Aus LinuxUser 10/2015

Das Internet ohne Spuren nutzen mit Tails 1.5 (Seite 2)

Laufwerkskonfiguration

Um Tails möglichst bequem auf unterschiedlichen Rechnern nutzen zu können, empfiehlt es sich, auf dem USB-Stick mit dem Betriebssystem einen gesonderten, persistenten Speicherbereich einzurichten. Diese Partition verschlüsselt Tails, sodass sich die Daten nur nach einer entsprechenden Authentifizierung auslesen lassen. Zum Anlegen des persistenten Speicherbereichs wählen Sie im Menü Anwendungen | Systemwerkzeuge den Eintrag Configure persistent volume an. Dieser ruft einen Assistenten auf, der Ihnen bei der Einrichtung des verschlüsselten Bereichs hilft (Abbildung 4).

Abbildung 4: Ein Assistent hilft Ihnen beim Anlegen eines persistenten Speichers auf dem Speicherstick, der bei einem Neustart des Tails-Live-Linux-Systems erhalten bleibt.
Abbildung 4: Ein Assistent hilft Ihnen beim Anlegen eines persistenten Speichers auf dem Speicherstick, der bei einem Neustart des Tails-Live-Linux-Systems erhalten bleibt.

Die Routine erkennt auch bei mehreren mit dem Computer verbundenen USB-Medien automatisch den bootfähigen Speicherstick, von dem aus Tails gestartet wurde, und erwartet für den darauf einzurichtenden beständigen Speicherbereich zunächst die Definition eines Passworts. Dann legen Sie fest, welche Daten Tails im persistenten Bereich ablegen soll. Dazu bietet das Programm eine umfangreiche Auswahlliste, in der Sie die dauerhaft abzuspeichernden Dateien durch Anklicken der entsprechenden Optionen bestimmen. Nach einem Klick auf den Schalter Speichern unten rechts im Fenster legt die Anwendung den Speicherbereich an.

Beachten Sie dabei, dass dieser Assistent nur dann funktioniert, wenn Sie das Zielmedium mit dem Tails-Installer angelegt haben. Nutzen Sie Tails von einem USB-Stick aus, den Sie mithilfe eines anderen Tools installiert haben, quittiert der Assistent aufgrund von Inkompatibilitäten der Dateisysteme seinen Dienst. In diesem Fall müssten Sie das laufende Betriebssystem mit dem Tails-Installer zuerst auf einen anderen USB-Stick klonen (Abbildung 5).

Abbildung 5: Als Voraussetzung für das Anlegen eines persistenten Laufwerks müssen Sie den USB-Stick mit dem Tails-System mit dem Tails-Installer erzeugt haben.
Abbildung 5: Als Voraussetzung für das Anlegen eines persistenten Laufwerks müssen Sie den USB-Stick mit dem Tails-System mit dem Tails-Installer erzeugt haben.

Um später auf den verschlüsselten Speicherbereich zugreifen zu können, bietet Tails beim nächsten Start im Anmeldebildschirm zusätzlich die Möglichkeit an, das beständige Laufwerk einzubinden. Dazu müssen Sie das zuvor vergebene Passwort eingeben. Anschließend steht im Dateimanager der nicht flüchtige Speicher unter der Bezeichnung Persistent zur Verfügung. Möchten Sie den beständigen Speicherbereich später einmal wieder löschen, dann rufen Sie unter Anwendungen | Systemwerkzeuge den Punkt Delete persistent volume auf.

Synaptic

Tails bringt wie ein Standard-Debian zur Paketverwaltung den Kommandozeilenbefehl apt-get und das grafische Paketverwaltungswerkzeug Synaptic mit. So stehen Ihnen sämtliche Programme und Pakete aus den Debian-Paketquellen zur Verfügung. Da Tails jedoch als reines Live-System konzipiert ist und die manuelle Installation zusätzlicher Software Sicherheitsrisiken mit sich bringt, lassen sich Zusatzprogramme nur mit etwas Aufwand dauerhaft ins Betriebssystem integrieren. Voraussetzung für die permanente Installation neuer Software ist neben einem persistenten Laufwerk ein aktiver Root-Account, den Sie beim Booten des Systems in den erweiterten Optionen des Anmeldefensters einrichten.

In der Konfiguration des persistenten Speicherbereichs müssen im Einrichtungsdialog unter Configure persistent volume zudem die Optionen APT-Pakete und APT-Listen gesetzt sein. Stimmen die Voraussetzungen, dann öffnen Sie in einem Root-Terminal die Datei /live/persistence/TailsData_unlocked/live-additional-software.conf und tragen jedes dauerhaft zu installierende Paket in jeweils einer neuen Zeile ein. Nach dem Abspeichern der Datei starten Sie Synaptic, authentifizieren sich mithilfe des Root-Accounts und installieren die zuvor festgelegten Programme.

Fazit

Tails macht als Basis für sicheres und die Privatsphäre schützendes Surfen keine halben Sachen. Zudem eignet sich die Distribution für all diejenigen, die häufig fremde Computer nutzen und keine Spuren hinterlassen möchten. Das Debian-Derivat deckt viele Anwendungszwecke ab und bringt eine sinnvolle Konfiguration mit, sodass sich ohne umständliches manuelles Anpassen sofort alle gängigen Onlinedienste nutzen lassen. Darüber hinaus bietet Tails auch einige Werkzeuge, um lokal gespeicherte Daten abzusichern. Für sicherheitsbewusste Anwender ohne den Ehrgeiz, alle Applikationen selbst härten zu wollen, ist Tails daher die erste Wahl. 

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