die Helligkeitsregelung des Bildschirms oder das Umschalten zwischen Chipsatzgrafik und zusätzlicher Grafikkarte.
Schließlich legt Linux-Onlineshop noch einen Standard-Benutzer an, wobei der Vorname des Kunden als Benutzername dient und 95448 (die Postleitzahl des Firmensitzes Bayreuth) als Passwort (Abbildung 1). Außerdem richtet der Lieferant noch einige nützliche Programme ein, die nicht zum Standardumfang einer Default-Installation zählen (Abbildung 2).

Abbildung 1: Linux-Onlineshop.de liefert die Geräte bereits fertig eingerichtet mit einem vorkonfigurierten Benutzerkonto aus.

Abbildung 2: Die Installation umfasst neben dem Standardumfang von Ubuntu 12.04 noch einige nützliche Programme wie Byobu.
Als Resultat dieser Prozedur erhalten Sie einen nicht nur vorinstallierten, sondern auch rundum perfekt vorkonfigurierten Rechner, mit dem sie direkt nach dem Auspacken und jeglichen weiteren Umständen sofort arbeiten können. Selbstverständlich steht dem Anlegen eines eigenen Benutzers aber nichts im Weg, und an vereinzelten Stellen vertragen die Systemeinstellungen durchaus noch etwas Feinschliff (Abbildung*3).
Hardware
Beide Testgeräte entstammen der taiwanischen OEM-Schmiede Clevo [3] und kommen in einem stabilen Kunststoffgehäuse daher. Die LED-Backlight-Displays mit einer Diagonale von 15,6 (BC1501, 1366×768 Pixel) beziehungsweise 17,1 Zoll (DX1701, 1920×1080 Pixel) zählen zur augenfreundlichen, matt-entspiegelten Kategorie. Die mit einem deutlichen Druckpunkt agierenden Tastaturen weisen wie klassische PC-Keyboards ein Layout mit einem rechts gelegenen Ziffernblock auf, daneben gibt es ein Mauspad mit zwei Tasten.
Während die Standardausstattung (siehe Tabelle “Technische Daten”) mit einer Pentium-B980-CPU und 2 GByte RAM für das Arbeitstier BC1501 (Abbildung 4) durchaus genügt, zeigt sich der DX1701 (Abbildung 5) mit dem selben Prozessor und 4 GByte Arbeitsspeicher deutlich untermotorisiert. Hier lohnt es, etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen und zu einem schnelleren Prozessor zu greifen. So kamen denn unsere Testsysteme mit einem Core i3-3110M (BC1501) beziehungsweise Core i7-3630QM (DX1701) sowie verdoppelter Speicherausstattung. Zudem ersetzte jeweils eine 120-GByte-SSD die standardmäßige 500-GByte-Festplatte. Damit booteten der BC1501 mit Xubuntu und der DX1701 mit Ubuntu (jeweils 12.04 LTS) wieselflink und zeigten im laufenden Betrieb eine hervorragende Performance. Allerdings verteuerte das den BC1501 von rund 490 auf etwa 640 Euro, der aufgerüstete DX1701 schlug mit 1080 statt 790 Euro zu Buche.
Unverständlich erscheint allerdings, dass beide Geräte im Standardumfang kein WLAN mitbringen: Eine Kombi-Karte für 802.11b/g/n und Bluetooth 4.0 gilt es für 13 Euro extra hinzuzukaufen, obwohl Wireless heute zur selbstverständlichen Ausstattung jedes Laptops zählt. Bei unseren Testmustern war es denn auch enthalten.
Im laufenden Betrieb gaben sich die beiden Tuxedo Books keinerlei Blößen und funktionierten direkt aus der Schachtel einwandfrei inklusive aller Komponenten – einschließlich des Umschaltens zwischen Chipsatzgrafik und Nvidia-GPU auf dem DX1701.
Fazit
Zwar können die Tuxedo Books mit Großanbieter-Preisen nicht mithalten und liegen kostentechnisch angesichts der Verarbeitung und Ausstattung eher an der oberen Kante. Dafür liefert Linux-Onlineshop aber ein solide wirkendes, makellos vorkonfiguriertes und auf Wunsch sogar individuell partitioniertes Notebook, das direkt aus der Schachtel rundum perfekt funktioniert – das haben wir in dieser Weise noch bei keinem Anbieter gesehen.
Diese gelungene Rundum-Wohlfühl-Kombination erhält deswegen die uneingeschränkte Empfehlung der Redaktion – und wird ab Mitte März sogar in einer LinuxUser-Edition mit einem von uns speziell zusammengestellten Ubuntu 12.04 LTS bei Linux-Onlineshop zu haben sein. Näheres dazu finden Sie im Kasten “Special für LinuxUser-Leser”.
Special für LinuxUser-Leser
Exklusiv für LinuxUser-Leser gewährt Linux-Onlineshop einen Rabatt in Höhe von 3 Prozent auf alle Computer und Notebooks. Geben Sie dazu bei einer Bestellung den Gutschein-Code LUTX2013 an.
Daneben erhalten Sie ab Mitte März bei Linux-Onlineshop auch eine spezielle LinuxUser-Edition der Tuxedo-Notebooks. Darauf finden Sie eine spezielle Version von Ubuntu 12.04 LTS vorinstalliert, die gegenüber der Standard-Release eine von der Redaktion zusammengestellte, erweiterte Auswahl an nützlicher Software mitbringt.
Falls Sie vom 5. bis 9. März die CeBIT 2013 besuchen, können Sie auch direkt einen Blick auf die beiden hier getesteten Notebooks in der LinuxUser-Edition werfen und die Geräte selbst ausprobieren. Schauen Sie dazu einfach bei unserem Verlag, der Medialinx AG, in Halle 6 an Stand F05 vorbei. Unter allen Besuchern verlosen wir dort auch eines der Tuxedo-Notebooks.
Infos
[1] Kaputte UEFI-Implementationen: Matthew Garrett, “The Current State of UEFI and Linux”, http://mjg59.dreamwidth.org/22028.html
[2] Linux-Onlineshop: http://www.linux-onlineshop.de
[3] Clevo Co.: http://www.clevo.com.tw/en/index.asp






