Aktuelle Browser im Vergleich

Aus LinuxUser 10/2009

Aktuelle Browser im Vergleich

© Michael Rolands, fotolia.de

Fünfkampf

Zu den wichtigsten Komponenten auf dem Desktop zählt mittlerweile der Webbrowser. Firefox, Opera, Konqueror, Epiphany und Google Chrome müssen im Vergleichstest ihre Qualitäten demonstrieren.

Zu den wichtigsten Desktop-Komponenten gehört heute zweifellos der Webbrowser. Längst dient er nicht mehr nur als Informationszentrale für den Zugriff auf im Netz gespeicherte Informationen, sondern übernimmt mehr und mehr auch die Rolle eines Desktops im Desktop für Web-2.0-Anwendungen. Manche unken gar schon, im Zeitalter der Cloud entspreche der Browser dem Betriebssystem, und was darunter liege, sei kaum mehr von Belang.

Tatsächlich beschäftigt die Frage, wer womit surft, inzwischen sogar die Politik. So toleriert etwa die EU ohne weiteres, dass Hardwarehersteller ihre Rechner ausschließlich mit Vorinstalliertem aus Redmond anbieten, jedoch nicht ohne oder mit alternativem Betriebssystem. Während diese von Kritikern treffend als Microsoft-Steuer apostrophierte Praxis in Brüssel nicht unangenehm aufzustoßen scheint, zicken die Eurokraten, wenn auf dem Windows-Desktop lediglich ein Internet-Explorer-Logo zu sehen ist.

Der Linux-Anwender hat es da schon immer besser, ihm bietet sich in Sachen Webbrowser von jeher eine reiche Auswahl sowohl auf der Kommandozeile als auch auf dem grafischen Desktop. Links, Lynx, Dillo und Konsorten treten aber in ihrer Bedeutung gegenüber der GUI-Konkurrenz zunehmend zurück. Auch auf dem grafischen Desktop konzentriert sich das Interesse der User auf eine Handvoll Browser.

Die von von KDEs Standardbrowser Konqueror entlehnte Webkit-Engine macht inzwischen auch auch Googles Chrome flott – und daneben auch Apples Safari auf Mac OS X. Auch dem Galeon-Nachfolger Epiphany, der für Gnome das sein möchte, was Konqueror für KDE ist, soll Webkit neues Leben einhauchen – so hofft jedenfalls das Projekt.

Der norwegische Hersteller Opera legt zwar den Quelltext seines Browsers nicht offen, gibt sich bei dessen Linux-Versionen aber richtig Mühe. Als unumstrittener Platzhirsch unter den Linux-Browsern aber residiert auf dem freien Desktop momentan Mozillas Firefox, der bei keiner Distribution fehlt. Mit Google Chrome und dessen Ablegern könnte dem Mozilla-Browser aber schon bald ernsthafte Konkurrenz erwachsen.

Zeit für eine Bestandsaufnahme, wie wir finden. Wir haben daher Chrome 3.0b, Epiphany 2.26.1, Firefox 3.5.2, Konqueror 4.2.2 und Opera 9.64 auf ihre Leistung, Funktionsvielfalt, Kompatibilität und Benutzerfreundlichkeit hin untersucht. Als Testplattform diente uns dabei ein System mit einem Prozessor des Typs AMD Athlon X2 4600+ unter Ubuntu 9.04 “Jaunty Jackalope” in der 32-Bit-Version. Daher vorab noch die Anmerkung, dass sich gewisse Parameter – wie etwa das Drag&Drop-Verhalten, die Zwischenablage oder die Kaltstartzeit – naturbedingt auf KDE-Systemen etwas anders darstellen können. Eine übersichtliche Zusammenfassung aller Testergebnisse finden Sie in der Tabelle “Aktuelle Webbrowser im Vergleich” am Ende des Artikels.

Firefox 3.5.2

Firefox (Abbildung 1) nimmt unter Linux in etwa denjenigen Platz ein, den der Internet Explorer unter Windows besetzt. Der Browser zählt bei jeder gängigen Distribution zum Lieferumfang, unabhängig von deren Desktop. Selbst KDE-basierenden Distributionen liegt er bei – und das, obwohl KDE in Konqueror seinen eigenen Browser mitbringt. Der Erfolg von Firefox gründet sich auf seinen Ruf, stabil, schnell, beliebig erweiterbar und standardkonform zu sein – und diesen Ruf trägt er nicht zu unrecht.

Abbildung 1: Firefox 3.5.2 bietet viel Neues.

Abbildung 1: Firefox 3.5.2 bietet viel Neues.

Die Erweiterbarkeit durch zahllose Addons und deren problemlose Installation haben dazu geführt, dass der Browser selbst sich im Auslieferungszustand etwas spartanisch gibt. Bei jeder frischen Linux-Installation gilt es erst mühsam einzeln sämtliche liebgewonnenen Addons nachzuziehen. Immerhin gestaltet sich der Prozess sehr einfach, Firefox integriert im Erweiterungsmanager sogar einen Addon-Browser, mit dem man direkt in den Erweiterungen stöbern kann, ohne erst explizit die entsprechende Website ansurfen zu müssen. Störend fällt hier nur auf, dass die Suche Erweiterungen nur findet, wenn man den Namen exakt angibt – etwas “fuzzy logic” würde der Addon-Suche gut zu Gesicht stehen.

Ein nützliches Feature des Browsers stellt die Fehler-Konsole dar, die Bericht darüber erstattet, wie sauber der dargestellte Webcode ausfällt. Leider ist das integrierte Quelltext-Anzeigeprogramm wirklich nur ein solches und erlaubt keine Änderungen am Code. Entwickler können also nicht schnell einen von Firefox bemängelten Bug direkt im Browser fixen, ohne einen externen Editor zu bemühen – aber auch hier gibt es Addons, die in die Bresche springen, wie etwa Firebug oder Web Developer.

Praktisch ist auch das Seiten-Informationsfenster: Hier kann man sich nicht nur alle Passwörter, Cookies oder Einzelelemente einer Seite und deren Eigenschaften anzeigen lassen, sondern auch individuelle Seiten-Profile erstellen. Für jede Seite legen Sie so einzeln fest, ob sie Cookies setzen, Popup-Fenster öffnen oder Grafiken laden darf. Das Hilfe-Menü bietet umfangreiche Feedback-Möglichkeiten: Phishing-Seiten lassen sich ebenso direkt aus dem Programm meldet wie Bugs im Browser oder Seiten, die falsch oder überhaupt nicht dargestellt werden.

Firefox verfügt über eine gute Lesezeichen-Verwaltung, die auch die Suche in den Bookmarks erlaubt. Das Verschlagwortungsfeature, das helfen soll, im Bookmark-Dschungel den Überblick zu behalten, kann nicht so recht begeistern: Es zeigt nur Wirkung, wenn man es konsequent umsetzt und alle Bookmarks höchstselbst verschlagwortet. Haben Sie also sehr viele Bookmarks in petto, müssen Sie für die Verschlagwortung ihrer Sammlung schon mal einige Stunden einplanen. Auch die Browserchronik lässt Komfort vermissen: Im zugehörigen Pulldownmenü finden sich nur die letzten zehn Seiten – wer weiter zurück will, muss entweder das gesonderte Chronik-Fenster oder die entsprechende Seitenleiste bemühen.

In Sachen Sicherheit und Privatsphäre brilliert Firefox dagegen: Mit dem “privaten Modus” ahmt Firefox 3.5 nun die von Chrome erfundenen Incognito-Arbeitsweise nach. Der Browser hinterlässt in diesem Modus keine verräterischen Surfspuren auf der Festplatte. Beim Aufruf übelwollender Sites, wie etwa Malware- oder Phishing-Seiten, warnt Firefox.

Als sehr praktisch erweist sich die 1:1 von Mac OS übernommene Funktion Symbolleisten anpassen, mit dem Sie je nach Gusto die Symbolleiste abspecken oder neu arrangieren. Der Fullscreenmodus ist für Geräte mit kleinem Bildschirm äußerst praktisch – Firefox blendet sogar die Bedienleiste oben aus, solange man nicht mit dem Mauspfeil darüber schwebt. Zu den Highlights des Mozilla-Browsers zählt auch den Plugin-Manager für MIME-Types: Hier stellen Sie für jeden Dateityp per Pulldownmenü das gewünschte Programm ein. Schön gelöst haben die Entwickler das Einbinden eigener Suchkürzel (siehe Kasten “Suchkürzel”): Man klickt dazu einfach mit der rechten Maustaste auf das Suchfeld und wählt Ein Schlüsselwort für diese Suche hinzufügen aus.

Suchkürzel

Suchkürzel erleichtern das Online-Leben sehr: Statt Bookmarks aufzurufen, Seiten zu laden und Suchfelder zu klicken gibt man einfach in der URL-Zeile das Suchkürzel und den gewünschten Begriff ein (beispielsweise sf Programm für die Suche auf Sourceforge), und der Browser zeigt sofort das Suchergebnis an. Bei Firefox, Opera und Konqueror erledigen Sie dies am einfachsten durch einen Rechtsklick auf ein Suchfeld und Auswahl der entsprechenden Option. Epiphany und Chrome bieten diese praktische Funktion nicht an.

Die Firefox-Entwickler haben in Version 3.5.2 die Standardkonformität und die Javascript-Engine verbessert, Unterstützung für Ogg-Vorbis/Theora, HTML5 und CSS3 hinzugefügt, den privaten Modus eingeführt und daneben auch beliebte Features aufgebohrt. So können Sie nun beispielsweise Tabs per Drag & Drop verschieben, wobei Firefox diese dabei als Thumbnail darstellt. Den vorgeblich reduzierten Speicherverbrauch konnten wir im Test allerdings nicht nachvollziehen, hier erwies sich Firefox 3.5.2 sogar als etwas speicherhungriger. Eine vollständige Liste aller Neuerungen und Verbesserungen finden Sie unter [1].

Opera 9.64

Die norwegische Softwareschmiede Opera bietet ihren Browser (Abbildung 2) für zahlreiche Plattformen vom Windows-PC über Spielekonsolen bis zu Smartphone an. Für Linux gibt es Releases für 32- und 64-Bit-PC sowie PowerPC. Wir testen Opera in der zu Redaktionsschluss aktuellen Version 9.64. Dem Browser liegen eine Reihe von Zusatzprogrammen bei, wie IRC- und Bittorrent-Clients, ein Mailprogramm und eine Notizbuchanwendung. Wir konzentrieren uns beim Test auf den Browser, der für das Userinterface Qt nutzt und sich daher in Gnome-Desktops etwas fremd anfühlt.

Abbildung 2: Opera 9.64 ist üppig ausgestattet.

Abbildung 2: Opera 9.64 ist üppig ausgestattet.

Operas bewirbt sein Produkt als “the fastest Browser on Earth”. Das mag auf anderen Plattformen durchaus stimmen, unter Linux trifft es aber nicht zu (siehe Abschnitt “Geschwindigkeit & Ressourcenverbrauch”). Dennoch kann der Browser als stimmiges Gesamtpaket überzeugen. Von allen Kandidaten im Test bietet Opera den üppigsten Lieferumfang und bringt die beste Grundausstattung mit. Das Speed Dial genannte Schnellwahlfenster wird (im Gegensatz zu dem von Chrome) nicht automatisch vom Browser generiert, sondern lässt sich vom Anwender per Drag & Drop bestücken. Über das praktische Feature Opera Link synchronisiert der Browser nicht nur die Bookmarks, sondern auch die komplette History, das Speed Dial, alle Notizen und selbstdefinierten Suchmaschinen online mit dem Opera-Server. So browsen Sie problemlos mit mehreren Rechnern (oder auch Mobilgeräten) mit identischer Bestückung. Über das zugehörige Web-Frontend nutzen Sie die Opera-Bookmarks sogar mit anderen Browsern. Allerdings setzt Opera Link eine (kostenlosen) Registrierung auf http://http.//my.opera.com voraus. My.opera.com bietet nicht nur Sync-Möglichkeiten, Sie erhalten damit auch von Opera das gesamte Web-2.0-Komplettpaket – inklusive Blog, Bildergalerien und Social Network.

Dank frei konfigurierbarer Tastaturkürzel – hier gibt es sogar ein eigenes Kürzel-Profil für Unix – lässt sich Opera auch mit der Tastatur bestens bedienen. Suchkürzel definieren Sie über einen Rechtsklick auf ein Suchfeld. Als nützlich erweisen sich auch die Thumbnail-Previews der Webseiten, die Opera beim Schweben mit dem Mauspfeil (englisch “hover”, im Einstellungsdialog fälschlich als “hoovern” – also staubsaugen – bezeichnet) über dem jeweiligen Tab einblendet. Das Programm bietet einen brauchbaren Quelltexteditor, der den veränderten Code dann auch gleich darstellt, sowie eine Fehler- und Java-Konsole sowie einen integrierten Skript-Debugger. Beim Doppelklick auf ein Wort (oder Rechtsklick auf eine markierte Textpassage) ermöglicht Opera als Optionen das Suchen in Google, das Nachschlagen in Wiktionary/Wikipedia oder auch das Übersetzen in andere Sprachen mittels Babelfish.

Passwörter und vorausgefüllte Web-Formulare speichert Opera im programmeigenen Wand (englisch für Zauberstab). Opera kann unliebsame Inhalte per Kontextmenü blockieren, warnt vor Phishing-Seiten und ermöglicht auch, verdächtige Seiten zu melden. Im Menü Extras lassen sich auf Wunsch sämtliche Spuren einer Surftour löschen.

Chrome Developer Build 3.0b & Chromium 3.0.198.0

Von Google Chrome für Linux (Abbildung 3) gibt es bislang lediglich ein Developer Preview, Google hat noch nicht einmal die Public Beta Phase erreicht. Obwohl Chrome ursprünglich “Mitte 2009” für Linux und Mac herauskommen sollte, weigert sich Google inzwischen standhaft, einen konkreten Release-Termin zu nennen. Doch die Entwicklung schreitet stetig voran: Inzwischen beherrscht der Browser beispielsweise auch den Umgang mit Plugins (Option --enable-plugins), und auch im Optionen-Fenster findet sich kein einziges TODO mehr, wie das bei der ersten Developer Preview noch der Fall war. Auch Chromium, die aus den von Google veröffentlichten Quelltexten gebaute Community-Version von Chrome, lässt sich inzwischen gut benutzen – dort arbeitet Javascript sogar noch etwas flotter.

Abbildung 3: Chrome, der neue Herausforderer.

Abbildung 3: Chrome, der neue Herausforderer.

Chromes Versionsgeschichte beginnt unter Linux bei der zu Redaktionsschluss noch aktuellen Version 3, kurz vor Druckabgabe erschien die Developer Release 4.0.202.2. Google hat sich bei der Linux-Version für Gtk+ als Toolkit entschieden. Das Benutzerinterface von Chrome unterscheidet sich grundlegend von jenem anderer Browsern. Es gibt oben keine Menüleiste, und die Tabs sitzen ganz oben, statt wie bei anderen Browsern unter der Navigationsleiste. Ganz rechts in der Navigationsleiste finden sich zwei Knöpfe, die Pulldownmenüs öffnen. Der erste erlaubt laut die Kontrolle der Seite, der zweite die von Google Chrome selbst.

Chrome erlaubt es, über das Menü ganz rechts sogenannte Incognito-Fenster zu öffnen. Beim Surfen in diesen Fenstern, die ein kleines Spion-Logo links oben kennzeichnet, hinterlässt der Anwender keine Spuren auf dem Rechner. Auf Wunsch kann Chrome jedoch auch mit Private Daten löschen … bei normalen Fenstern alle Spuren beseitigen.

Beim Öffnen eines neuen Fensters zeigt Chrome die meistbesuchten Webseiten als Vorschaugrafik an, ein sehr praktisches Feature, das andere Browserhersteller (beispielsweise Apple mit Safari 4) inzwischen auch umsetzen. Der über das Entwickler-Menü erreichbare Quelltexteditor beherrscht das Ausklappen von Code-Blöcken, Highlighting sowie die Live-Anzeige des editierten Quelltexts und integriert einen Inspector, mit dem man die Eigenschaften aller Seitenelemente überprüfen kann. Ebenfalls mit an Bord sind ein Javascript-Editor und ein Profiling-Werkzeug, das dem CPU-Zeit und Speicherverbrauch aller Einzelelemente einer Seite detailliert grafisch dargestellt werden (Abbildung 4).

Abbildung 4: Chromes Profiling-Werkzeug hilft Web-Entwicklern beim Optimieren von Webseiten.

Abbildung 4: Chromes Profiling-Werkzeug hilft Web-Entwicklern beim Optimieren von Webseiten.

Chrome warnt vor Phishing/Malware-Seiten und erlaubt in den Optionen auch, dass datenbewusste Anwender nahezu sämtliche Features abstellen, für die Chrome auf Google zurückgreift. Lediglich die Google-eigene User-ID, mit der Google die Aktivitäten seiner Nutzer anonym per Cookie verfolgt, geht dann noch an Google – das passiert allerdings auch bei der Nutzung von anderen Browsern.

Das Aussehen des Browsers passen Sie über herunterladbare Themes an, die Chrome allerdings nicht speichert, sondern nur bis zu einem Wechsel beibehält. Dauerhaft bleiben nur das Chrome-Standard-Theme und ein Theme im GTK-Look erhalten. Als Plugin-Schnittstelle fungiert Javascript, auf einer Chrome-Plugins-Seite [2] finden sich eine Handvoll Erweiterungen für Googles Browser. Gerüchteweise soll Google planen, die Firefox-Plugin-Schnittstelle XUL zu integrieren, was Chrome Zugriff auf den gigantischen Addon-Fundus von Firefox ermöglichen würde.

Konqueror 4.2.2

Der KDE-eigene Browser ist der einzige im Test, der ähnlich wie Microsofts Internet Explorer auch als Dateibrowser dienen kann. Die Grenzen zwischen Dateimanager und Browser gestalten sich fließend: Das Nutzen einer Webseiten-Engine erlaubt es Konqueror beispielsweise, Bilder direkt im Dateimanager anzuzeigen. Als Browser gibt sich Konqueror eher spartanisch, jedoch äußerst flexibel in Sachen Fenster-Layout: Man kann die Fenster nach Belieben aufteilen, um darin unterschiedliche Seiten zu öffnen (Abbildung 5) und außerdem die Navigationsleiste beliebig herumbewegen. Links lässt sich obendrein ein Dateibrowser-ähnliches Navigationsmenü mit Bookmarks, Chronik oder auch dem Verzeichnisbaum des eigenen Rechners einblenden. Das bevorzugte Layout speichert man dann als Ansichtsprofil und schaltet so später mit zwei Klicks zwischen unterschiedlichen Layouts um.

Abbildung 5: Konqueror im Split-Modus mit Navigationsmenü.

Abbildung 5: Konqueror im Split-Modus mit Navigationsmenü.

Den Qt-basierte Konqueror erweitern Sie mittels Extensions, von denen es jedoch deutlich weniger gibt als für Firefox. Als zentrale Anlaufstelle dient die Webseite KDE-Look [3]. Tastaturkürzel lassen sich wie bei Opera frei ändern, es gibt eine integrierte Rechtschreibprüfung und eine praktische Suchkürzel-Definition wie unter Firefox oder Opera (Konqueror verlangt jedoch einen Doppelpunkt nach dem Suchkürzel). Über den Punkt Öffnen mit … im Kontextmenü übergeben Sie eine mit Konqueror inkompatible Seite schnell an einen anderen Browser.

Konqueror hat keine Option, um Passwörter zu speichern. Ansicht | Quelltext anzeigen öffnet den Quellcode im jeweils definierten primären Texteditor, per Rechtsklick übergeben Sie den Quelltext auch an die integrierte Erweiterte Editorkomponente – Änderungen stellt Konqueror jedoch nicht gleich dar.

Epiphany 2.26.1

Bei Epiphany (Abbildung 6) handelt es sich um den “kleinsten” Browser im Test, er nutzt die Mozilla-Gecko-Engine. Das Ursprungsprojekt Galeon wurde zu Zeiten der riesigen, unhandlichen Mozilla-Suite als schlanker Browser für Gnome gestartet. Epiphany, ein Fork von Galeon, hat diesen inzwischen abgelöst – die Galeon-Entwicklung wurde eingestellt. Das Aufkommen des schlanken, auch auf anderen Systemen populären Firefox hat Galeon und Epiphany jedoch weitgehend die Daseinsberechtigung geraubt. Selbst das Gnome-basierte Ubuntu gibt Firefox den Vorzug und liefert Epiphany nicht mit.

Abbildung 6: Epiphany ist schlank – oder doch eher spartanisch?

Abbildung 6: Epiphany ist schlank – oder doch eher spartanisch?

Epiphany kommt mit einer äußerst spartanischen Ausstattung. Alle wichtigen Grundfunktionen bringt das Programm mit, aber einige liebgewonnene Features vermisst der Anwender. Die Pulldown- und Kontextmenüs sind äußerst schwach bevölkert, ebenso der Einstellungsdialog. Immerhin hat Epiphany 24 Erweiterungen mit an Bord, die Siebei Bedarf per Mausklick aktivieren. Hier findet sich einiges, was das Leben leichter macht, beispielsweise ein Adblocker und Mausgesten.

Epiphany arbeitet einen Hauch flotter als Firefox, sowohl beim Start als auch beim Seiten-Rendering, er braucht auch etwas weniger Speicher. Die Einschränkungen bei der Funktionalität machen diesen kleinen Vorteil jedoch nicht wett. Die Epiphany-Entwickler planen, den Browser mit Version 2.27 von der (Firefox-)Gecko-Engine auf Webkit umzustellen; Entwickler-Previews sind bereits verfügbar.

Systemintegration

Wir testen, wie gut sich die Browser ins System einfügen. Freilich integrieren Gtk-basierte Browser unter KDE beziehungsweise Qt-basierte Browser unter Gnome sich nie so gut wie Programme, die auf das jeweils native Toolkit setzen – aber auch Drag & Drop sowie Copy & Paste fallen unter die Rubrik Systemintegration. Gerade hier bestehen große Unterschiede zwischen den Browsern.

Copy & Paste

Hier testen wir das Kopieren von Tabelleninhalten, Text mit Formatierungen und Bildern über die Zwischenablage. Als Zielprogramme verwenden wir für Text und Tabellen OpenOffice Writer und Calc sowie Evolution, für Bilder Gimp und OpenOffice Writer. Sieger in der Disziplin Text ist eindeutig Chrome, der als einziger Browser die Tabelleninhalte in OpenOffice Writer inklusive Formatierungen, Rahmen und sogar Hintergrundfarben kopiert. Platz Zwei belegt Opera, das zwar jegliche Formatierung entfernt, dafür aber Tabellentrenner wenigstens mit Tabulatoren simuliert. Auf dem vorletzten Platz landen Firefox und Epiphany, die statt Tabellentrennern Leerzeichen verwenden – hier war Epiphanys Vorgänger Galeon noch deutlich besser. Das Schlusslicht stellt Konqueror, mit dessen Zellentrennern Writer nicht klarkommt: Alle Zelleninhalte kleben aufeinander. Kein Problem hatte jedoch OpenOffice Calc mit den Konqueror-Tabellendaten. Copy & Paste von HTML-Tabellen in Calc-Spreadsheets funktioniert übrigens bei jedem Browser, die Unterschiede bestehen hier also nur in der Wiedergabe der Formatierung.

Bei Copy & Paste von Bildern sieht die Reihenfolge völlig anders aus: Epiphany ist letzter, da er als einziger Browser überhaupt keine Option bietet, um Bilder in die Zwischenablage zu kopieren. Immerhin konnte der Anwender im Vorgänger Galeon wenigstens über Öffnen mit das Bild direkt an eine Anwendung schicken, diese Option fehlt nun. Den vorletzten Platz belegt Opera, das bei PNGs mit Transparenz den Alpha-Kanal zerstört und mit Schwarz füllt. Gimp mag Operas Bilddaten gar nicht und ist überzeugt, dass gar kein Bild in der Zwischenablage läge. Chrome repräsentiert das Mittelfeld: Der Google-Browser zerstört genau wie Opera den Alpha-Kanal, kooperiert aber wenigstens mit Gimp. Die Sieger der Disziplin Bild heißen Konqueror und Firefox, beide kopieren das Bild korrekt samt Alpha-Kanal.

Drag & Drop

Das äußerst praktische, aber von vielen Anwendern immer noch wenig genutzte Ziehen und Fallenlassen probieren wir mit markiertem Text und einem PNG-Bild. Als Ziele dienen eine Evolution-E-Mail, OpenOffice Writer und der Desktop. Brauchbares Drag & Drop von markiertem Text in alle Anwendungen beherrscht nur Chrome, dabei gehen jedoch alle Textformatierungen verloren. Es kommt dabei auch darauf an, ob die Zielanwendung das Verarbeiten von HTML-Code unterstützt, was für Drag & Drop von Text die Wahl für Textformatierungen ist. OpenOffice Writer beispielsweise fügt bei jedem Browser, der Drag & Drop von formatiertem Text unterstützt (Epiphany, Firefox), den entsprechenden HTML-Code ein. Bei Konqueror und Opera lässt sich gar kein markierter Text herausziehen, außerdem gibt es gelegentlich Probleme mit der Textkodierung. Generell empfehlen wir deshalb statt Drag & Drop von Text eher den Umweg über die Zwischenablage, die deutlich kompatibler mit allen Anwendungen funktioniert.

Problemloser funktioniert das Verschieben von Bildern. Das klappt mit allen Browsern perfekt, sowohl auf den Desktop wie auch in die Evolution-Mail. Lediglich in OpenOffice Writer gibt es mit Epiphany und Firefox wie beim Verschieben von Text das Problem, dass statt dem Bild der HTML-Code eingefügt wird. Bei allen anderen Browsern funktioniert auch das problemlos.

Sonderfälle

Sehr enttäuschend fanden wir, dass kein einziger der Probanden für das Speichern von Passwörtern den integrierten Passwortverwalter des jeweiligen Desktops nutzt, also die KWallet bei KDE oder den Keyring-Manager bei Gnome. Wenigstens optional sollte es diese Möglichkeit geben, denn genau für solche Zwecke dient eine zentrale Passwortverwaltung.

Einen Sonderfall in Sachen Systemintegration stellen Operas Widgets dar. Die praktischen Mini-Programme verhalten sich wie vollwertige Programme, die transparent über dem Desktop liegen. Sie sind zwar Kind-Prozesse von Opera, tauchen aber in der Taskleiste und im Programm-Switcher ([Alt]+[Tab]) separat auf.

Kompatibilität

Webstandard-Treue testen wir mit dem Acid3-Test. Nachdem alle Browser inzwischen den Acid2-Test korrekt bestehen, stellt Acid3-Test momentan den heilige Gral aller Browserhersteller dar, die sich Webstandard-Konformität auf die Fahnen geschrieben haben. Bei den hauptsächlich CSS-basierten Acid-Prüfungen handelt es sich um Tests von vom Standard vorgeschriebenen Browser-Verhaltensweisen und Darstellungsvorgaben, die beim Zeitpunkt der Veröffentlichung noch kein Browser korrekt besteht.

Der Sieger heißt hier Firefox 3.5.2. Obwohl Chrome beim Fortschrittsbalken 100 von 100 erreicht, während Firefox 3.5.2 nur bis 93 kommt, liefert der neue Feuerfuchs als einziger Browser im Test – wie gefordert – eine absolut pixelexakte Version des Referenz-Renderings. Lediglich das fünfte Quadrat ist grau statt blau. Bei Chrome haben zwar alle Quadrate die richtige Farbe, aber dafür bleibt ein Kreuz oben rechts stehen und alle Elemente weisen einen leichten Offset zum Referenzbild auf. Platz 3 belegt mit 87 Punkten Konqueror, der zwar den Linktest nicht besteht, aber dafür deutlich weniger Darstellungsfehler macht als der viertplatzierte Opera 9.64 mit 85 Punkten. Epiphany teilt sich nicht nur die Gecko-Engine mit Firefox 3.0.8, sondern auch den letzten Platz mit nur 71 Punkten.

Geschwindigkeit und Ressourcenverbrauch

Wir testen die Javascript-Geschwindigkeit mit dem Dromaeo-Benchmark [4]. Dieser von Mozilla-Entwicklern zusammengestellte Benchmark reichert die Javascript-Tests der Google-Konkurrenz (V8) und des Webkit-Teams (Sunspider) mit eigenen Benchmarks an und erweitert das Spektrum auch um DOM und CSS-basierte Benchmarks. Dromaeo testet sehr lange, um Messfehler durch zu kurze Testläufe auszuschließen – ein kompletter Testlauf dauert grob eine halbe Stunde. Die reine Seiten-Rendering-Geschwindigkeit testen wir mit GUImark [5] in der HTML4-Version.

Als eindeutiger Sieger in dieser Disziplin positioniert sich Google Chrome. Obwohl beim HTML4-GUImark Konqueror einen leichten Vorsprung herausholt, kann Chrome dank seiner beeindruckend schnellen V8-Javascript-Engine den klaren Sieg einfahren. Chrome arbeitet hier fast doppelt so schnell wie Firefox 3.5.2, Chromium legt sogar noch einen ordentlichen Zahn zu. Epiphany, das die selbe Gecko-Engine nutzt wie Firefox 3.0.8, hat folglich auch dieselbe Geschwindigkeit. Weit abgeschlagen auf dem letzten Platz liegt der einzige Browser, dessen Entwickler keinen eigenen Javascript-Benchmark veröffentlicht haben: Opera. Konqueror arbeitet die Test-Suite zwar nicht als Ganzes ab, absolviert aber immerhin die einzelnen Unter-Tests anstandslos. Bei einem Vergleich der Einzel-Resultate mit denen anderer Browser ordnet sich der KDE-Browser etwas hinter Firefox, aber vor Opera ein.

Im GUImark führt Konqueror leicht vor Chrome, der – anders als bei Javascript – wiederum etwas schneller ist als Chromium. Mit großem Abstand folgen die Gecko-basierten Browser Epiphany und Firefox 3.0.8 und 3.5.2. Das Schlusslicht bildet, wiederum mit großem Abstand, Opera.

Speicherverbrauch

Wir messen den Speicherverbrauch des Browsers direkt nach dem Start, mit einem leeren offenen Fenster. Der Sieger heißt erneut Chrome (beziehungsweise Chromium) mit lediglich 22 MByte, gefolgt von Epiphany mit 30 MByte, Opera mit 31 und Konqueror mit 34. Ganz am Schluss steht Firefox mit 37 MByte in Version 3.0.8 und satten 43 in Version 3.5.2.

Kaltstart-Zeit

Wir messen die Zeit, die ein Browser zum Start benötigt, direkt nach einem Rechner-Neustart – so kann er keine schon geladenen Komponenten im Speicher vorhalten. Am schnellsten startet Epiphany in 2 Sekunden, kurz darauf folgt Chrome mit 2,2 Sekunden. Firefox lässt sich mit 4 Sekunden schon etwas mehr Zeit, das Schlusslicht bilden Opera mit 5 und Konqueror mit 5,3 Sekunden. Auf KDE-basierten Desktops starten die Qt-basierten Browser Konqueror und Opera jedoch schneller.

Chrome, der Multicore-Browser

Beim Thema Geschwindigkeit und Speicherverbrauch darf eine Besonderheit von Chrome auf keinen Fall unerwähnt bleiben: Der Browser legt für jedes Tab und jedes neue Fenster einen eigenen Prozess an. Der Nachteil dabei ist der höhere Speicherverbrauch, da jede Browser-Komponente mehrfach in den Speicher geladen werden muss. Der immense Vorteil: Ein Absturz oder ein Einfrieren wirkt sich nur auf die verursachende Seite aus statt auf den ganzen Browser. Zudem läuft jedes Tab in seiner eigenen Sandbox, sodass mögliche Exploits sich nur auf dieses eine Tab beziehen. Auch eine Speicher-Fragmentierung, wegen der bei längerem Betrieb eines Browsers ohne Neustart zwangsläufig immer mehr Speicher verbraucht wird, tritt mit Chromes Prozess-Ansatz nicht auf.

Obendrein können Multicore-CPUs mit Chrome ihre Fähigkeiten voll ausspielen, denn bei vielen offenen Seiten verteilt sich die CPU-Last gleichmäßig auf alle Kerne. Herkömmliche Browser lasten dagegen maximal einen Kern voll aus, bei vielen offenen Seiten fängt der Browser also selbst auf einer Quadcore-CPU schnell an zu ruckeln. Mittels Chromes Task-Manager können Sie sich übrigens genau ansehen, welches Fenster oder Plugin wieviel Speicher, CPU oder Bandbreite braucht.

Die Frage, ob in Sachen Java oder Flash Leistungsunterschiede zwischen den Browsern herrschen – wie das etwa bei anderen Plattformen der Fall ist – können wir übrigens verneinen. Die Messergebnisse variieren hier über alle Browser nur minimal.

Fazit

Als Gesamtsieger geht aus unserem Test Firefox 3.5.2 hervor. Er ist nicht nur schnell, sondern auch standardkonform und mittels Addons fast beliebig erweiterbar. Außerdem integriert es sich gut ins System. Mit Chrome zeichnet sich allerdings ein harter Konkurrent am Horizont ab, der dem König seinen Thron streitig machen könnte. Den einzigen Nachteil des Google-Browsers stellt die geringe Erweiterbarkeit dar, dafür ist die Geschwindigkeit der V8-Engine geradezu sensationell. Auch die einzigartige Unterstützung von Multicore-CPUs hebt Chrome weit vor die Konkurrenz.

Opera bietet ein stimmiges Gesamtpaket mit vielen integrierten und innovativen Zusatzfunktionen und Programmen, doch in Sachen Geschwindigkeit und Standardkonformität müssen die Norweger noch nachbessern. Konqueror arbeitet recht flott als unverzichtbarer Teil des KDE-Desktops und erfüllt dort auch seine Dienste. Als Primärbrowser kann er Firefox allerdings nicht das Wasser reichen, für Gnome-User lohnt sich die Installation nicht. Epiphany hat mit dem Siegeszug von Firefox eigentlich seine Daseinsberechtigung verloren, der Browser ist allerdings immer noch etwas schlanker als Firefox.

Aktuelle Webbrowser im Vergleich

  Firefox 3.5.2 Opera 9.64 Chrome 3.0b Konqueror 4.2.2 Epiphany 2.26.1
HTML-Engine Gecko 1.9.1 Presto 2.1.1 Webkit KHTML Gecko 1.9
Javascript-Engine Tracemonkey Futhark V8 KHTML Spidermonkey
GUI-Toolkit GTK+ QT 3.3.5 GTK+ QT GTK+
Acid-3-Test
Leistungswerte
Speicherverbrauch (idle) 43 Megabyte 31 Megabyte 22 Megabyte 34 Megabyte 30 Megabyte
Kaltstartzeit 4 Sekunden 5 Sekunden 2,2 Sekunden 5,3 Sekunden 2 Sekunden
Seiten-Rendering mit GUImark (HTML4) 9,4 fps 4,5 fps 17,4 (Chrome) / 15,7 (Chromium) 19,7 fps 10,8 fps
Javascript mit Dromaeo (Alle Tests) 209,3 runs/s 58,5 runs/s 361 (Chrome) / 430 (Chromium) runs/s funktioniert nicht 105,5 runs/s
Wertung (Schulnoten)
Geschwindigkeit gut mangelhaft sehr gut befriedigend befriedigend
Web-Kompatibilität sehr gut befriedigend sehr gut befriedigend ausreichend
Systemintegration befriedigend befriedigend gut gut befriedigend
Ressourcenverbrauch befriedigend gut sehr gut gut sehr gut
Basisfunktionalität gut sehr gut ausreichend befriedigend mangelhaft
Konfigurierbarkeit sehr gut gut mangelhaft gut ausreichend
Gesamtnote (Durchschnitt) 2,0 2,6 2,3 2,5 3,3

Infos

[1] Neuerungen von Firefox 3.5.2: http://www.mozilla-europe.org/de/firefox/features

[2] Chrome-Plugins: http://chromeplugins.org

[3] KDE-Look: http://kde-look.org

[4] Dromaeo Javascript Benchmarks: http://dromaeo.com

[5] GUImark: http://www.craftymind.com/guimark/

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