Fernsehen mit Telekom Entertain und Vodafone TV

Aus LinuxUser 04/2015

Fernsehen mit Telekom Entertain und Vodafone TV

© Sergii Teplov, 123RF

Let Me Entertain You

Wer Telekom Entertain oder Vodafone TV abonniert hat, muss nicht zwingend einen teuren Receiver anstöpseln. Zum Fernsehen via Internet genügt bereits ein Linux-Rechner mit einem passenden Mediaplayer.

Unter der Bezeichnung Entertain vertreibt die Deutsche Telekom derzeit recht aggressiv ihr Internet-Fernsehen (kurz: IPTV). Wer einen der neuen MagentaEins-Tarife abschließt, bekommt Entertain meist automatisch aufgedrückt [1]. Der Konkurrent Vodafone offeriert ganz ähnliche Pakete unter dem Namen Vodafone TV [2]. In beiden Fällen sollen Kunden die Fernsehprogramme mit einem speziellen, vom Provider zu mietenden Receiver ansehen.

Tatsächlich braucht man die kleine Kiste jedoch nur zum Empfang der verschlüsselten Programme – alle freien Sender lassen sich auch direkt unter Linux betrachten. Die dabei verfügbaren Sender hängen vom jeweiligen Anbieter ab. Grundsätzlich stehen alle öffentlich-rechtlichen Programme sowie die Sender von ProSiebenSat1 und der RTL-Gruppe parat. Während die Privaten nur in Standardauflösung unverschlüsselt senden, lassen sich die öffentlich-rechtlichen Programme auch in HD genießen.

Kunden von Vodafone TV können zudem einige Spartensender empfangen, wie etwa Tele 5 oder Eurosport. Bei der Telekom dagegen sind diese Programme verschlüsselt und lassen sich daher nur über den offiziellen Receiver ansehen.

Zahlenpuzzle

Zur Wiedergabe der frei empfangbaren Programme benötigen Sie lediglich einen Linux-Rechner, der am Internet hängt, sowie ein geeignetes Abspielprogramm. Infrage kommen unter anderem VLC und der MPlayer2. Beide liegen in den Repositories aller größeren Distributionen, Sie müssen nur einen der beiden über den Paketmanager installieren.

Anschließend folgt ein etwas kniffliger Teil: Jeder Fernsehkanal sendet unter einer eigenen IP-Adresse. Das Programm des ZDF stellt die Telekom beispielsweise unter der Adresse rtp://@239.35.10.5:10000 bereit. Diese IP-Adressen verraten jedoch weder Telekom noch Vodafone, sodass Sie sich diese notgedrungen im Internet zusammensuchen müssen. Eine erste Anlaufstelle bieten dabei die Internetseiten der jeweiligen Sender. Die aktuellen Adressen sämtlicher ARD-Anstalten finden Sie beispielsweise auf den Informationsseiten von ARD-Digital [3]. Den dort aufgelisteten IP-Adressen müssen Sie noch jeweils bei Entertain ein rtp://@ und bei Vodafone TV ein udp://@ voranstellen. Ans Ende gehört zudem die aufgeführte Portnummer, bei der Telekom lautet sie stets :10000.

In Foren und Blogs tragen fleißige Helfer hin und wieder Listen mit sämtlichen Programmen zusammen. Da sich die IP-Adressen der Sender in der Vergangenheit jedoch immer mal wieder geändert haben, sind einige dieser Listen mittlerweile veraltet. Eine aktuelle Tabelle für Telekom Entertain mit allen frei empfangbaren Sendern (Abbildung 1) liefert das Entertain Change(B)log [4]. Für Vodafone ließ sich bis Redaktionsschluss keine derartige Aufstellung ausfindig machen. Kunden von Vodafone TV können jedoch unter VLC eine vorgefertigte Playlist nutzen – dazu später mehr.

Abbildung 1: Das Entertain Change(B)log liefert nicht nur alle IP-Adressen, sondern stellt auch noch eine Playlist für VLC bereit.

Abbildung 1: Das Entertain Change(B)log liefert nicht nur alle IP-Adressen, sondern stellt auch noch eine Playlist für VLC bereit.

Da schau her

Sobald Sie die Internetadresse Ihres Lieblingssenders ermittelt haben, müssen Sie diese VLC beziehungsweise MPlayer2 mitteilen. Im Fall des MPlayer2 rufen Sie einfach in einem Terminal mplayer mit der Adresse als Parameter auf:

$ mplayer rtp://@239.35.10.5:10000

Dieses Beispiel würde bei Telekom Entertain ein Fenster mit dem Programm des ZDF anzeigen. Wenn Sie den VLC Media Player verwenden, wählen Sie in seinem Hauptmenü Medien | Netzwerkstream öffnen, tippen in das Fenster aus Abbildung 2 die IP-Adresse ein und klicken auf Wiedergabe. Das Programm erscheint dann wie in Abbildung 3 im Hauptfenster.

Abbildung 2: Mit dieser Angabe würde VLC nach einem Klick auf <code srcset=

Wiedergabe …” width=”300″ height=”217″ /> Abbildung 2: Mit dieser Angabe würde VLC nach einem Klick auf Wiedergabe

Abbildung 3: … bei Telekom Entertain das Programm von Tagesschau24 anzeigen.

Abbildung 3: … bei Telekom Entertain das Programm von Tagesschau24 anzeigen.

In jedem Fall können Sie das Fenster mit der Maus verkleinern und vergrößern. Unter Umständen entstehen dabei schwarze Balken am oberen und unteren Rand. Der Menüpunkt Video | Zoomen | 1:1 Original bringt das VLC-Fenster auf Originalgröße. In den Vollbildmodus schalten Sie den VLC-Player über Video | Vollbild, den MPlayer2 mit [F].

Wenn ein Programm wie das aus Abbildung 4 im Interlace-Modus (Zeilensprungverfahren [5]) sendet, können Sie den VLC-Player mit Video | Deinterlace | Automatisch die Streifen eliminieren lassen. Via [Umschalt]+[D] aktivieren Sie den De-Interlacer im MPlayer2. Eine andere Audiospur wählen Sie im VLC-Player unter Audio | Audiospur, im Mplayer über die Taste [#]. Auf diese Weise schalten Sie beispielsweise bei Arte auf die französische Variante um.

Abbildung 4: Die im Interlace-Modus gesendeten Halbbilder führen bei schnellen Bewegungen zu Kammartefakten – wie hier am Berg gut zu erkennen.

Abbildung 4: Die im Interlace-Modus gesendeten Halbbilder führen bei schnellen Bewegungen zu Kammartefakten – wie hier am Berg gut zu erkennen.

Blockadehaltung

Insbesondere beim MPlayer2 dauert es einen kurzen Moment, bis das Programm erscheint. Bleibt das Fenster auch nach mehreren Sekunden schwarz oder sehen Sie nur eine Fehlermeldung, kann das gleich mehrere Ursachen haben. So lassen sich die Videostreams nur dann anzapfen, wenn der Rechner an einem Anschluss der Telekom oder Vodafone hängt. Im fernen Amerika können Sie die Sender folglich nur mit Verrenkungen sehen (wie etwa über ein VPN). Des Weiteren muss der gebuchter Tarif das IPTV-Angebot enthalten. So fehlt beispielsweise im S-Tarif von MagentaEins der Telekom der Fernsehempfang, Gleiches gilt auch für viele Altverträge.

Ist der Empfang prinzipiell möglich, bleibt das Bild jedoch dennoch schwarz, dann prüfen Sie zunächst, ob der Rechner an einem Switch hängt. Einige dieser Kästchen lassen die Videostreams nicht durch, auch einige Router und DSL-Modems haben damit Probleme. Die für VDSL geeigneten und beliebten Fritzboxen hat der Hersteller übrigens von Haus aus für den Empfang mit IPTV vorbereitet und passend konfiguriert – vorausgesetzt, Sie haben die Einstellungen nicht nachträglich verändert. Um einen problematischen Switch auszuschließen, verbinden Sie den PC direkt per Netzwerkkabel mit dem Router beziehungsweise der Fritzbox und versuchen dann, noch einmal einen Sender aufzurufen.

Ein weiteres Hindernis für die Videostreams stellen Firewalls dar. Diese müssen UDP- und Multicast-Pakete durchlassen (siehe Kasten “Technik”). Auch die emulierten Netzwerkkarten und Switches in virtuellen Maschinen blocken die Videoströme in der Regel ab.

Technik

Die Anbieter dampfen die gesendeten Videos mit dem proprietären H.264-Codec (alias MPEG-4 AVC, Part 10) ein. Das gilt sowohl für Videos in Standard- als auch in HD-Auflösung. Der Ton kommt je nach Sendung im MPEG- oder AC3-Format. Video- und Audiomaterial landen zusammen in einem MPEG-Transportstream (MPEG2TS, Dateiendung häufig .ts).

Zur Übertragung des Videostreams setzt die Telekom das Real Time Transport Protocol (RTP) ein [7]. Die Daten verteilen Telekom und Vodafone per UDP im Multicast-Verfahren. Letzteres sendet die Daten an mehrere Zuschauer gleichzeitig. Dabei kommen speziell für diesen Zweck reservierte IP-Adressen zum Einsatz, die mit den Nummern 224 bis 239 beginnen [8].

Hardware-Hunger

Bei einer Anbindung über WLAN führt ein schlechtes Signal schnell zu Bildstörungen und Aussetzern, insbesondere bei HD-Programmen mit ihren großen Datenmengen. Darüber hinaus gibt es WLAN-Adapter und WiFi-Empfänger, die IPTV-Videoströme gar nicht erst annehmen. Darunter fallen übrigens auch einige Smartphones und Tablets, wie etwa das Nexus 4.

Um herauszufinden, ob wirklich ein gestörtes Funksignal oder der WLAN-Adapter als Übeltäter infrage kommt, verbinden Sie den PC probeweise mit einem Netzwerkkabel direkt zum Router beziehungsweise der Fritzbox. Apropos Fritzbox: Fliegen die Videodaten zu langsam durch die Luft, können Sie die kleine Schachtel anweisen, die Videostreams bevorzugt zu behandeln. Dazu melden Sie sich auf der Benutzeroberfläche der Fritzbox an und wechseln dann am unteren Seitenrand mit einem Klick auf Ansicht: Standard in die Erweiterte Ansicht. Entscheiden Sie sich im Menü links für den Punkt WLAN und dann für Funkkanal (Abbildung 5). Klicken Sie auf Funkkanal-Einstellungen anpassen und stellen Sie sicher, dass WLAN-Übertragung für Live TV optimieren aktiviert ist. Lassen Sie zu guter Letzt die Änderungen Übernehmen.

Abbildung 5: Die Fritzbox kann IPTV im WLAN bevorzugt behandeln.

Abbildung 5: Die Fritzbox kann IPTV im WLAN bevorzugt behandeln.

Können VLC oder MPlayer2 die angelieferten Videodaten auf dem PC nicht schnell genug dekodieren und anzeigen, kommt es ebenfalls zu Aussetzern und zu Blockartefakten, wie denen aus Abbildung 6. Als problematisch erweisen sich neben schwachbrüstigen Mini-Rechnern auch Systeme, die von einer langsamen Speicherkarte starten, wie etwa der Raspberry Pi. In unseren Tests verlangte der MPlayer2 grundsätzlich mehr Rechenleistung als der VLC-Player.

Abbildung 6: Kann MPlayer2 die Videodaten nicht schnell genug verarbeiten, kommt es zu solchen Blockartefakten und zahlreichen Fehlermeldungen im Terminal. VLC lieferte auf dem gleichen System ein einwandfreies Bild.

Abbildung 6: Kann MPlayer2 die Videodaten nicht schnell genug verarbeiten, kommt es zu solchen Blockartefakten und zahlreichen Fehlermeldungen im Terminal. VLC lieferte auf dem gleichen System ein einwandfreies Bild.

Auf Wunsch verrät der VLC-Player Informationen zur Übertragungs- und Empfangsqualität. Rufen Sie dazu den Menüpunkt Werkzeuge | Medieninformationen auf und wechseln Sie dann auf das Register Statistiken (Abbildung 7). Hier zeigt VLC jetzt an, wie viele Bilder (Frames) der Player bereits angezeigt hat und wie viele aus irgendeinem Grund Verloren gingen. Eine hohe Zahl verlorener Frames deutet auf ein zu leistungsschwaches System hin.

Die Daten-Bitrate sollte bei HD-Videos zwischen 7500 und 9800 kbit/s liegen. Verworfen (Fehlerhaft) verrät, wie viele Daten VLC aus irgendeinem Grund wegwerfen musste. Fällt die Zahl neben Daten-Bitrate sehr niedrig aus, jedoch bei Verworfen (Fehlerhaft) sehr hoch, sollten Sie folglich die Netzwerkverbindung überprüfen. Diese kann die Daten dann sehr wahrscheinlich nicht schnell genug oder fehlerfrei anliefern.

Abbildung 7: VLC liefert in diesem Fenster aktuelle Informationen zur Qualität des empfangenen Videostroms.

Abbildung 7: VLC liefert in diesem Fenster aktuelle Informationen zur Qualität des empfangenen Videostroms.

Abschließend müssen die Abspielprogramme die Videodaten dekodieren können. In der Regel delegieren sie diese Aufgabe an passende Bibliotheken, die der Paketmanager bei der Installation von VLC oder dem Mplayer2 automatisch einspielen sollte. Bei deren Abwesenheit erhalten Sie normalerweise eine entsprechende Fehlermeldung; die vermissten Abhängigkeiten müssen Sie dann selbst auflösen.

Zapping

Möchten Sie auf einen anderen Sender umschalten, müssen Sie MPlayer2 beenden und mit der IP-Adresse des neuen Programms wieder starten. Im VLC-Player rufen Sie wieder Medien | Netzwerkstream öffnen auf. Dort geht es aber auch noch etwas bequemer: Im Internet warten vorbereitete Playlisten, die Sie lediglich in VLC importieren müssen. Das Umschalten geschieht ab dann mit zwei Mausklicks.

Eine Playlist mit allen über Entertain empfangbaren Sendern finden Sie im Entertain Change(B)Log [4], von wo Sie die Playlist für VLC herunterladen. Für Vodafone TV haben wir eine Playlist im Vodafone-Forum gefunden [6]. Das dort angebotene VLC-Archiv müssen Sie nach dem Herunterladen entpacken. Auch die Fritzbox liefert eine aktuelle Playlist: Dazu melden Sie sich bei der Box an und klicken dann am linken Seitenrand auf Live TV. Es öffnet sich jetzt ein neuer Reiter mit einer Senderauswahl. Sobald Sie dort einen Sender anklicken, bietet Ihnen der Browser eine Playlist für VLC zum Download an.

Die auf einem der beschriebenen Wege bezogene Playlist laden Sie in VLC via Medien | Datei öffnen. Im Fall von Vodafone TV entscheiden Sie sich für die Datei Vodafone TV.m3u. Über Ansicht | Wiedergabeliste oder die dritte Schaltfläche von rechts am unteren Rand des Hauptfensters (Wiedergabeliste an-/ausschalten) rufen Sie jetzt die Liste mit den Sendern auf und wechseln per Doppelklick zu einem anderen Programm (Abbildung 8). Ein erneuter Aufruf von Ansicht | Wiedergabeliste kehrt zur normalen Wiedergabe zurück.

Abbildung 8: Die Wiedergabeliste in VLC vereinfacht das Umschalten.

Abbildung 8: Die Wiedergabeliste in VLC vereinfacht das Umschalten.

Konservierungsmittel

Um das angezeigte Video auf der Festplatte zu speichern, rufen Sie in VLC zunächst den Menüpunkt Werkzeuge | Einstellungen auf. Im daraufhin erscheinenden Fenster (Abbildung 9) klicken Sie auf Eingang/Codecs. Im unteren Bereich tragen Sie im Feld Aufnahme-Verzeichnis oder Dateiname ein Verzeichnis ein, in dem VLC alle Aufzeichnungen ablegen soll. Achten Sie darauf, dass dort immer genügend freier Speicherplatz bereitsteht – eine Stunde HD-Material belegt ungefähr 2 GByte. Speichern Sie Ihre Änderungen. Jetzt können Sie die Aufnahme mit Wiedergabe | Aufnehmen starten.

Abb 9.: Um ein Video speichern zu können, müssen Sie im VLC zunächst einen Speicherort hinterlegen.

Abb 9.: Um ein Video speichern zu können, müssen Sie im VLC zunächst einen Speicherort hinterlegen.

Um mit MPlayer2 das laufende Video zu speichern, rufen Sie das Programm mit dem Parameter --capture auf und geben den Namen der zu erzeugenden Videodatei hinter --dumpfile= an (Listing 1, erste Zeile). Die Aufnahme starten Sie dann über die Tastenkombination [Umschalt]+[C]. Dabei schreibt der MPlayer2 das gerade sichtbare Video in die Datei. Möchten Sie den kompletten gesendeten Videostream aufzeichnen, rufen Sie MPlayer2 mit dem Parameter --dumpstream auf (Listing 1, zweite Zeile). Die Daten landen dabei automatisch in der Datei ./stream.dump im aktuellen Verzeichnis.

Listing 1

$ mplayer --capture --dumpfile=zdf.ts rtp://@239.35.10.5:10000
$ mplayer --dumpstream rtp://@239.35.10.5:10000

Fazit

Haben Sie Telekom Entertain oder Vodafone TV gebucht, können Sie dank VLC und MPlayer2 auch ohne einen (kostenpflichtigen) Receiver direkt unter Linux fernsehen – vorausgesetzt, keine Hardware-Komponente blockiert den Datenstrom. Mit einem geeigneten Mini-PC lassen sich so auch schnell kleine Settop-Boxen für das Wohnzimmer basteln. Allerdings müssen Sie dabei derzeit noch mit den öffentlich-rechtlichen Programmen und den größten privaten Sendern vorlieb nehmen. Immerhin dürfte das Angebot dennoch umfangreicher ausfallen als mancherorts über DVB-T. 

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