Download-Management mit FlareGet

Aus LinuxUser 08/2013

Download-Management mit FlareGet

© Vasiliy Yakobchuk, 123RF

Überholspur

Mit FlareGet beschleunigen Sie nicht Downloads aller Art und setzen diese selbst nach Verbindungsabbrüchen nahtlos fort.

Die Browser-Funktionen zum Herunterladen von Daten haben sich seit den Urzeiten des Internets deutlich verbessert. So lassen sich zum Beispiel in Chrome und Firefox einzelne Downloads pausieren oder bei Bedarf wiederholen, wenn es mal geklemmt hat oder man den Browser zwischendurch schließen musste. Wer häufig große Datenmengen herunterlädt, ist aber immer noch gut beraten, auf einen eigenständigen Download-Verwalter zu setzen: So hat man die volle Kontrolle über alle Aktionen der Software und kann große Datenmengen schneller herunterladen.

Als “besten Download-Manager für Linux” preist sich ganz unbescheiden FlareGet auf seiner Homepage an [1]. Neben dem einfachen Herunterladen von Dateien unterstützt es das Zerlegen der Zieldateien in einzelne Segmente, was den Download massiv beschleunigen soll. Darüber hinaus ist FlareGet in der Lage, mit verschiedenen Protokollen zu arbeiten: Neben HTTP kommt es auch mit HTTPS sowie FTP zurecht. Daneben lassen sich Downloads auch unterbrechen und ohne Verlust später wieder fortsetzen. Dank eines Schedulers können Sie exakt planen, wann und in welchem Umfang Sie die verfügbare Bandbreite nutzen möchten.

FlareGet installieren

Die aktuelle Version von FlareGet in 32- und 64-Bit-Versionen finden Sie auf der Website des Tools unter Download. Neben DEB- und RPM-Paketen (jeweils etwa 2,4 GByte Umfang) gibt es hier auch .pkg.tar.xz-Archive (1,4 GByte) für Distributionen, die Pacman zur Paketverwaltung nutzen. Für Distributionen, die mit keinem dieser Paketformate zurecht kommen, stehen generische Tarballs (ca. 9 GByte) mit 32- und 64-Bit-Binaries zur Verfügung.

Bei FlareGet handelt es sich nicht um freie Software, auch wenn es eine Sourceforge-Seite zu dem Tool gibt [2]. Dort erhalten Sie aber bei einem Klick auf den Download-Button statt des erwarteten Quellcode-Archivs lediglich die lapidare Mitteilung, dass man “gemäß der Sourceforge-Policies die FlareGet-Dateien entfernt” habe. Das liegt daran, dass es sich bei dem Tool um proprietär lizenzierte Closed-Source-Software handelt. Die FlareGet-Quellen stehen also nicht zur Verfügung.

Einstieg

FlareGet begrüßt Sie nach dem Start mit einem kleinen Dialog, der die Neuerungen der installierten Version auflistet. Hierzu gehört in der aktuellen Version 1.4-9 auch eine deutsche Lokalisierung, die früheren Versionen fehlte.

Alle Downloads stellt FlareGet in einer Tabelle übersichtlich dar. Dank einer eindeutigen farblichen Kodierung haben Sie den Status einzelner Einträge immer im Blick. Erfolgreich heruntergeladene Dateien erscheinen in Grün, pausierende Downloads in Orange und abgebrochene in Rot (Abbildung 1).

Abbildung 1: Über eine eindeutige Farbkodierung haben Sie die Zustände einzelner Downloads immer im Blick.

Abbildung 1: Über eine eindeutige Farbkodierung haben Sie die Zustände einzelner Downloads immer im Blick.

Neben der übersichtlichen Tabelle bietet FlareGet auch die Möglichkeit, die Downloads automatisch zu kategorisieren. Dies ist vor allem dann hilfreich, wenn man mit der Zeit viele Dateien heruntergeladen hat und selbst eher zur Kategorie der Sortiermuffel gehört. So können die Dateien im Download-Verzeichnis verbleiben, ohne Sie zu häufig wegsortieren zu müssen.

Herunterladen

Um mit FlareGet eine Datei herunterzuladen, kopieren Sie den zugehörigen Download-Link (in der Regel aus dem Webbrowser) in den Zwischenspeicher und wechseln in das FlareGet-Fenster. Nun klicken Sie in der Symbolleiste auf URL Hinzufügen. Damit öffnen Sie den Dialog Neuer Download. Den Link aus dem Zwischenspeicher fügt FlareGet automatisch in das Feld URL: ein, sodass Sie eigentlich nur noch auf Start klicken müssen. Alternativ befördern Sie das neue Ziel erst einmal in die Warteschlange.

Vorher können Sie aber noch einen Blick auf das vorgesehene Zielverzeichnis und das Feld Anzahl der Segmente werfen. In letzterem legen Sie fest, in viele Teile FlareGet den Download zerlegen soll – maximal sind 32 Segmente zulässig. Der zugrunde liegende Algorithmus und das HTTP-Pipelining beschleunigen das Herunterladen enorm. Während des Downloads zeigt FlareGet den Status der einzelnen Segmente in einem eigenen Teilbereich an (Abbildung 2). Hier können Sie deren Fortschritt und Geschwindigkeit begutachten.

Abbildung 2: Über die Ansicht <code srcset=

Segmente behalten Sie den Status aller Download-Segmente immer im Blick.” width=”300″ height=”149″ /> Abbildung 2: Über die Ansicht Segmente behalten Sie den Status aller Download-Segmente immer im Blick.

Das Hinzufügen von URLs aus dem Zwischenspeicher ist etwas umständlich. Um das Vorgehen zu vereinfachen, bietet FlareGet dafür einige weitere Wege an (siehe auch Kasten “FlareGet in den Webbrowser integrieren”). Vor allem nistet das Tool sich nach dem Start in der Systemleiste ein (Abbildung 3). Klicken Sie dort mit der rechten Maustaste auf das FlareGet-Symbol und anschließend auf Add Url, müssen Sie nicht erst in das Fenster der Anwendung wechseln. Des weiteren bietet FlareGet ein kleines Desktop-Widget an, das nichts weiter als eine größere Version des Panel-Icons darstellt und die selbe Funktion bietet.

Abbildung 3: Über das FlareGet-Widget (links) oder die Systemleiste (rechts) lassen sich Download-URLs schnell hinzufügen.

Abbildung 3: Über das FlareGet-Widget (links) oder die Systemleiste (rechts) lassen sich Download-URLs schnell hinzufügen.

FlareGet in den Webbrowser integrieren

Für Firefox oder Chromium gibt es diverse Erweiterungen wie etwa Down Them All [3], die beim Herunterladen von Dateien mehr Komfort bieten als die standardmäßigen Browser-Funktionen. FlareGet lässt eine entsprechende Browser-Integration vermissen. Jede URL via Clipboard einzeln manuell hinzufügen zu müssen, erscheint vergleichsweise umständlich.

Über die FlareGet-Website können Sie aber dieses Manko mithilfe eines Plugins für die Browserintegration ausgleichen. Es kostet 10 US-Dollar (rund 7,70 Euro) und unterstützt Firefox, Chrome/Chromium sowie – so die Angabe auf der Website – “alle anderen” Webbrowser. Nach dem Bezahlen laden Sie das FlareGet-Plugin in Form eines DEB- oder RPM-Pakets heruntergeladen. Das FlareGet-Team verspricht Support, sofern Sie ein System verwenden, das keinen der beiden Pakettypen unterstützt.

Masse im Griff

Mithilfe der Kategorienansicht auf der linken Fensterseite behalten Sie auch bei vielen Downloads immer den Überblick. Die Kategorien gliedern sich in zwei Bereiche: den Status und die Datei-Inhalte. FlareGet kategorisiert die Dateien werden aber nicht nur in seiner Oberfläche. Auf Datei-Ebene legt es entsprechend der vordefinierten Kategorien einzelne Ordner an, in denen es die heruntergeladenen Dateien sofort passend einsortiert.

Welche Dateien in welcher Kategorie erscheinen, entscheidet FlareGet letztlich anhand der Endung des Dateinamens. Klicken Sie in der Symbolleiste des Programmfensters auf Einstellungen, können Sie über den Konfigurationspunkt Verzeichnisse den bestehenden Kategorien weitere Endungen hinzufügen (Abbildung 4). Wählen Sie aus der Auswahlliste Kategorie: die betroffene Kategorie aus und fügen Sie in das darunterliegende Textfeld die erforderliche Dateiendung ein, durch ein Leerzeichen von den bereits vorhandenen getrennt. Ein Hinzufügen eigener Kategorien erlaubt FlareGet allerdings nicht.

Abbildung 4: Über die Programmeinstellungen können weitere Dateitypen den vordefinierten Kategorien hinzugefügt werden.

Abbildung 4: Über die Programmeinstellungen können weitere Dateitypen den vordefinierten Kategorien hinzugefügt werden.

Besonderheiten

Der Grabber bietet eine genial einfaches Verfahren, um Flash-Videos aus dem Netz herunterzuladen: Einmal über die FlareGet-Symbolleiste aktiviert, “lauscht” FlareGet nach URLs, die Videos enthalten. Öffnen Sie nun eine solche Website, erscheint oben links im Browser ein schwarzer Schalter mit der Aufschrift Click to download video, über den Sie das enthaltene Video herunterladen können. Allerdings fehlt hier für Videos, die in mehreren Auflösungen vorliegen, die Möglichkeit, die für den Download gewünschte anzugeben. Stattdessen lädt FlareGet hier oft die qualitätsärmste Variante herunter. Um die Grabber-Funktion wieder zu deaktivieren, klicken Sie einfach wieder auf das Symbol Grabber.

Für die Verbindungsaufnahme via Proxy-Server bietet FlareGet entsprechende Konfigurationsmöglichkeiten an. Diese erreichen Sie über Einstellungen | Netzwerk Proxy. In der Vorgabe ist die Option Benutte System Proxy (sic!) aktiviert. Alternativ deaktivieren Sie die Verwendung über Kein Proxy oder hinterlegen nach Auswahl von Manuelle Proxy Einstellungen eine manuelle Konfiguration.

Soll FlareGet die in die Warteschlange eingereihten Dateien zu einem bestimmten Zeitpunkt herunterladen, legen Sie diesen in Einstellungen | Geplant fest. So können Sie im Laufe eines Tages alle gewünschten Download-Ziele sammeln und FlareGet anweisen, diese beispielsweise nachts herunterzuladen. Dazu passend könnten Sie den Rechner nach abgeschlossenem Download über Computer ausschalten automatisch herunterfahren.

Möchten Sie Dateien von Webseiten herunterladen, die mit einem Passwortschutz versehen sind, hinterlegen Sie die zugehörigen Credentials unter Einstellungen | Seiten Manager. Fügen Sie in FlareGet künftig eine URL von der entsprechenden Website hinzu, startet es den Download selbstständig unter Angabe des entsprechenden Benutzernamens und Passworts.

Fazit

Für die alltäglichen Downloads – ein PDF hier, eine kleine Software da – genügen die Standardfunktionen aktueller Webbrowser völlig. Laden Sie dagegen häufig viele und zugleich große Dateien herunter, lernen Sie die beschleunigende Segmentierung von FlareGet schnell zu schätzen. Das gilt insbesondere dann, wenn Sie auf eine schmalbandige oder wacklige Internetverbindung angewiesen sind. Dem selbst gestellten Anspruch des “besten Download-Managers für Linux” wird das Tool jedoch nicht ganz gerecht.

Die fehlende Browserintegration von FlareGet stellt da zwar keinen Beinbruch dar: Das Systempanel samt FlareGet-Icon liegt nahe genug, um dort mal eben mit der rechten Maustaste hin zu klicken. Bei Webseiten mit ellenlangen Download-Listen, etwa den gesammelten Vorträgen der letzten Tagung, nervt diese Vorgehensweise dann mit Sicherheit aber doch. Die knapp 8 Euro für das kommerzielle FlareGet-Plugin auszugeben, rechnet sich aber dennoch nur in Ausnahmefällen: Es gibt zahlreiche gute Browser-Erweiterungen, die entsprechenden Funktionen kostenlos anbieten. 

Infos

[1] FlareGet-Homepage: http://flareget.com

[2] FlareGet auf Sourceforge: http://sourceforge.net/projects/flareget/

[3] Down Them All: http://www.downthemall.net

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